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Humboldt Forum

kulturelles Projekt im Rahmen des Wiederaufbaus des Stadtschlosses in Berlin
(Weitergeleitet von Humboldt-Forum)
Süd- und Ostfassade des Berliner Schlosses (November 2018)

Das Humboldt Forum ist ein kulturelles Projekt im Rahmen des Wiederaufbaus des Schlosses in Berlin. Im Berliner Schloss sollen ab dem Jahr 2019 dauerhaft Ausstellungen über außereuropäische Kulturen gezeigt werden.[1] Die Kunstwerke befinden sich bislang im Ethnologischen Museum und im Museum für Asiatische Kunst. Am 12. Juni 2013 fand die Grundsteinlegung für das Museum statt, im Juni 2015 folgte das Richtfest.[2]

Über das Humboldt Forum und das Stadtschloss gibt das Informationszentrum in der seit 2011 temporär auf dem Schlossplatz aufgestellten Humboldt-Box Auskunft.[3]

Inhaltsverzeichnis

Nutzungskonzept für das Berliner SchlossBearbeiten

 
Künftige Ausstellungsflächen im 2. Obergeschoss (August 2018)

Eine internationale Expertenkommission hat im Jahr 2002 ein Nutzungskonzept für das neu zu errichtende Berliner Stadtschloss erstellt und dabei empfohlen, ein Humboldtforum im Schloss zu errichten.[4] Das neue Schloss soll nicht nur um des Schlosses willen entstehen, sondern konkrete Aufgaben übernehmen. Auf diese Weise soll an die wissenschaftlich-kulturelle Vergangenheit des Ortes angeknüpft werden, an dem sich im Deutschen Kaiserreich die Gebäude der Museen, das Stadtschloss mit der Residenz der Hohenzollern, der Berliner Dom und das Zeughaus Berlin vereinten.

Das Humboldt Forum und die Museumsinsel sollen mit ihrem Angebot an Sammlungen, Fachbibliotheken und Veranstaltungsräumen eine Verbindung von Kunst, Kultur und Wissenschaft bilden. Dabei schafft die Verknüpfung der Sammlungen zur europäischen Kunst und Kultur auf der Museumsinsel mit den außereuropäischen Museen im Humboldt Forum einen Dialog der Weltkulturen in der Mitte der deutschen Hauptstadt.

Namensgeber und StiftungBearbeiten

 
Alexander von Humboldt als Forschungsreisender in Übersee (Gemälde von Friedrich Georg Weitsch, 1806)

Namensgeber für das Projekt sind die Gebrüder Humboldt: Alexander steht als weitgereister Weltbürger und Forscher für die Vielseitigkeit der außereuropäischen Sammlungen. Wilhelm von Humboldt, der Universalgelehrte, vertrat u. a. die Idee, verschiedene Bildungseinrichtungen und Wissenschaftslehren unter einem Dach zu vereinigen. Wie die beiden Brüder einst, wird in Zukunft das Humboldt Forum Natur- und Kulturwissenschaften vereinigen.

Der Begriff Humboldt Forum wurde von der im Jahre 2000 gegründeten Internationalen Expertenkommission Historische Mitte Berlin entwickelt und von Hannes Swoboda präsentiert, als er dem damaligen Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Kurt Bodewig, und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, am 17. April 2002 den erarbeiteten Abschlussbericht überreichte.[5]

Als Bauherrin, Eigentümerin und Betreiberin des Humboldt Forums tritt die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss auf, die Mitte 2009 als Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum gegründet wurde. Sie koordiniert und bündelt die Interessen der Nutzer, richtet eine ständige Ausstellung Historische Mitte Berlin – Identität und Rekonstruktion aus und akquiriert Spenden für die Wiedererrichtung der historischen Fassaden und den Bau des Humboldt Forums.[6] Im April 2015 berief Kulturstaatsministerin Monika Grütters den Briten Neil MacGregor zum Leiter der Gründungsintendanz, die für zunächst zwei Jahre inhaltliche Schwerpunkte für das Humboldt Forum entwickeln soll.[7] Daneben gehören Hermann Parzinger und Horst Bredekamp der Intendanz an.[8]

