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Hohenprießnitz ist ein Ortsteil der Gemeinde Zschepplin im Landkreis Nordsachsen im Nordwesten von Sachsen.

Hohenprießnitz
Gemeinde Zschepplin
Wappen von Hohenprießnitz
Koordinaten: 51° 31′ 58″ N, 12° 35′ 50″ O
Höhe: 102 m
Einwohner: 942 (1990)
Eingemeindung: 1. Januar 1999
Postleitzahl: 04838
Vorwahl: 034242

GeografieBearbeiten

Hohenprießnitz liegt an der Bundesstraße 107 zwischen den Städten Eilenburg und Bad Düben. Zudem gibt es nicht klassifizierte Ortsverbindungen nach Noitzsch und Glaucha. Östlich fließt die Mulde am Ort vorbei. Südöstlich von Hohenprießnitz gibt es mit der Personenfähre Gruna einen Übergang auf die andere Muldeseite nach Gruna.

GeschichteBearbeiten

 
Schloss Hohenprießnitz (2017)
 
Schloss Hohenprießnitz um 1860, Sammlung Alexander Duncker
 
Schlosspark

Bereits 977 gab es hier ein Hofgut in königlichem Besitz, das Otto II. in diesem Jahr der Stiftskirche zu Merseburg schenkte.

Später befand sich an dem Ort ein Rittergut, das nacheinander im Besitz verschiedener Adelsfamilien war. Das Schloss, eine dreiflügelige barocke Anlage nach französischen Vorbildern, soll laut einem Eintrag bei Duncker 1699–1702 unter Baron Anton Albrecht von Imhoff begonnen worden sein.[1] Es wird auch vermutet, dass es der Baumeister Hermann Korb aus einem älteren Bau umgeformt habe.[2][3] Die Windfahne auf der mittleren Turmhaube trägt die Jahreszahl 1699.

Wahrscheinlicher ist es aber bereits 1677–78 für Christian von Klengel (1629–93) erbaut worden, der das Rittergut 1675 erworben hatte, und zwar durch seinen Bruder, den sächsischen Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel. Der abwechslungsreich gegliederte dreiflüglige Baukörper ist barock, die beiden Treppentürme mit den Schrägfenstern sind noch der Renaissance verhaftet. Giebel und Dachform des Mittelrisaliten erinnern an das in den 1670er Jahren erbaute, benachbarte Schloss Schönwölkau, die achteckigen offenen Dachreiter mit Zwiebelhauben an die Klengel zugeschriebene Kirche von Eutzsch, die mittlere Zwiebel an die Spitze seines Dresdner Hausmannsturms.

1724 kaufte es der wohlhabende Leipziger Kaufmann und Kriegslieferant Peter Hohmann, der 1717 geadelt wurde und damit die Familie derer von Hohenthal begründete. Die Grafen von Hohenthal besaßen das Gut bis zur Enteignung 1945. Über dem Portal befindet sich das gräfliche Allianzwappen Hohenthal-Pourtalès von 1894 (für die Eheleute Moritz Graf von Hohenthal und Rosa geb. Gräfin von Pourtalès). Auch im Giebelfeld befindet sich ein Hohenthal'sches Allianzwappen.

Hohenprießnitz gehörte bis 1815 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Eilenburg.[4] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte.[5]

Im Zuge der zweiten Kreisreform in der DDR im Jahr 1952 wurde Hohenprießnitz dem Kreis Eilenburg im Bezirk Leipzig angeschlossen, welcher 1994 im Landkreis Delitzsch aufging.[6] Am 1. Januar 1999 wurde Hohenprießnitz nach Zschepplin eingemeindet.[7]

Der bayerische Unternehmer Konrad Obermüller erwarb 2011 das Schloss und weihte 2014 das renovierte Haupthaus ein.[8][9]

2011 gründete sich der Verein Atmaseva, der sich durch die spirituellen Lehren von Sathya Sai Baba anregen lässt. Er erwarb ein Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes.[10]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1818 559
1895 483
1925 598
1939 795
1946 883
1950 799
1964 1011
1990 942

Die Einwohnerzahl von Hohenprießnitz lag 1818 bei 559. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges stieg die Einwohnerzahl um etwas weniger als die Hälfte auf knapp 800. Nach Ende des Krieges steigerte sich die Einwohnerzahl nochmals um 100 Einwohner. Zur Zeit der DDR wuchs die Einwohnerzahl auf über 1.000 im Jahre 1964. 1990 lebten knapp 950 Menschen in Hohenprießnitz.[11]

Sehenswürdigkeiten und TourismusBearbeiten

 
Kirche
 
Fähre
  • Barockschloss mit Park
  • Barocke Chorturmkirche mit dreiseitigem Ostschluss (1737) und neuromanischem Chorturm (1867)
  • Heimatscheune
  • Der Mulderadweg und Lutherweg führt durch den Ort
  • Muldefähre nach Gruna

GedenkstätteBearbeiten

Auf dem Ortsfriedhof befinden sich die Grabstätten von zehn sowjetischen Kriegsgefangenen sowie Frauen und Männern aus der UdSSR, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden.

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Joachim Böttcher: Hohenprießnitz - ... von einer gewissen anmutigen Würde ..., in: Still und voll herber Schönheit ... Schlösser und Gärten in der Dübener Heide, Bad Düben 2006, S. 121–136, ISBN 978-3-00-020880-5

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hohenprießnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 12. Juni 2007 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zlb.de
  2. Sachsen-Lese
  3. architektur-blicklicht.de
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f.
  5. Der Landkreis Delitzsch im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Hohenprießnitz im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen
  7. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  8. Geschichte des Schlosses
  9. LVZ 27.01.2012
  10. Atmaseva-Verein
  11. Angaben zur Geschichte Hohenprießnitz' im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen