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Holzhausen (Dautphetal)

Ort in der Gemeinde Dautphetal

Holzhausen am Hünstein, benannt nach dem Berg Hünstein, ist eine Ortschaft im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und ein Ortsteil der Gemeinde Dautphetal. Der Ort ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.[3]

Holzhausen
Gemeinde Dautphetal
Wappen von Holzhausen
Koordinaten: 50° 48′ 43″ N, 8° 31′ 34″ O
Höhe: 327 (320–370) m ü. NHN
Fläche: 8,4 km²[1]
Einwohner: 1870 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 223 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35232
Vorwahl: 06468
Karte
Lage in der Gemeinde Dautphetal
Luftaufnahme von Holzhausen
Luftaufnahme von Holzhausen

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Holzhausen liegt 24 km westlich von Marburg an der Kreisstraße 74, nördlich der Bottenhorner Hochflächen.

KlimaBearbeiten

Das Gebiet liegt im warm-gemäßigten Regenklima der mittleren Breiten. Die mittlere Tagestemperatur beträgt im Sommer ungefähr 15 bis 16 °C und im Winter etwa −1 bis 1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt in zirka 800 bis 1000 mm.

GeschichteBearbeiten

Erstmals wurde Holzhausen im Jahr 1251 urkundlich erwähnt, als Heinrich von Damshausen einer Schenkung, nach dem Tod seines Bruders, an den Deutschen Orden in Marburg zustimmte. 1368 versöhnten sich die Herren von Hohenfels mit der Stadt Wetzlar wegen der Übergriffe auf die Stadt zu Holzhausen und am Streichenberg. Der Marburger Bürger Wigand Mühlbach wies im Jahr 1443 dem Kloster Caldern nach, dass seine Vorfahren diesem eine Gülte aus dem inzwischen verkauften Mühlbachgut in Holzhausen geschenkt hatten, und übergab diese dem Kloster erneut. Im Jahr 1455 vermachte Gernand von Dausenbach dem Deutschen Orden Gefälle aus seinem Hof in Holzhausen. 1463 verkauften der Marburger Schöffe Ludwig Imhof und seine Frau Luise, eine geborene von Hohenfels, dem Hospital in Biedenkopf Ländereien. Im Jahr 1577 hielten der Deutsche Orden fünf, die von Hatzfeld, die Herren von Dernbach, die Grafen von Solms und das Kloster Haina je ein Gut in Holzhausen.

Mit Wirkung zum 1. Oktober 1954 wurde auf Beschluss der Hessischen Landesregierung der Name der Gemeinde von „Holzhausen bei Gladenbach“ nach „Holzhausen am Hünstein“ geändert.[4]

GebietsreformBearbeiten

Am 1. Juli 1974 wurde Holzhausen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen mit 11 weiteren Gemeinden kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Dautphetal zusammengeschlossen.[5][6] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke eingerichtet.

Ringwall HünsteinBearbeiten

Die Ringwallanlage auf dem 504 Meter hohen Hünstein entstand vermutlich während der Hallstattzeit oder der Latènezeit. Sie liegt etwa einen Kilometer südöstlich des Ortes in einer Zone erzführender Diabase am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Holzhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 51 Hausgesesse
• 1630: 37 Hausgesesse (6 dreispännige, 7 zweispännige, 13 einspännige Ackerleute, 11 Einläuftige). 2 Witwen.
• 1677: 1 Freier, 41 Hausgründe, 3 Witwen, 18 ledige Personen.
• 1742: 39 Haushalte
Holzhausen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2017
Jahr  Einwohner
1791
  
345
1830
  
564
1834
  
610
1840
  
677
1846
  
666
1852
  
650
1858
  
612
1864
  
620
1871
  
598
1875
  
610
1885
  
706
1895
  
695
1905
  
739
1910
  
807
1925
  
1.008
1939
  
1.119
1946
  
1.564
1950
  
1.593
1956
  
1.522
1961
  
1.565
1967
  
1.713
2007
  
2.090
2012
  
1.883
2016
  
1.898
2017
  
1.870
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[10]; nach 2000: Gemeinde Dautphetal (webarchiv)

