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Jacob Georg Christian Adler

deutscher evangelischer Theologe, Pädagoge und Orientalist
Jakob Georg Christian Adler mit Generalsuperintendentskreuz am Bande, Großkreuz des Dannebrog-Ordens und Kreuz der Daneborg-Männer (Detail eines Gemäldes, heute im Schleswiger Dom)

Jacob Georg Christian Adler (auch Jakob Georg Christian Adler; * 8. Dezember 1756 in Arnis bei Kappeln, Schleswig; † 22. August 1834 in Giekau bei Lütjenburg) war ein dänisch-deutscher Generalsuperintendent für Holstein und Schleswig, Orientalist, Professor für syrische Sprache an der Universität Kopenhagen, evangelischer Theologe, Oberkonsistorialrat, Schriftsteller, Pädagoge, Münzsammler und Vorstandsvorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Bibelgesellschaft.

Inhaltsverzeichnis

BiografieBearbeiten

Adler erhielt unter anderem Privatunterricht von seinem Vater, der Pastor in Altona war, und besuchte das dortige Christianeum, anschließend studierte er Theologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie Orientalia bei Oluf Gerhard Tychsen an der Universität Bützow (Mecklenburg) und Rostock.[1] In den Jahren 1780 bis 1782 reiste er nach Italien, Frankreich, Holland und Belgien. Auf dieser Reise weilte er 15 Monate in Rom und ließ sich von ägyptischen Mönchen in Koptisch und in gelehrtem Arabisch unterrichten; an großen europäischen Bibliotheken, insbesondere in Rom, widmete er sich der Erforschung griechischer und orientalischer, vor allem syrischer Bibelhandschriften. Er schrieb über seine Reisen bzw. Aufenthalte zwei Bücher.

Nach seiner Rückkehr wurde Adler in Kopenhagen im Jahr 1783 Professor des Syrischen, 1785 Prediger an der deutschen Friedrichskirche in Kopenhagen, 1788 Professor der Theologie und 1789 deutscher Hofprediger. Danach wirkte er seit 1792 als Generalsuperintendent von Schleswig und nach dem Tod seines Kollegen Johann Leonhard Callisen 1806 auch von Holstein. In dieser Funktion verfasste er die 1797 herausgegebene, von der Theologie der Aufklärung geprägte Schleswig-Holsteinische Kirchen-Agende.

Adler verfasste zahlreiche wissenschaftliche Werke, unter anderem über die altsyrische und altarabische Schrift. Er war Doktor der Philosophie und ab 1833 der (evangelischen) Theologie. Eine seiner wichtigsten Leistungen war die Schulreform in Schleswig-Holstein.

FamilieBearbeiten

Jacob Georg Christian Adler war der Sohn des Theologen, Archäologen, Altertumsforschers und Autors Georg Christian Adler (1724–1804), der von 1755 bis 1758 Pastor in Arnis war und dort Johanna Elisa Schultze (1729–1806) heiratete. Das Ehepaar hatte neben Jacob Georg Christian fünf weitere Kinder.[2]

Jacob Georg Christian Adler war zweimal verheiratet: Am 8. Dezember 1787 heiratete er seine Konfirmandin Dorothea Maria Lorck (* 12. Juli 1772; † 18. März 1804), die Tochter seines 1785 verstorbenen Vorgängers als deutscher Prediger, des Bibelsammlers Josias Lorck. Sie war sowohl mit Caspar Aquila als auch über ihre Großmutter Birte/Brigitta von Lutten mit Matthias Claudius verwandt. Ihre 1566 geborene Vorfahrin Maria Lorck war zudem Ahnfrau von Johannes Brahms und Theodor Storm. Mit ihr hatte er neun Kinder, darunter:

Am 16. Juli 1805 schloss Adler eine zweite Ehe mit Luise Dorothea Lederer (1775–1844). Aus zweiter Ehe stammt der Sohn Karl Ferdinand (* 24. August 1808).[3]

