Hauptmenü öffnen

Inter-Services Intelligence

Militärgeheimdienst in Pakistan
PakistanPakistan Inter-Services-Intelligence
— ISI —
Staatliche Ebene Bund
Bestehen seit 1948
Hauptsitz Islamabad
Behördenleitung Asim Munir
Mitarbeiter ca. 10.000 (geschätzt)

Inter-Services Intelligence oder ISI ist seit 1948 ein Geheimdienst der Streitkräfte Pakistans. Er gilt als einer der mächtigsten und am besten ausgestatteten Nachrichtendienste der islamischen Welt[1] und als ein Staat im Staate mit zum Teil eigener Außenpolitik.[1][2] Der derzeitige Direktor ist seit 2018 Generalleutnant Asim Munir.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

GründungBearbeiten

Der Inter-Services Intelligence entstand 1948, kurz nach der Unabhängigkeit Pakistans, um die Armee des jungen Staates durch einen leistungsfähigen Militärgeheimdienst zu unterstützen. Der ISI war in seiner Gründungsphase maßgeblich die Schöpfung von Major General R. Cawthome, einem in Australien geborenen Offizier der British Army, der zu jener Zeit stellvertretender Stabschef der neuen Pakistanischen Armee war. Sein erster Chef war Generalmajor Syed Shahid Hamid, der zunächst nur über ein kleines Büro in Karatschi verfügte[3].In den ersten Jahren seiner Geschichte war der ISI ausschließlich als militärischer Auslandsgeheimdienst konzipiert, dessen Auftrag die Sammlung und Analyse ziviler und militärischer Informationen war. Unter der Herrschaft von Muhammed Ayub Khan wurde der Auftrag zunehmend auf die Überwachung von Oppositionellen in Pakistan selbst und den Schutz der Militärherrschaft ausgedehnt. In seiner weiteren Entwicklung bekam der ISI zunehmend den Ruf, ein Staat im Staate zu sein, der weder der Armee noch der Regierung verantwortlich, sondern von Korruption durchsetzt war.

Konflikt mit der SowjetunionBearbeiten

In den 1980er Jahren wurde der ISI zu einem zentralen Bestandteil der Bemühungen der USA, Pakistans und verschiedener afghanischer Guerilla-Bewegungen, die Sowjetarmee aus Afghanistan zu vertreiben. Angeführt wurden diese Bemühungen von Seiten Pakistans durch Akhtar Abdur Rahman, der unter dem Staatschef General Mohammed Zia ul-Haq Director General des ISI war. Neben dem Transport von Waffen nach Afghanistan bestand der Beitrag des ISI unter anderem in der Ausbildung von ungefähr 83.000 Mudschaheddin in den Jahren von 1983 bis 1997 für den Kampf in dem Nachbarland. Diese Aktivitäten setzte der ISI auch nach dem Abzug der Roten Armee aus Afghanistan weiter fort.

Konflikt mit AfghanistanBearbeiten

Der afghanische Geheimdienst, die nationale Sicherheitsdirektion und die afghanische Regierung beschuldigen den ISI seit langem, die aufständischen Taliban heimlich zu unterstützen. Der pakistanische Geheimdienst soll beispielsweise bei der Entführung von südkoreanischen Geiseln[4] und des Taliban-Angriffs auf eine Militärparade in Kabul beteiligt gewesen sein.[5] Ein Tiefpunkt zwischen Afghanistan und Pakistan wurde erreicht, als der ISI für einen Selbstmordanschlag vor der indischen Botschaft in Kabul im Juli und für ein versuchtes Attentat auf Hamid Karzai im April 2008 verantwortlich gemacht wurde.[6] Ende Juli 2008 gab der afghanische Geheimdienst bekannt, dass der ISI 3000 Terroristen nach Afghanistan eingeschleust haben soll, um das Straßenbauprojekt einer indischen Firma zu sabotieren.[7] Die pakistanische Regierung hat alle erhobenen Anschuldigungen zurückgewiesen. 2010 brachte die London School of Economics eine Studie heraus, die von massiver Hilfe mit Geld, Munition und Ausrüstung an die Taliban berichtet.[8]

Die pakistanischen Streitkräfte drohten am 5. Mai 2011 nach der Tötung von Osama bin Laden durch die DEVGRU (Operation Neptune’s Spear) offen damit, die Zusammenarbeit mit den USA zu beenden, falls es noch einmal zu einer ähnlichen Aktion kommen sollte. Im Westen, speziell in den USA, war die Frage laut geworden, wie es dem ISI entgehen konnte, dass Bin Laden in einer Garnisonsstadt in der Nähe der Landeshauptstadt Islamabad lebte.[9]

Laut US-Generalstabschef Mike Mullen unterstützte der ISI Kämpfer des Haqqani-Netzwerk beim Angriff auf das Hotel Intercontinental in Kabul 2011 in der Nacht auf den 29. Juni 2011, für einen Autobombenanschlag am 11. September 2011 in Kabul und dem Angriff von einem Rohbau aus das Nato-Hauptquartier und die Botschaft der Vereinigten Staaten in Kabul am 13. und 14. September 2011 in Durchführung und Planung. US-Senator Mark Kirk bezeichnete den ISI als „die größte Gefahr für Afghanistan“. Das pakistanische Innenministerium bestritt dies.[10]

OrganisationBearbeiten

Die Zentrale des ISI befindet sich in Islamabad. Der Leiter trägt den Titel Director General und muss ein Generalleutnant der pakistanischen Armee sein. Drei stellvertretende Direktoren, die direkt an den Director General berichten, sind jeweils für einen Zweig des ISI verantwortlich: Der interne Flügel, der sich mit Spionageabwehr und innerpakistanischen Angelegenheiten befasst, der externe Flügel und die Abteilung für Analyse und außenpolitische Beziehungen.

