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Hochspannungskabel

elektrisches Kabel, das für den Betrieb mit Hochspannung ausgelegt ist (~ über 1 kV)

Ein Hochspannungskabel ist ein elektrisches Kabel, das für den Betrieb mit Hochspannung (das sind elektrische Spannungen über 1 kV) ausgelegt ist. Dieser Kabeltyp wird unter anderem zur Übertragung großer Leistungen (bis über 1 GW und Spannung bis zur Größenordnung von 500 kV) in Stromnetzen zur elektrischen Energieversorgung als Alternative zu Freileitungen und gasisolierten Rohrleitern verwendet. Weitere Anwendungen liegen im Bereich von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen (HGÜ) und Seekabeln.

Hochspannungskabel für 110 kV (links) und für 400 kV (rechts)

Hochspannungskabel sind, wie andere Kabel auch, durch eine isolierende Ummantelung um den spannungsführenden elektrischen Leiter gekennzeichnet, wobei bei Hochspannungskabeln pro Kabel im Regelfall nur ein Leiter im Kabel vorhanden ist. Für den in elektrischen Energienetzen üblichen Dreiphasenwechselstrom sind drei einzelne, parallel verlegte Hochspannungskabel nötig. Durch die höheren Spannungen ist das Isolationsmaterial dicker ausgeführt um den hohen elektrischen Feldstärken zu widerstehen und es umfasst eine äußere Abschirmung, welche den elektrischen Feldstärkeverlauf im Isolationsmaterial festlegt.

AufbauBearbeiten

 
Schnittdarstellung

Hochspannungskabel, insbesondere Kabel für Betriebsspannungen über 100 kV, sind im Querschnitt axialsymmetrisch aufgebaut mit einem zylindersymmetrischen elektrischen Feldverlauf und bestehen im Inneren nur aus einem elektrischen Leiter. Sie sind in mehreren Schichten aufgebaut, wie in nebenstehender Schnittdarstellung abgebildet.

Im Zentrum befindet sich der eigentliche Leiter, welcher aus Kupfer oder Aluminium besteht und einen Querschnitt bis zu 3500 mm2 aufweisen kann, im Bild mit (1) beschriftet. Daran anschließend befindet sich eine elektrisch schwach leitfähige Schicht (2), gefolgt von dem eigentlichen Isolationsmaterial (3). Daran anschließend kommt eine schwach leitfähige Schicht (4), gefolgt von der äußeren elektrischen Schirmung (5) und der Außenisolierung, welche vor Umwelteinflüssen, Feuchtigkeit und mechanischen Schäden schützt[1].

Die schwach leitfähigen Schichten auf beiden Seiten des Isolationsmaterials dienen zur Feldsteuerung. Sie gewährleisten eine gleichmäßige und glatte Oberfläche zwischen dem elektrischen Leiter und dem Isolationsmaterial. Ohne diese schwach leitende Schicht käme es durch Unebenheiten zu lokalen Feldstärkeüberhöhungen im Grenzbereich, welche Teilentladungen begünstigen und so Auslöser von Spannungsdurchschlägen und infolge dessen Ursache thermischer Zerstörung des Kabels sein können. Weiter dienen sie dazu Lufteinschlüsse zu vermeiden.

IsolationsmaterialienBearbeiten

 
Querschnitt durch ein 400 kV-Erdkabel (XLPE)

Der Typ von Hochspannungskabel wird je nach verwendeten Isolationsmaterial (3) unterschieden.

MassekabelBearbeiten

Massekabel stellen die älteste Bauform von Hochspannungskabeln dar, die teilweise noch im Bereich von Mittelspannungsnetzen eingesetzt sind. Die Isolation besteht aus ölgetränkten Kabelpapierbändern, welche wendelförmig und in Schichten gegeneinander versetzt um den Leiter gewickelt werden. Die Lücken zwischen den Papierkanten erlauben einen gewissen Biegeradius. Das Papier wird mit verschiedenen Harzen und Mineralöl imprägniert und bildet so einen schlüssigen und zähen Verbund, welcher als Masse bezeichnet wird und Namensgeber ist. Eine technologische Verbesserung stellt das Höchstädter-Kabel (H-Kabel) dar, welches zur elektrischen Feldsteuerung im Isolator eine außen pro Leiter aufgebrachte Metallisierungsschicht nutzt. Durch Temperaturwechsel kann es bei Massekabeln zu unerwünschten Hohlraumbildungen und infolgedessen zu Teilentladungen kommen, weshalb diese Kabeltypen meist nur im unteren Hochspannungsbereich, beispielsweise bei Mittelspannung, Anwendung finden.