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 563 evangelische, ein römisch-katholischer Einwohner
• 1885: 547 evangelische (= 88,94 %), 6 katholische (= 0,98 %), 62 jüdische (= 10,08 %) Einwohner
• 1961: 1383 evangelische (= 88,37 %), 153 römisch-katholische (= 9,78 %) Einwohner

ErwerbstätigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1867: Erwerbspersonen: 181 Landwirtschaft, 3 Bergbau und Hüttenwesen, 1 Kirche und Gottesdienst, 5 Gemeindeverwaltung.
• 1961: Erwerbspersonen: 226 Land- und Forstwirtschaft, 410 produzierendes Gewerbe, 73 Handel und Verkehr, 68 Dienstleistungen und Sonstiges.

PolitikBearbeiten

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Rot auf goldenem Dreiberg ein singender blau bewehrter silberner Vogel.“

Im November 1951 wurde der Gemeinde Holzhausen durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.[11]

OrtsbeiratBearbeiten

Der Ortsbeirat wird von Ortsvorsteher Hans Joachim Kramer (CDU) angeführt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Waldschwimmbad

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

im Ort gibt es eine evangelische Kirche, eine Grundschule, ein Kindergarten, ein Kinderspielplatz, ein Bürgerhaus, eine Kegelbahn, mehrere Sportplätze, ein Tretbecken, eine Parkanlage, eine Schutzhütte, mehrere Grillplätze, eine Skipiste mit Lift, eine Loipe, eine Tennishalle mit Freiplätzen, ein Minigolfplatz, ein Reitplatz und mehrere markierte Wanderwege. Eine lokale Besonderheit stellt das 1935 eröffnete Waldschwimmbad[12] dar. Es wird durch einen eigenen Förderverein der Bürger unterhalten und umfasst u. a. drei Schwimmbecken; das größte ist 50 mal 25 m groß.

VerkehrBearbeiten

Die Buslinie MR-40 von Gladenbach (Busbahnhof) nach Biedenkopf (Marktplatz) der Verkehrsgesellschaft ALV-Oberhessen fährt die innerörtliche Haltestelle Dautphetal-Holzhausen Talstraße in beide Richtungen im Zweistundentakt an.[13] Die Linie bietet in Wolfgruben über die Bushaltestelle Wolfgruben Wilhelmshütte bzw. den Bahnhaltepunkt Wilhelmshütte Anschluss an die Obere Lahntalbahn.

Etwas östlich umgeht die Bundesstraße 453 den Ort.

Blick auf Holzhausen am Hünstein (linke Bildhälfte) und das Dautphetal. Im Hintergrund (v. l. n. r.) der Nimerich (Breidenbacher Grund, 533 m), die Sackpfeife (674 m) und ihre Vorhöhen (u. a. Arennest, 592 m) und davor der Ort Dautphe; in der rechten Bildhälfte die westlichen Damshäuser Kuppen mit Hornberg (451 m), Eichelhardt (465 m, teils verdeckt), Schweinskopf (473 m, hinter Herzhausen) und Dusenberg (457 m)

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Holzhausen (Dautphetal) – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Holzhausen am Hünstein, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Einwohnerzahlen der Gemeinde Dautphetal“ im Internetauftritt der Gemeinde Dautphetal, abgerufen am 28. März 2018
  3. Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung: 77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 13. Februar 2012, ISSN 0724-7885, S. 221 (Online [PDF]).
  4. Der Hessische Minister des Innern: Änderung des Namens der Gemeinde Holzhausen bei Gladenbach im Landkreis Biedenkopf, Regierungsbezirk Wiesbaden, in „Holzhausen am Hünstein“ vom 1. Oktober 1954. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1954 Nr. 45, S. 1058, 1087 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,7 MB]).
  5. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 20 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 f.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins: vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 415 (online bei Google Books).
  10. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 185, 270 (online bei HathiTrust’s digital library).
  11. Der Hessische Minister des Inneren: Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Holzhausen, Landkreis Biedenkopf, Reg.-Bez. Wiesbaden vom 8. Dezember 1951. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1951 Nr. 49, S. 740, Punkt 1165 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  12. Waldschwimmbad Holzhausen, abgerufen im September 2017.
  13. Die ALV Oberhessen GmbH & Co. KG, abgerufen 2014.