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Impfgegnerschaft

bezeichnet generelle Ablehnung von Impfungen

Impfgegnerschaft bezeichnet generelle Ablehnung von Impfungen.

Impfgegner sind entweder religiös motiviert oder haben Angst vor angeblichen „Impfschäden“. Einige Impfgegner vermuten hinter Impfungen eine Verschwörung, andere leugnen gar die Existenz oder Pathogenität von Viren.[1] Die von Impfgegnern teilweise dogmatisch vorgebrachten „Argumente“ sind allesamt wissenschaftlich widerlegt, das Phänomen gilt als Form der Wissenschaftsleugnung[2] und als verbreitete Verschwörungstheorie. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Impfgegner zu den weltweit zehn größten Gefahren für die Gesundheit der Menschheit.

Inhaltsverzeichnis

Historische Ursprünge, Verbreitung und demografische CharakteristikaBearbeiten

 
Karikatur zu Impfgegnern, die befürchteten, durch die Pockenimpfung zu Kühen zu werden (1802)

Von Personen mit ablehnender Haltung wurde bereits bei der ersten Impfung am Anfang des 19. Jahrhunderts berichtet, die sich gegen die gefürchteten Pocken richtete.

1881 erschien die einflussreiche Kampfschrift Die Judenfrage als Racen-, Sitten- und Culturfrage. Mit einer weltgeschichtlichen Antwort. von Eugen Dühring, einem der wichtigsten Vordenker des späteren Nationalsozialismus und der mit ihr verbundenen Rassenlehre. In ihr behauptete er, das Impfen sei ein Aberglaube, von jüdischen Ärzten aus Gründen der persönlichen Bereicherung erfunden.

Laut RKI sind schätzungsweise drei bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung Impfgegner, eine Befragung kam 2014 auf zwei bis vier Prozent.[3] Etwa ein Prozent von befragten Eltern lehnen es strikt ab, ihre Kinder impfen zu lassen.[4] In Ländern mit niedrigerem Bildungsstandard liegt der Anteil teils deutlich höher.[5] Negative Berichte über Impfschäden oder die Leugnung des Impfprinzips selber werden von Impfgegnern in Büchern, in wissenschaftskritischen Internet-Foren und insbesondere auf impfablehnenden Webseiten mit verschwörungstheoretischen Inhalten publiziert, die bei Suchen häufig in den ersten Stellen platziert sind.[6] Diese Webseiten verweisen in der Regel auf andere Webseiten ähnlicher Ausrichtung. Eine Befragung von deutschen Hebammen im Mai 2007 ergab, dass zwei Drittel von ihnen die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) befürworteten, ein Viertel lehnte die MMR-Impfung ab.[7] Letzteres verunsichert manche junge Eltern und kann dazu führen, dass sie aus Angst vor der Impfung den Schutz ihrer Kinder vor Infektionskrankheiten verweigern. Impfgegner sind oft durch alternativmedizinische, anthroposophische oder esoterische Ansichten motiviert. Nachweislich erhalten die Kinder von Anhängern der Alternativmedizin signifikant seltener die empfohlenen Schutzimpfungen,[8] auch unter den Eltern, die Attachment Parenting nach Sears praktizieren, finden sich überdurchschnittlich viele Impfgegner.[9] So werden Masernerkrankungen in der Schweiz seit Jahren im Wesentlichen aus den Kantonen Basel-Landschaft und Luzern gemeldet, in denen Anthroposophen und deren Einrichtungen sehr aktiv sind.[10] Mehrere hundert Kinder mussten wegen schwerer Masern-Komplikationen in Krankenhäuser eingewiesen werden, ein Mädchen starb.[11] Diese Entwicklung ist auch in Deutschland zu beobachten. So starb ein Kleinkind in Berlin während eines größeren Masernausbruchs mit einigen hundert registrierten Fällen im Herbst 2014.[12] In Deutschland waren in den 2010er die anthroposophischen Waldorfschulen wiederholt Ausgangspunkt für Masern-Epidemien.[4]