Zum 1. Juni 2018 wurde Hartmut Dorgerloh vom Stiftungsrat des Humboldt-Forums als Generalintendant berufen. Zu diesem Zeitpunkt endet auch die Gründungsintendanz von Neil MacGregor, Hermann Parzinger und Horst Bredekamp. Der Vertrag Dorgerlohs geht zunächst bis zum Jahr 2023.[9]

Die SammlungenBearbeiten

In die Ausstellungsräume des Humboldt Forums werden im Jahr 2019 die Sammlungen der außereuropäischen Kunst der Stiftung Preußischer Kulturbesitz aus dem Museumszentrum Berlin-Dahlem verlegt. Diese werden zusammen mit der Berlin-Ausstellung und den in anderen Museen untergebrachten Sammlungen der europäischen Kunst auf der Museumsinsel einen Ort der Weltkultur bilden.

Die große Eingangshalle des Gebäudekomplexes soll mit themenübergreifenden Veranstaltungen als verbindendes Element wirken und ein besonderer Publikumsmagnet sein – im Sinne der Idee Gottfried Wilhelm Leibniz von einem umfassenden Wissenschaftstheater. Im ersten Stock befindet sich die zukünftige Ausstellungsfläche der Berlin-Ausstellung, die im Auftrag des Landes Berlin als Koproduktion zwischen Kulturprojekte Berlin und dem Stadtmuseum Berlin unter kuratorischer Leitung von Paul Spies entsteht.[10] Sie soll die Kulturen der Welt in den Obergeschossen thematisch mit der Stadt Berlin verknüpfen, wobei ein Schwerpunkt dabei auf die internationale Geschichte Berlins gelegt wird.[11] Die Ausstellung soll zeigen, „wie die Welt Berlin beeinflusst hat, aber auch, wie Berlin auf die Welt gewirkt hat“.[12] Im zweiten Stockwerk des Gebäudes werden zukünftig die Sammlungen des Ethnologischen Museum zu den Kulturen Ozeaniens, Amerikas und Afrikas sowie im dritten Stockwerk die Sammlungen des Museum für Asiatische Kunst ausgestellt. Die bis 2017 im Museumszentrum Berlin-Dahlem untergebrachten Sammlungen der außereuropäischen Kunst umfassen über 500.000 Artefakte und Kunstwerke.[13]

Vorboten der Sammlungen – Humboldt Forum HighlightsBearbeiten

Unter der Bezeichnung Humboldt Forum Highlights sollen 15 besondere Objekte nach der Eröffnung ständig zu sehen sein und Höhepunkte bilden. Sie sind Teil von rund vierzig „Spuren“, die an überraschenden Stellen im ganzen Gebäude schlaglichtartig die vielfältigen Aspekte der Geschichte des Ortes beleuchten. Die Objekte tragen im Katalog Humboldt Forum Highlights die Kurzbezeichnungen Barrigón, Kazike, Mayakrieger, Vishnu, Cuauhcoatl, Friedrich III., Madonna, Sope, Kollegheft, Nandi, Gorilla, Tresortür, Guten Tag, Vergnügen und Orobates Pabsti.[14] „Humboldt Forum Highlights“ ist auch der Titel einer Veranstaltungsreihe der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, mit der die Besucher mit 10 der 15 Objekte vertraut gemacht werden. Die Veranstaltungsreihe befasst sich mit den zehn Objekten ‚Nandi‘, ‚Gorilla‘, ‚Madonna‘, ‚Vishnu‘, ‚Friedrich III.‘, ‚Mayakrieger‘, ‚Guten Tag‘, ‚Orobates Pabsti‘, ‚Barrigón‘ und ‚Tresortür‘ unter Verwendung längerer Titel.[15] Diese Objekte werden auf der Museumsinsel und am Kulturforum in Berlin den Besuchern vorgestellt werden.[16]

