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Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

drittgrößte Fachhochschule in Deutschland

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (kurz: HAW Hamburg) ist die zweitgrößte Hochschule in Hamburg und die drittgrößte Fachhochschule in Deutschland. Gegliedert ist die HAW Hamburg in die vier Fakultäten Design, Medien, Information (DMI), Life Sciences (LS), Technik und Informatik (TI) sowie Wirtschaft und Soziales (W&S). Im Sommersemester 2017 belegen rund 16.800 Studierende 41 Bachelor- und 34 Master-Studiengänge. Sie werden unterrichtet von 386 Professoren, 547 Lehrbeauftragten und 314 wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Logo
Gründung 1970
Trägerschaft Behörde für Wissenschaft und Forschung
Ort Hamburg
Land Deutschland
Präsident Micha Teuscher[1]
Studenten Rund 16.800 SoSe 2017[2]
Professoren 386 und 547 Lehrbeauftragte
Website haw-hamburg.de
Campus Berliner Tor (Hauptgebäude der HAW Hamburg und historisches Gebäude des Maschinenbaus) Vor der Umgestaltung des Vorplatzes
Modecampus Armgartstraße der HAW Hamburg
Medien-Campus-Finkenau (ehemalige Frauenklinik Finkenau); Architekt: Fritz Schumacher

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die HAW Hamburg ist eine der ersten Fachhochschulen Deutschlands. Im Herbst 1968 beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder ein gemeinsames Abkommen zur Zukunft der Fach- und Ingenieurschulen. Sie beschieden, die Ingenieurschulen und höheren Fachschulen für Wirtschaft, für Sozialpädagogik und Sozialarbeit, für Gestaltung und für Landwirtschaft zu Fachhochschulen zusammenzuführen. Diese sollten für Schüler, die mit Abschluss der 12. Klasse die Fachhochschulreife bestanden hatten, ein praxisorientiertes Studium auf wissenschaftlicher Grundlage mit dem Abschluss der Graduierung anbieten. Am 18. Februar 1970 verabschiedete die Hamburger Bürgerschaft das Gesetz über die Fachhochschule Hamburg. Sie hat den Auftrag, eine fachliche Ausbildung auf wissenschaftlicher oder künstlerischer Grundlage zu vermitteln. Das Ziel der Ausbildung ist die Anwendung wissenschaftlicher Methoden und Erkenntnisse in einer selbständigen Berufstätigkeit. 13 verschiedene, bisher selbständige Schulen wurden nun zu Fachbereichen der Fachhochschule Hamburg.[3] Ihren heutigen Namen erhielt die Hochschule im Zuge der Internationalisierung der Studiengänge im August 2001.[4] Ihre ehemaligen Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik sind inklusive der beteiligten Studierenden in die 2006 gegründete HafenCity Universität ausgegliedert worden. Dort sind zudem der ehemalige Fachbereich Architektur der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der Fachbereich Stadtplanung der Technischen Universität Hamburg-Harburg zu finden. Die HAW Hamburg kennzeichnet aufgrund ihrer von Vielfalt geprägten Entstehungsgeschichte eine große Breite an Themen und Kompetenzen. Um diese effizient zu bündeln, hat sie 2006 mit dem Aufbau sogenannter Competence Center begonnen. Fakultätsübergreifend und interdisziplinär werden darin zukunftsrelevante Themenfelder gebündelt, um die Hochschule im Wettbewerb um Studierende, Lehrende, finanzielle Mittel und Kooperationspartner zu positionieren.

Am 1. März 2014 übernahm Jacqueline Otten das Amt der Präsidentin von Michael Stawicki, der aus Altersgründen in den Ruhestand ging.[5] Seit ihrem Amtsantritt engagierte sich Otten für das Thema Digitalisierung der Hochschullandschaft. Die HAW Hamburg soll zur „Hochschule 4.0“ werden. [6] Otten forderte unter anderem eine solide Finanzierung seitens des Staates und Raum für Experimente. [7] Sie verantwortete den Beteiligungsprozess bei der Erarbeitung des neuen Struktur- und Entwicklungsplans 2015 bis 2020 (SEP) sowie die Ausschreibung eines Zukunftsfonds mit einem Volumen von zwölf Millionen Euro. [8] Zudem förderte Jacqueline Otten als Präsidentin der HAW Hamburg das Deutschlandstipendium, das zu den größten Förderprogrammen für Studierende in Deutschland zählt. Zum Wintersemester 2015 startete das Deutschlandstipendium an der HAW Hamburg. Jacqueline Otten selbst war Spenderin des ersten Stipendiums an der HAW Hamburg. [9]

