Iwan-Programm

Das Iwan-Programm war der Name eines Programmes zur Wiederinbetriebnahme der während des deutschen Vormarsches in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges besetzten Werke der sowjetischen Schwerindustrie in der Ukraine.

Das Programm wurde auf Beschluss des Rüstungsministers Albert Speer Mitte Mai 1942 begonnen. Mit seiner Umsetzung war Edmund Geilenberg beauftragt worden. Im Rahmen dieses Programmes sollten alle Hüttenwerke und dazugehörigen Betriebe im Donez-Becken und Dneper-Bogen schnellstmöglich wieder in Betrieb genommen werden, um frontnah Rüstungsgüter, insbesondere Granaten für die Wehrmacht produzieren zu können. Im Rahmen des Programmes wurden in erheblichem Maße deutsche Privatunternehmen der Montanindustrie (sogenannte Patenbetriebe) mit einbezogen. So errichte der Flick-Konzern innerhalb kürzester Zeit die Dnjepr Stahl GmbH,[1] welche einer Vielzahl von ehemals sowjetischen Montankombinaten übernahm. Neben Flick waren noch weitere deutsche Großunternehmen in das Programm involviert:

Weitere Zuliefererwerke des Programms in der Ukraine[5]:

  • Fa. Van de Loo & Co. in Saporoshje (Zünderfertigung)
  • Magnesiumwerk, Verwert-Chemie GmbH in Saporoshje
  • Südwerft Nikolajew in Nikolajew (Modell- und Vorrichtungsbau)
  • Dynamit AG im Chemiewerk Pawlohrad in der Stadt Pawlograd
  • Dnjepr-Metall Union in Novo-Saporoshje
  • Dnjepr-Sinter Werk in Kaidaki
  • Dnjepr-Holz GmbH, Nishnij-Dnjepropetrowsk (Fertigung von hölzernen Munitionspackgefäßen)
  • Dnjepr-Beschlag, (Fa. Rinker), in Dnjepropetrowsk (Fertigung von Beschlägen für Munitionspackgefäßen)
  • Bergbau- und Hüttenbedarf AG, in Kaidaki (Gießerei- und Schmiedearbeiten für das Iwan-Programm)
  • Polte Armaturen- und Maschinenfabrik OHG, in Saporoshje (Beute-Granthülsen-Rekalibrierung)

Geplant war im Rahmen des Programmes zunächst folgende Produktion pro Monat (bei Steigerung in jedem weiteren Monat des 5 monatigen Produktionhochlaufplans):

  • Monat 1: 50.000 Schuss 10,5 cm Granaten, 25.000 Schuss 15 cm Granaten, 5.000 Schuss 21 cm Granaten
  • Monat 2: 100.000 Schuss 10,5 cm Granaten, 50.000 Schuss 15 cm Granaten, 10.000 Schuss 21 cm Granaten
  • Monat 3: 150.000 Schuss 10,5 cm Granaten, 75.000 Schuss 15 cm Granaten, 15.000 Schuss 21 cm Granaten
  • Monat 4: 200.000 Schuss 10,5 cm Granaten, 100.000 Schuss 15 cm Granaten, 20.000 Schuss 21 cm Granaten
  • Monat 5: 250.000 Schuss 10,5 cm Granaten, 125.000 Schuss 15 cm Granaten, 25.000 Schuss 21 cm Granaten

Aufgrund der Anlaufschwierigkeiten wurde dieses Programm zunächst rein auf die Fertigung von 10,5 cm Granaten konzentriert. Der Produktionsbeginn für die 15 cm und 21 cm Granaten sollte später erfolgen. Auf Anordnung des Reichsministerium für Bewaffnung und Munition vom 6. August 1943 sollten die Ausstoß-Termine des Iwan-Programms um 3 Monate vorverlegt werden. Mit der angelaufenen Produktion im August 1943 wurde für September die Fertigung von 150.000 Geschossen 10,5 cm eingeplant. Die Vorbereitung zum Anlauf der Produktion von 15 cm und 21 cm Granaten wurde im August 1943 begonnen.[6]

Das Programm kam mit dem deutschen Rückzug 1943 zum Ende. Während des Rückzuges wurde ein erheblicher Teil der kurz zuvor aufgebauten Betriebe demontiert und die nicht demontierbaren Teile durch gezielte Sprengungen unbrauchbar gemacht. Die Produktionsziele des Programms wurden zu keinem Zeitpunkt seiner kurzen Existenz voll erreicht.[7]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Norbert Frei: Flick: Der Konzern, die Familie, die Macht. Karl Blessing Verlag, München 2009, ISBN 3-89667-400-5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b c d Bergbau und Eisenhüttenindustrie in der Ukraine unter deutscher Besatzung (1941-1944) (PDF)
  3. a b Thomas Ramge: Die Flicks. Campus Verlag, 2004, ISBN 978-3-593-37404-8, S. 123 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Alexander Donges: Die Vereinigte Stahlwerke AG im Nationalsozialismus. Verlag Ferdinand Schöningh, 2014, ISBN 978-3-657-76628-4, S. 392 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Vgl. Wirtschaftsinspektion Süd, Kriegstagebuch der Rüstungsinspektion Ukraine Teil XXVI, Rückblick auf die Rüstungswirtschaftliche Entwicklung vom 01.07. - 30.09.1942, Bundesarchiv-Militärarchiv Wi I D/413
  6. Vgl. Wirtschaftsinspektion Süd, Kriegstagebuch der Rüstungsinspektion Ukraine Teil XXVV, Lagebericht per 31.07.1943 Bundesarchiv-Militärarchiv Wi I D/413
  7. Kim Christian Priemel: Flick - Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. Wallstein Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0219-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

WeblinksBearbeiten