Von Oktober 2018 bis Mai 2019 gibt es monatlich je eine Veranstaltung. Zu der Veranstaltungsreihe ist ein kostenloser vierzigseitiger Katalog mit 15 ganzseitigen farbigen Abbildungen erschienen, die alle Objekte in beispielhaften Aufnahmen darstellen. Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Liste der Humboldt Forum Highlights
Name
zu sehen im
Herkunft Zeitraum bzw. Jahr Kurzdarstellung Bild
Barrigón
(Der Dickbäuchige)
Neues Museum
Guatemala
Ethnologisches Museum
500–300 v. Chr. Der Barrigón ist ein 120 cm hoher und 800 kg schwerer Geröllblock aus dem Küstentiefland Guatemalas,[17] der zusammen mit zwei anderen Figuren um 1860 bei Rodungen für eine Kaffeeplantage auf dem Gebiet der Finca Concepción[18] gefunden wurde.[19] Die Figur wurde aus dem Geröllblock mit wenigen, markanten Linien modelliert, die Rückseite ist fast unbearbeitet. Sie stellt wahrscheinlich eine Gottheit dar, die dem Zeitraum zwischen 500 und 300 vor Christus entstammt und ist ein Zeugnis der Maya-Kultur der Mittleren Präklassik, über die aufgrund fehlender Schriftzeugnisse nur wenig bekannt ist. Die beiden anderen Statuen gelangten in das Musée d’Archélogie Nationale in Saint-Germain-en-Laye.[19]
Kazike der Quimbaya
Neues Museum
Kolumbien
Ethnologisches Museum
500–700 Die kunstvoll gefertigte Figur zeigt vermutlich einen Priesterfürsten (Kaziken) der Quimbaya-Kultur und ist ein Beispiel für deren herausragende Goldschmiedekunst. In den Händen hält die Figur zwei Behälter für Muschelkalk, das beim Kauen der Cocablätter eine wichtige Rolle spielt, da hierdurch das Kokain in das Alkaloid Ecgonin umgewandelt wird, dem jedes Suchtpotenzial fehlt. Priesterfürsten, die zur priviligierten Herrscherschigt gehörten waren sowohl für religiöse als auch administrative Dinge zuständig. Die Figur ist wahrscheinlich eine Grabbeigabe und war eine Schenkung des Geschäftsmanns und Politikers Hermann Henrich Meier, der sie dem damaligen Königlichen Museum für Völkerkunde 1873 übergab.[20][21]
Kriegsvase der Maya
Neues Museum
Guatemala
Ethnologisches Museum
700–900 Die Keramik-Vase aus der späten Maya-Klassik stammt aus Guatemala und zeigt auf einem 360-Grad-Panorama zwölf Figuren in Kampfszenen. Einer der Krieger wird beim Kampf gefangen genommen, wodurch das Ansehen des Siegers stieg. Der genaue Fundort der Vase ist unbekannt, sodass eine Zuordnung zu einem historischen Ereignis nicht möglich ist. Kleidung und Schmuck der dargestellten Figuren sowie die Namenshieroglyphen verweisen auf historische Personen.
Das umlaufende Hieroglyphenband weist auf die Benutzung des Gefäßes als Behältnis für Kakao hin, der in der Vorstellung der Mayas als Blut des Maisgottes galt und nur den Mächtigsten als göttliches Lebenselixier gereicht wurde. Die Vase wurde vom Ethnologischen Museum 1999 im Kunsthandel erworben.[22]
Vishnu
Altes Museum
Indien
Ethnologisches Museum
700–800 Die fast lebensgroße Granitfigur aus dem südlichen Indien entstand im 8. bis 9. Jahrhundert. Eine so große und vollständig erhaltene indische Götterfigur ist in westlichen Sammlungen relativ selten und ist dem Material Granit zu verdanken. Die Vishnu-Figur besitzt vier Arme, deren oberer rechter eine Wurfscheibe (Chakra) und der linke ein Schneckenhorn (shankha) hält. Die sonst üblicherweise vorhandene Keule (gada) und Lotosblüte (padma) fehlen, stattdessen erhebt er seine rechte untere Hand mit nach vorne zeigender Handfläche und signalisiert so Schutz.[23][24]
Cuauhcoatl
(Adlerschlange)