Zu solchen Ansichten tragen oft übertriebene Angst vor Impfschäden, Misstrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen, gegenüber der Pharmaindustrie und gegenüber der Medizin im Allgemeinen sowie Unwissenheit und irreführende Medienberichte bei.[13] Im Mai 2019 hat Facebook angekündigt, ab sofort unwahre Aussagen, welche auf Instagram veröffentlicht werden, zu löschen.[14]

Reaktion von Behörden und OrganisationenBearbeiten

Im Gegensatz dazu stellten die Vereinten Nationen und UNICEF im Jahr 2002 fest, dass jedes Kind ein Recht auf Impfung gegen verhütbare Krankheiten hat. In der Ausgestaltung des Paragraph 24 der UN-Kinderrechtskonvention,[15] der Kindern das Recht auf größtmögliche Gesundheit zuspricht, wurde zu Impfungen die Position eingenommen, dass „die Routineimpfung von Kindern notwendig ist, um das Recht der Kinder auf Gesundheit zu gewährleisten“.[16][17][18]

Die Weltgesundheitsorganisation nahm 2019 „Impfzurückhaltung“ (vaccine hesitancy), „die Abneigung gegen oder die Verweigerung von Impfungen trotz verfügbarer Impfstoffe“, in ihre Liste der zehn weltweit größten Gesundheitsbedrohungen auf.[19]

Nach Angaben der Vereinten Nationen sterben noch immer „jedes Jahr rund drei Millionen Kinder an Krankheiten, die mit einer bis drei Einheiten einfach erhältlicher Impfstoffe leicht hätten verhindert werden können, vor allem in Entwicklungsländern. Millionen weiterer Kinder werden durch diese Krankheiten geschwächt oder schwerbehindert“.[16] Für 2019 führt die WHO Impfverweigerung als eine von zehn Ursachen an, die global zu einer Gefährdung der Gesundheit führt.[20]

Dagegen sind viele schwerwiegende Infektionskrankheiten in den Industrienationen durch Impfprogramme und gute Durchimpfung der Bevölkerung selten geworden.[21] Auch Impfverweigerer werden dabei Nutznießer der hohen Populationsimmunität durch das Impfen. Vergessen oder verharmlost werden in der Folge die Konsequenzen von Infektionskrankheiten mit ihren Komplikationen, angefangen bei Entwicklungsschäden über bleibende körperliche Behinderungen bis hin zum Tod.[22] Diese Risiken werden auch bei den so genannten Masernpartys unterschätzt. Die empfohlene Masernimpfung bietet einen sicheren und sehr gut verträglichen Schutz, ohne das Risiko einer Lungen- oder Hirnentzündung. Die Kontroversen im Detail werden in den Artikeln über Impfstoffe erörtert (MMR-Impfstoff, hexavalenter Impfstoff u. a.).

BegründungenBearbeiten

Die Impfgegner geben fünf typische Gründe an, die in der psychologischen Forschung auch Die 5C genannt werden:[23][24]

  • Confidence: mangelndes Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen
  • Complacency: ein als niedrig wahrgenommenes Krankheitsrisiko
  • Constraints: Einschränkungen wie Stress oder Zeitnot, die Impfungen im Alltag entgegenstehen
  • Calculation: eigene Versuche, sich Informationen zu beschaffen, was zu Falschinformationen führen kann
  • Collective responsibility: den Impfschutz anderer ohne eigene Impfung auszunutzen

Die Argumente der Impfgegner werden verbreitet als Verschwörungstheorie bezeichnet.[25][26][27] Sie beziehen sich in der Regel auf einen oder mehrere der in den folgenden vier Abschnitten genannten, sich hiermit teilweise überdeckenden Kritikpunkte.[5]

WirksamkeitBearbeiten

Impfgegner sind der Meinung, dass es keine Nachweise für die Wirksamkeit von Impfungen gebe, die „wissenschaftlichen Kriterien“ standhielten. Zahlreiche veröffentlichte Studien, die den Anforderungen der evidenzbasierten Medizin genügen, bestätigen jedoch die Wirksamkeit der untersuchten Impfstoffe. Zwar kann keine Impfung hundertprozentig vor der jeweiligen Erkrankung schützen. Eine Impfung senkt allerdings die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich. Die Wirksamkeit des Schutzes unterscheidet sich je nach Impfung.

