Interstellar

Film von Christopher Nolan (2014)

Interstellar ist ein US-amerikanisch-britischer Science-Fiction-Film unter der Regie von Christopher Nolan aus dem Jahr 2014. Der Film spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Menschheit die Erde verlassen muss und ein neues Zuhause auf einem anderen Planeten sucht.

Film
Deutscher TitelInterstellar
OriginaltitelInterstellar
Hr Interstellar 1.jpg
Produktionsland Vereinigte Staaten,
Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2014
Länge 169 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 12[2]
Stab
Regie Christopher Nolan
Drehbuch Jonathan Nolan,
Christopher Nolan
Produktion Christopher Nolan,
Emma Thomas,
Lynda Obst
Musik Hans Zimmer
Kamera Hoyte van Hoytema
Schnitt Lee Smith
Besetzung
Synchronisation

Nolan überarbeitete das Drehbuch seines Bruders Jonathan, das dieser 2007 für die Produzentin Lynda Obst und Paramount Pictures verfasst hatte[3], und produzierte Interstellar mit Obst und Emma Thomas. Die Finanzierung und Vermarktung übernahmen Paramount Pictures und Warner Bros. gemeinsam. Der spätere Physiknobelpreisträger Kip Thorne wirkte als wissenschaftlicher Berater sowie Executive Producer mit.[4]

Interstellar startete am 6. November 2014 in den deutschsprachigen Ländern.[5][6]

HandlungBearbeiten

In einer zeitlich nicht definierten Zukunft ist das Leben auf der Erde so stark gefährdet, dass die Zukunft der Menschheit bedroht ist. Die industrielle Zivilisation befindet sich im Niedergang. Die Menschheit konzentriert sich vorwiegend auf die Produktion von Nahrungsmitteln, deren Anbau jedoch durch sich immer weiter ausbreitende Pflanzenkrankheiten (beispielsweise Mehltau) zunehmend erschwert wird. Außerdem leiden die Menschen unter starken Staubstürmen und sich generell verschlechternden Umweltbedingungen.

Die NASA gibt es offiziell nicht mehr, da großtechnische Aktivitäten wie die Raumfahrt als schädlich und zu teuer angesehen werden. Sie operiert jedoch ohne Wissen der Öffentlichkeit weiter. 48 Jahre vor dem Einsetzen der Filmhandlung wurde in der Nähe des Planeten Saturn ein Wurmloch entdeckt, das in eine andere Galaxie zu einem Planetensystem um ein Schwarzes Loch führt. Im Rahmen eines Programms namens Lazarus wurden zehn Jahre vor der Filmhandlung zwölf Wissenschaftler durch das Wurmloch geschickt. Sie sollten dort bewohnbare Planeten finden, auf denen Menschen siedeln können. Aus dem Wurmloch können nur rudimentäre Signale empfangen werden. Von drei der Astronauten des Lazarus-Programms (Miller, Mann und Edmunds) wurden Daten empfangen, die darauf hindeuten, dass diese bewohnbare Planeten gefunden haben.

Der Ingenieur und ehemalige NASA-Pilot Cooper bewirtschaftet nach dem Ende des Raumfahrtprogramms eine Farm. Seine zehnjährige Tochter Murphy glaubt, in ihrem Zimmer Botschaften von einem „Geist“ zu empfangen. Die unterschiedlich breiten Lücken im Bücherregal, welche die vom „Geist“ herausgestoßenen Bücher hinterlassen haben, werden von ihr als Morsezeichen interpretiert. Eines Tages entdeckt sie nach einem Staubsturm in ihrem Zimmer unerklärliche Spuren im Staub. Durch einen Münzwurf zeigt Cooper, dass eine Schwereanomalie die Spuren hervorruft. In diesen erkennt Cooper binär dargestellte Koordinaten, welche ihn und seine Tochter zu einem geheimen NASA-Standort führen. Dort angelangt offenbart Professor Brand, der Leiter der NASA, deren geheime Tätigkeit und dass es eine weitere Mission durch das Wurmloch mit dem Raumschiff Endurance geben wird. Brand glaubt, dass der unbekannte Erzeuger der Schwereanomalien Cooper als Kommandanten der Endurance ausgewählt hat. Die neue Mission soll den Signalen von Miller, Mann und Edmunds nachgehen und Gewissheit darüber bringen, ob die entdeckten Planeten tatsächlich für die menschliche Besiedlung geeignet sind.