Das Personal des ISI wird hauptsächlich aus paramilitärischen und Spezialeinheiten der pakistanischen Armee rekrutiert. Die Mitarbeiterzahl wird nicht veröffentlicht, wird aber von Experten auf ca. 10.000 Offiziere und sonstige Angehörige geschätzt.[11]

Verhältnis zu deutschen StellenBearbeiten

Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) kooperiert mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI. Strategisches Ziel ist es, an Informationen aus islamistischen Terrorzellen zu gelangen.

Dennoch spionierte der ISI auch deutsche Stellen aus. So flossen 2011 Informationen durch ein Sicherheitsleck beim „German Police Project Team“ (GPPT) an den ISI ab. Das GPPT bildet seit 2002 afghanische Polizisten aus. Dienstliche Telefongespräche, wie Meldungen an das Bundesinnenministerium, militärische Einsatzbefehle und die Kommunikation über zwei Verbindungsbüros mit den Stäben der US-Truppen sowie der Nato habe der ISI demnach mitgelesen[12].

Der Guardian schrieb 2011, der BND habe der CIA den Hinweis gegeben, Osama Bin Laden lebe mit Wissen des ISI in Pakistan.[13]

2018 räumte der ehemalige BND-Chef Gerhard Schindler ein, dass der ISI auch Terroranschläge gegen den Westen unterstütze, die Zusammenarbeit sei jedoch "alternativlos". Bis zu diesem Zeitpunkt waren 380 pakistanische Führungsoffiziere in Deutschland von der Bundeswehr ausgebildet worden.[14]

LiteraturBearbeiten

  • Muhammad Ayub: An Army, Its Role and Rule (A History of the Pakistan Army from Independence to Kargil from 1947–1999). ISBN 0-8059-9594-3.
  • Abid Ullah Jan: From BCCI to ISI: The Saga of Entrapment Continues. ISBN 0-9733687-6-4.
  • Mohammad Yousaf (ISI-Brigadier): Afghanistan the Bear Trap: The Defeat of a Superpower. ISBN 0-85052-860-7.
  • Steve Coll: Ghost Wars: The Secret History of the CIA, Afghanistan, and Bin Laden, from the Soviet Invasion to September 10, 2001. ISBN 1-59420-007-6.
  • Brassey’s International Intelligence Yearbook. ISBN 1-57488-550-2.
  • Jerrold E Schneider, P R Chari, Pervaiz Iqbal Cheema, Stephen Phillip Cohen: Perception, Politics and Security in South Asia: The Compound Crisis in 1990. ISBN 0-415-30797-X.
  • George Crile: Charlie Wilson’s War: The Extraordinary Story of the Largest Covert Operation in History. ISBN 0-8021-4124-2.
  • Jonathan Bloch: Global Intelligence: The World’s Secret Services Today. ISBN 1-84277-113-2.
  • James Bamford: A Pretext for War: 9/11, Iraq, and the Abuse of America’s Intelligence Agencies. ISBN 0-385-50672-4.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Geheimdienst ISI kooperiert mit al-Qaida. (Spiegel Online) Spiegel, abgerufen am 27. März 2009.
  2. Südwest Presse: Kommentar zu Pakistan, 18. August 2008
  3. Obituary: Maj-Gen Syed Shahid Hamid. Ahmed Rashid. In: The Independent. 15. März 1993, abgerufen am 12. März 2019.
  4. Stern: Vorwürfe gegen Pakistans Geheimdienst, 5. August 2007
  5. Berner Zeitung: Indische Botschaft im Visier von Terroristen
  6. die tageszeitung: Nachbarn ärgern sich über Islamabad, 4. August 2008
  7. International Herald Tribune: Afghan spy agency says Pakistan prepares anti-India attacks, 28. Juli 2008
  8. Frankfurter Rundschau: Die Helfer der Taliban@1@2Vorlage:Toter Link/www.fr-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. RP vom 6. Mai 2011: Pakistan droht USA nach Bin-Laden-Tod mit Bruch
  10. Hilfe für Anschlag in Kabul? In: ORF. 23. September 2011, abgerufen am 23. September 2011.
  11. Federation of American Scientists
  12. WELT: Afghanistan: Pakistans Geheimdienst hört deutsche Polizisten ab. In: DIE WELT. 30. Oktober 2011 (welt.de [abgerufen am 21. November 2018]).
  13. Alia Waheed: Revealed: the British Pakistani brigadier at the centre of new Bin Laden death conspiracy. 19. Mai 2015, ISSN 0307-1235 (telegraph.co.uk [abgerufen am 21. November 2018]).
  14. tagesschau.de: Wie der BND mit dem Paten des Terrors zusammenarbeitet. Abgerufen am 21. November 2018 (deutsch).