Neues Museum
Mexiko
Ethnologisches Museum
1325–1521 Ein „Cuauhcoatl“ war in der Kultur der Azteken ein mythisches Mischwesen aus Adler (cuauhtli) und Klapperschlange (coatl). Die Figur wurde von den Azteken angefertigt und überdauerte dank des robusten Materials die Jahrhunderte. Unzählige Federn schmücken den Körper des Tieres. Auf dem Kopf prangt eine „Edelstein“-Hieroglyphe. Cuauhcoatl steht vor allem für den Gründungsmythos Mexikos, nach dem die Hauptstadt Tenochtitlan des Reiches der Azteken an der Stelle gegründet wurde, an der sich die Prophezeiung ihres Stammesgottes Huitzilopochtli erfüllte und sich ein Adler auf einem Kaktus, der auf einem Stein wächst, niederlässt. Das Symbol von Adler mit Schlange ist das Wappen Mexikos.[25][26] Die Adlerschlange wurde in Azcapotzalco im zentralen Hochland Mexikos gefunden und kam 1862 mit der Sammlung Carl Uhde in die Sammlung des Ethnologischen Museums.
Statue Friedrich III.
von Bartholomeus Eggers
Preußen
Stiftung Preußische Schlösser und
Gärten Berlin-Brandenburg
1688 Die Statue des niederländischen Bildhauers Bartholomeus Eggers stammt aus dem Jahr 1688, dem Jahr des Regierungsantritts von Friedrich III., der den Auftrag zur Herstellung der Statue gab. Sie gehörte zu einer Gruppe von zwölf Stauen der brandenburgischen Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern, die von seinem Vater Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, in dessen Schatten er zeitlebens stand, in Auftrag gegeben wurde. Die Statuen standen im Alabastersaal des Berliner Schlosses und sollte Rang und Würde sowie die lange Tradition und Kontinuität der Hohenzollern als Herrscher über Brandenburg und Kurfürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation demonstrieren. Von 1728 bis 1894 stand die Statue im Weißen Saal und danach an einem anderen Ort des Schlosses.[27]
Federmadonna
Gemäldegalerie
Mexiko
Ethnologisches Museum
Spätes 18. Jh. Das Bild der aus Federn von mindestens 13 verschiedenen Vogelarten hergestellten Federmadonna stammt aus Pátzcuaro im mexikanischen Bundesstaat Michoacán, das als Zentrum des Federhandwerks bekannt ist. Als Vorlage diente wahrscheinlich eine ähnliche Skulptur aus der Basílica de Nuestra Señora de la Salud in Pátzcuaro. Im Museum von Tepotzotlán existiert ein fast identisches Federbild, sodass von einer fast industriellen Herstellung auszugehen ist. Das handwerklich äußerst anspruchsvolle Federbild verbindet vorspanischen Federkunst mit christlichen Motiven. Die Federmadonna brachte Alexander von Humboldt von seiner Amerikanischen Forschungsreise 1803/1804 aus Mexiko mit, was durch einen Brief Humboldts belegt ist. Die Federmadonna ist ein Ausstellungsstück des Ethnologischen Museums.[28][29]
Sope
Figur einer Gottheit

Neues Museum
Polynesien
Ethnologisches Museum
vor 1877 Der polnische Ethnograph und Biologe Johann Stanislaus Kubary brachte die Holzfigur 1877 aus Nukuoro, einer polynesischen Exklave in Mikronesien, nach Deutschland. Bevor sie in die Sammlung im Ethnologischen Museum kam, befand sie sich in zwei Hamburger Museen. Die lebensgroße Holzfigur des Gottes Sope stand im Haupttempel Nukuoros, wo es sechs Statuen wie diese gegeben haben soll. Während des monatelangen Festes der Erntezeit wurden die Figuren mit Blumen geschmückt und erhielt Früchte und andere Nahrungsmittel als Opfergaben. Sie entspringt einer vorchristlichen Kultur auf Nukuoro über die leider nur wenig bekannt ist.[30]
Kollegheft Friedrich-­Wilhelm-
Universität

