Ideenmanagement

Das Ideenmanagement (englisch Idea Management) umfasst die Generierung, Sammlung und Auswahl geeigneter Ideen für Verbesserungen und Neuerungen. Ziel des Ideenmanagements ist die Mobilisierung von Leistungsreserven durch die Förderung eines kreativen Arbeitsklimas, um unter Einbeziehung aller Mitarbeiter die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation zu stärken. Das Ideenmanagement ergänzt das Innovationsmanagement, bei dem in der Regel nur ein Teil der Belegschaft involviert ist.

GeschichteBearbeiten

Der Begriff Ideenmanagement wurde 1975 von dem Österreicher Siegfried Spahl erstmals vorgestellt. Ihm schwebte ein System vor, „das sich der Nutzung aller Ideen-und Kreativitätsmethoden auf breiter Basis verschreibt und das alle Aktivitäten, die in einem Nahverhältnis oder in einer Wechselbeziehung zum Vorschlagswesen stehen, mit einschließt.“ Dazu zählte er unter anderem Wertanalyse, Zero Defects, Qualitätsförderung, Muster, Marken und Patente.[1] Der Begriff wurde aber seit den 1990er Jahren zunächst nur als Synonym für das Betriebliche Vorschlagswesen (BVW) verwendet.[2] Inzwischen hat sich in der Fachliteratur und in der Unternehmenspraxis die Auffassung durchgesetzt, dass ein modernes Ideenmanagement das Betriebliche Vorschlagswesen mit dem Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) kombiniert (Ideenmanagement = BVW + KVP).[3]

DefinitionBearbeiten

Ideenmanagement ist ein Oberbegriff für partizipative (mitarbeitereinbeziehende) Optimierungssysteme, die das Ziel haben, das Ideenpotential aller Mitarbeiter (nicht nur das der Manager und Experten) in einer Organisation zu nutzen, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. In der Praxis verwendete Begriffe für diese beiden sich ergänzenden Systeme sind unter anderem:

  • Betriebliches Vorschlagswesen (BVW) mit spontaner Ideenfindung und einem bestimmten Bearbeitungsablauf (z. B. zentrale, dezentrale, teildezentrale Bearbeitung)

Weiterentwicklung des IdeenmanagementsBearbeiten

Richtig eingesetzt ist das Ideenmanagement gleichermaßen ein Mittel zur Innovationsförderung, Kostenersparnis und Mitarbeitermotivation. Zudem kann Ideenmanagement zu einer offenen, von Vertrauen geprägten Unternehmenskultur beitragen. Eines der bleibenden zentralen Ziele ist die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, wozu auch nachweisbare Einsparungen gehören. Ideenmanagement besteht mindestens aus den beiden mitarbeitereinbeziehenden Optimierungssystemen BVW und KVP.

Zukünftige Modelle des BVW können ergänzend zur zentralen, dezentralen oder semizentralen Abwicklung auch Team-, Auktions-, Markt- oder Wikimodelle sein. Diese Modelle können die Kreativität aller Mitarbeiter, z. B. von High-Potentials, Kunden und Lieferanten besser in das Ideenmanagement einbeziehen.

In der Erweiterung zum Wissensmanagement kann auch das Fortbildungswesen integriert werden. In der modernen Interpretation hat das Ideenmanagement auch den Anspruch, ein Personalentwicklungstool zu sein. Hierüber kann u. a. auch die Kompetenz von Mitarbeitern entwickelt werden (Kompetenzmanagement). Ideenmanagement in Kombination mit Werkzeugen aus dem Human Resources Bereich erweitern die Möglichkeiten zur Unternehmensentwicklung. Der Mitarbeiter erhält dadurch die Option, sich weiter zu qualifizieren.

Damit Ideen einen schnellen Weg in die Organisation finden, ist eine unkomplizierte Eingabe in eine Ideenmanagement-Datenbank notwendig. Mit so genannten Kioskterminals kann dies auch Mitarbeitern ohne eigenen Computerarbeitsplatz ermöglicht werden.