Gegner bemängeln ferner die Wirksamkeitsmessung mittels Antikörpertiter. Zahlreiche Interventions-Studien und epidemiologische Analysen beweisen aber eine gute Übereinstimmung zwischen Antikörperwerten und Schutz vor der Infektionskrankheit.[28] Die Erkrankungszahlen von Infektionskrankheiten brechen in der Regel kurz nach Einführung der Impfungen ein. Beispielsweise wurden vor der Einführung der Masernimpfung in den USA im Jahr 1963 ungefähr 500.000 jährliche Masernerkrankungen mit 500 Toten erfasst (geschätzt wurden 3–4 Millionen). Wenige Jahre nach der Einführung wurde ein Rückgang der Erkrankungen um 98 % registriert.[29]

Auch die Herdenimmunität durch Impfungen ist gut belegt. Eine britische Studie kam 2006 zu dem Ergebnis, dass eine routinemäßige Grippeimpfung des Personals in Jahren mit einer starken Grippewelle die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit von Senioren- und Pflegeheimbewohnern deutlich senken kann. Während bei Senioren die Schutzwirkung einer Impfung zwischen 50 und 70 Prozent liegt, lag der Wirksamkeitgrad bei dem meistens deutlich jüngeren Personal bei bis zu 90 Prozent.[30] Die Ständige Impfkommission des RKI empfiehlt Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen sowie medizinischem Personal aufgrund eines beruflichen Risikos oder zum Schutz Dritter unter anderem Impfungen gegen Influenza.[31]:311

Unerwünschte WirkungenBearbeiten

Impfgegner argumentieren, dass es Krankheiten und Spätfolgen gebe, die als Nebenwirkungen der Impfung oder ihrer Inhaltsstoffe gesehen werden könnten. Als Spätfolgen von Impfungen wurden unter anderem Allergien, Autoimmunerkrankungen, Asthma, Autismus, Diabetes, Heuschnupfen, HIV, Homosexualität, Krebs, Kriminalität, Morbus Crohn, Multiple Sklerose oder plötzlicher Kindstod angeführt. Diese Aussagen basieren zum Teil auf Fälschungen, wie etwa der Fall Wakefield beim angeblichen Zusammenhang zwischen MMR-Impfstoffen und Autismus, und wurden durch viele Studien entkräftet,[22][32][33][34][35] Die Widerlegungen werden aber oftmals von Impfgegnern ignoriert. Epidemiologische Vergleiche zeigen, dass Allergien in der Bevölkerung der früheren DDR, in der eine Impfpflicht bestand, erst nach der Wende signifikant zunahmen – gleichzeitig mit einem Rückgang der Schutzimpfungen.[36]

Auch die Behauptung, Impfungen könnten Krebs verursachen, erweist sich im Lichte der Forschung als falsch: Aufgrund der Tatsache, dass weltweit jede sechste Tumorerkrankung auf Infektionen mit pathogenen Bakterien oder Viren, wie z. B. Helicobacter pylori, Hepatitis-B- und C-Viren, zurückzuführen ist, ergibt sich im Gegenteil, dass die meisten dieser infektionsbedingten Krebserkrankungen mit einer geeigneten Impfung vermeidbar wären.[37] Ein möglicher Zusammenhang zwischen Leukämien, gerade bei Kindern, und Impfungen (MMR, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B, Haemophilus influenzae b-Infektion) wurde durch zahlreiche Studien widerlegt.[38]

Angeführt wird von Impfgegnern auch, dass Zulassungsstudien von Impfungen aufgrund ihrer beschränkten Größe nur einen Bruchteil der Nebenwirkungen erfassen könnten und so Nebenwirkungen, die seltener als 1:500 auftreten, nicht ermittelt würden. Darüber hinaus sei das Meldesystem des Infektionsschutzgesetzes nicht in der Lage, das tatsächliche Ausmaß der Impfkomplikationen in Deutschland zu erfassen; infolgedessen werde das Verhältnis von Nutzen und Schaden falsch eingeschätzt.

