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Hoimar von Ditfurth

deutscher Arzt und Journalist

Hoimar Gerhard Friedrich Ernst von Ditfurth (* 15. Oktober 1921 in Berlin-Charlottenburg; † 1. November 1989 in Freiburg im Breisgau) war ein habilitierter deutscher Arzt und Journalist. Bekannt wurde Hoimar von Ditfurth vor allem als Fernsehmoderator und populärwissenschaftlicher Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

FamilieBearbeiten

Hoimar von Ditfurth entstammte dem Adelsgeschlecht Ditfurth, einer preußischen Offiziersfamilie. Sein Vater, Hans-Otto von Ditfurth, war im Ersten Weltkrieg Rittmeister, betreute nach einer Banklehre die Vermögensverwaltung für den Erbgroßherzog Nikolaus von Oldenburg im ländlichen Lensahn und arbeitete schließlich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als höherer kaufmännischer Angestellter bei Siemens in Berlin-Lichtenberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er Klassische Philologie. Nach dem Staatsexamen übernahm er in Marburg einen Lehrauftrag für alte Sprachen.

Von Ditfurth war ab 1949 mit Heilwig von Raven verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Jutta Gerta Armgard (* 1951), Wolf-Christian (* 1953), Donata-Friederike (* 1956) und York-Alexander (* 1957). Seine Tochter Jutta Ditfurth wurde bekannt als Politikerin der Grünen, sein Sohn Christian v. Ditfurth als Historiker, Journalist und Autor von Alternativweltgeschichten.

Er starb am 1. November 1989 in Freiburg/Breisgau an den Folgen eines Thymuskarzinoms und wurde in Staufen im Breisgau begraben, wo er seine letzten Lebensjahre verbracht hatte.

Ausbildung, Kriegsdienst und BerufBearbeiten

Geprägt von einem national-konservativen preußischen Elternhaus, ging er auf das humanistische Viktoria-Gymnasium in Potsdam (heute Helmholtz-Gymnasium Potsdam). Nach dem Abitur 1939 studierte er Medizin, Psychologie und Philosophie an der Universität Berlin. Nach dem Physikum im Frühjahr 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er absolvierte die militärische Grundausbildung und wurde von Anfang August 1941 bis Ende Februar 1942 an der Ostfront eingesetzt. Nach einer Ausbildung an der Sanitätsschule in Guben und einer Spezialausbildung zum Narkotiseur in einem Reservelazarett in Antwerpen wurde er als Sanitätssoldat in mehreren Lazaretten eingesetzt. Anfang 1943 entsandte ihn die Wehrmacht zur Fortsetzung des Studiums an die Universität Hamburg.[1] Er promovierte 1946 in Hamburg zum Doktor der Medizin. Von 1948 bis 1960 war er am Universitätsklinikum Würzburg tätig (zuletzt in der Position eines Oberarztes). 1959 wurde er an der Universität Würzburg habilitiert und damit Privatdozent für Psychiatrie und Neurologie. 1967 ernannte ihn die Universität Würzburg und 1968 die Universität Heidelberg zum außerordentlichen Professor der Medizinischen Fakultät.

Ab 1960 arbeitete Ditfurth im Pharmakonzern C. F. Boehringer in Mannheim und war dort bis 1969 Leiter des sogenannten Psycholabors zur Entwicklung beziehungsweise klinischen Erprobung von Psychopharmaka. Er knüpfte erste Kontakte zu Konrad Lorenz. In diese Zeit fiel auch seine Herausgeberschaft der Zeitschrift n+m (Naturwissenschaft und Medizin, von 1964 bis 1971), die ab 1972 unter dem Namen Mannheimer Forum fortgeführt und von Ditfurth bis zu seinem Tode herausgegeben wurde. Er hatte sie in dieser Form selbst ins Leben gerufen.[2] 1969 lehnte er – nach einer von ihm selbst erbetenen einjährigen „Probezeit“ – eine Geschäftsführerposition ab[3] und war stattdessen weiter als Dozent, freier Publizist und Wissenschaftsjournalist tätig.

