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Israel Joschua Singer

polnisch-US-amerikanischer jiddischer Prosaiker und Übersetzer
Israel Joschua Singer, 1938

Israel Joschua Singer (auch: Israel Joshua, Israel Jehoschua, Israel Josua Singer, jiddisch ישראל יהושע זינגער Jißroel Joschue Singer; geboren am 30. November[1] 1893 in Biłgoraj, Russisches Kaiserreich; gestorben am 10. Februar 1944 in New York) war ein polnisch-US-amerikanischer jiddisch schreibender Prosaiker und Übersetzer.

LebenBearbeiten

Er war Sohn einer chassidischen Rabbinerfamilie aus dem jüdischen Ort Biłgoraj im heutigen Polen. Sein Vater war Pinchas Mendl Zinger und seine Mutter Batsheva Zylberman. Israel Joschua Singer war der ältere Bruder und literarische Mentor des Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer. Beider Schwester war die 1891 geborene Esther Kreitman (Hinde Ester Singer Kreytman), die ebenso als Schriftstellerin ein beachtliches Werk hinterließ.

Bis zu seinem 17. Lebensjahr lernte Israel Joschua Singer an der großen Jeschiwa und wandte sich dann dem literarischen Schaffen zu. Seit 1916 arbeitete er als Mitarbeiter (zunächst als Korrektor, Übersetzer und Gelegenheitsschreiber) verschiedener jiddischer Zeitungen und Revuen in Warschau (Literarische Bleter, Choliastra) und Kiew (Di naje zajt) und überzeugte schnell mit literarisch hochstehenden Novellen.

1921 wurde er Mitarbeiter der Volkszeitung und des New Yorker Vorwärts (The Forward). Im Auftrag des letzteren bereiste er 1924 Polen, insbesondere Galizien.

1934 wanderte Singer in die Vereinigten Staaten aus, wo er im Alter von nur 50 Jahren an einer Thrombose starb. Einige seiner Prosawerke wurden in von Maurice Schwartz besorgten dramatisierten Fassungen im Yiddish Art Theatre in New York aufgeführt, was seine Bekanntheit und seinen Ruhm erheblich gesteigert hat.

Seine Memoiren Von einer Welt, die nicht mehr ist wurden 1946 postum veröffentlicht.

In der Einleitung zur Anthologie A Treasury of Yiddish Stories schreiben Irving Howe und Eliezer Greenberg, Singers Werke seien in einer Art verfasst, „die die üblichen westlichen Erwartungen an literarische Struktur(en) erfüllen. Seine Romane ähneln der Art von Familienchroniken, wie sie vor einigen Jahrzehnten [das heißt um 1900] in Europa beliebt waren“.[2]

Werke/Ausgaben (Auswahl)Bearbeiten

  • Choliaßtre, 1922 (Sammelbuch, gemeinsam herausgegeben mit Perez Markisch)
  • Erdweh. Drama in drei Bildern, Warschau 1922
  • Lehm-Gruben, 1922 (לײמגרובן)
  • Perln, 1923 („Perlen“, Kurzgeschichten)
  • Ljuk, 1924[3]
  • Af najer [bzw. fremder] Erd, 1925 (אױף פֿרעמדער ערד)
  • Schtol un ajsn, 1927 (שטאָל און אײַזן; sein erster Roman)
  • Naj-Rußland. Bilder fun a Rajs, 1928 (נײַ-רוסלאַנד : בילדער פֿון אַ ריײַזע)
  • Josche Kalb, 1932[4]
  • Di brider Aschkenasi, 1937 (די ברידער אשכנזי; Roman)[5]
  • Friling, 1937
  • The river breaks up, 1938
  • Chawer Nachman. 1938 (חבר נחמן; Roman), 1939 unter dem Titel East of Eden[6]
  • Di mischpoche Karnowßki. 1943 (די משפחה קאַרנאָװסקי; Drama); deutsch: Die Familie Karnovski. Zweite Auflage im Paul Zsolnay Verlag, 1997, ISBN 3-55-204858-8.[7]
  • Fun a welt woß is nischto mer. 1946 (פֿון אַ װעלט װאָס איז נישטאָ מער); deutsch: Von einer Welt, die nicht mehr ist. (Memoiren) Carl Hanser, 1991, ISBN 3-44-615317-9.
  • Wili, 1948 (װילי)
  • Derzejlungen, 1949 (דערציילונגען; „Erzählungen“)

