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Ilsenburg (Harz)

Kleinstadt im Nordharz, Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt, Deutschland
(Weitergeleitet von Ilsenburg)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Ilsenburg (Harz)
Ilsenburg (Harz)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Ilsenburg (Harz) hervorgehoben

Koordinaten: 51° 52′ N, 10° 41′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Harz
Höhe: 250 m ü. NHN
Fläche: 62,97 km2
Einwohner: 9526 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 151 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38871
Vorwahl: 039452
Kfz-Kennzeichen: HZ, HBS, QLB, WR
Gemeindeschlüssel: 15 0 85 190
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Harzburger Straße 24
38871 Ilsenburg
Website: www.stadt-ilsenburg.de
Bürgermeister: Denis Loeffke (CDU)
Lage der Stadt Ilsenburg (Harz) im Landkreis Harz
BallenstedtBlankenburg (Harz)DitfurtFalkenstein/HarzGroß QuenstedtHalberstadtHarslebenHarzgerodeHederslebenHuyIlsenburg (Harz)NordharzOberharz am BrockenOsterwieckQuedlinburgSchwanebeckSelke-AueThaleWegelebenWernigerodeKarte
Über dieses Bild

Ilsenburg (Harz) ist eine an der Ilse gelegene Kleinstadt am Nordharz, zugehörig zum Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt. Sie wurde 2002 als Luftkurort staatlich anerkannt.[2]

GeographieBearbeiten

 
Karte von Ilsenburg (1912)
 
Blick auf Ilsenburg vor 1900
 
Blick auf Ilsenburg im Jahre 2013
 
Forellenteich mit Hotel
 
Klosterkirche, 2011

Ilsenburg liegt zwischen Wernigerode (Sachsen-Anhalt) im Osten und Bad Harzburg (Niedersachsen) im Westen am Ausgang des Ilsetals an der Bahnstrecke Heudeber-Danstedt–Vienenburg. Die Stadt ist an drei Seiten von bewaldeten Bergen umgeben, die über 550 m hoch sind.

Von Ilsenburg ist der Brocken über einen Wanderweg vorbei am Scharfenstein und Kleinen Brocken zu erreichen, der zu Ehren von Heinrich Heine Heinrich-Heine-Weg benannt wurde.

Südwestlich der Stadt liegt die Paternosterklippe, ebenso die Bäumlersklippe. Ein Familiendrama von dort wurde von Theodor Fontane aufgegriffen und fand Eingang in seine Novelle Ellernklipp.

Ilsenburg liegt am Nationalpark Harz und ist offizielle Nationalpark-Gemeinde.

Der Harzer Grenzweg am Grünen Band verläuft westlich an Ilsenburg vorbei in Nord-Süd-Richtung über rund 95 km bis nach Tettenborn bei Walkenried entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze; teilweise sind Grenzanlagen und Grenzwege noch erkennbar. Da dieses Gebiet rund 40 Jahre gesperrt war, hat sich dort eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt erhalten.

Am Harzer Klosterwanderweg befinden sich die beiden Klosteranlagen in Ilsenburg und im Ortsteil Drübeck.[3]

StadtgliederungBearbeiten

Am 1. Juli 2009 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Darlingerode und Drübeck mit dem Ortsteil Oehrenfeld eingemeindet.[4] Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Ilsenburg (Harz), deren Sitz sich in der Stadt befand, aufgelöst.

Einwohnerzahlen der drei Ortsteile (Stand: 31. Dezember 2007)*:

Ortsteil Einwohnerzahl
Ilsenburg ** [5] 6.117
Darlingerode [6] 2.386
Drübeck *** [7] 1.497
Stadt Ilsenburg (Harz) 10.000

* für Darlingerode und Drübeck sind keine jüngeren Daten vorhanden

** mit dem Ortsteil Plessenburg

*** mit dem Ortsteil Öhrenfeld

GeschichteBearbeiten

995 hielt sich Kaiser Otto III. auf einer Burg in der Nähe des heutigen Ilsenburg auf, die im 10. Jahrhundert zum Schutz eines kaiserlichen Jagdreviers im Harz gebaut wurde. 1003 übergab sein Nachfolger Heinrich II. die Burg dem Bischof von Halberstadt zur Gründung des Benediktinerklosters Ilsenburg. Auf dem Ilsestein wurde danach eine neue Reichsburg erbaut, die jedoch 1107 völlig zerstört wurde.