Humboldt-Universität zu Berlin
vor 1885 Das Kollegheft entstammt einer Ausstellung der Humboldt-Universität, in der wissenschaftliche Such- und Erkenntnisprozesse erfahrbar gemacht werden sollen. Das Heft wurde von Friedrich Blanck während seines Studiums an der Friedrich-Wilhelm-Universität in den 1880er Jahren geführt und enthält Vorlesungsmitschriften. Er hinterließ Aufzeichnungen von mehreren tausend Seiten. Die Studenten verglichen ihre Mitschriften untereinander um so Fehler und Fehlendes zu korrigieren. Blank hat in einer Mitschrift einer Vorlesung des Reformpädagogen Friedrich Paulsen eine Aussage mit „=DIES BEZWEIFLE ICH!=“ versehen, die eine abweichende Meinung zum Dozenten dokumentiert. Ein offener Meinungsaustausch zwischen Vortragendem und Studenten war damals nicht möglich oder nicht erwünscht, da Kritik an Amtspersonen unvorstellbar war.[31]
Shivas Reittier Nandi
Pergamonmuseum
Indien
Museum für Asiatische Kunst (Berlin)
19. Jh. Nandi, ein Buckelstier der hinduistischen Mythologie, ist das Reittier (Vahana) und treuer Diener des Hindu-Gottes Shiva. Das Berliner Exemplar gelangte 1987 als Schenkung eines Schweizer Mäzens in die damalige Sammlung des Museums für Indische Kunst (heute: Teil des Museums für Asiatische Kunst) und stammt aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Es ist aus Holz und diente bei feierlichen Prozessionen als Reittier für Gott Shiva, mit dem es um den Tempel herum gefahren wurde.[32]
Nasspräparat
„Rechte Hand eines Gorillas“
Friedrich-­Wilhelm-
Universität

Humboldt-Universität zu Berlin
1904 oder früher Die in einem eckigen Glasbehäler in Alkohol konservierte rechte Hand eines Gorillas verkaufte der Leipziger Drogen- und Farbenhändler Erwin Olbrecht 1904 für 20 Mark an das Zoologische Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität. Ebenfalls verkaufte er der Sammlung noch eine Schimpansenhand und eine Erdpython. Diese Tiere leben alle im westlichen Zentralafrika, so dass sie möglicherweise aus der damaligen Kolonie Kamerun stammen. Über die genaue Herkunft der Präparate ist nichts bekannt.
Die Zoologischen Lehrsammlung entstand 1884 und diente als Instrument zur zoologischen Wissensvermittlung mittels anatomischen und mikroskopischen Präparaten, Modellen und Wandtafeln. Während des Zweiten Weltkriegs gingen große Teile der Sammlung verloren und während der 1970er Jahre sollte sie aufgelöst werden, wobei weitere Objekte verloren gingen oder in den Besitz des Museums für Naturkunde übergingen.
Gorillas in der westlichen Welt ers seit dem 19. Jahrhundert bekannt und wurden erstmals 1847 von dem US-amerikanischen Missionar, Arzt und Naturforscher Thomas Staughton Savage (1804–1880) beschrieben. 1859 veröffentlichte Charles Darwin sein Hauptwerk Über die Entstehung der Arten, das die Diskussion über die Verwandtschaft zwischen Menschen und Affen entfachte. Hierfür könnte die Gorillahand ein wichtiges Anschauungs- und Forschungsobjekt gewesen sein. Die Hand ist damit ein Objekt zur Darstellung der Wissenschaftsgeschichte und kolonialer Machtverhältnisse.[33][34]

Tresortür Berlin
Stadtmuseum Berlin
1927–2005 Die Tresortür befand sich einst im Untergeschoss des Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz, wo sie ab 1927 die Tresorräume sicherte. 1944 wurde das Kaufhaus bei einem Luftangriff schwer beschädigt und, obwohl ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre, von den DDR-Machthabern 1955/1956 abgerissen. Der Keller mit den Tresorräumen, der nun im unbewohnten Grenzstreifen Ost-Berlins lag, blieb jedoch erhalten und diente dem Techno-Club Tresor bis zum 16. April 2005 als Veranstaltungsraum. Der Tresor wurde international berühmt und zum Inbegriff eines typischen Techno-Clubs. Der Tresor wurde zur Plattform für die internationale Techno-Bewegung. Für die Berlin Ausstellung im Humboldt Forum hat Tresor-Betreiber Dimitri Hegemann die Tür an das Stadtmuseum Berlin ausgeliehen.