ÖlkabelBearbeiten

Die Isolation von Ölkabel ist ähnlich wie die der Massekabel aus ölgetränkten Papierschichten aufgebaut; das Papier wird aber nur mit dünnflüssigem Mineralöl imprägniert und im Betrieb wird durch eine externe Öldruckregelanlage laufend Öl in die Kabelisolierung gepresst. Es wird zwischen Niederdruck- und Hochdruckölkabeln unterschieden. Durch die im Betrieb sichergestellte Ölisolierung können sich auch bei Temperaturschwankungen keine Hohlräume bilden, daher können Ölkabel bis in den Höchstspannungsbereich von rund 500 kV eingesetzt werden. Nachteilig ist die aufwändige Öldrucksteuerung und die bauliche Sicherstellung, damit bei Lecks kein Öl in das Grundwasser gelangen kann.

KunststoffBearbeiten

Die letzte Entwicklung stellen Hochspannungskabel mit Kunststoffisolierung dar. Bereits 1971 wurde die Isolierung von Hochspannungskabeln mit Faserpapier aus dem bis 175 °C beständigen Poly(2,6-diphenyl-p-phenylenoxid) vorgeschlagen.[2]

Durchsetzen konnte sich aber nur die Isolierung aus vernetztem Polyethylen (VPE, XLPE, PE-X oder XPE abgekürzt) dar, welches bis ca. 120 °C temperaturbeständig ist. Es unterscheidet sich von normalem PE durch eine chemische Zusammensetzung oder Strahlenbehandlung, die zusätzliche innere Bindungen aufbaut. Es wird in homogenen Strukturen unter Reinraumbedingungen auf den Innenleiter aufgebracht. Das VPE muss sehr gleichmäßig (homogen) in der Struktur aufgebracht sein und darf keine Lufteinschlüsse, Fremdkörper oder Verschmutzungen aufweisen. Einschlüsse im Isolationskörper würden ebenfalls zu ungleichem Feldstärkeverlauf mit der Folge eines Spannungsdurchschlags führen. Entsprechend gestaltete VPE-Kabel sind bis in den Höchstspannungsbereich von 500 kV einsetzbar.

Polyvinylchlorid (PVC) wird außer bei Niederspannung auch teilweise im unteren Mittelspannungsbereich eingesetzt. Der Nachteil von PVC als Isolator sind die hohen dielektrischen Verluste, damit verbunden eine geringe thermische Stabilität des Kabels.

Weitere Kunststoffe zur Isolation von Hochspannungskabeln sind unter anderem vernetztes Ethylen-Propylen-Polymer (EPR) sowie Silikonkautschuk.

KabelendenBearbeiten

 
Dreimantel-Kabel für 30 kV für die Erdverlegung

Bei den Enden von Hochspannungskabeln muss besonderes Augenmerk auf den Feldstärkeverlauf am und im Isolationsmaterial gelegt werden. Dort, wo die äußere Schirmung endet, kommt es zu einer Feldstärkeerhöhung, welche über der Durchschlagsfestigkeit der Luft oder gar des Isolationsmaterials liegen kann.

Abhilfe schaffen spezielle Kabelendverschlüsse, wie beispielhaft in der unten stehenden rechten Abbildung dargestellt. Durch deren Geometrie ergeben sich annähernd gleichmäßige Feldstärkeverläufe. Einsatz finden diese Elemente an den Kabelenden beispielsweise bei Kabelüberführungsstationen zwischen Erdkabeln und Freileitungen oder bei Kabelenden in Umspannwerken.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Andreas Küchler: Hochspannungstechnik: Grundlagen - Technologie - Anwendungen. 3. Auflage. Springer, 2009, ISBN 978-3-540-78412-8.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. E. Kuffel, W.S. Zaengl: High Voltage Engineering: Fundamentals. 2. Auflage. Newnes, ISBN 0-7506-3634-3.
  2. Dirk Willem van Krevelen: Entwicklungstendenzen bei den Chemiefasern. In: Lenzinger Berichte. Nr. 32, Dezember 1971, S. 10–20 (PDF).

WeblinksBearbeiten