Das in der Umgebung des 1525 im Bauernkrieg verwüsteten Klosters entstandene Dorf entwickelte sich Ende des 16. Jahrhunderts zum Flecken in der Grafschaft Wernigerode. 1545 wurde eine Eisenhütte mit zwei Hochöfen errichtet, die 1697 von Zar Peter I. besichtigt wurde. Ilsenburg entwickelte sich zu einer wohlhabenden Gemeinde, die am Ende des Dreißigjährigen Krieges Residenz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode wurde. Diese verlegten ihren Hofhaltungssitz erst 1710 zurück nach Wernigerode.

In den Hexenprozessen in Wernigerode wurde u. a. Mette Fliß aus Drübeck 1583 zum Tod verurteilt.

Ilsenburg wurde besonders durch die Produktion von Ofenplatten und Kunstguss bekannt.

Im 18. Jahrhundert wurde südwestlich von Ilsenburg die Ernstburg errichtet.

Im Königreich Westphalen war Ilsenburg Bestandteil des Kantons Ilsenburg. 1893 besuchten Ilsenburg 2400 Urlauber, nachdem bereits 1884 die Eisenbahn die Gemeinde erreicht hatte. Das Hüttenwerk wurde 1911 vorübergehend stillgelegt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde im Ort kurzzeitig ein Außenlager des KZ Dora-Mittelbau angelegt, in dem 16 italienische Militärinternierte zur Zwangsarbeit eingesetzt waren.

Am 31. Oktober 1947 wurde Ilsenburg die Bezeichnung Luftkurort und in Würdigung seiner wirtschaftlichen Bedeutung und als wichtiges Erholungszentrum am 1. Januar 1959 die Stadtrechte verliehen.

In Ilsenburg wurde 1948 die Evangelische Forschungsakademie gegründet.

Der touristische Namenszusatz (Harz) wurde am 1. Februar 2007 offiziell dem bisherigen Namen hinzugefügt.[8]

ReligionBearbeiten

Die evangelische Kirchengemeinde Ilsenburg gehört zum Kirchenkreis Halberstadt. Zu ihr gehört in Ilsenburg die Marienkirche, sie geht auf das 12. Jahrhundert zurück und wurde seitdem mehrmals umgebaut.

Die ehemalige Klosterkirche St. Peter und Paul, die zwischenzeitlich auch als Schlosskirche diente, gehört zum Kloster Ilsenburg. Eigentümer der Kirche, die heute für kulturelle und religiöse Veranstaltungen genutzt wird, ist seit 1974 die Stadt Ilsenburg.

Die katholische Kirche St. Benedikt, benannt nach Benedikt von Nursia, befindet sich an der Schlossstraße. Die 1934/35 von Wilhelm Ulrich erbaute Kirche ist die westlichste Kirche des Bistums Magdeburg, seit 2010 gehört sie zur Pfarrei St. Bonifatius mit Sitz in Wernigerode.

Eine Neuapostolische Kirche befand sich an der Friedrichstraße. Ihre Gemeinde, die zum Bezirk Halberstadt gehörte, ging auf das Jahr 1865 zurück und war damit die älteste Gemeinde der Neuapostolischen Kirche Mitteldeutschland in Sachsen-Anhalt. 2017 fand der letzte neuapostolische Gottesdienst in Ilsenburg statt und die Kirche wurde geschlossen.[9]

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

(laut amtlichem Endergebnis der Wahl zum Bürgermeister von Ilsenburg am 27. September 2009; Wahlbeteiligung: 68,8 %)

  • Denis Loeffke (CDU): 52,77 %
  • Dirk Sielaff (SPD): 28,44 %
  • Werner Hofmann: 8,09 %
  • Liane Treziak: 7,29 %
  • Knut Stagge: 3,41 %

StadtratBearbeiten

Stadtratswahl 2019[10]
Wahlbeteiligung: 59,3 % (2014: 43,7 %)
 %
40
30
20
10
0
38,3 %
25,3 %
13,5 %
7,7 %
6,4 %
4,7 %
1,9 %
2,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014[11]
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-3,3 %p
-6,3 %p
-0,5 %p
+0,3 %p
+3,2 %p
+4,7 %p
-0,3 %p
+2,1 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d Freie Wählergemeinschaft Drübeck
f Bürgerinitiative Pro Drübeck
h Einzelbewerber
Sitzverteilung im Stadtrat
      
Insgesamt 20 Sitze

Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 entfielen die 20 Sitze des Stadtrats auf folgende Parteien und Wählergruppen. Die Wahlbeteiligung lag im Jahr 2019 bei 59,28 %.[10]