Literatur/QuellenBearbeiten

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  • Perez Markisch in: Bücher-Welt. 1922.
  • Anita Norich: Singer, Israel Joshua. In: The YIVO Encyclopedia of Jews in Easter Europe, Band 2. Yale University Press, New Haven /London 2008, S. 1754–1756 (online).
  • John F. Oppenheimer (Red.) u. a.: Lexikon des Judentums. 2. Auflage. Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh u. a. 1971, ISBN 3-570-05964-2.
  • Salman Reisen: Singer, Jißroel-Joschue. In: Lekßikon fun der najer jidischer literatur, Band 3. New York 1960, S. 640–646.
  • Günter Stemberger: Geschichte der jüdischen Literatur. Beck, München 1977.
  • Singer, Israel Joshua. In: Encyclopaedia Judaica, Band 14. Keter, Jerusalem und Macmillan, New York 1971, Sp. 1611  f.
  • Salomon Wininger: Singer, Israel Joschua. In: Große Jüdische National-Biographie, Band V. Orient, Cernăuți 19??.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Das Lexikon des Judentums gibt als Geburtsdatum fälschlich 30.10.1893 an.
  2. Irving Howe, Eliezer Greenberg: A treasury of Yiddish stories. Viking Press, New York 1954, S. 84: „[…] that satisfies the usual Western expectations as to literary structure. His novels resemble the kind of family chronicle popular in Europe several decades ago.“
  3. Kurzgeschichte, die das chaotische Aufeinanderprallen unterschiedlichster Ideologien während der Zeit der Oktoberrevolution zum Thema hat.
  4. (יאָשע קאַלב; chassidisches Schauspiel); deutsche Erstausgabe 1967; weitere deutsche Ausgabe: Josche Kalb, Frankfurt am Main 2001. Dies war Singers erster großer Erfolg. Der (später dramatisierte) Roman, noch in Polen verfasst, hat das häufige Sujet des Niedergangs einer chassidischen Dynastie zum Rahmen. Singer selbst stand dem Chassidismus trotz seiner Herkunft sehr negativ gegenüber und sieht so fast nur das Schlechte in ihm. Vor dieser Folie spielt sich das Leben und Erleben des Helden ab, der zwischen Tradition, Religion, Trieb und Liebe hin- und hergerissen ist: Der junge Gottsucher Nachum, Rabbi Melechs neuer Schwiegersohn, wird von Malka, Melechs neuer Frau (der vierten), verführt und versucht mit allen Mitteln, gegen die in ihm wach werdende Leidenschaft anzukämpfen, worüber er fast den Verstand verliert, flüchtet, führt fortan unter dem Namen „Josche“ ein Leben der Buße und wird wegen seines Schweigens „das Kalb“ genannt. Zwischenzeitlich durch die äußeren Umstände zum Zusammenleben mit einem schwachsinnigen Mädchen gezwungen, kehrt er nach vielen Jahren an den chassidischen Hof zurück, wo er bald als Heiliger verehrt und von Wallfahrern aufgesucht wird, bis man ihn als „Josche Kalb“ identifiziert und vor ein Rabbinatsgericht stellt, woraufhin er sich wieder auf Wanderschaft begibt ...
  5. Deutsch: Die Brüder Aschkenasi, Berlin 2005– . In Lodz spielende Familiensaga, die sich über drei Generationen erstreckt und die Entwicklung von Lodz von einem verschlafenen Dorf zu Beginn des 19. Jhdts. zu einem angesehenen Textilzentrum und seinen erneuten Niedergang nach der russischen Revolution, die ihm das bisherige Hinterland verschloss, nachzeichnet; die Helden des Stückes sind die von Natur völlig unterschiedlichen jüdischen Zwillingsbrüder Simche und Jakob, die um die Vormacht im Textilhandel kämpfen und stellvertretend für die brutale Geschäftswelt in den krassesten Farben dargestellt werden.
  6. Darin gibt der zunehmend pessimistischer werdende Singer seiner Enttäuschung vom Kommunismus Ausdruck: Der idealistische Revolutionär Nachman gerät wegen seines Gerechtigkeitsempfindens in zunehmenden Widerspruch mit den herrschenden Kräften und wird schließlich in den Westen abgeschoben.
  7. Die Geschichte dreier Generationen in ihrer Wanderung von Polen über Deutschland nach Amerika will aufzeigen, dass Juden in einer nichtjüdischen Umwelt niemals eine Überlebenschance haben, sondern nur in einem eigenen Staat.