Professor Brand arbeitet seit Jahrzehnten an einer Theorie, mit der Quantenphysik und Gravitation vereint werden sollen (siehe auch: Quantengravitation, Große vereinheitlichte Theorie). Dies würde es ermöglichen, eine große Zahl von Menschen mithilfe einer bereits auf der Erde gebauten Raumstation (siehe O’Neill-Kolonie) durch das Wurmloch auf einen neuen Planeten zu bringen. Dies ist der von Professor Brand erdachte Plan A zur Rettung der Menschheit. Allerdings hat Brand nach eigener Aussage die Theorie bislang nicht vollenden können. Falls dies nicht gelingt, tritt Plan B in Kraft, der lediglich vorsieht, tiefgefrorene befruchtete menschliche Eizellen zu einem neuen Planeten zu bringen und dort eine neue Population von Menschen heranzuziehen. Diese Eizellen werden von der Endurance mitgeführt. Cooper tritt die Mission unter einer Voraussetzung an: Brand soll seine Theorie vollenden, damit Plan A umgesetzt und Coopers Familie gerettet werden kann.

Seine Tochter Murphy will nicht, dass er weggeht. Auch der „Geist“ bekräftigt sie darin durch eine erneute Botschaft: „Bleib!“ Murphy weigert sich, sich von ihrem Vater zu verabschieden, und sendet ihm, anders als sein Sohn Tom, zunächst keine Videobotschaften zur Endurance. Cooper wird auf der Mission von der Wissenschaftlerin Dr. Amelia Brand (Professor Brands Tochter), den Wissenschaftlern Romilly und Doyle sowie von den beiden Robotern TARS und CASE begleitet, welche über eine künstliche Intelligenz verfügen.

Der zuerst angesteuerte, von Miller erforschte Planet befindet sich in der Nähe des Schwarzen Lochs Gargantua. Wegen der gravitationsbedingten Zeitdilatation entspricht eine Stunde auf dem Planeten sieben Jahren außerhalb des unmittelbaren Einflussbereichs der Gravitation des Schwarzen Lochs. Cooper, Amelia und Doyle begeben sich mit einem Shuttle auf die Oberfläche des Planeten und damit in den Einflussbereich der Zeitdehnung, während Romilly im Schiff zurückbleibt. Auf dem kniehoch mit Wasser bedeckten Planeten finden sie lediglich die Trümmer von Millers Raumschiff. Kurz darauf stellt sich heraus, was das Raumschiff zerstörte: Über die Oberfläche des Planeten ziehen stündlich berghohe Wellen. Als Cooper eine herannahende Welle bemerkt, will Amelia noch einen Datenträger aus den Trümmern von Millers Wrack bergen. Dabei wird sie von einem Trümmerteil eingeklemmt und muss von CASE gerettet werden. Zwar gelangen CASE und Amelia rechtzeitig zurück ins Schiff, Doyle wird jedoch von der Welle davon gespült, die auch das Schiff beschädigt. Knapp vor der nächsten Welle können Cooper und Amelia starten und zum Mutterschiff zurückkehren. Dort sind inzwischen mehr als 23 Jahre vergangen, die Romilly im Kälteschlaf und mit dem Studium des Schwarzen Lochs verbracht hat.

Der nächste von der Endurance angesteuerte Planet ist nach den vom Astronauten Mann gesendeten Daten für eine Besiedlung geeignet. Mann hat im Kälteschlaf überlebt, doch die Eiswüste des Planeten erweist sich ebenfalls als unbewohnbar. Mann hatte bewusst falsche Daten gesendet, um eine weitere Mission anzulocken und gerettet zu werden.

Murphy, die inzwischen so alt wie ihr Vater bei seinem Aufbruch ist, arbeitet seit langem mit Professor Brand zusammen. Auf dem Sterbebett gesteht ihr Brand, bereits vor Jahrzehnten erkannt zu haben, dass seine Theorie nicht vollendet werden kann. Er hat dies geheim gehalten, weil er dem Überleben der Menschheit als Spezies durch Plan B Vorrang eingeräumt hat. Lediglich Mann hat davon gewusst. Durch eine Videobotschaft Murphys erfahren Cooper und Amelia von der Täuschung.

