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Illenschwang

Ortsteil der Gemeinde Wittelshofen

Illenschwang ist ein Ortsteil der Gemeinde Wittelshofen im Landkreis Ansbach (Mittelfranken).

Illenschwang
Gemeinde Wittelshofen
Koordinaten: 49° 3′ 20″ N, 10° 24′ 46″ O
Höhe: 470 (466–477) m ü. NHN
Einwohner: 243 (25. Mai 1987)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91749
Vorwahl: 09853
Osterbrunnen am Dorfplatz
Osterbrunnen am Dorfplatz
Dorfansicht von Norden aus gesehen: Links Pfarrhaus und Kirche, rechts der alte Dorfkern
Blick auf den Sportplatz mit Dorfweiher
Maibaum der Dorfjugend
Außenansicht der Sankt-Andreas-Kirche nach Renovierung im Jahr 2005

GeographieBearbeiten

Durch das Pfarrdorf fließt der Bärbach, der ein linker Zufluss der Wörnitz ist. Der Ort ist unmittelbar von Acker- und Grünland umgeben. Ca. 0,5 km nordwestlich liegt das Oberholz, im Norden das Flurgebiet Letten, ca. 0,5 km südöstlich das Hartholz.[2]

GeschichteBearbeiten

Entstehung des OrtesBearbeiten

Wahrscheinlich ist Illenschwang eine alemannische Gründung. Dafür spricht der schwäbische Flurname „Wang“ und die Tatsache, dass es unter dem Namen „Maier“ in Illenschwang einen – später in Dienste getretenen – Ortsadel gegeben hat. Der Begriff „Maierhof“ findet sich nur in alemannischen Siedlungen. Ein Auszug aus der Pfarrbeschreibung von Pfarrer Meinel aus dem Jahre 1833 beginnt mit den Worten: „Über die Entstehung der Pfarrortes und des dazu gehörigen Weilers Welchenholz kann nichts angegeben werden, da sich Nachrichten darüber weder in der Pfarrregistratur noch bei der Gemeinde vorfinden...“. Wenn die Gründung des Ortes auch zeitlich nicht mehr genau feststellbar ist, so wird doch aus dem Bau der Kirche geschlossen, dass er schon um das Jahr 1000 bestanden haben kann. Der Ort lag nach Angaben von Hauptlehrer Weiß in früherer Zeit abseits der Straße gegen das Bruckholz. Die Bewohner wählten offenbar das Abseits, um von durchziehenden Kriegshorden nicht so oft durchstreift zu werden. Die Kirche war der Straße am nächsten gelegen. Der älteste Bauernhof soll der des „Kirchbauern“, des früheren Bürgermeisters Reichert, gewesen sein. Die Ureinwohner haben sich offenbar mit herrschaftlichen Untertanen vermischt. Das geht ebenfalls aus einer Notiz in der Pfarrbeschreibung von 1914 hervor: „Sonstig ist das Dorf mit fremder Herrschaft Untertanen genügsam vermischt.“ Viele Unterlagen und Aufzeichnungen wurden im Dreißigjährigen Krieg vernichtet.

NameBearbeiten

Illenschwang ist im Jahre 1246 als Ullingeswanc erwähnt. Ulin ist offenbar ein Personenname, der noch im 15. Jahrhundert in der Hesselberggegend vorkommt. Der Name deutet auf die Wange (=Feldung) hin. Somit wäre Illenschwang die Gründung eines Landmannes mit Namen Ulin. 1246 stifteten die Herren von Sinbronn – die Rechenberger – an das Kloster Auhausen einige Güter. Darunter war ihr Maierhof. Dieser muss in der Nordhälfte des Ortes Illenschwang gelegen haben, denn dort gab es den Flurnamen „Maieräcker“. Illenschwang hatte früher ein Adelsgeschlecht; dies ergibt sich aus der Erwähnung, dass 1300 ein Fritz von Illenschwang als Amtmann für Luitpold den Älteren von Weiltingen tätig war. Die Luitpolds von Weiltingen sind wiederum eine Linie der Luitpolds von Nordenberg in der heutigen Gemeinde Windelsbach. Ein „Fritz von Ulligeswanc“ ist 1319 Knecht des Truchsessen Gerung und Cunrat von Wilburgstetten. In Urkunden mittlerer Zeiten wird der Ort Ullingeswang und Ulligswank genannt. In Aufzeichnungen von Pfarrer Ley (1618–1623) war die Rede von Ülleschwang. Hauptlehrer L. Weiß schreibt dagegen am 23. Mai 1930 in einer Privatmittlung an Landwirtschaftsrat Huber in Dinkelsbühl davon, dass der Name Illenschwang von „Ulrichswang“ herrühren soll.

Ältere GeschichteBearbeiten

Mit dem großen Ausverkauf der rechenbergischen Herrschaft Sinbronn – Wilburgstetten – Limburg (bei Wilburgstetten) kam Illenschwang 1405 an die Burggrafen von Nürnberg. 1431 kam der Ort über ein Konsortium Dinkelsbühler Bürger an die Reichsstadt Dinkelsbühl, die fortan die niedere und hohe Gerichtsbarkeit beanspruchte. Diese wurde ihr allerdings von Ansbach streitig gemacht, ebenso der Kirchweihschutz.

Im Dreißigjährigen Krieg starb die Bevölkerung des Ortes fast ganz aus. Später ist der Ort von den Überlebenden an der jetzigen Stelle wieder aufgebaut worden.

