Inflation im Römischen Reich

Die Inflation im Römischen Reich war eine lang anhaltende Preissteigerung, die verbunden mit der schweren politischen Reichskrise das Römische Reich im 3. Jh. heimsuchte und unter Konstantin dem Großen beendet wurde. Der Begriff Inflation (lateinisch: inflatio, (Sich-)Aufblähen, Anschwellen) wurde damals noch nicht verwendet, man sprach von Teuerung und Geldentwertung.[1]

Die römische WirtschaftBearbeiten

Im 3. Jahrhundert hatte das Römische Reich ein entwickeltes Münzwesen, welches im täglichen Leben genutzt wurde, der Tauschhandel war nicht mehr üblich. Die Münzen bestanden aus Gold, Silber, Bronze und Kupfer. Kupfermünzen waren das tägliche Geld, Gold war der Oberschicht vorbehalten. Der Wert des Gelds hing nicht direkt mit dem Metallwert der Münzen zusammen, sondern beruhte bereits auf dem Vertrauen in den römischen Staat. Der römische Staat finanzierte sich durch Abgaben („Steuern“) und durch die Erträge erfolgreicher Eroberungen. Die besiegten Länder wurden geplündert, (Edel-)Metalle und Sklaven waren die Kriegsbeute. Nachdem der gesamte Mittelmeerraum erobert war, kam diese Quelle zum Erliegen, die Ausgaben blieben aber weiterhin hoch.[2] Man schätzt, dass der römische Staat 75 % seiner Einnahmen für die Truppen verwendete, 20 % für Rom und 5 % für seine Verwaltung.[2][3]

Beginn der KriseBearbeiten

Öffentliche Bauten wie die Caracalla-Thermen und die Diokletiansthermen sowie der Bau des Limes beanspruchten die Arbeitskraft und die finanzielle Leistungsfähigkeit des Reiches. Man begann, den Edelmetallgehalt der Münzen zu reduzieren. Der Goldgehalt des Aureus sank von 8 auf 5,5 Gramm. Der Silbergehalt des Denars sank noch stärker, wurden unter Augustus ca. 85 Münzen pro Pfund (327,45 g) geprägt, waren es unter Severus Alexander ca. 227.[1] Unter Diokletian verschlechterte sich die finanzielle Situation, es mangelte an Zahlungsmitteln, man kehrt teilweise zum Tauschhandel zurück. Die Inflation von 260 bis 300 wird auf 10 % pro Jahr geschätzt.[2] Angaben zur Preisentwicklung sind rar. Der überwiegende Teil der Preisinformationen entstammt Papyrustexten, die sich während der gesamten römischen Herrschaft über Ägypten im dortigen Wüstensand erhalten haben. Nach einer relativ stabilen Periode von 191 bis 270 stiegen die Preise bis in die 290er Jahre um das 10-fache an.[1]

LösungsansätzeBearbeiten

Diokletian erließ 301 sein berühmtes Höchstpreisedikt, welches für viele Waren Höchstpreise festsetzte.

 
Diokletian Höchstpreisedikt, Fragment

Das Edikt war umstritten, hat aber dazu beigetragen, dass sich langfristig die Wirtschaft stabilisierte. Kurzfristig entstand ein Schwarzmarkt und man verdächtigte die Christen als Preistreiber. Konstantin sanierte die staatlichen Finanzen und führte den Solidus mit 4,5 Gramm Gold ein. Er führte eine Umsatzsteuer ein, die selbst die Prostituierten betraf, und reduzierte die Steuervergünstigungen z. B. für Familien mit vielen Kindern.[2]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Gregor Weber: Indikatoren für Inflation im Römischen Reich. In: Ausstellungen in der Universitätsbibliothek Eichstätt/Ingolstadt. Vorträge bei Ausstellungseröffnungen (Schriften der Universitätsbibliothek Eichstätt 52). Universität Eichstätt/Ingolstadt, 2003, abgerufen am 8. September 2022.
  2. a b c d Remy Dessartes: Inflation : Histoire d’un mal ancien. In: Capital. Nr. 371. Prisma Media, Gennevilliers August 2022, S. 76.
  3. Antony Hostein, Julien Olivier: Inflation à Rome, l’empereur fait son Maximum. France Culture, 5. September 2022, abgerufen am 8. September 2022 (französisch).