Mann gesteht Cooper, gefälschte Daten geschickt zu haben, und versucht, Cooper zu töten, der allerdings von Amelia in letzter Sekunde gerettet werden kann. Allerdings kommt kurze Zeit später Romilly ums Leben, als er auf das Datenarchiv von Manns deaktiviertem Roboter KIPP zugreift. Dieser wurde augenscheinlich zuvor von Mann manipuliert und explodiert. Mann flieht mit einem Shuttle zur Endurance, die sich im Orbit um den Planeten befindet. Bei dem Versuch, manuell anzudocken, stirbt Dr. Mann infolge einer Explosion. Durch das fehlgeschlagene Manöver wird die Endurance stark beschädigt. Cooper und Amelia gelingt es jedoch, mit ihrem Shuttle anzudocken und das Raumschiff wieder unter Kontrolle zu bringen.

Cooper und Amelia beschließen nun, den von dem Astronauten Edmunds entdeckten Planeten anzusteuern. Da nur wenig Treibstoff verblieben ist, kann der Planet nur mittels eines Swing-by-Manövers um Gargantua erreicht werden. Um die erforderliche Geschwindigkeit zu erreichen, müssen während des Swing-by außerdem zwei Shuttles abgestoßen werden. An Bord dieser Shuttles befinden sich der Roboter TARS und Cooper. TARS soll bei dem Manöver versuchen, Daten über das Schwarze Loch zu sammeln, die doch noch zur Vollendung der Theorie von Prof. Brand führen können. Amelia verbleibt mit CASE ungewollt allein in der Endurance auf dem Weg zu Edmunds’ Planeten.

Cooper und TARS dringen mit ihren Shuttles in den Ereignishorizont von Gargantua ein. Statt durch die Gezeitenkraft des Schwarzen Lochs zerrissen zu werden, finden sie sich in einem riesigen Tesserakt wieder, in dem das Zimmer von Coopers Tochter Murphy im Farmhaus zu verschiedenen Zeitpunkten vorhanden zu sein scheint. Cooper spekuliert, dass der Tesserakt und das Wurmloch nicht von unbestimmten „Wesen“ geschaffen wurden, sondern von Menschen der Zukunft, die sich zu fünfdimensionalen Wesen weiterentwickelt haben und dadurch in der Lage sind, sich nach Belieben durch die Zeit zu bewegen und die Gravitation zu manipulieren.

Cooper begreift, dass er durch Manipulation der Schwerkraft mit seiner Tochter in der Vergangenheit kommunizieren kann: Murphys „Geist“ ist kein anderer als er selbst. Cooper übermittelt die Botschaften, welche die zehnjährige Murphy empfangen hat, darunter das „Bleib!“ und die Koordinaten der NASA-Zentrale. Dann meldet sich TARS bei Cooper. TARS hat im Inneren des Schwarzen Lochs die Daten gesammelt, die zur Vollendung von Prof. Brands Theorie notwendig sind. Cooper übermittelt diese der erwachsenen Murphy über den Sekundenzeiger einer Armbanduhr, die er ihr vor seinem Weggang geschenkt und die sie als Andenken an ihren Vater aufbewahrt hat. Nachdem die Botschaften übermittelt wurden, verschwindet der Tesserakt. Murphy gelingt tatsächlich die Vollendung der Theorie und damit eine Vereinigung von Relativität und Quantenphysik, wodurch die Menschen von der Erde evakuiert werden können. Cooper und TARS stranden am Eingang des Wurmlochs in der Nähe des Saturn.

Cooper kommt kaum gealtert in einem Krankenbett zu sich. Er erfährt, dass er sich auf einer riesigen Raumstation befindet. Ein Arzt sagt ihm, er sei inzwischen 124 Jahre alt, obwohl auf seinem Raumflug für ihn relativ gesehen nur wenig Zeit vergangen ist. Viele Menschen konnten die Erde verlassen und leben nun auf Raumstationen im All, auf denen ein komfortables Leben möglich ist. Murphy, inzwischen über 90 Jahre alt, befindet sich auf einer anderen Station. Als Cooper sie besucht, liegt sie auf dem Sterbebett, umgeben von ihren Nachkommen. Cooper erhält die Gelegenheit, sich von ihr zu verabschieden. Murphy legt ihm nahe, zu Amelia zu fliegen, die nun allein auf Edmunds’ Planeten wartet. Cooper besteigt deshalb, ohne Erlaubnis, mit dem reaktivierten TARS ein Raumschiff.