Tatsächlich müssen Impfstoffe – ebenso wie alle anderen Medikamente – vor ihrer Einführung ein komplexes Zulassungsverfahren durchlaufen.[36] Für diese Zulassung müssen vom Hersteller umfangreiche Studien vorgelegt werden, welche die Wirksamkeit und Verträglichkeit belegen. Nach Einführung eines Impfstoffes muss den zuständigen Zulassungsbehörden periodisch in vorgeschriebenen Zeitabständen ein Bericht vorgelegt werden, der die aktuelle Datenlage zur Unbedenklichkeit – wie beispielsweise unabhängige Folgestudien von Universitätskliniken und anderen Forschungseinrichtungen oder Meldungen von Nebenwirkungen an die Gesundheitsbehörden – zusammenfasst.[39] Das Meldesystem ist dabei ein wichtiges Instrument für erste, möglichst zeitnahe Ermittlungen von möglichen Nebenwirkungen. Aufgrund dieses Verfahrens wurde beispielsweise die mangelhafte Langzeitwirkung der Hepatitis-B-Komponente des Sechsfachimpfstoffes Hexavac erkannt, so dass dieser Impfstoff vom Markt zurückgezogen wurde.[40]

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vorstellung, dass „zu viele“ Impfungen oder Kombi-Impfungen das Immunsystem „überlasten“ würden. Dies berücksichtigt jedoch weder die Tatsache, dass durch eine einzige Mahlzeit mehr Fremdantigene aufgenommen werden als insgesamt im Leben durch Impfungen,[35] noch die verbesserte Verträglichkeit der moderner Impfstoffe.[35] So konnte die Spezifität durch Fortschritte in der Produktion erhöht werden, die Anzahl der zu einer Immunantwort nötigen Antigene ist gesunken. Während heute genutzte azellulären Keuchhustenimpfstoffe drei bis fünf Komponenten erhalten, waren in den früheren Ganzkeim-Pertussis-Impfstoffen etwa 3000 unterschiedliche Antigene vorhanden.[35] Insgesamt werden im ersten Jahr einem Säugling etwa 150 Antigene durch Impfungen präsentiert, was im Vergleich zu früher eine Reduktion um den Faktor 10 entspricht. Außerdem ist das Immunsystem eines Säuglings bereits für alle wesentlichen Abwehrfunktionen bereit, nach einer Schätzung könnte ein Kleinkind die Antigenmenge in 10.000 Impfungen auf einmal verkraften.[41] Eine große in den USA durchgeführte Studie bestätigt, dass viel Impfen nicht schadet.[42] Impfungen können im Gegenteil das generelle Infektionsrisiko eines Kleinkindes senken, wenn es innerhalb der ersten drei Monate eine Kombinationsimpfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Hib und Kinderlähmung erhalten hatte.[43]

DatenlageBearbeiten

Von Impfgegnern wird angeführt, dass die Impfstoffhersteller Einfluss auf die zuständigen Gesundheitsbehörden (z. B. die STIKO des Robert-Koch-Instituts in Deutschland und das CDC in den USA) sowie auf die Wissenschaftler in diesem Feld ausüben würden, so dass es mangelhafte Aufklärung gebe.[44]

Für die Zulassung von Impfungen müssen Studien bei den zuständigen Zulassungsbehörden (z. B. das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland und die U.S. FDA) vorgelegt werden, welche die Wirksamkeit und Verträglichkeit belegen und in der Tat vom Antragsteller finanziert werden. Ausgeführt werden diese Studien in einer Klinik oder mehreren Kliniken. Im Rahmen der Pharmakovigilanz finden jedoch durchaus auch Studien statt, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Gegen den Vorwurf fehlender Neutralität und persönlicher Bereicherung wird erwidert, dass die Gesundheitsbehörden von Regierungen unterschiedlichster politischer Ausrichtung (z. B. die ehemaligen Ostblockstaaten) zu im Wesentlichen gleichen Empfehlungen gelangten.