Autor und FernsehmoderatorBearbeiten

Sehr erfolgreich war Hoimar von Ditfurth als populärwissenschaftlicher Autor und Fernsehmoderator (WDR, SFB, SR, ZDF). Er überschritt dabei mutig – aber unter Verwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse – die interdisziplinären Grenzen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften (hier besonders zur Theologie und Philosophie). Ein bedeutender Teil seines Lebenswerkes war sein Eintreten gegen Aberglauben, Pseudowissenschaften, Kreationismus und Anthropozentrismus. Einem großen Publikum wurde er durch die von ihm 1971 konzipierte ZDF-Sendereihe Querschnitt (später Querschnitte) bekannt, die er gemeinsam mit Volker Arzt bis 1983 leitete.

Ab dem Ende der 1970er Jahre wandte sich Hoimar von Ditfurth zunehmend umweltpolitischen Themen zu und unterstützte zu Beginn der 1980er Jahre die Partei Die Grünen im Wahlkampf.

Aus Anlass des Nato-Doppelbeschlusses (1979) und anderen Erwägungen heraus verstand sich Ditfurth als Pazifist.[4]

In seinen letzten Büchern („Wir sind nicht nur von dieser Welt“ und „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“) unternahm von Ditfurth den Versuch, eine Quintessenz seiner Überlegungen zu ziehen. Eine der schon lange bei ihm vorherrschenden Überzeugungen bestand in der Annahme eines Dualismus zwischen physischen und psychischen Vorgängen.[5] Im Zusammenhang mit der Auffassung, dass sich die Evolution nicht nur auf die Lebewesen auf der Erde, sondern auf den gesamten Kosmos bezieht und die kosmische Entwicklung letztendlich einem Endpunkt („Wärmetod“) zustrebt, sah er sowohl im Kosmos selbst als auch in der Psyche gleichsam Hinweise auf eine nicht mehr wissenschaftlich zugängliche, sich „dahinter verbergende Wirklichkeit“, für die er den religiösen Begriff des „Jenseits“ benutzte.[6] Ein weiterer Ausgangspunkt für diese Hypothese, die er als solche auch kennzeichnete, waren für ihn die Erkenntnisse der Relativitätstheorie und der Quantenphysik, aus denen er ableitete, dass die menschliche Sicht der Realität sich dadurch geradezu auflöse.[7] Ditfurth ging also davon aus, dass sich hinter unserer erkennbaren und erlebbaren Welt eine jenseitige, „transzendentale Wirklichkeit“ befinde, die sich der Wahrnehmung entziehe, aber auf die erkennbare Wirklichkeit einwirken könne. Er hielt die „Erkenntnis der Wahrheit“ für unmöglich und – in Anlehnung an Plato – die „Realität unserer Welt“ für hypothetisch.[8] Er wollte mit seinen Thesen bewusst den Versuch wagen, Wissenschaft und Religion wieder miteinander ins Gespräch zu bringen.

In Unbegreifliche Realität entwarf Ditfurth wiederum einen eigenen Ansatz zur Evolutionären Erkenntnistheorie.

1984 kritisierte Ditfurth primär auf Hungerbekämpfung ausgerichtete humanitäre Hilfe durch Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt. Angesichts einer von 2,5 Milliarden Menschen im Jahr 1950 auf damals 4,8 Milliarden Menschen angewachsenen Weltbevölkerung bemerkte er, dass jeder, „der sich darauf beschränkt, die heute hungernden Kinder zu sättigen, statt dem unvermeidlichen Sterben durch Geburtenkontrolle vorzubeugen, unmittelbar und ursächlich dazu beiträgt, die Leichenberge, denen sich die morgige Generation gegenübersehen wird, auf noch größere Höhen anwachsen zu lassen“.[9]