Die letzte Einstellung zeigt Amelia ohne Schutzhelm in einer kargen Landschaft an Edmunds’ Grab. Im Hintergrund steht eine kleine, funktionierende Station.

ProduktionBearbeiten

Drehbuch und CastBearbeiten

Interstellar fing Jonathan Nolan im Jahr 2007 an zu schreiben. Ursprünglich war vorgesehen, dass Steven Spielberg als Regisseur diesen Film umsetzen sollte. Christoper Nolan übernahm diese Aufgabe und ergänzte das Buch seines Bruders um eigene Ideen.[7] Die Hauptrollen wurden mit Matthew McConaughey, Anne Hathaway sowie Jessica Chastain besetzt.[8][9] Ebenfalls Michael Caine, welcher in den letzten fünf Filmen von Nolan immer mitgewirkt hatte, trat für Interstellar erneut vor die Kamera.[10][11]

DreharbeitenBearbeiten

 
Der Svínafellsjökull-Gletscher in Island diente als ein Drehort

Die Dreharbeiten begannen am 13. August 2013 in Alberta, Kanada.[12] Zusätzlich wurde in Island am Svínafellsjökull-Gletscher sowie in mehreren Orten in Kalifornien gedreht.[13] Da Wally Pfister, Nolans Kameramann bei jedem Film seit Memento, mit seinem Regiedebüt für Transcendence beschäftigt war, wurde stattdessen Hoyte van Hoytema engagiert. Für den Dreh wurden 35-mm-Kameras und 70-mm-IMAX-Kameras eingesetzt.[14] Im Dezember 2013 wurden die Dreharbeiten beendet.[15]

Visuelle EffekteBearbeiten

Für die visuellen Effekte war die Firma Double Negative verantwortlich, mit denen Nolan unter anderem bereits in Inception und The Dark Knight zusammenarbeitete. VFX Supervisor war Paul Franklin und VFX Producer Ann Podlozny. Die visuellen Darstellungen des Schwarzen Lochs waren insbesondere für Wissenschaftler interessant, weil das Team um Paul Franklin, Oliver James und Eugénie von Tunzelmann, gemeinsam mit Kip Thorne ein spezielles Programm namens Double Negative Gravitational Renderer (DNGR) entwickelt haben, mit dem es möglich war, Schwarze Löcher besonders realitätsnah zu visualisieren.[16] In ihrem Aufsatz Gravitational Lensing by Spinning Black Holes in Astrophysics, and in the Movie Interstellar (englisch für: Gravitationslinseneffekt durch rotierende Schwarze Löcher in der Astrophysik und im Film Interstellar) beschreiben sie den physikalischen Hintergrund des Schwarzen Lochs Gargantua und wie die Szenen für den Film berechnet worden sind.[17]

MusikBearbeiten

Wie bei der The-Dark-Knight-Trilogie und Inception komponierte Hans Zimmer die musikalische Untermalung zu Interstellar. Im Juni 2013 hatte er erste Stücke fertiggestellt.[18] Zimmer komponierte den Soundtrack, ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Er hatte nur einen von Nolan verfassten Text erhalten, durch den seine Kreativität gesteigert werden sollte. „Die eine Seite, die Chris an diesem Tag für mich schrieb, hatte eigenartigerweise kaum etwas mit dem Film zu tun. Es war ein sehr persönlicher Text, der eher auf meine eigene Geschichte abzielte. Er weiß, wie er mich berühren kann“, so Zimmer.[19]

SynchronisationBearbeiten

Die deutsche Synchronfassung wurde durch die Film- & Fernseh-Synchron GmbH (FFS) erstellt, die Dialogregie übernahm Tobias Meister.[20]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Cooper Matthew McConaughey Benjamin Völz
Dr. Amelia Brand Anne Hathaway Marie Bierstedt
Romilly David Gyasi Dennis Schmidt-Foß
Doyle Wes Bentley Robin Kahnmeyer
Murphy, jung Mackenzie Foy Léa Mariage
Murphy, Erwachsene Jessica Chastain Manja Doering
Getty Topher Grace Timmo Niesner
Grandpa Donald John Lithgow Jürgen Kluckert
Tom, Erwachsener Casey Affleck Tim Sander
Prof. Brand Michael Caine Jürgen Thormann
Williams William Devane Reinhard Kuhnert
Dr. Mann Matt Damon Simon Jäger
CASE Josh Stewart, Stimme Torsten Sense
TARS Bill Irwin, Stimme Frank Röth