Wirtschaftliche InteressenBearbeiten

Impfstudien werden – wie alle Medikamentenstudien – größtenteils von der Pharmaindustrie finanziert.[45] Aus den Tatsachen, dass einige Mitglieder der Ständigen Impfkommission früher Kontakt zu Pharmaunternehmen hatten[46] sowie ein wirtschaftlicher Kontakt zu einer Firma bestand, die auch Impfstoffe herstellt,[47] mutmaßen einige Impfgegner, dass die STIKO anstelle der Volksgesundheit hauptsächlich die Unternehmensinteressen verfolge.

Umgekehrt wird von manchen Impfbefürwortern angeführt, dass es Impfgegner gebe, die mit ihrer Kritik ein wirtschaftliches Interesse verfolgen. Beispielsweise zahlte eine Anwaltskanzlei, die Impfgegner vertrat, mehrere Millionen britische Pfund an Wissenschaftler, um einen Nachweis für Nebenwirkungen zu erhalten (siehe dazu den Artikel MMR-Impfstoff).[48] Auch mit impfgegnerischen Büchern, Seminaren und Beratungen gegen das Impfen sowie mit alternativmedizinischen Behandlungen der Krankheit oder dem „Ausleiten“ angeblicher Impfnebenwirkungen werden Gewinne erzielt.

Zudem beschränken sich die wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie nicht einseitig auf Impfungen als Vorsorgemaßnahmen. Viele der durch Impfung verhinderbaren Infektionen führen zu Erkrankungen mit chronischem Verlauf. Bei Hepatitis B stehen die Einnahmen aus der in der Regel dreimaligen Impfung den Einnahmen gegenüber, die aus medikamentöser antiviraler Therapie erzielt werden, die über viele Jahre aufrechterhalten werden muss.[49] Die Hepatitis-B-Therapie kostet im Monat etwa 1000 Euro pro Patient, andere chronische Erkrankungen stehen dem in nichts nach. Die Impfungen hingegen kosten einmalig durchschnittlich 50 bis 100 Euro und erzielen bei der Hepatitis B hohe Immunitätsraten.

Das Unternehmen Sanofi Pasteur MSD hat auf der 4. Nationalen Impfkonferenz 2015 eine Rechnung vorgestellt, nach der die gesetzliche Krankenversicherung für eine Frau im Schnitt 1.976 Euro für den lebenslangen Impfschutz vor 15 verschiedenen Infektionskrankheiten ausgibt, darunter 1.530 Euro für die Impfstoffe und 446 Euro für die Honorarkosten der Ärzte.[50] Die Kosten für Männer liegen wegen der kürzeren Lebenserwartung und der fehlenden HPV-Impfung etwa 400 Euro darunter, bei Menschen mit Grunderkrankungen liegen die Kosten höher.[50] Der Anteil der Impfstoffkosten an den Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen beträgt 0,4 %.[50]

Religiöse GründeBearbeiten

Verschiedene Gruppierungen lehnen Impfungen aus religiösen Gründen ab. Bei den Christen sind dies z. B. die Amischen in den USA oder Menschen im Bibelgürtel in den Niederlanden, was dort zu regelmäßigen Ausbrüchen vermeidbarer Erkrankungen geführt hat, z. B. Kinderlähmung;[26] einige dieser streng orthodoxen Calvinisten verzichten im Gottvertrauen freiwillig auf eine Krankenversicherung.[51]