Ein bewegtes Jahr war 1732. Mit Frau und fünf Kindern schloss sich der Weber Andreas Gaar einem Auswanderungszug in die USA (Pennsylvania) an, angetrieben von der pietistischen Bewegung. Die Nachkommenschaft dieser Familie soll zwischenzeitlich auf 30.000 angewachsen sein.

Neuere GeschichteBearbeiten

1800 gab es in dem Ort 26 Haushalte, von denen 12 dem Ansbachischen Oberamt Wassertrüdingen und 14 anderen Grundherren untertan waren.[3]

Der chiliastisch-endzeitlich auftretende Pfarrer Samuel Gottfried Christoph Cloeter wirkte von 1861 bis 1880 in Illenschwang. Er löste mehrere Auswanderungswellen am Ort und in weiteren Hesselberggemeinden aus. In Gnadenburg im Kaukasus als dem vermeintlichen Rettungsort bei der Wiederkunft Christi suchten sie eine neue Heimat.

Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde die Ruralgemeinde Illenschwang gebildet, zu der die Orte Neumühle, Villersbronn gehörten. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Dinkelsbühl.[4] Welchenholz wurde erst am 1. Oktober 1827 von Sinbronn nach Illenschwang umgemeindet.[5] Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 10,065 km².[6] Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Illenschwang am 1. Juli 1972 nach Wittelshofen eingemeindet. Neumühle, Villersbronn und Welchenholz wurden nach Wilburgstetten umgegliedert.[7]

In den beiden Weltkriegen mussten 35 Ortsbürger ihr Leben lassen. 1965 wurden in der Ortschaft der Kanal verlegt und die Straßen mit einer Asphaltdecke überzogen. Außerdem wurde die Staatsstraße 2218 gebaut. 1968 bis 1977 folgte die Flurbereinigung, in den 1980er Jahren eine Dorferneuerung. Ab 1975 entstanden in Richtung Weiltingen zwei Siedlungsgebiete. 1989 bis 1992 wurde ein neues Feuerwehrhaus errichtet. 2000 erweiterte man die Kläranlage, Erdanschlüsse für die Stromversorgung wurden verlegt und neue Straßenlampen angebracht. (Quelle: Festschrift 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Illenschwang)

Seit 2006 findet das Metal-Festival Summer Breeze in unmittelbarer Nähe von Illenschwang statt, obwohl als Veranstaltungsort Dinkelsbühl genannt wird.

Boden- und BaudenkmälerBearbeiten

  • Burgstall Illenschwang
  • Haus Nr. 18: Gasthaus zum Adler. Am schmucklosen, zweigeschossigen Putzbau (vermutlich noch 18. Jh.) schmiedeeiserner Ausleger mit Reichsadler (Blechschild), wahrscheinlich bereits 19. Jh.[8]
  • Haus Nr. 25: Gasthaus zur Sonne, zweigeschossiger Satteldachbau mit Putzgliederungen, bez. 1686.
  • Evangelisch-lutherische Pfarrkirche, ehemals St. Andreas, Chorturm mit angefügter Sakristei, wohl 14. Jahrhundert, neuromanisches Langhaus von 1859; mit Ausstattung; Teil der ehemaligen Friedhofsmauer, wohl spätmittelalterlich.
  • Friedhofskreuz, eisern, mit Corpus aus Gusseisen, wohl 1907.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Illenschwang

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 247 385 388 403 434 404 413 414 419 424 412 412 404 408 422 410 410 396 388 626 570 498 443 434
Häuser[9] 46 73 82 89 88 79 82 90
Quelle [10] [5] [11] [11] [12] [11] [13] [11] [11] [14] [11] [11] [15] [11] [11] [11] [16] [11] [11] [11] [17] [11] [6] [18]

Ortsteil Illenschwang

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner 177 185 230 218 238 226 236 295 249 253 243
Häuser[9] 32 36 49 49 44 45 52 66
Quelle [10] [5] [12] [13] [14] [15] [16] [17] [6] [18] [1]

ReligionBearbeiten

Zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Illenschwang mit Welchenholz gehören ca. 300 Personen. Die Kirchengemeinden Illenschwang und Sinbronn mit Dürrwangen bilden zusammen eine Pfarrstelle. Sie liegt im Osten des Dekanatsbezirks Dinkelsbühl. Kirchweih wird am 1. Sonntag nach Trinitatis (zwei Wochen nach Pfingsten) gefeiert.

Das Wappen von Illenschwang zeigt die St.-Andreas-Kirche, das Gemeinde- und das Pfarrhaus.

VerkehrBearbeiten

Illenschwang liegt an der Staatsstraße 2218, die östlich nach Wittelshofen bzw. westlich nach Dinkelsbühl führt. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Weiltingen, nach Welchenholz und nach Villersbronn.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Illenschwang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 333 (Digitalisat).
  2. Illenschwang im BayernAtlas
  3. J. K. Bundschuh, Bd. 3, Sp. 12.
  4. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 29 (Digitalisat).
  5. a b c Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 73–74 (Digitalisat).
  6. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 762 (Digitalisat).
  7. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 448.
  8. A. Gebeßler, S. 158. Denkmalschutz aufgehoben, Objekt evtl. abgerissen.
  9. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  10. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 45 (Digitalisat). Für die Gemeinde Illenschwang zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Neumühle (S. 63) und Villersbronn (S. 97).
  11. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 168, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  12. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1001, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  13. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1166, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  14. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1098 (Digitalisat).
  15. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1163 (Digitalisat).
  16. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1201 (Digitalisat).
  17. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1037 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 172 (Digitalisat).