Anfang Oktober 2015 sprach der Akademische Senat Präsidentin Otten und Kanzler Bernd Klöver ihr Misstrauen aus.[10] Der Hochschulrat, der die Abwahl formal bestätigen muss, zögerte zunächst, bestätigte dann aber Mitte November Ottens und Klövers Abwahl.[11][12] Somit endete die Amtszeit Ottens als Präsidentin Ende Dezember 2015.

Von Januar 2016 bis April 2017 war Claus-Dieter Wacker geschäftsführender Präsident der HAW Hamburg.[1] Zum 1. Mai 2017 hat Prof. Dr. Micha Teuscher das Amt des Präsidenten der HAW Hamburg übernommen.[13]

Lehre und ForschungBearbeiten

Fakultäten und DepartmentsBearbeiten

Lehre und Forschung werden an der HAW Hamburg von vier Fakultäten mit 18 Departments erbracht:

Fakultät Design, Medien und Information

Fakultät Technik und Informatik

  • Department Fahrzeugtechnik & Flugzeugbau
  • Department Informatik
  • Department Informations- & Elektrotechnik
  • Department Maschinenbau & Produktion

Fakultät Life Sciences

  • Department Gesundheitswissenschaften
  • Department Biotechnologie
  • Department Medizintechnik
  • Department Umwelttechnik
  • Department Verfahrenstechnik
  • Department Ökotrophologie
  • Department Wirtschaftsingenieurwesen, zusammen mit der Universität Hamburg und der Helmut-Schmidt-Universität (s.u.)

Fakultät Wirtschaft und Soziales

  • Department Public Management (Allgemeine Verwaltung)
  • Department Soziale Arbeit
  • Department Pflege und Management
  • Department Wirtschaft

ProfilbereicheBearbeiten

Die Profilbereiche in Forschung und Lehre sind an der HAW Hamburg in sieben fakultätsübergreifenden und interdisziplinären Competence Centern[14] organisiert:

  • CC4E – Competence Center Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
  • CCCOM – Competence Center Communications[15]
  • CCG – Competence Center Gesundheit
  • CCNF – Competence Center Neues Fliegen
  • CC3L – Competence Center für Lebenslanges Lernen
  • CCLN – Competence Center Logistik und Nachhaltigkeit
  • CCKids – Competence Center Kids
  • CC2M – Competence Center Mensch und Medien

Die Themen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind im CC4E – Competence Center Erneuerbare Energien und Energieeffizienz angesiedelt, das Lösungen für Energieprobleme erarbeitet. Das Competence Center Communication (CCCOM) ist ein Lehr- und Forschungszentrum für digitale Kommunikation an der HAW Hamburg. In seinem Newsroom werden seit Sommersemester 2017 die Studierenden des Master-Studiengangs "Digitale Kommunikation" für die Zukunftsfelder der Medien- und Digitalwirtschaft ausgebildet. Sechs Departments der Fakultäten Life Sciences und Wirtschaft & Soziales bearbeiten im CCG – Competence Center Gesundheit unter dem Mission Statement "Bestmögliche Gesundheit für die gesamte Bevölkerung" Gesundheitsfragen in regionaler, nationaler und internationaler Perspektive. Die HAW Hamburg bietet angehenden Flugzeugbauingenieuren im CCNF – Competence Center Neues Fliegen praxisgerechtes Wissen am weltweit drittgrößten Luftfahrstandort. Das CC3L – Competence Center für Lebenslanges Lernen bündelt die Angebote von CareerService und Gründungs-Service, der Alumni-Arbeit sowie der wissenschaftlichen Weiterbildung. Hier werden Kompetenzen in Soft Skills, Entrepreneurship, in Planung und Durchführung interdisziplinärer und interkultureller Projekte vermittelt. Vielfältige Logistikkompetenzen aus allen vier Fakultäten werden seit November 2010 im CCLN – Competence Center Logistik und Nachhaltigkeit erforscht und vermittelt. Am CCKids – Competence Center Kids werden die Bedingungen des Aufwachsens von Kindern erforscht. Im CC2M – Competence Center Mensch und Medien beschäftigen sich 20 Professoren aus vier Departments mit sozialen Netzwerken und Neuen Medien (Digital Social Media). Das Competence Center bietet Ansprechpartner für Wirtschaft und Industrie und ist in den Forschungsbereichen Interaktive Medien und Games aktiv.