Muslimische Bevölkerungsgruppen in Nigeria behindern das Polio-Eradikationsprogramm der WHO und boykottieren dieses mit falschen Behauptungen.[52][53][54] Die Taliban in Pakistan und Afghanistan verhindern das Polio-Eradikationsprogramm, insbesondere nachdem es von als Ärzte getarnten CIA-Agenten als Deckmantel für militärische Operationen missbraucht wurde.[55] Unabhängig davon sehen dort religiöse Fanatiker und islamistische Extremisten Impfungen als „un-islamisch“ an oder sogar als einen angeblichen Plan des Westens, die Bevölkerung unfruchtbar zu machen.[56] Dies führte dazu, dass schon mehrere Helfer des Polio-Impfprogrammes angegriffen oder ermordet wurden.[57]

LiteraturBearbeiten

  • P. Davies, S. Chapman, J. Leask: Antivaccination activists on the world wide web. in: Archives of Disease in Childhood 87, Heft 1 (2002), S. 22–25, doi:10.1136/adc.87.1.22.
  • Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science 63, (2017), S. 39–47
  • Matthew J. Hornsey, Emily A. Harris, and Kelly S. Fielding: The Psychological Roots of Anti-Vaccination Attitudes: A 24-Nation Investigation. In: Health Psychology 37, No. 4 (2018), S. 307–315 (online, Zugriff am 15. Mai 2019).
  • Daniel Jolley, Karen M. Douglas: The Effects of Anti-Vaccine Conspiracy Theories on Vaccination Intentions. In: PLOS, 20. Februar 2014, doi:10.1371/journal.pone.0089177
  • C. Meyer, S. Reiter: Impfgegner und Impfskeptiker. Geschichte, Hintergründe, Thesen, Umgang. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 47 (2004), S. 1182–1188 (online, Zugriff am 15. Mai 2019).
  • Paul A. Offit: Autism's False Prophets. Bad Science, Risky Medicine, and the Search for a Cure. Columbia University Press, New York 2008
  • Paul A. Offit: Deadly Choices. How the Anti-Vaccine Movement Threatens Us All. Basic Books, New York 2011
  • Sandra Stricker: Impfkritiker und Impfgegner. Eine Analyse der Kritik an Impfungen am Beispiel der MMR-Impfung. Dissertation, Medizinischen Hochschule Hannover 2006.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Pharmazeutische Zeitung online: Impfgegner: Von Aids-Leugnern und Verschwörungstheoretikern. Abgerufen am 24. Juli 2017.
  2. Sven Ove Hansson: Science denial as a form of pseudoscience. In: Studies in History and Philosophy of Science. Band 63, 2017, S. 39–47, doi:10.1016/j.shpsa.2017.05.002.
  3. tagesschau.de: Braucht Deutschland eine Impfpflicht? Abgerufen am 24. Juli 2017.
  4. a b Alina Schadwinkel, Sven Stockrahm: Masern: Schluss mit den Masern-Mythen! In: Die Zeit. 23. Februar 2015, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. Januar 2019]).
  5. a b Schutzimpfungen – 20 Einwände und Antworten des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts. date=2013-10-23, abgerufen am 4. Januar 2015.
  6. C. Meyer, S. Reiter: Impfgegner und Impfskeptiker – Geschichte, Hintergründe, Thesen, Umgang. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Springer Medizin Verlag. Band 47, 2004, S. 1182–1188, doi:10.1007/s00103-004-0953-x (rki.de [PDF; abgerufen am 30. April 2015]).
  7. RKI: Impfstatus sowie Einstellung und Verhalten von Hebammen zu Impfungen – Ergebnisse einer Querschnittsstudie, Epi Bull 21, 2008
  8. T. J. Zuzak, I. Zuzak-Siegrist, L. Rist, G. Staubli, A. P. Simoes-Wüst: Attitudes towards vaccination: users of complementary and alternative medicine versus non-users. In: Swiss medical weekly. Band 138, Nummer 47–48, November 2008, S. 713–718, PMID 19043817.