Die Tresortür steht auch für die Geschichte der Familie Wertheim und die Verfolgung durch die während der NS-Zeit. 1934 übertrug Georg Wertheim per Schenkung sein gesamtes Vermögen seiner nichtjüdischen Frau Ursula. Dennoch wurde die Firma Wertheim 1935 als „rein jüdisch“ eingestuft. 1937 kam die Enteignung durch die Nationalsozialisten. Alle jüdischen Geschäftsführer wurden entlassen. Die Mitglieder der Wertheim-Familie gingen ins Exil. Drei Familienmitglieder wurden in Auschwitz ermordet.[35]

Guten Tag
von Wolfgang Mattheuer
Berlin
Deutsches Historisches Museum
1975 Das Gemälde von Wolfgang Mattheuer hing ursprünglich in der Galerie im Palast der Republik, in der insgesamt 16 Monumentalbilder bekannter DDR-Künstler hingen, darunter Willi Sitte, Walter Womacka, Wolfgang Mattheuer und andere unter dem Motto „Wenn Kommunisten träumen“ und zählt zu den Hauptwerken Mattheuers. In der vorliegenden Reproduktion des Bildes durch die Nachrichtenagentur ADN heißt es „Bei Wolfgang Mattheuer wird eine ganz einfache Szene zum bedeutenden Gleichnis gestaltet. Der Spaziergang einer Familie führt steil und darum nicht mühelos zur Höhe empor. Das Grün der Landschaft bildet einen Kontrast zur großen Stadt im Tal. Der Maler sieht die Stadt mit aufmerksamer Heimatliebe. Die breitet sich hell im weiten Land aus, ist ein wesentliches Stück unserer historisch gewachsenen Daseinssphäre.“

Nach der Wende außerte sich Mattheuer folgendermaßen: „Ich sehe … schmerzlicher als manch anderer die Brutalität, mit der unsere Industrien sich ins Land breitfressen … Rücksichtsloser wie einst im 19. Jahrhundert … nur schlimmer noch, denn in unseren Jahren sind die Grenzen der Belastbarkeit der Natur und des Menschen deutlich geworden.“

Das Bild konnte damals als Kritik an politischen und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen in der DDR gedeutet werden, aber auch heute hat es seine Aktualität behalten, da es die rücksichtslos ausufernden Industrialisierung zeigt, die heute allgegenwärtig ist. Zugleich steht das Bild auch für die Geschichte des Ortes Berliner Schloss – Palast der Republik – Humboldt Forum, in dem Kunst immer eine wichtige Rolle der Stelbstdarstellung spielte. Das Gemälde kommt aus einem Depot des Deutschen Historischen Museums und gehört heute der Bundesrepublik Deutschland.[36]

Vergnügen Berlin
Palast der Republik u.A.
1881–2019 Mit geschätzten 100 Theatern und Bühnen, Kinos, unzähligen Kneipen und Clubs ist Berlin die Hauptstadt des Vergnügens in Deutschland. Gastronomie, Kultur und Unterhaltung bilden einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Die Ausstellung Berlin und die Welt versucht das Vergnügen in seinen mannigfachen Formen zu erhellen. Im Themenraum des Humboldt Forums stehen die Deckenleuchten aus dem ehemaligen Palast der Republik für das Thema Licht und stellen die Verbindung zur Geschichte des Ortes her.