  • CDU: 8 Sitze (±0)
  • SPD: 5 Sitze (−1)
  • LINKE: 3 Sitze (±0)
  • Freie Wählergemeinschaft Drübeck: 2 Sitze (±0)
  • GRÜNE: 1 Sitz (±0)
  • Bürgerinitiative „Pro Drübeck unser Heimatdorf − Demokratie leben!“: 1 Sitz (+1)

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 22. Februar 1938 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden zwischen zwei grünen Laubbäumen (Elsen oder Erlen) ein rotes Burgtor, dessen Giebel mit einem goldenen Schildchen, worin ein schwarzer Hirsch, belegt ist.“

Bis zum Jahre 1808 führte die Gemeinde ein Siegel, das zum ersten Male 1609 nachweisbar ist. Es zeigt das Burgtor zwischen den Elsen, ist also redend (Elisinaburg = Ilsenburg). Nach Aufhebung der westfälischen Herrschaft führte die Gemeinde bis 1900 nur noch den Hirsch der Grafen zu Stolberg.

Das jetzige Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Marienkirche
 
St.-Benedikt-Kirche

BauwerkeBearbeiten

GedenkstättenBearbeiten

 
Gefallenen-Ehrenmal 1914/18
  • Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und Gedenkstein für die Opfer von Krieg und Gewalt 1933–1989 gegenüber der Marienkirche
  • Ehrenanlage auf dem Ortsfriedhof für vier namentlich bekannte Personen aus verschiedenen Nationen, die während des Zweiten Weltkriegs Opfer von Zwangsarbeit wurden
  • Gedenkstein im Friedenspark zur Erinnerung an den KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann, der 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

UnternehmenBearbeiten

Die Ilsenburger Grobblech GmbH ist im Bereich Stahl tätig und beschäftigte 2012 etwa 800 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört zur Salzgitter AG. Daneben hat die Thyssenkrupp Presta zwei Produktionsstandorte in Ilsenburg, mit der Fertigung von gebauten Nockenwellen bei der ThyssenKrupp Presta Ilsenburg GmbH und der ThyssenKrupp Valvetrain GmbH.

Bis 1990 wurde in Ilsenburg eines der größten Hüttenwerke des Mansfeld-Kombinats betrieben, in dem unter anderem importierter Elektronikschrott eingeschmolzen wurde. Auf diese Weise gelangten jährlich große Mengen an hochgiftigen Schwermetallen in die Luft.[12]

VerkehrBearbeiten

 
Bahnhof Ilsenburg

Der Bahnhof Ilsenburg liegt an der Bahnstrecke Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg/Vienenburg. Stündlich bestehen Verbindungen in Richtung Magdeburg bzw. Halle (Saale) und nach Goslar. Sämtliche Leistungen werden von Abellio Rail Mitteldeutschland betrieben.

Ilsenburg hat eine eigene Anschlussstelle an der Bundesautobahn 36 (BraunschweigBernburg (Saale)).

Ilsenburg ist an mehrere Radwanderwege angeschlossen, z. B. an die Radwege entlang des Grünen Bandes entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und an den Iron Curtain Trail, welcher als längster Fernradweg Europas entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs von Norwegen bis zum Schwarzen Meer verläuft.[13]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ilsenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31. Dezember 2018 (PDF) (Fortschreibung) (Hilfe dazu).
  2. Prädikatisierung von Kur- und Erholungsorten Sachsen-Anhalt (Stand: März 2017) (Memento des Originals vom 30. Dezember 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/lvwa.sachsen-anhalt.de
  3. Website zum Harzer Klosterwanderweg
  4. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
  5. Wikipedia-Artikel vom 6. August 2008 mit Einwohnerzahl vom 31. Dezember 2007.
  6. Darlingerode
  7. Drübeck
  8. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  9. Kein Wörtlein geht verloren - Letzte Gottesdienste in Elbingerode und Ilsenburg. nak-wernigerode.de; eingesehen am 22. März 2019
  10. a b Wahlbekanntmachung Kommunalwahl 2019. (PDF) Ilsenburger Stadtanzeiger (Amtsblatt). In: stadt-ilsenburg.de. 15. Juni 2019, abgerufen am 29. August 2019.
  11. Ergebnisse Stadtratswahl 2014. (PDF) Ilsenburger Stadtanzeiger (Amtsblatt). In: stadt-ilsenburg.de. 13. Juni 2014, abgerufen am 29. August 2019.
  12. Milliarden werden verpulvert. Der Spiegel vom 5. Februar 1990, abgerufen am 8. Dezember 2015
  13. Ilsenburg Tourismus/Aktivurlaub/Radfahren am "Grünen Band" im nördlichen Harzvorland. Abgerufen am 17. April 2017.