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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Igel
Igel (Mosel)
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Igel hervorgehoben
Koordinaten: 49° 43′ N, 6° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Trier-Saarburg
Verbandsgemeinde: Trier-Land
Höhe: 164 m ü. NHN
Fläche: 7,3 km2
Einwohner: 2100 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 288 Einwohner je km2
Postleitzahl: 54298
Vorwahl: 06501
Kfz-Kennzeichen: TR, SAB
Gemeindeschlüssel: 07 2 35 051
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Gartenfeldstraße 12
54295 Trier
Website: www.gemeinde-igel.de
Ortsbürgermeister: Franz-Josef Scharfbillig (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Igel im Landkreis Trier-Saarburg
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Über dieses Bild
Alte Pfarrkirche Sankt Dionysius
Alte Pfarrkirche, „Igeler Säule“ eingerüstet
Das Grutenhäuschen im Weinberg bei Igel/Mosel

Igel ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Trier-Land an. Historisch wie optisch herausragendes Monument ist ein römisches Grabmal, die Igeler Säule. Igel ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Igel liegt am linken Moselufer westlich von Trier nahe der Grenze zu Luxemburg, unmittelbar flussabwärts der Einmündung des deutsch-luxemburgischen Grenzflusses Sauer ebenfalls am linken sowie gut einen Kilometer flussaufwärts der Einmündung der Saar am gegenüberliegenden Moselufer. Eine geologische Besonderheit ist die Igeler Verwerfung, eine tektonische Verschiebung von Buntsandstein- und Kalksteinfelsen am „Igeler Berg“. Sie setzt sich über die Mosel hinweg fort und lässt sich vom gegenüberliegenden „Liescher Berg“ aus gut beobachten.

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde gliedert sich in zwei Ortsteile und einer Anzahl von Wohnplätzen (Einwohnerzahlen am 1. Mai 2016):[3][4]

Ortsteil Zugehörende Wohnplätze Einwohner
Igel Haus Schau ins Land, Heintzhof, Löwener Mühle 1.807
Liersberg 294

NameBearbeiten

Zu den in den Quellen belegten historischen Namensformen gehören Agullia (929), Egela (1052–1145), Egla (1052–1195), Egele (12. Jh.), Egle (1220–1515), Egel (1400–1648), Egell (458–1541), Eggel (1501–1528), Eegel (um 1540) und schließlich das bis heute verwendete Igel.

Der Ortsname Igel leitet sich einer weit verbreiteten Ansicht nach von der Adlerfigur (Adler = lat. aquila, frz. aigle, engl. eagle [iːɡɫ]) her, welche als Symbol des römischen Gottes Jupiter die Spitze der Igeler Säule zierte und von der noch heute Reste erhalten sind.[5] Diese Theorie wurde schon 1512 durch den Humanisten Willibald Pirckheimer vertreten.[6] Der Kunsthistoriker Eberhard Zahn führte den Namen Igel demgegenüber auf das mittellateinische Wort „agulia“ (vergleiche das französische aiguille = Nadel) zurück, die mittelalterliche Bezeichnung für die Obelisken in Rom.[7] Beide Varianten beziehen den Ortsnamen also auf das markanteste Bauwerk der Siedlung, die Igeler Säule. Die Vertreter beider Theorien vermuten außerdem einen Zusammenhang (etwa in Form einer gemeinsamen Herkunft) des Namens Igel mit dem Begriff Eigelstein, mit dem hochaufragende, oft mit Adlern bekrönte antike Grabdenkmäler vor allem im Rheinland bezeichnet wurden.

Eine dritte Hypothese dagegen leitet den Namen Igel dagegen von der keltischen beziehungsweise keltoromanischen Bezeichnung Aquila/Aquela für ein Fließgewässer ab, die sich auf den Bach durch den Ort beziehen soll und aus dem sich über die frühen Namensformen Agullia und Egela die heutige Form entwickelt habe.[8]

GeschichteBearbeiten

Nach der Eroberung des Landes Gallien (58–51 v. Chr.) und des Gebietes der keltischen Treverer (um 50 v. Chr.) verblieb das Trierer Land bis um 450 n. Chr. unter römischer Herrschaft. Innerhalb dieses Zeitabschnitts entstand Igel aus einer Siedlung in der Nähe der Villa der Tuchfabrikanten- und Großgrundbesitzerfamilie der Sekundinier. Das Anwesen konnte noch nicht erkundet werden.

Es gibt eine Gemarkung „Königsacht“, wo heute das Neubaugebiet „Am Deibach“ ist. Das jetzige Bahngelände, das bis zu 5 m aufgeschüttet ist, gehörte vor dem Bahnbau teilweise zur „Königsacht“. Bei den Bauarbeiten „Am Deibach“ für Kanal, Strom, Gas, Keller wurde nichts gefunden; offen bleiben also noch Untersuchungen im Bahnhofsbereich. Die Frage, warum dieses Gebiet „Königsacht“ heißt, ist noch ungeklärt.

