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Jörg Henning Peltzer (* 1975) ist ein deutscher Historiker, der die Geschichte des späten Mittelalters erforscht. Peltzer lehrt seit 2012 als Professor für Vergleichende Landesgeschichte in europäischer Perspektive mit dem Schwerpunkt Spätmittelalter an der Universität Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

Leben und WirkenBearbeiten

Jörg Peltzer legte 1994 das Abitur in Ettlingen ab. Er studierte Geschichte, Historische Hilfswissenschaften und Archäologie an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (1994–1996) und an der Université Catholique de l’Ouest (1996–1997). Der Master of Philosophy folgte 1998 an der University of Birmingham. Peltzer wurde 2003 am Christ Church der University of Oxford promoviert mit einer Untersuchung über die Bischofswahlen in der Normandie und Groß-Anjou zwischen 1140 und 1230. Peltzer war Stipendiat an den Deutschen Historischen Instituten London und Paris. 2004 wechselte er nach Heidelberg an das „Institut für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde“. Seit 2007 leitet er die Forschungsgruppe „Rang und Ordnung. Die Ausbildung und Visualisierung politischer und sozialer Ordnung im spätmittelalterlichen Fürstentum im europäischen Vergleich“, die im Rahmen des Emmy Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Starting Grants des European Research Council gefördert wird. Erstmals überhaupt wurde damit dem Fach mittelalterliche Geschichte eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe zugesprochen. Das Gesamtvolumen beträgt 630.000 Euro. 2009/2010 war er Senior Research Associate am Peterhouse der University of Cambridge. 2011 erfolgte Peltzers Habilitation an der Universität Heidelberg mit der Arbeit Der Rang des Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert.[1] 2012 hat Peltzer einen Ruf an die Universität Heidelberg auf eine W3-Professur für Vergleichende Landesgeschichte in europäischer Perspektive – Schwerpunkt Spätmittelalter angenommen. Seit September 2013 ist Peltzer zusammen mit Bernd Schneidmüller Direktor des Instituts für Fränkisch-Pfälzische Geschichte und Landeskunde in Heidelberg. 2013 wurde Peltzer der Pfalzpreis für pfälzische Geschichte und Volkskunde für seine Forschungen zu dem Rang der Pfalzgrafen bei Rhein und die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert verliehen. Er ist Mitglied im Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte (seit 2019).

Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Sozial-, Politik- und Rechtsgeschichte im hoch- und spätmittelalterlichen Westeuropa und im Reich. Der geographische Schwerpunkt seiner Forschungen liegt insbesondere auf England, Frankreich und dem römisch-deutschen Reich. Seine Oxforder Dissertation leistet eine detaillierte Analyse der bischöflichen Wahlen in der Provinz Rouen und der Bistümer von Tours, Le Mans und Angers. Dabei werden Rechtstheorie und -praxis in die lokalen Gewohnheiten mit einbezogen.[2] In seiner Habilitation beschäftigte er sich aufgrund der „Vielfalt ihrer Spitzenfunktionen“[3] mit der Stellung der Pfalzgrafen bei Rhein im politisch-sozialen Ordnungsgefüge des Heiligen Römischen Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Mit dieser Arbeit möchte Peltzer „die Ausdifferenzierungsprozesse im spätmittelalterlichen Hochadel besser verstehen“.[4] Peltzer möchte obendrein „die Entwicklung der politischen Ordnung des Reichs“ erhellen.[5] Nach Peltzer stellt Rang „eine Beziehung zwischen der Ordnung, das heißt dem übergreifenden Bezugsrahmen, und der indviduellen Position des Einzelnen her“. Rang ergebe sich sowohl durch eine „Beziehung der Gleichheit“, der „Zugehörigkeit“ zu einer Gruppe, als auch durch eine „Unter-“ bzw. „Überordnung“.[6] Rang sei „das Ergebnis eines sozialen Prozesses“, „der nicht rechtlich sanktioniert werden muss, um wirksam zu werden“,[7] sollte der beanspruchte Rang „gesellschaftliche Wirkung entfalten, muss er durch Dritte anerkannt werden“.[8] Rang ist ein Forschungsbegriff und tritt als Begrifflichkeit mit verschiedenen Bezeichnungen in den Quellen auf.[9] Um den Platz des Pfalzgrafen im Reichsgefüge zu bestimmen, untersucht Peltzer zunächst die Beziehungen zum König. Die weiteren Kapitel befassen sich mit den pfalzgräflichen Würden und Ämtern. Dabei unterzieht er die pfalzgräflichen Funktionen als Richter und als Reichsvikar einer Betrachtung. Als weitere Kriterien für Rang behandelt Peltzer die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Pfalzgrafen in Urkunden, Siegeln und Wappen. Außerdem wird das Konnubium und das Auftreten auf Reichsversammlungen und bei Hof berücksichtigt. Nach Peltzers Untersuchung ergab sich Rang eher aus sozialer Akzeptanz und weniger aus göttlicher Vorherbestimmung, Geburt oder Leistung.[10]