HintergrundBearbeiten

Themen und MotiveBearbeiten

Christopher und Jonathan Nolan haben in ihrem Film die Ursache für den Niedergang der Erde nicht näher erklärt. Jedoch brachten sowohl Journalisten sowie der Schauspieler Michael Caine den Klimawandel als Grund für die Veränderungen der Lebensbedingungen zur Diskussion.[21][22] Der Zeitraum der Handlung wird im Film nicht benannt, lässt sich jedoch auf die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts eingrenzen.

In Interstellar wird das Gedicht Do not go gentle into that good night von Dylan Thomas (deutsche Übersetzung: „Geh nicht gelassen in die gute Nacht“) mehrmals zitiert. Es dient sowohl für die Figuren von Cooper und seiner Tochter Murphy, als auch Prof. Brand und dessen Tochter Dr. Amelia Brand als ein Leitmotiv, was ihre jeweiligen Bestrebungen verdeutlichen. Zeitgleich steht Do not go gentle into that good night für den Pioniergeist der Menschheit, sich gegen das scheinbar unvermeidliche Ende des Daseins zu erheben.[23]

 
Kip Thorne (2007),
Berater und Executive Producer

Wissenschaftlicher HintergrundBearbeiten

Bei der Produktion von Interstellar wurde die Crew um Christopher Nolan vom Astrophysiker und späteren Nobelpreisträger Kip Thorne beraten. An seinen Theorien der Gravitationswellen sowie den Möglichkeiten der Raumfahrt mit Hilfe von Wurmlöchern orientierte sich Nolan bei Interstellar. Thorne agierte darüber hinaus im Filmprojekt als Executive Producer.[24] Zudem wurde das schwarze Loch Garantuna mithilfe der Berechnungen von Kip Thorne visualisiert.[17]

Thorne war darauf bedacht, dass die Inhalte des Films einen wissenschaftlichen Ursprung haben. So wird in Interstellar beispielsweise die derzeit einzige physikalische Möglichkeit von Zeitreisen durch Zeitdilatation genutzt.[25] Ein weiteres Beispiel ist, dass im Gegensatz zu manch anderen Science-Fiction-Filmen die nicht vorhandene Schallübertragung im Vakuum korrekt berücksichtigt wird. Bei Explosionen im Weltraum oder dem Zünden von Steuerdüsen sind keine Geräusche zu hören.

Kip Thorne wurde 2017, gemeinsam mit seinen Kollegen Rainer Weiss und Barry Barish, der Nobelpreis für Physik für den Nachweis und die Beobachtung von Gravitationswellen zugesprochen.[26]

Anlehnungen an 2001: Odyssee im WeltraumBearbeiten

Interstellar beinhaltet viele Parallelen mit Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum aus dem Jahr 1968. Kubrick musste das Ziel der Crew des gleichnamigen Romans von Arthur C. Clarke leicht anpassen und auf den Jupiter verlegen, weil es ihm technisch nicht möglich war, den Saturn überzeugend darzustellen. Nolan platzierte das Ziel seiner Crew, das Wurmloch, direkt am Saturn.[27] Eine weitere Anlehnung an 2001 ist das Design der Roboter TARS und CASE, welche den Monolithen nachempfunden wurden. Zeitgleich erfüllen die Monolithen und die Roboter ähnliche Aufgaben und helfen den Figuren ihre derzeitige Situation besser zu verstehen und voranzukommen. Im Verlaufe des Films wird in Interstellar von den zukünftigen Menschen als fünfdimensionale Wesen gesprochen. Hiermit wird die Übermenschtheorie von Friedrich Nietzsche aufgegriffen, welche inhaltlich sowie durch Also sprach Zarathustra fester Bestandteil von 2001: Odyssee im Weltraum war.