Weiter westlich, bei der Löwener Mühle in den Weinbergen wurden mehrere römische Münzen gefunden. Untersuchungen an und unter der „Igeler Säule“, dem Grabmal der Sekundiner, im Jahre 1911 haben ergeben, dass unter oder in der Nähe des Denkmals keine Grabkammer vorhanden ist. Etwa 1,6 km weiter westlich vom Grabmal befindet sich allerdings eine römische Grabkammer, die im Volksmund „das Grutenhäuschen“ (Grut = Grotte) genannt wird. Es wurde auf den Resten der ursprünglichen Grabkammer 1962 vom Landesmuseum in Trier restauriert. 2001 wurden die oberen und vorderen Teile des ursprünglichen Tempels rekonstruiert, so dass es der Besucher heute betrachten kann, wie es ursprünglich ausgesehen hat.[9]

Um 275/276 wurde Igel vermutlich wie viele andere Städte und Dörfer in der Gegend bei den Einfällen der Alemannen und Franken in Schutt und Asche gelegt.

Um 700 schenkte der fränkische König Childerich III. unter dem Hausmeier Pippin von Heristal (678–714) dem Erzbischof Lutwinus (695–713) in Trier seinen Besitz, das ehemalige Secundinier-Landgut in Igel. Vermutlich wurde schon um diese Zeit in Igel eine Kirche errichtet, die dem heiligen Dionysius geweiht war.

An den Ostertagen des Jahres 882 wurden die Stadt Trier und das umliegende Land, so auch Igel, beim zweiten Normanneneinfall erneut geplündert und verwüstet. Die Igeler Säule überstand diesen Normannensturm. Sie wurde aber bereits im Mittelalter durch das Herausreißen der Eisenklammern beschädigt.

Im Jahre 929 wurde Igel erstmals urkundlich erwähnt. Es ist eine Schenkungsurkunde eines gewissen Megingaud, der damit drei Hufen Land, Weinberge und Zubehör in „Villa Aguilla“ der Trierer Abtei St. Maximin vermacht.

An der Stelle der um 700 errichteten Kirche wurde etwa 1250 die alte Pfarrkirche erbaut. Sie wurde dem hl. Dionysius geweiht, weil der Ort im Besitz einer Reliquie von ihm ist. Dieser Heilige ist auch der Schutzpatron der Gemeinde.

1712 waren Chor und Kirchenschiff verfallen, 1756 war die Kirche nur noch eine Ruine. 1759/1760 wurde sie wieder aufgebaut unter Einbezug des romanischen Turms des ursprünglichen Baues. 1953/1954 wurde die neue Pfarrkirche errichtet.

Von 1912 bis zu ihrer Zerstörung 1945 überspannte bei Igel eine inoffiziell Hindenburgbrücke genannte Eisenbahnbrücke die Mosel, gebaut zur Entlastung der älteren und noch heute bestehenden Konzer Moselbrücke unterhalb der Saarmündung.

Am 16. März 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Liersberg nach Igel eingemeindet.[10]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Igel bezogen auf das heutige Gemeindegebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][11]

Jahr Einwohner
1815 406
1835 666
1871 694
1905 745
1939 1.177
1950 1.006
Jahr Einwohner
1961 1.203
1970 1.180
1987 1.873
1997 2.068
2005 2.019
2018 2.100

GemeinderatBearbeiten

2
4
4
6
Insgesamt 16 Sitze
  • igelplus: 2
  • FWG Kömen: 4
  • FWG Grundhöfer: 4
  • CDU: 6

Der Ortsgemeinderat in Igel besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bei der Kommunalwahl 2014 setzte sich der amtierende Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig (CDU) gegen den Mitbewerber Michael Gründhöfer (WG Scharfbillig) durch.

Die Sitzverteilung im Ortsgemeinderat:[12]

Wahl SPD CDU WGR Scharfbillig WGR Kömen WGR Grundhöfer igelplus Gesamt
2019 - 6 - 4 4 2 16 Sitze
2014 3 7 6 - - - 16 Sitze
2009 2 9 5 - - - 16 Sitze
2004 4 7 5 - - - 16 Sitze

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Igeler Säule

Igel ist bekannt durch die berühmte Igeler Säule. Dieses Baudenkmal aus der römischen Zeit ist ein circa 23 Meter hohes Grabdenkmal aus rotem Sandstein. Die Tuchkaufmanns- und Großgrundbesitzer-Familie der Secundinier ließ es in der Mitte des 3. Jahrhunderts errichten.