Der multikulturelle Aspekt des Themas wird am Thema Hip-Hop-Kultur aufgezeigt. Aus der Bronx kommend, in Berlin von türkischen Jugendlichen aufgegriffen und in die Türkei als Oriental Hip-Hop exportiert, wurde er dort die Grundlage für die dortige Hip-Hop-Szene. Der Themenraum wirft jede Menge Fragen auf und erlaubt einen Blick auf die vielfältige Geschichte der Berliner Vergnügungskultur.[37]

Orobates Pabsti
(3D-Druck eines Ursauriers)
Berlin
Stiftung Schloss Friedenstein Gotha /
Humboldt-Universität zu Berlin
2016 Orobates Pabsti war ein Ursaurier, der vor ca. 250 bis 350 Millionen Jahren lebte und im Jahr 2000 erstmals beschrieben wurde. Er wurde nach dem Gothaer Erforscher permischer Ursaurierfährten, Prof. Wilhelm Pabst (1856–1908) benannt.[38] Das Skelett wurde bei der „Bromacker-Grabung“ 1998 entdeckt und von Amy Henrici am Carnegie Museum of Natural History präpariert. Es handelt sich um das besterhaltene Skelett der Saurier-Gattung Diadectes weltweit.
Ausgehend von diesem Skelett und einem versteinerten Fährtenabdruck wurde in einem interdisziplinären Forschungsprojekts mittels moderner Computertomographie-Verfahren und hochauflösenden Scans ein 3D-Modell entwickelt, das anhand detaillierter biomechanischer Analysen heutiger Tiere animiert werden konnte. Daraus konnten die einzelnen Knochen im 3D-Druck geformt und zum lebensgroßen Modell zusammengesetzt werden. Im Rahmen des Forschungsprojektes entstand auch ein Roboter des Orobates pabsti, der OroBOT, der gemeinsam mit dem 3D-Modell der weiteren Erforschung des Ursauriers dient.[39]

KritikBearbeiten

In einem 2015 publizierten Aufsatz warf der Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer den Planern des Humboldt Forums „Geschichtsvergessenheit“ und eine „Unkenntnis der kolonialen Traditionen“ vor. Die im Humboldt Forum avisierte Dauerausstellung der Berliner völkerkundlichen Sammlungen entfalte, so Zimmerer, durch die „Blickrichtung von Europa in die Welt“ eine „eurozentristische Selbstgewissheit“, die es „aus kolonialismuskritischer Perspektive zu überwinden“ gelte. Durch die Sammlungen werde eine Sicht transportiert, die fremde Kulturen vielfach als „primitiv“ konstruiere und „europäische Überlegenheitsgewissheit“ auf diese Weise stabilisiere:

„Die Blüte völkerkundlicher Sammlungen fiel nicht zufällig in die Phase des Hochimperialismus, als weite Teile Afrikas, Asiens und Ozeaniens unter europäischen Kolonialmächten aufgeteilt waren.“[40]