Seine Autobiographie Innenansichten eines Artgenossen, erschienen in seinem Todesjahr, beleuchtet die Jugend eines Adelssprosses im Nationalsozialismus und die Verführbarkeit durch die „Erfolge“ der Nationalsozialisten, obwohl der Vater schon vor Kriegsbeginn eine Katastrophe heraufziehen sah. Der Pessimismus, den schon sein Buch So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Es ist soweit kennzeichnete, findet sich auch hier wieder. Das Buch schließt mit einem Appell, die Feindesliebe der Bergpredigt endlich umzusetzen. Darin sieht er einen Ausweg aus den vom Menschen selbstgeschaffenen Problemen. „Der Versuch, ihn zu benutzen, ist noch niemals ernstlich unternommen worden. Viel Zeit bleibt uns nicht, das Versäumnis nachzuholen.“[10]

Hoimar von Ditfurth war Mitglied des deutschen PEN-Zentrums.

 
Grab von Hoimar von Ditfurth auf dem Staufener Friedhof

Auszeichnungen und EhrungenBearbeiten

  • 1968: Goldene Kamera für die Produktion Experimente mit dem Leben – Griff nach dem Gehirn
  • 1968: Ehrende Anerkennung der Pressejury beim Adolf-Grimme-Preis für die Produktion Experimente mit dem Leben – Griff nach dem Gehirn
  • 1972: Bambi
  • 1973: Bölsche-Medaille
  • 1974: Goldener Bildschirm
  • 1974: Sonderpreis des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft für die Produktion Künstliche Erinnerungen – Neue Entdeckungen der Hirnforschung
  • 1975: Prix Futura der Union der Europäischen Rundfunkorganisationen
  • 1976: Sonderpreis des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft
  • 1980: Kalinga-Preis der UNESCO
  • 2001: Umbenennung einer Realschule in Vreden in Hoimar-von-Ditfurth-Realschule

WerkeBearbeiten

Artikel

LiteraturBearbeiten

  • Helga Märthesheimer (Hrsg.): Die Frau an seiner Seite – Gespräche mit Frauen berühmter Männer. Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1988, ISBN 3-404-60195-5 (Gespräch von Carola Benninghoven mit Heilwig von Ditfurth. S. 31–55).
  • Der Gottheit lebendiges Kleid – Evolutionstheorie und Glaube. Franz Kreuzer im Gespräch mit Hoimar von Ditfurth, Kardinal Franz König und Arnold Keyserling. Deuticke Verlag, 1982, ISBN 3-7005-4463-4.
  • Eckart Löhr: Hoimar von Ditfurth – Aspekte seines Denkens. Eine kritische Einführung in das Denken des Mediziners, Wissenschaftlers und Wissenschaftsjournalisten anlässlich seines 20. Todesjahres. Grin, München 2009, ISBN 3-640-26707-9.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. von Ditfurth: Innenansichten eines Artgenossen. 1989.
  2. von Ditfurth: Innenansichten eines Artgenossen. 1989, S. 323 f.
  3. von Ditfurth: Innenansichten eines Artgenossen. 1989, S. 334
  4. Hoimar von Ditfurth, Unbegreifliche Realität, 1987, S. 307–327
  5. siehe dazu auch: Popper und Eccles: Das Ich und sein Gehirn. 1982. Hierin sprechen sich sowohl der Erkenntnistheoretiker Popper und der Neurophysiologe Eccles (Nobelpreisträger) für den Dualismus aus. Von Ditfurth nennt zwar dies Buch nicht ausdrücklich – er verzichtet zumeist auf ein Literaturverzeichnis – aber in seinen Fußnoten wird Popper häufig genannt, z. B. in: So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Anmerk. 182
  6. von Ditfurth: Wir sind nicht nur von dieser Welt. 1981, S. 207 ff.
  7. von Ditfurth: Wir sind nicht nur von dieser Welt. 1981, S. 159; Kapitel: Die Realität ist nicht greifbar
  8. Rudolf Feustel: Abstammungsgeschichte des Menschen. 6. Auflage. Gustav Fischer, Jena 1990, ISBN 3-334-00272-1, S. 17
  9. Die mörderische Konsequenz des Mitleids. In: Der Spiegel. Nr. 33, 1984, S. 85–86 (online13. August 1984).
  10. von Ditfurth: Innenansichten eines Artgenossen. S. 432