VeröffentlichungBearbeiten

Seine weltweite Premiere hatte Interstellar am 26. Oktober 2014 in Hollywood, drei Tage später fand die Europapremiere in London statt. Einen Tag vor dem regulären weltweiten Start am 6. November wurde der Film in ausgewählten Kinos aufgeführt, die noch in der Lage waren, analoge Projektionen abspielen zu können.[5][28] Die Heimkinoauswertung auf den etablierten Medien DVD und Blu-ray Disc startete fünf Monate später. Seine deutschsprachige Free-TV-Premiere hatte Interstellar am 30. April 2017 auf ProSieben. Eine Ultra-HD-Auswertung startete im Jahr 2018.[29]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

Interstellar erhielt von der internationalen und nationalen Presse viel Beachtung. Die Meinungen der Kritiker unterschieden sich teilweise stark. Während manche ein Meisterwerk sahen und Vergleiche mit Stanley Kubrick zogen, sahen andere einen zwar visuell sehr guten Film, der sich aber an bekannte Muster halte. Einige äußerten Unmut über das Ende des Films und beanstandeten Logiklöcher.

Scott Foundas schrieb in Variety, Interstellar sei die „bisher beste Arbeit des Regisseurs“. Ferner lobte er das „Visionäre“ des Films und setzte ihn in eine Reihe mit Der Zauberer von Oz und 2001: Odyssee im Weltraum.[30]

Todd McCarthy vom Hollywood Reporter sah in Interstellar „Nolans persönliche Antwort auf seinen Lieblingsfilm 2001: Odyssee im Weltraum“. Der Film sei voller „wundersamer Bilder und grundlegender Gefühle“, auch wenn nicht alle gleich gut funktionierten.[31]

Kritischer betrachtete Henry Barnes vom Guardian das Werk. So lobte er zwar die „beste Einbettung wissenschaftlicher Theorien in einen Blockbuster“ seit Nolans Inception, kritisierte aber, Nolan habe „bei all seinen Ambitionen“ vergessen, „Spaß an dem Ganzen zu vermitteln“.[32]

Gregor Wossilus vom Fernsehmagazin Kino Kino nahm den Film zwiespältig auf. Er sah „ein zumindest visuell ausgesprochen starkes Weltraumabenteuer“ und auch die Actionmomente und Effekte seien packend. Wossilus sah die „hochphilosophischen Ansätze“ in ein „typisches Unterhaltungs-Sci-Fi-Szenario“ eingebettet, das klar den Regeln des Genres folge. Weiterhin schrieb der Kritiker, dass das Finale an Logik zu wünschen übrig lasse.

Wie auch bei The Dark Knight und Inception empfand Gregor Wossilus Interstellar als „Hochglanz-Unterhaltungskino, das tiefgründiger sein will, als es am Ende ist“.[33]

In der deutschen Filmzeitschrift epd Film urteilt Frank Schnelle, dass das Problem von Interstellar „im großen dramaturgischen Bogen“ liegt, „den Nolan und sein Bruder Jonathan diesmal zu sehr überfrachten.“[34]

Die Deutsche Film- und Medienbewertung FBW in Wiesbaden verlieh dem Film das Prädikat wertvoll. In der Begründung heißt es: „In seinem Anspruch nimmt sich der Autor und Regisseur in den Augen der Jury sehr viel vor Die Komplexität des Themas, seine Aufbereitung, die Länge des Films und die teils überraschenden Wendungen stellen sicherlich eine große Herausforderung für den Zuschauer dar.“[35]

In der IMDb-Top-250-Liste lag der Film Mitte Dezember 2020 mit fast 1,5 Mio. Stimmen auf Platz 29 mit einer Durchschnittswertung von 8,6. Rotten Tomatoes wertet den Film mit 72 Prozent positiver Kritiken, der Kritikerkonsens dort lautet: „Interstellar repräsentiert mehr vom spannenden, nachdenklich-provozierenden und visuell glänzenden Filmemachen, welches Kinobesucher mittlerweile vom Autor und Regisseur Christopher Nolan erwarten, auch wenn die intellektuelle Reichweite des Films ein wenig seine Fassungskraft überschreitet.“[36][37]

Interstellar wurde im Erscheinungsjahr 2014 in Deutschland von 1,7 Millionen, in Österreich von 180.000 und in der Schweiz von 230.000 Kinobesuchern gesehen.[38][39][40]

EinspielergebnisBearbeiten

Bei einem geschätzten Produktionsbudget von 165 Millionen US-Dollar konnte Interstellar zunächst im Jahr 2014 ungefähr 677 Mio. US-Dollar weltweit an den Kinokassen einspielen. Dabei wurden 188 Mio. in den USA und 489 Millionen auf den anderen Erdteilen eingespielt.[41] Im Zuge der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 wurden die Kinostarts vieler großer Filmproduktionen verschoben. Kinos zeigten verstärkt ältere Produktionen. Interstellar konnte im Jahr 2020 weltweit 24 Mio. US-Dollar einspielen und sein damaliges Einspielergebnis auf über 702 Mio. US-Dollar anheben.[42] Von dem weltweiten Gesamteinspielergebnis wurden 26 Mio. US-Dollar im D-A-CH-Raum erwirtschaftet.[41]

AuszeichnungenBearbeiten

Interstellar wurden über 40 Auszeichnungen verliehen und über 140 weitere Nominierungen zugesprochen. Einheitlich wurde die visuelle Umsetzung sowie die musikalische Untermalung des Films hervorgehoben. So erhielt Interstellar einen Oscar sowie British Academy Film Award in der erstgenannten Kategorie. Weiterhin wurde Hans Zimmer für seine Komposition sowohl für den Oscar, den Golden Globe Award, den British Academy Film Award und den Grammy nominiert. Die nachfolgende Auflistung stellt eine Auswahl der bekanntesten Preise und Nominierungen dar.[43]