WerkeBearbeiten

 
Buchtitel Reisebemerkungen auf einer Reise nach Rom
  • Sammlung v. gerichtlichen jüdischen Contrakten. Hamburg/Bützow 1773; 2. Aufl. Altona 1792.
  • JVDAEORVUM CODICIS SACRI RITE SCRIBENDI LEGES E LIBELLO THALMVDICO MASSECHET SOPHERIM IN LAT. CONVERSAS. Hamburg 1779.
  • Faksimilia kufischer Koranhandschriften der Kgl. Bibliothek in Kopenhagen mit einer Untersuchung über die arabische Schriftentwicklung. Kopenhagen 1780.
  • MVSEVM CVFICUM BORGIANVM VELTINA, Bd. I. Rom 1787, Bd. II, Kopenhagen 1792.
  • NOVI TESTAMENTI VERSIONES SYRIACAE, SIMPLEX PHILOXENIANA ET HIEROSOLYMITANA. Kopenhagen 1789.
  • Annalen des Abu l-Fida – Herausgeber des von J. J. Reiske bearbeiteten u. übersetzten Werkes (5 Bde.), Kopenhagen 1789–1795.
  • (Ausführliche) Beschreibung der Stadt Rom (4 Bände). Carl Ernst Bohn, Kiel 1781.
  • Reisebemerkungen auf einer Reise nach Rom (363 S.), herausgegeben von seinem Bruder Johann Christoph Georg Adler. Altona 1783.[4]

SekundärliteraturBearbeiten

  • Gustav BickellAdler, Jacob Georg Christian. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 85 f.
  • August Hennings (?): Schleswig-Holsteinische Kirchen-Agende. In: Der Genius der Zeit. Band 13, 1798, S. 369–375.
  • A[ugust]. H[ennings].: Schleswig Holsteinische Kirchenagende. In: Der Genius der Zeit. Band 15, 1798, S. 404–405.
  • A[ugust]. H[ennings].: Einladung zur Aufmerksamkeit auf einen geheimen, und iezt vielleicht noch allgemein unerkannt gebliebenen Grund der Agende {Streitigkeiten in den Herzogthümern Schleswig und Holstein}. In: Der Genius der Zeit. Band 15, 1798, S. 1–7.
  • Die Vorfahren des Generalsuperintendenten A. In: Schriftenreihe des Vereins für schleswig-holsteinische Kirchengeschichte. Rh. 2, Bd. 5, 1910–1913, S. 213 ff.
  • Anton Baumstark: Geschichte der syrischen Literatur […] 1922, S. 144.
  • O. F. Arends: Gejstligheden i Slesvig og Holsten fra Reformationen til 1864. Personalhistoriske Untersogelser. Kopenhagen 1932.
  • Dansk biografisk Leksikon, Bd. I. 1933, S. 129 ff.
  • F. Rosenthal: Die aramaistischen Forschungen seit dem 20. Jhd. Nöldeke’s Veröffentlichungen. Leiden 1939, S. 144 f.
  • Joh. W. Fück: Die arabischen Studien in Europa bis in den Anfang des 20. Jhd., 1955, S. 218 (Fn. S. 557).
  • Hans Striedl: Adler, Jakob Georg Christian. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 70 f. (Digitalisat).
  • Kurt Galling (Hrsg.): Die Religion in Geschichte und Gegenwart – Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft (6 Bde.). Tübingen 1957–1962; RBd. 1965, Teil I, S. 96 f.
  • Walter Kasper et al. (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage, Freiburg 1993 ff., Bd. I, 148 f.
  • Dictionnaire d’histoire et de géographie ecclésiastiques. Paris 1912 ff., Bd. I, S. 573.
  • Werner Aquila: Die Nachfahren Leonhard Adlers später Aquila aus Augsburg. Sonderdruck des Genealogischen Jahrbuches, hrsgg. von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Bd. 44. Degener & Co, Neustadt/Aisch 2004, ISBN 978-3-7686-3079-5.
  • Georg Biundo: Die Vorfahren des Generalsuperintendenten Adler.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: ADLER, Jakob Georg Christian. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 37.
  • Veronika Janssen: „Ei ei, Herr Pastor, das ist ja eine ganz neue Religion!“ Die Adlersche Kirchenagende von 1797 zwischen Gemeinden, Predigern und Obrigkeit. Kiel 2017

WeblinksBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Siehe dazu den Eintrag der Immatrikulation von Jacob Georg Christian Adler im Rostocker Matrikelportal
  2. Chr. Scharf: Beschreibung und Geschichte der Insel und des Fleckens Arnis. Schleswig 1838, S. 156.
  3. Werner Aquila: Die Nachfahren Leonhard Adlers später Aquila aus Augsburg. Sonderdruck des Genealogischen Jahrbuches. Herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Bd. 44. Degener & Co., Neustadt/Aisch 2004, S. 91f.
  4. Rezension von J.B. Köhler in Allgemeine deutsche Bibliothek. Des acht und fünfzigsten Bandes erstes Stück. Friedrich Nicolai, Berlin/Stettin 1784, S. 165–172 (Retrodigitalisierung).
VorgängerAmtNachfolger
Adam StruenseeGeneralsuperintendent für Schleswig
1792–1834
Christian Friedrich Callisen
Johann Leonhard CallisenGeneralsuperintendent i. V. für Holstein
1806–1834
(interimistisch)
Johann Carl Julius Herzbruch