Gemeinsam mit Bernd Schneidmüller und Stefan Weinfurter gab Peltzer den Sammelband Die Wittelsbacher und die Kurpfalz im Mittelalter. Eine Erfolgsgeschichte? einer im Januar 2012 abgehaltenen Tagung heraus. Die wissenschaftliche Tagung diente zur Vorbereitung der Ausstellung der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zum Thema „Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa“ (2013/2014). Die Beiträge befassen sich mit den Handlungsspielräumen der Wittelsbacher und ihrer Herrschaft in der Pfalz. Peltzer gab 2015 mit Cristina Andenna, Gert Melville und Klaus Oschema einen Sammelband über Rangordnung und Idoneität in höfischen Gesellschaften des Mittelalters heraus. Dabei verfolgen Herausgeber und Autoren laut Vorwort das Ziel, „mit dem Konzept der ‚Performanz‘ einen spezifischen Zugang zur geschichtswissenschaftlichen Annäherung an zentrale Phänomene und Aspekte des (europäischen) Mittelalters zu erproben und auszuloten.“ Die Fallstudien fragen nach den Möglichkeiten und Grenzen des Performanzkonzeptes.[11] Peltzer veröffentlichte 2016 zum 950. Jahrestag eine Darstellung über die Eroberung Englands im Jahr 1066. Für Peltzer war 1066 „wahrlich ein Schicksalsjahr der europäischen Geschichte“.[12] Nach Peltzer veränderte Wilhelms Eroberung „das politische Ordnungsgefüge in Nordwesteuropa dramatisch“.[13]

SchriftenBearbeiten

Monografien

  • 1066. Der Kampf um Englands Krone. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69750-0.
  • Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert (= Rank. Politisch-soziale Ordnungen im mittelalterlichen Europa. Bd. 2). Thorbecke, Ostfildern 2013, ISBN 3-7995-9122-2 (Zugleich: Heidelberg, Universität, Habilitations-Schrift, 2011).
  • Canon Law, Careers, and Conquest. Episcopal Elections in Normandy and Greater Anjou, c. 1140 and c. 1230 (= Cambridge studies in medieval life and thought. Ser. 4, 71). Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2008, ISBN 978-0-521-88062-6 (Zugleich: Oxford, Universität, Dissertation, 2003 unter dem Titel: Episcopal elections in Normandy and Greater Anjou between ca 1140 – ca 1230.).

Herausgeberschaften

  • Rank and Order. The Formation of Aristocratic Elites in Western und Central Europe, 500–1500 (= RANK. Politisch-soziale Ordnungen im mittelalterlichen Europa. Bd. 4). Thorbecke, Ostfildern 2015, ISBN 978-3-7995-9124-9
  • mit Klaus Oschema, Christina Andenna, Gert Melville: Die Performanz der Mächtigen. Rangordnung und Idoneität in höfischen Gesellschaften des späten Mittelalters (= RANK. Politisch-soziale Ordnungen im mittelalterlichen Europa. Bd. 5). Thorbecke, Ostfildern 2015, ISBN 978-3-7995-9125-6.
  • mit Alfried Wieczorek, Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter: Die Wittelsbacher und die Kurpfalz im Mittelalter. Eine Erfolgsgeschichte? Schnell + Steiner, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7954-2645-3.
  • mit Gerald Schwedler, Paul Töbelmann: Politische Versammlungen und ihre Rituale. Repräsentationsformen und Entscheidungsprozesse des Reichs und der Kirche im späten Mittelalter (= Mittelalter-Forschungen. Bd. 27). Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 3-7995-4278-7.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Vgl. dazu die Besprechungen von Marie-Luise Heckmann in: Zeitschrift für Historische Forschung, Bd. 43 (2016), S. 113–115; Franz Fuchs in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 72 (2016), S. 760 f.; Annika Pröbe in: H-Soz-Kult, 12. März 2014, (online); Hubertus Seibert in: sehepunkte 14 (2014), Nr. 10 [15. Oktober 2014], (online).
  2. Vgl. dazu die Besprechung von Andrew D.M. Barrell in: The Journal of Ecclesiastical History 60 (2009), S. 796–798 (online).
  3. Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 37.
  4. Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 31.
  5. Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 34.
  6. Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 22.
  7. Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 26.
  8. Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 27.
  9. Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung der politisch-sozialen Ordnung des Reichs im 13. und 14. Jahrhundert. Ostfildern 2013, S. 24.
  10. Vgl. dazu Marie-Luise Heckmann in: Zeitschrift für Historische Forschung, Bd. 43 (2016), S. 113–115.
  11. Klaus Oschema, Christina Andenna, Gert Melville, Jörg Peltzer (Hrsg.): Die Performanz der Mächtigen. Rangordnung und Idoneität in höfischen Gesellschaften des späten Mittelalters. Ostfildern 2015, S. 7.
  12. Jörg Peltzer: 1066. Der Kampf um Englands Krone. München 2016, S. 14.
  13. Jörg Peltzer: 1066. Der Kampf um Englands Krone. München 2016, S. 285.