Oscarverleihung 2015

Golden Globe Award 2015

British Academy Film Awards 2015

Saturn Award 2015

Empire Award 2015

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Interstellar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Interstellar. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Oktober 2014 (PDF; Prüf­nummer: 148 011 K).
  2. Alterskennzeichnung für Interstellar. Jugendmedien­kommission.
  3. Christopher Nolan’s ‚Interstellar‘ to Be Paramount-Warner Bros Co-Production and Joint Distribution. In: deadline.com. 8. März 2013, abgerufen am 8. Oktober 2014.
  4. Ben Guarino: Three Americans win Nobel Prize in physics for gravitational wave discovery. In: The Washington Post. 3. Oktober 2017, abgerufen am 15. Dezember 2020.
  5. a b Starttermine für Interstellar. Internet Movie Database, abgerufen am 15. Dezember 2020.
  6. Neuer deutscher Trailer zu Christopher Nolans "Interstellar" mit Matthew McConaughey. In: filmstarts.de. 5. August 2014, abgerufen am 23. März 2018.
  7. Jay Fernandez: Spielberg, Nolan plan sci-fi project. In: Los Angeles Times. 24. März 2007, abgerufen am 27. Dezember 2020.
  8. Matthew McConaughey bestätigt Hauptrolle in Christopher Nolans Sci-Fi-Epos „Interstellar“. In: filmstarts.de. 3. April 2013, abgerufen am 6. Oktober 2014.
  9. „Interstellar“: Anne Hathaway steht erneut für Christopher Nolan vor der Kamera. In: filmstarts.de. 10. April 2013, abgerufen am 6. Oktober 2014.
  10. Michael Caine für Christopher Nolans Sci-Fi-Epos „Interstellar“ bestätigt. In: filmstarts.de. 4. Mai 2013, abgerufen am 8. Oktober 2014.
  11. Casey Affleck übernimmt Rolle in Christopher Nolans Sci-Fi-Thriller „Interstellar“. In: filmstarts.de. 21. Juni 2013, abgerufen am 8. Oktober 2014.
  12. Christopher Nolan dreht wieder: Produktion vom Sci-Fi-Thriller „Interstellar“ hat begonnen. In: filmstarts.de. 13. August 2013, abgerufen am 8. Oktober 2014.
  13. Interstellar (2014) filming & Production. In: IMDB. Abgerufen am 30. Dezember 2020.
  14. „Interstellar“ wird groß: Christopher Nolan setzt für Dreharbeiten auf IMAX-Kamera in luftiger Höhe. In: filmstarts.de. 19. November 2013, abgerufen am 9. Oktober 2014.
  15. Star of Christopher Nolan’s ‚Interstellar‘ notes film’s ‚major scope‘. In: latimes.com. 19. Dezember 2013, abgerufen am 9. Oktober 2014 (englisch).
  16. "Interstellar": Wenn aus Fiction Science wird. In: DerStandard. Abgerufen am 13. Februar 2015.
  17. a b Oliver James, Eugénie von Tunzelmann, Paul Franklin, Kip S. Thorne: Gravitational lensing by spinning black holes in astrophysics, and in the movie Interstellar. In: Classical and Quantum Gravity. Band 32, Nr. 6. IOP Publishing, 13. Februar 2015, doi:10.1088/0264-9381/32/6/065001.
  18. Hans Zimmer macht die Musik zu Christopher Nolans „Interstellar“ und arbeitet bereits dran. In: filmstarts.de. 3. Juni 2013, abgerufen am 11. Oktober 2014.
  19. Nicht einmal Hans Zimmer kennt Plot von Interstellar. In: moviepilot.de. 7. April 2014, abgerufen am 11. Oktober 2014.
  20. Interstellar. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 26. November 2014.
  21. Catherine Shoard: How Interstellar made Michael Caine think again about climate change. In: The Guardian. 29. Oktober 2014, abgerufen am 22. Dezember 2020.
  22. Thomas Klingenmaier: Die letzte Flüchtlingswelle. In: Stuttgarter Zeitung. 6. November 2014, abgerufen am 22. Dezember 2020.
  23. Ruth Klüger: Dylan Thomas: „Die gute Nacht“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5. Januar 2018, abgerufen am 15. Dezember 2020.
  24. Ralf Nestler: „Wurmlöcher sind möglich“. In: Tagesspiegel. 5. Dezember 2014, abgerufen am 15. Dezember 2020.
  25. Jean-Pierre Luminet: The Warped Science of Interstellar. Hrsg.: Aix-Marseille Université. Marseille 2015, S. 9.
  26. Nobelpreis für Physik 2017. Abgerufen am 3. Oktober 2017.
  27. „Lautlos im Weltraum“. In: Wissenschaft.de. 16. April 2013, abgerufen am 6. Februar 2021.
  28. Pamela McClintock: How Christopher Nolan’s Crusade to Save Film Is Working. In: hollywoodreporter.com. 10. Januar 2014, abgerufen am 4. November 2014 (englisch).
  29. Interstellar (2014). OFDb.de, abgerufen am 15. Dezember 2020.
  30. Scott Foundas: Film Review: ‚Interstellar‘. In: variety.com. 27. Oktober 2014, abgerufen am 31. Oktober 2014 (englisch).
  31. Todd McCarthy: Christopher Nolan aims for the stars in this brainy and gargantuan sci-fi epic. In: hollywoodreporter.com. 27. Oktober 2014, abgerufen am 31. Oktober 2014 (englisch).
  32. Henry Barnes: Interstellar Review. In: theguardian.com. 28. Oktober 2014, abgerufen am 31. Oktober 2014 (englisch).
  33. Gregor Wossilus: Interstellar. Kino Kino – das Filmmagazin im Bayerischen Fernsehen, 27. Oktober 2014, archiviert vom Original am 8. November 2014; abgerufen am 1. Dezember 2014.
  34. Frank Schnelle: Filmkritik zu Interstellar. In: epd-film.de. Abgerufen am 5. November 2014.
  35. Film - Interstellar. In: Deutsche Filmbewertung und Medienbewertung FBW. Abgerufen am 30. Januar 2021.
  36. Interstellar (2014). In: imdb.com. Abgerufen am 15. Dezember 2020.
  37. Interstellar (2014). Rotten Tomatoes, abgerufen am 6. April 2019.
  38. Die erfolgreichsten Filme in Deutschland 2014. In: insidekino.de. Abgerufen am 24. Juli 2020.
  39. Insgesamt mehr Kinobesucher für EU-Produktionen, aber nicht in Österreich. In: kurier.at. 15. Februar 2015, abgerufen am 14. Februar 2021.
  40. Top-10 Schweiz IV. Quartal 2014. In: insidekino.de. Abgerufen am 14. Februar 2021.
  41. a b Interstellar(2014). Box Office Mojo, abgerufen am 15. Dezember 2020 (englisch).
  42. Interstellar 2020 Re-release. Box Office Mojo, abgerufen am 15. Dezember 2020 (englisch).
  43. Interstellar - Awards. In: IMDb. Abgerufen am 30. Januar 2021.


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