Erinnerungspolitisch schlage sich in der gegenwärtigen Konzeption des Humboldt Forums eine „koloniale Amnesie“ nieder, die dem grundsätzlich richtigen Anspruch eines „symmetrischen Dialogs der Kulturen“ in der Mitte Berlins zuwiderlaufe.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Humboldt Forum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Humboldtforum online (Memento vom 7. März 2012 im Internet Archive): „(…) Bau des Humboldtforums bis zu seiner Eröffnung im Jahr 2019“
  2. Jens Bisky: Der Deutschen neue Kleider. in: Süddeutsche Zeitung. 12. Juni 2015, Seite 11.
  3. Pressemitteilung vom 9. September 2010: Verschiebung des Baubeginns (Memento vom 6. März 2013 im Internet Archive)
  4. Die Internationale Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, archiviert vom Original am 28. Mai 2015; abgerufen am 1. Juni 2015 (PDF).
  5. 2000 – Internationale Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“. Bundesministerium für Umwelt Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. 1. August 2014, abgerufen am 13. Juni 2015.
  6. Stiftungszweck (Memento vom 16. Juni 2015 im Internet Archive) auf der Website der Stiftung Berliner Schloss – Humboldt Forum
  7. Merkels Wunschkandidat: Direktor des British Museum wird Intendant im Berliner Stadtschloss. In: Spiegel Online. 8. April 2015, abgerufen am 8. April 2015.
  8. Neil MacGregor wechselt zum Humboldt-Forum. (Memento vom 19. Oktober 2017 im Internet Archive) In: preussischer-kulturbesitz.de. 8. April 2015.
  9. Nicola Kuhn: Generalintendant des Humboldt-Forums Hartmut Dorgerloh ist Berlins neuer Schlossherr. In: Der Tagesspiegel. 15. Mai 2018, abgerufen am 26. Mai 2018.
  10. Christian Schröder: Stadtmuseum zieht im Herbst ins Schloss. In: Der Tagesspiegel Online. 1. Februar 2018 (tagesspiegel.de [abgerufen am 29. März 2018]).
  11. Projekt – Kulturprojekte Berlin. Kulturprojekte Berlin GmbH, abgerufen am 29. März 2018.
  12. Paul Spies: „Wir zeigen die internationale Vernetzung Berlins“. Deutsche Welle (www.dw.com), 19. Juli 2016, abgerufen am 29. März 2018.
  13. Das Humboldt-Forum. (PDF) Hrsg. Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum, Februar 2011, S. 20.
  14. Katalog Humboldt Forum Highlights der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Berlin 2018.
  15. Humboldt Forum Highlights – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 28. November 2018.
  16. Isabell Jürgens: Berlin: Diese Exponate können die Besucher im Humboldt Forum sehen. In: Berliner Morgenpost. 24. Oktober 2018, abgerufen am 28. November 2018.
  17. Barrigón – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  18. FINCA CONCEPCION PIXCAYA GUATEMALA GUATEMALA Geography Population Map cities coordinates location. In: tageo.com. Abgerufen am 20. November 2018.
  19. a b (PDF) De Barones y Barrigones: el periplo de las esculturas de Concepción, Escuintla. In: researchgate.net. 28. September 2018, abgerufen am 20. November 2018 (englisch).
  20. Kazike – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  21. Manuela Fischer Sebastián Pimiento Benjamin Böhlke: Highlights für das Humboldt Forum : Das Gold der Quimbaya. In: tagesspiegel.de. 4. Januar 2019, abgerufen am 4. Januar 2019.
  22. Maya Krieger – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  23. Vishnu – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  24. Martina Stoye Vilwanathan Krishnamurthy, Hella Kaiser: Highlights für das Humboldt Forum: Wenn Nandi würdig grüßt. In: Der Tagesspiegel. 24. Oktober 2018, abgerufen am 5. November 2018.
  25. Cuauhcoatl – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  26. Karolin Korthase: Adlerschlange trifft Pharao. Ethnologische Sammlungen auf dem Weg zum Humboldt Forum. In: blog.smb.museum. 3. Juli 2017, abgerufen am 21. November 2018.
  27. Friedrich III. – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  28. Madonna – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  29. Maria Gaida Dorothee Nolte: Highlights für das Humboldt Forum : Wie Maria mit Kolibrifedern nach Berlin kam. In: Der Tagesspiegel. 30. November 2018, abgerufen am 1. Dezember 2018.
  30. Sope – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  31. Kollegheft – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  32. Nandi – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  33. Gorilla – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  34. Highlights für das Humboldt Forum: Der Mensch stammt vom Affen ab? In: Der Tagesspiegel. 11. November 2018, abgerufen am 13. November 2018.
  35. Tresortür – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  36. Guten Tag – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  37. Vergnügen – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  38. "Ursaurier-Skelett (Orobates pabsti, Diadectide)". In: museen.thueringen.de. Abgerufen am 15. November 2018.
  39. Orobates Pabsti – Humboldt Forum. In: humboldtforum.com. Abgerufen am 8. November 2018.
  40. Jürgen Zimmerer: Humboldt Forum: Das koloniale Vergessen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. Juli 2015, S. 13–16, abgerufen am 3. Januar 2019.

Koordinaten: 52° 31′ 3″ N, 13° 24′ 10″ O