Sie ist exakt 9 km von der Römerbrücke in Trier entfernt. Das ergibt sich auch aus der Inschrift „L IIII“, die auf dem säulenförmigen Meilenstein im Relief in der Attika der Westseite des Denkmals (in der Mitte des Hintergrunds des von zwei Pferden gezogenen Reisewagens) zu finden ist. „L IIII“ bedeutet „Leugae quattuor“ = 4 Leugen = 4 gallische Meilen = ca. 9 km. Sie fiel im Mittelalter nicht der Zerstörung anheim, da man die Dreifigurengruppe auf der Frontseite für eine Darstellung der Hochzeit des römischen Kaisers Constantius Chlorus mit Flavia Iulia Helena Augusta, Eltern von Konstantin dem Großen, hielt.

Im Rheinischen Landesmuseums in Trier steht im Innenhof eine Kopie des Originals, die mit der ursprünglichen Bemalung versehen wurde. Die Igeler Säule gehört zum UNESCO-Welterbe Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier und ist das älteste Römerdenkmal seiner Art nördlich der Alpen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die romanische Gerichtslaube (Steinlaube oder „Pützhaus“), in der die Sitzungen des Igeler Schöffengerichts und die Gerichtsverhandlungen stattfanden.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Igel

VereineBearbeiten

Die Freiwillige Feuerwehr Igel sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe nicht nur auf örtlicher Ebene, sondern auch in Langsur und Zewen.

Zudem gibt es einen Musikverein (MV Lyra Igel 1909 e. V.), einen Karnevalverein (ICV) sowie verschiedene Sportvereine.

VerkehrBearbeiten

 
Erhaltener Brückenkopf der 1945 zerstörten sogenannten Hindenburgbrücke bei Igel

StraßeBearbeiten

Der Ort liegt an der Bundesstraße 49, die wenige Kilometer weiter in Wasserbilligerbrück an der luxemburgischen Grenze endet.

Igel ist im 20-Minuten-Takt – abends sowie am Wochenende im Stundentakt – an das Trierer Stadtbusnetz angebunden.

SchieneBearbeiten

Igel verfügt über einen Bahnhof entlang der Mosel-Syretal-Strecke (KBS 693[13]). Dort verkehrt die SÜWEX-Linie RE 11 (Koblenz Hbf – Cochem (Mosel) – Bullay – Wittlich – Trier Hbf – Wasserbillig – Sandweiler-Contern – Luxemburg-Gare). Auch zweigt zwischen Igel und der Moselbrücke die Trierer Weststrecke ab, auf der kein Personenverkehr stattfindet. Bis 1968 war Igel Start- bzw. Zielbahnhof der Nims-Sauertalbahn Erdorf – Irrel –Igel (– Trier-West). Von 1912 bis zu ihrer Zerstörung 1945 überquerte bei Igel eine Eisenbahnbrücke, genannt Hindenburgbrücke, die Mosel.

LiteraturBearbeiten

  • Franziska Kandel: Familienbuch St. Dionysius Wasserliesch 1706–1899. (privat, 1994)
  • H. Wurringen: Familienbuch der kath. Pfarrei Igel 1706–1798. (privat, 1939)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Igel – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Januar 2018[Version 2019 liegt vor]. S. 79 (PDF; 2,2 MB).
  4. Einwohner mit Hauptwohnung zum Stichtag 1. Mai 2016, Einwohnerstatistik Verbandsgemeinde Trier-Land (Memento vom 11. Mai 2016 im Internet Archive)
  5. Aloys Leonardy: Igel, Unter dem Schatten der Adlerflügel. 1972, OCLC 749980125.
  6. Willibald Pirckheimer: Opera politica, historica, philologica et epistolica. Fischer, Frankfurt am Main 1610, S. 94 (Digitalisat). Datierung auf 1512 gemäß Jacques Mersch: La Colonne d'Igel. Essai historique et iconographique / Das Denkmal von Igel. Historisch-ikonographische Studie (= Publications Mosellanes. Band 24). Les Publications Mosellanes, Luxemburg 1985, S. 21.
  7. Eberhard Zahn: Die Igeler Säule in Igel bei Trier. 5. Auflage. Neusser Druckerei und Verlag, Neuss 1982, ISBN 3-88094-425-5, S. 35.
  8. Franz Cramer: Rheinische Ortsnamen aus vorrömischer und römischer Zeit. E. Lintz, Düsseldorf 1901, S. 151 f. (Digitalisat)
  9. www.eifel.de: Grutenhäuschen, Igel-Liersberg, abgerufen am 14. Dezember 2008.
  10. Amtliches Gemeindeverzeichnis (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 407). Bad Ems Februar 2016, S. 167 (PDF; 2,8 MB).
  11. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  12. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen