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Itraconazol ist ein systemisch wirkendes Antimykotikum aus der Gruppe der Triazole, das bei oraler Verabreichung größtenteils im Darm resorbiert wird und in den Blutkreislauf gelangt. Die Resorptionsrate wird durch das Säuremilieu des Magens beeinflusst.[3] Das Arzneimittel steht auch zur intravenösen Therapie zur Verfügung.[4]

Strukturformel
Struktur von Itraconazol
Diastereomerengemisch, beide Diastereomere sind Racemate. Die Abbildung zeigt nur je ein Enantiomer der beiden Diastereomeren.
Allgemeines
Freiname Itraconazol
Andere Namen

(2R*,4S*)-1-sec-Butyl-4-{4-[4-(4-{[cis-2-(2,4-dichlorphenyl)-2-(1,2,4-triazol-1-ylmethyl)-1,3-dioxolan-4-yl]methoxy}phenyl)piperazin-1-yl]phenyl}-4,5-dihydro-1,2,4-triazol-5-on

Summenformel C35H38Cl2N8O4
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 84625-61-6
EG-Nummer 617-596-9
ECHA-InfoCard 100.123.596
PubChem 55283
DrugBank DB01167
Wikidata Q411229
Arzneistoffangaben
ATC-Code

J02AC02

Wirkstoffklasse

Antimykotikum

Eigenschaften
Molare Masse 705,64 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

166,2 °C[1]

pKs-Wert

3,7[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-Sätze H: 302​‐​315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​305+351+338 [2]
Toxikologische Daten

320 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Itraconazol wirkt wie alle anderen Antimykotika nur gegen bestimmte Pilzarten. Die Verstoffwechslung erfolgt über das Cytochrom CYP3A4.[3]

Die Halbwertszeit hängt von der Dosierung und der Dauer der Einnahme ab und beträgt bei Einmalgabe von 100 mg 15 Stunden, bei Einmalgabe von 400 mg 25 Stunden und nach Einnahme von 400 mg pro Tag über 2 Wochen 42 Stunden.[5]

Itraconazol ist in Deutschland verschreibungspflichtig und birgt u. a. das Risiko von Herzinsuffizienz und Leberschäden.[6][7]

Wegen variabler Bioverfügbarbarkeiten sind bei Einnahme von Itraconazol als Kapseln oder Saft Serumspiegelbestimmungen erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

StereoisomerieBearbeiten

Itraconazol ist ein Gemisch von zwei Diastereomeren, die jeweils racemisch vorliegen.[8] Folglich ist der Arzneistoff ein Gemisch von vier Stereoisomeren.

Einsatzbereich/WirksamkeitBearbeiten

Die antimykotische Wirkung von Itraconazol basiert auf der Reduktion der Ergosterol-Synthese in den Pilzzellen, das dort ein lebenswichtiger Bestandteil der Zellmembran ist.

Eingesetzt wird Itraconazol zur Therapie und Prophylaxe von Systemmykosen, insbesondere bei oraler und ösophagealer Candidose.[9]

Die Wirksamkeit ist durch In-vitro-Studien belegt bei Infektionen durch:

sowie unterschiedliche andere Pilze und Hefen.

Infektionen mit häufig verminderter Empfindlichkeit (erhöhte MHK) gegen Itraconazol sind:

Itraconazol ist unwirksam gegen:

Die Zahl der nachgewiesenen Stämme mit Resistenzen gegen Itraconazol hat sich bei Aspergillus fumigatus seit den 2000er Jahren deutlich erhöht. Die zunehmende Verwendung von Azolen in der Landwirtschaft wird dafür verantwortlich gemacht.[10][11]

WechselwirkungenBearbeiten

Itraconazol benötigt ein saures Milieu um aus dem Verdauungstrakt aufgenommen zu werden. Die Einnahme von Magensäureblockern oder basischen Medikamenten kann die Aufnahme der Substanz behindern.[12]

NebenwirkungenBearbeiten

Als häufige, in klinischen Studien aufgetretene Nebenwirkungen sind zu nennen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Blähungen, Leberfunktionsstörungen, Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung, Infektion der oberen Atemwege, Ausschlag.[13]

HandelsnamenBearbeiten

Monopräparate
Sempera (D), Siros (D), Sporanox (A, CH), zahlreiche Generika (D, A, CH) Veterinärmedizin
Fungitraxx, Itrafungol

LiteraturBearbeiten

  • Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 272.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Eintrag zu Itraconazol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 30. September 2014.
  2. a b c Datenblatt Itraconazole bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 6. April 2011 (PDF).
  3. a b Informationen Itraconazol STADA 100 mg-Kapseln (PDF; 79 kB).
  4. ZCT: Neueinführung Itraconazol iv, 1/2005.
  5. ZCT: Neueinführung Itraconazol, 4/1991.
  6. Risiken der Nagelpilz-Behandlung … Itraconazol (SEMPERA u. a.): Herzinsuffizienz. In: Arznei-Telegramm 2001; Jg. 32, Nr. 6, S. 63.
  7. Axapharm - Patienteninformation (PDF; 82 kB).
  8. Europäisches Arzneibuch. Deutscher Apotheker Verlag Stuttgart, 6. Ausgabe, 2008, S. 2927–2929, ISBN 978-3-7692-3962-1.
  9. Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 272.
  10. Matt Richtel, Andrew Jacobs: A Mysterious Infection, Spanning the Globe in a Climate of Secrecy. In: New York Times, 6. April 2018
  11. Joseph Heitman: Emergence of Azole-Resistant Aspergillus fumigatus Strains due to Agricultural Azole Use Creates an Increasing Threat to Human Health. Oktober 2013, PMID 3812019
  12. Matthew J. Cervelli, Graeme R Russ: Principles of Drug Therapy in Chronic Kidney Disease and Renal Replacement Therapy. In: Jürgen Floege, Richard J Johnson, John Feehally: Comprehensive Clinical Nephrology. 4. Auflage. St. Louis 2010, S. 883.
  13. Itraconazol: Nebenwirkungen. Eintrag in Onmeda.
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