Neue Ideen können auch von Kunden stammen, sodass auch eine Kombination mit dem Beschwerde- und Feedbackmanagement denkbar ist.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Siegfried Spahl: Handbuch Vorschlagswesen. Praxis des Ideenmanagements. Verlag Moderne Industrie, Augsburg 1975, S. 20.
  2. Peter Koblank: Kleine Geschichte des Ideenmanagements. Vom 19. Jahrhundert über das Dritte Reich und die DDR bis zur Gegenwart. In: EUREKA Impulse. 6/2014, S. 7. Abrufbar in: Best of Koblank
  3. Tobias Müller-Prothmann, Nora Dörr: Innovationsmanagement. Strategien, Methoden und Werkzeuge für systematische Innovationsprozesse. Hanser, München 2009, ISBN 978-3-446-41799-1, S. 77.

LiteraturBearbeiten

Monographien:

  • Reinhard Krug: Aufbau eines Ideenmanagements. Mitarbeiterbeteiligung am Veränderungsprozess, Ande Verlag, 2002, ISBN 3-9808545-1-5.
  • Hans-Dieter Schat: Ideen fürs Ideenmanagement: BVW und KVP gemeinsam realisieren, Wirtschaftsverlag Bachem, Köln 2005, ISBN 3-89172-456-X.
  • Hartmut Neckel: Modelle des Ideenmanagements. Intuition und Kreativität unternehmerisch nutzen, Klett-Cotta, 2008, ISBN 978-3-7910-3028-9.
  • Alexander Brem: The Boundaries of Innovation and Entrepreneurship. Conceptual Background and Essays on Selected Theoretical and Empirical Aspects (= Dissertation), Gabler, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8349-0833-9.
  • Mario Pricken: Clou. Strategisches Ideenmanagement in Marketing, Werbung, Medien und Design. Wie innovative Ideenschmieden die Alchemie der Kreativität nutzen. Hermann Schmidt, Mainz 2009, ISBN 978-3-87439-788-9.
  • Norbert Thom, Anja Piening: Vom Vorschlagswesen zum Ideen- und Verbesserungsmanagement. Kontinuierliche Weiterentwicklung eines Managementkonzepts (Reihe: Kreatives Management), Bern 2009, ISBN 978-3-0343-0321-7.
  • Petra Leipold: Führungsinstrument Ideenmanagement, Verlag Karl Maria Laufen, 2010, ISBN 978-3-87468-251-0.
  • Annette Blumenschein, Ingrid Ute Ehlers: Ideen managen. Eine verlässliche Navigation im kreativen Problemlösungsprozess, 2. Aufl., Springer Gabler, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-658-09578-9.
  • Hans-Dieter Schat: Erfolgreiches Ideenmanagement in der Praxis. Betriebliches Vorschlagswesen und Kontinuierlichen Verbesserungsprozess implementieren, reaktivieren und stetig optimieren, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-14492-0.
  • Hartmut Neckel: Toolbox Ideenmanagement. Wie Unternehmen die Kreativität ihrer Mitarbeiter systematisch fördern und nutzen können, Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-7910-4080-6.
  • Nils Landmann, Hans-Dieter Schat (Hrsg.): Ideen erfolgreich managen. Neue Perspektiven, aktuelle Branchenbeispiele, wissenschaftliche Grundlagen und Erkenntnisse, Springer Gabler, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-26519-9.

Beiträge:

  • Norbert Thom, Michelle Etienne: Betriebliches Vorschlagswesen: Vom klassischen Modell zum modernen Ideen-Management, Wirtschaftsstudium WISU, 26(6), 1997, S. 564–570.
  • Alexander Brem, Kai-Ingo Voigt: Betriebliches Vorschlagswesen, holistisches Ideenmanagement und die Rolle von Best Practice: Hintergrund, Konzept und Umsetzung in der Praxis, in: Vorausschau Und Technologieplanung, HNI-Verlagsschriftenreihe, 2007, S. 131–154.
  • Alexander Brem, Kai-Ingo Voigt: Innovation Management in Emerging Technology Ventures–The Concept of an Integrated Idea Management, in; International Journal of Technology Policy and Management, 7(3), 2007, S. 304–321.
  • Studienband Ideenmanagement EuPD Research, 2007, ISBN 978-3-9812322-4-0.
  • Alexander Brem, Sabine Ziegler: Implementierung eines Integrierten Ideenmanagements unter besonderer Berücksichtigung anreiz- und motivationstheoretischer Aspekte – Eine explorative Studie, in: Ideenmanagement, 35(2) 2009.
  • Peter Koblank: Die rechtlichen Rahmenbedingungen des Ideenmanagements in Deutschland. Prämierung, Versteuerung, Mitbestimmung und weitere Aspekte. EUREKA impulse 2/2021. Online.