  9. Cashing In On Fear: The Danger of Dr. Sears. Abgerufen am 27. Januar 2015.
  10. Tages-Anzeiger vom 26. Februar 2008 (Memento vom 27. September 2012 im Webarchiv archive.is): Viele entscheiden sich bewusst, nicht zu impfen
  11. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.bag.admin.chBAG, Neue Masernausbrüche in der Schweiz und ein Todesfall, 4. Februar 2009.
  12. Tages-Anzeiger vom 23. Februar 2015: In Berlin stirbt ein Kleinkind an Masern.
  13. Bericht der AAP (englisch, pdf; 340 kB)
  14. Nadine Brügger: Instagram löscht ab sofort unwahre Posts von Impfgegnern. In: nau.ch. 10. Mai 2019, abgerufen am 12. Mai 2019.
  15. englisch Convention on the Rights of the Child, CRC
  16. a b Sondertagung über Kinder (08.–10. Mai 2002, New York), Vereinte Nationen, UNICEF. Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa (UNRIC), abgerufen am 4. Mai 2012.
  17. Impfungen und Kinderrechtskonvention. Kurze Stellungnahme, Dr. Wolfgang Maurer Impfungen und Kinderrechtskonvention Kurze Stellungnahme – Autor: DDr. Wolfgang Maurer (Memento vom 10. August 2007 im Internet Archive)
  18. D. N. Durrheim, P. Cashman: Addressing the immunization coverage paradox: A matter of children's rights and social justice. In: Clin Ther. Band 32, Nr. 8, 2010, S. 1496–1498, PMID 20728762.
  19. WHO: Ten threats to global health in 2019. Auf who.int, eingesehen am 21. Januar 2019
    WHO erklärt Impfgegner zur globalen Bedrohung. Auf: spiegel.de vom 19. Januar 2019
  20. Ten health issues WHO will tackle this year. Abgerufen am 16. Januar 2019 (englisch).
  21. S. W. Roush, T. V. Murphy; Vaccine-Preventable Disease Table Working Group: Historical comparisons of morbidity and mortality for vaccine-preventable diseases in the United States. In: JAMA. Band 298, Nr. 18, 2007, S. 2155–2163, PMID 18000199.
  22. a b U. Heininger: Risiken von Infektionskrankheiten und der Nutzen von Impfungen. Bundesgesundheitsblatt 47/2004, doi:10.1007/s00103-004-0951-z
  23. Zeit Online: So beantworte ich keine Fragen, so arbeiten Verschwörungstheoretiker. Abgerufen am 18. September 2018.
  24. Cornelia Betsch et. al.: Beyond confidence: Development of a measure assessing the 5C psychological antecedents of vaccination. 11. August 2018, abgerufen am 18. September 2018.doi:10.31234/osf.io/ytb7w
  25. Peter-Philipp Schmitt: Die Schweinegrippe-Verschwörung. In: FAZ.net. 20. August 2009, abgerufen am 27. Dezember 2014.
  26. a b C. Meyer, S. Reiter: Impfgegner und Impfskeptiker – Geschichte, Hintergründe, Thesen, Umgang. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Springer Medizin Verlag. Band 47, 2004, S. 1182–1188, doi:10.1007/s00103-004-0953-x (rki.de [PDF; abgerufen am 30. April 2015]).
  27. tagesschau.de: Braucht Deutschland eine Impfpflicht? Abgerufen am 24. Juli 2017.
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  29. R. T. Perry, N. A. Halsey: The clinical significance of measles: a review. In: The Journal of Infectious Diseases. Band 189, Nr. 1, 2004, S. 4–16, PMID 15106083 (oxfordjournals.org [abgerufen am 19. November 2011]). The clinical significance of measles: a review (Memento des Originals vom 24. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/jid.oxfordjournals.org
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