StudiengängeBearbeiten

Eine Auflistung der jeweiligen Studiengänge der Departments findet sich sowohl für die Bachelor-[16] als auch für die Master-Studiengänge[17] auf der Webseite.

Ausbildung der BeamtenanwärterBearbeiten

Die Anwärter des gehobenen, allgemeinen Verwaltungsdienstes[18] bei der Freien und Hansestadt Hamburg werden, anders als in anderen Bundesländern, nicht mehr an einer speziellen Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung (FHÖV) ausgebildet, sondern seit 2005 an der HAW. In den Jahren 2008–2010 wurden auch die vergleichbaren Anwärter der Freien Hansestadt Bremen an der HAW Hamburg integriert. Seit 2011 werden die Anwärter dagegen wieder in Eigenverantwortung an der Hochschule Bremen unterrichtet, sodass die gemeinschaftliche Ausbildung mit dem Studienabschluss des Jahrgangs 2010 im September 2013 endete. Dieser vergleichsweise neue Studiengang für Beamtenanwärter wurde Public Management benannt. Die Studierenden erhalten im Regelfall nach sechs Semestern ihren Bachelor, zwei davon verbringen sie in Praxisstationen in der Hamburger Verwaltung.

CampuslebenBearbeiten

Zentraler Campus Berliner Tor
Campus Bergedorf
Modecampus Armgartstraße
Kunst- und Mediencampus Finkenau
Die Campusse der HAW

Da die HAW Hamburg aus verschiedenen Hochschulen hervorgegangen ist, ist ihr Campusleben von unterschiedlichen Hamburger Stadtteilen geprägt:

Campus Adresse Stadtteil (Bezirk)
Zentraler Campus Berliner Tor Berliner Tor 5–13, 21
Stiftstraße 69
Alexanderstraße 1
Steindamm 94
Sankt Georg (Bezirk Mitte)
Campus Bergedorf Ulmenliet 20
Lohbrügger Kirchstraße 65
Lohbrügge (Bergedorf)
Modecampus Armgartstraße Armgartstraße 25 Hohenfelde (Hamburg Nord)
Kunst- und Mediencampus Hamburg Finkenau 35 Uhlenhorst (Hamburg Nord)

PartnerschaftenBearbeiten

Die HAW Hamburg unterhält Partnerschaften zu 200 anderen Hochschulen und Partnern[2] in aller Welt wie zum Beispiel zur Technischen Universität Shanghai in der Volksrepublik China, der Universität Huelva (Spanien) und dem Institute of Technology Tallaght in Dublin (Irland). Obwohl Fachhochschulen in Deutschland grundsätzlich kein Promotionsrecht haben, ist es unter besonderen Voraussetzungen Studenten in den Forschungsprojekten möglich, in einer Kooperation mit der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main und der University of the West of Scotland eine Dissertation zu verfassen.[19] Innerhalb der „Shanghai-Hamburg College“-Kooperation zwischen der HAW Hamburg und der TU Shanghai wird ein Maschinenbau- und ein Elektrotechnikstudium für chinesische Studenten angeboten. Die Vorlesungen werden zu 30 % in deutscher Sprache durch Professoren der HAW Hamburg gehalten. Das Shanghai-Hamburg College ist auf dem Gelände der TU Shanghai beheimatet. Seit 2005 erhalten die Absolventen des Shanghai-Hamburg College neben dem chinesischen Bachelor auch einen akkreditierten deutschen Bachelorabschluss. Der Bachelorstudiengang Informations- und Elektrotechnik ist nahezu mit den gleichen Inhalten auch auf Englisch als Information Engineering zu studieren. Im Studiengang European Computer Science sind zwei Auslandssemester (5. und 6. Semester) Pflicht. Danach erhalten sie sowohl den Bachelor-Abschluss der HAW Hamburg als auch den der jeweiligen Partnerhochschule. Rund 2.200 ausländische Studierende (13,6 Prozent aller Studierenden) aus über 100 Nationen studieren im WS 2016/17 an der HAW Hamburg.[2]

Bekannte Persönlichkeiten (Auszug)Bearbeiten

Siehe auch: Hochschullehrer der HAW Hamburg in der Wikipedia

TriviaBearbeiten

Um das Gebäude am Berliner Tor 5 stand seit Ende der Bauarbeiten, 2001, bis Ende 2009, ein Baugerüst mit Abdeckungen. Dies sollte verhindern, dass Teile der Glasfassade zu Boden stürzen und dort Menschen verletzen könnten. Seit Fertigstellung des Gebäudes stürzten mehrmals Teile der Glasfassade zu Boden. Menschen wurden jedoch nicht verletzt. Das Gebäude hat 2.400 Glasplatten mit Abmessungen von 1,2 m × 1,2 m und einem Gewicht von 80 kg. Dieses Problem betrifft auch das angrenzende Suite Hotel, da die gleichen Materialien verwendet worden sind. Ursache dieses Problems war nach einem Artikel des Hamburger Abendblatts[21] die in manchen Glasscheiben eingeschlossene Substanz Nickelsulfid, welches sich bei Temperaturen unter 379 °C langsam ausdehnt und somit das Glas ohne Außeneinwirkung zum Zerbersten bringt. Seit Mitte 2008 wurden alle Glasscheiben nach und nach ersetzt. Bereits bei dem Bau dieses Gebäudes gab es Probleme, so dass aufgrund eines Statikfehlers ein Teil des Rohbaus einstürzte. Seit Anfang 2010 sind die Arbeiten beendet. Allerdings ist die Hochschule damit ihr Gerüst nicht los, es ist nur ein Gebäude weiter gezogen. Am E&I Hochhaus ist anscheinend Beton von der Fassade abgeplatzt und hinunter gestürzt.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Amtseinführung Teuscher, abgerufen am 9. Juni 2017
  2. a b c Über die HAW Hamburg
  3. [1] Sigrid Schambach: Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften und ihre Vorläufer von 1945 bis heute – ein Überblick
  4. Geschichte der HAW
  5. Jeorgakopulos, Borgerding: Die HAW Hamburg hat eine neue Präsidentin: Prof. Dr. Jacqueline Otten. Pressestelle der HAW. 3. April 2014. Abgerufen am 3. November 2015.
  6. dpa/Die Welt: Hochschulen hinken bei Digitalisierung hinterher, 9. Oktober 2015, aufgerufen am 9. Dezember 2015.
  7. Jacqueline Otten: Raum für Experimente. Handelsblatt, 28. Mai 2015, aufgerufen am 9. Dezember 2015.
  8. Jacqueline Otten: Digitalisierung: Wir brauchen die Hochschule 4.0. FAZ Hochschulanzeiger, 15. September 2015, aufgerufen am 9. Dezember 2015.
  9. Bundesministerium für Bildung und Forschung: deutschlandstipendium.de: Frischer Wind im Norden: Die HAW Hamburg nimmt Kurs auf Deutschlandstipendien, aufgerufen am 9. Dezember 2015.
  10. Jana Werner: HAW-Senat wählt Präsidentin überraschend ab. Die Welt. 9. Oktober 2015. Abgerufen am 3. November 2015.
  11. Jana Werner: Hochschulrat lässt Zukunft von HAW-Präsidentin noch offen. Die Welt. 22. Oktober 2015. Abgerufen am 3. November 2015.
  12. dpa: HAW wirft Präsidenten Otten und Kanzler Klöver raus. Hamburger Abendblatt. 11. November 2015. Abgerufen am 12. November 2015.
  13. HAW Hamburg: „Die Dritte Mission der Hochschule stärken“: HAW Hamburg. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  14. Profilbereiche
  15. Competence Center Communication CCCOM: Competence Center Communication | CCCOM. Abgerufen am 20. März 2017.
  16. Bachelorstudiengänge
  17. Masterstudiengänge
  18. Duales Studium gehobener allgemeiner Verwaltungsdienst
  19. Promotion
  20. Matthias Echterhagen (Verantw.), Maren Borgerding (Redaktion), Christian Stöcker (Interviewter): Studiengangsleiter Dr. Christian Stöcker auf der Seite der HAW Hamburg in der Version vom 24. Juni 2016, zuletzt abgerufen am 3. Oktober 2016
  21. Hamburger Abendblatt vom 18. September 2007: Baumängel: Glasregen an der Hochschule

Koordinaten: 53° 33′ 23″ N, 10° 1′ 19″ O