Hauptmenü öffnen
Imre Pozsgay (2012)

Imre Pozsgay [ˈimrɛ ˈpoʒɡɒi] (* 26. November 1933 in Kóny, Budapest; † 25. März 2016[1]) war ein ungarischer Politiker.

Während seines Studiums der Philosophie und Geschichte schloss er sich 1950 der kommunistischen „Partei der ungarischen Werktätigen“ (seit 1956 USAP = Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei) an. In den Jahren 1976 bis 1990 hatte er verschiedene Ministerämter inne und war 1980 bis 1989 Mitglied des ZK, 1988 bis 1989 Mitglied des Politbüros der USAP. Er trat für die Neuordnung Ungarns auf demokratischer Basis ein.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung beim Zusammenbruch des OstblocksBearbeiten

Pozsgay gilt als einer der Pioniere des Umbruchs in den ehemaligen Ostblock-Staaten: Bereits im Mai 1989 wurde er in einem Spiegel-Artikel im Zentrum der radikalen Erneuerer in Ungarn gesehen.[2] Walter Mayr, langjähriger Russlandkorrespondent des Spiegel, nennt Pozsgay 20 Jahre später sogar den „Lenker und Schutzpatron aller magyarischen Vor- wie Querdenker“ und weist darauf hin, dass Pozsgay stets seiner Zeit voraus gewesen sei. So habe er schon 1968 seine Dissertation über die „Möglichkeiten der Demokratie im Sozialismus“ verfasst. Als Mitglied des Zentralkomitees habe er bereits 1981 vor Ungarns „Weg in die Schuldenfalle“ gewarnt und 1988 die Grenzanlagen als „technisch, moralisch, historisch“ überholt bezeichnet. Auch habe er die Berliner Mauer im Mai 1989 eine Schande genannt.[3] Dieter Segert stellt Pozsgay sogar auf eine Stufe mit den beiden wesentlich bekannteren Politikern Jaruzelski und Gorbatschow, die für ihn alle drei „Helden des Rückzugs“ sind.[4]

Gemeinsam mit Otto Habsburg-Lothringen war Pozsgay Schirmherr für das zur Grenzöffnung führende Paneuropäische Picknick am 19. August 1989 bei der Grenze nahe Sopron, das zahlreiche DDR-Bürger zur Flucht nach Österreich nutzten.[3]

Pozsgay arbeitete nach 1990 als Professor an der Universität Debrecen und an der Károli Gáspár Universität in Budapest. 2010 wurde Pozsgay mit der Dr.-Rainer-Hildebrandt-Medaille von Alexandra Hildebrandt ausgezeichnet. Mit dem Preis wird einmal im Jahr außerordentliches, gewaltloses, menschenrechtliches Engagement gewürdigt.[5]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Imre Pozsgay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

QuellenBearbeiten

  1. Mort d’Imre Pozsgay, le « Gorbatchev hongrois », Online-Ausgabe der Le Monde, 30. März 2016
  2. Riesiger Schwall, Der Spiegel, Heft 21, 22. Mai 1989, S. 196–200, online
  3. a b Walter Mayr: Der erste Stein, Der Spiegel, Heft 22, 25. Mai 2009, S. 114–117, online
  4. Dieter Segert: Die Grenzen Osteuropas, 1918, 1945, 1989: drei Versuche im Westen anzukommen, Frankfurt /M., 2002, S. 232, Google-Books.
  5. Bisherige Preisträger (Memento vom 2. August 2016 im Internet Archive) auf mauermuseum.de