Igelkolben

Gattung der Familie Rohrkolbengewächse (Typhaceae)

Die Igelkolben (Sparganium) sind eine der beiden Gattungen der Pflanzenfamilie der Rohrkolbengewächse (Typhaceae) innerhalb der Ordnung der Süßgrasartigen (Poales). Die je nach Autor 19 bis 30 Arten sind hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet.[1]

Igelkolben
Ästiger Igelkolben (Sparganium erectum)

Ästiger Igelkolben (Sparganium erectum)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Rohrkolbengewächse (Typhaceae)
Gattung: Igelkolben
Wissenschaftlicher Name
Sparganium
L.

Sie sind Wasser- und Sumpfpflanzen, welche in Feuchtgebieten dichte Bestände entwickeln können. Besonderes Kennzeichen der Sparganium-Arten ist der ästig rispige Blütenstand aus mehreren rein weiblichblütigen und darüber befindlichem rein männlichblütigen kugelförmigen Teilblütenständen. Die geschnäbelten Früchte bilden eine Kugel mit nach außen gerichteten Spitzen – daher die Bezeichnung Igelkolben.

Beschreibung und ÖkologieBearbeiten

 
Illustration: Ästiger Igelkolben (Sparganium erectum)
 
Schematische Darstellung der Einzelblüten und des Blütenstandes der Igelkolben

Igelkolben-Arten sind grün überwinternde, ausdauernde krautige Pflanzen. Es sind Wasser- und Sumpfpflanzen (Hydrophyten, Helophyten) mit unterirdischen, kriechenden Rhizomen als Überdauerungsorganen. Zum Teil wachsen sie völlig untergetaucht oder mit Schwimmblättern und Blütenständen flutend an der Wasseroberfläche. Die Blattanordnung der stets unbehaarten Stängel ist wechselständig und streng zweizeilig (distich). Die Laubblätter sind lang und mit parallelen Rändern (linealisch) und grasartig und bestehen aus einem schwammartig zusammendrückbaren Schwimmgewebe. Die parallelnervigen Blattspreiten sind nach außen kantig vorgewölbt und innen flach, so dass sich im Querschnitt ein Dreieck ergibt – im Gegensatz zu den Rohrkolben mit halbkreisförmigem Blattquerschnitt. Die Blattscheiden sind stets offen. An den Scheidenmündungen im Übergang zur Spreite sind keine Blatthäutchen (Ligulae) entwickelt.

Igelkolben-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Der ästig rispige Gesamtblütenstand der Igelkolben-Arten besteht aus kugelförmigen Teilblütenständen. Der Blütenstand ist von Hochblättern (Brakteen) durchsetzt – im Gegensatz zu den Rohrkolben-Arten. Die größeren stachligen weiblichen Kugelköpfchen sind im unteren Teil, die männlichblütigen im oberen Teil der Blütenstandszweige angeordnet.

Die eingeschlechtigen, dreizähligen Blüten sind spelzenlos. Die Blütenhülle (Perigon) der weiblichen Blüten besteht aus häutigen Schuppen, die einen Fruchtknoten mit spatelförmiger Narbe umgibt. Die ein bis acht Staubblätter der einzelnen männlichen Blüten sind ebenfalls von einigen basalen Schuppen umgeben.

Die Verbreitungseinheit (Diaspore) wird aus der einsamigen Nussfrucht (Achäne) gebildet.

ÖkologieBearbeiten

Die Arten der Gattung Sparganium werden durch den Wind bestäubt (Anemogamie). Bei einigen Arten ist auch Selbstbestäubung (Autogamie) möglich. Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch Wasser (Hydrochorie).

Die vegetative Ausbreitung erfolgt über Rhizome. Die Igelkolben-Arten können an geeigneten Standorten dichte Bestände, sogenannte Röhrichte entwickeln. Die Arten der Gattung sind an feuchte bis nasse, zeitweise oder immer überflutete Lebensräume angepasst. Sie besiedeln Gewässerufer, Sümpfe und Moore. Dort sind sie vielfach mit Rohrkolben, Seggen und Binsenarten vergesellschaftet.

Systematik, botanische Geschichte und VerbreitungBearbeiten

 
Schmalblättriger Igelkolben (Sparganium angustifolium), im Wasser flutend

Der Gattung Sparganium wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Der Gattungsname Sparganium leitet sich vermutlich vom Griechischen spárganon für Band ab; aber der Bezug auf Pflanzenmerkmale ist unklar.

Die genaue Platzierung der Gattung war lange umstritten. So wurde von einigen Autoren die Gattung Igelkolben in die Familie der Rohrkolbengewächse aufgrund ihrer morphologischen Ähnlichkeit mit aufgenommen, von anderen Autoren wurde die Beibehaltung eigenständiger Familien (Typhaceae mit einziger Gattung Rohrkolben und Sparganiaceae – Igelkolbengewächse – mit einziger Gattung Igelkolben)[2] vorgezogen. Nach der strikt phylogenetisch orientierten APG IV[3] sind die Sparganium jedoch wie in APG III Teil der Rohrkolbengewächse (die separate Gliederung in APG II war ein „Fehler“).[4]

Igelkolben-Arten sind überwiegend in gemäßigten bis arktischen Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet. Wenige Vorkommen gibt es in Australien und Neuseeland.

Die Gattung Sparganium enthält etwa 21 Arten:[1]

Es gibt die Hybriden:

VerwendungBearbeiten

Igelkolben-Arten werden als Zierpflanzen besonders für Gartenteiche verwendet.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Igelkolben (Sparganium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa Rafaël Govaerts, 2004: World Checklist of Monocotyledons Database in ACCESS. 1-54382. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Sparganium. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 5. Juni 2020.
  2. Franz Thonner: Exkursionsflora von Europa. Anleitung zum Bestimmen der Gattungen der europäischen Blütenpflanzen. R. Friedländer, Berlin 1901, OCLC 4950387, Abschnitt III. Klasse. Monocotyledóneae, Einkeimblätterige., S. 4 f. (Vorschau eines Nachdrucks in der Google-Buchsuche [abgerufen am 24. Juli 2019]).
  3. The Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG IV. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Band 181, Nr. 1, 2016, S. 1–20, doi:10.1111/boj.12385.
  4. The Angiosperm Phylogeny Group: An update of the Angiosperm Phylogeny Group classification for the orders and families of flowering plants: APG III. In: Botanical Journal of the Linnean Society. Band 161, Nr. 2, 2009, S. 105–121, doi:10.1111/j.1095-8339.2009.00996.x.
  5. a b c d Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2; Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7.