Hillbilly Elegy (Film)

Filmdrama von Ron Howard aus dem Jahr 2020

Hillbilly Elegy ist ein Filmdrama von Ron Howard, das im November 2020 in die US-Kinos kommen soll. Der Film basiert auf dem autobiografischen Roman/Sachbuch Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis von J. D. Vance und erzählt die Geschichte einer ursprünglich aus Kentucky stammenden Familie über drei Generationen.

Filmdaten
OriginaltitelHillbilly Elegy
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2020
Länge116 Minuten
Stab
RegieRon Howard
DrehbuchVanessa Taylor
ProduktionBrian Grazer,
Ron Howard,
Erica Huggins,
Karen Lunder
MusikHans Zimmer
KameraMaryse Alberti
SchnittJames Wilcox
Besetzung

HandlungBearbeiten

Um der dort herrschenden Armut zu entgehen zieht ein Paar aus den Appalachen Kentuckys nach dem Zweiten Weltkrieg nach Ohio, um hier eine Familie zu gründen und den amerikanischen Traum zu leben.

Autobiografische VorlageBearbeiten

„Früher konnten die ‚Hillbillys‘, die weißen Fabrikarbeiter, darauf hoffen, zu Wohlstand zu schuften. Doch spätestens gegen Ende des 20sten Jahrhunderts zog der Niedergang der alten Industrien ihre Familien in eine Abwärtsspirale, in der sie bis heute stecken.“

aus Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis von J. D. Vance[1][2]

Der Film basiert auf dem autobiografischen Roman/Sachbuch von J. D. Vance mit dem Titel Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis, der im Juni 2016 bei Harper & Row veröffentlicht wurde[3] und im gleichen Jahr in der Top 10 der Nonfiction Books of 2016 des Time Magazines landete.[4] Vance wuchs in der Industriestadt Middletown im Rust Belt in Ohio auf[1][5][6], nennt jedoch in seinem Buch das Haus seiner Urgroßmutter in Jackson in Kentucky, eine Kleinstadt mit rund 6.000 Einwohnern in der Bergbauregion im Südosten, sein Zuhause.[2]

 
Die Bücher von J. D. Vance, Autor von Hillbilly Elegy

In dem berichtenden Sachbuch[7] beschreibt der heute als Kapitalmanager und Schriftsteller arbeitende Vance das Leben von Menschen aus der Arbeiterklasse anhand der Geschichte seiner weißen Unterschichtsfamilie. Die Familiengeschichte beginnt im Nachkriegsamerika. Seine Großeltern zogen in den 1940er Jahren aus Jackson in den Appalachen Kentuckys nach Ohio, um der Armut um sie herum zu entkommen[2] und dort in einer großen Stahlfabrik einige hundert Kilometer nördlich in Middletown ihr Glück zu machen. Ihrer sozialen Herkunft in Kentucky und bestimmten ethnischen und charakterlichen Prägungen konnten sie jedoch nicht entkommen und blieben mit vielen anderen „Hill People“ unter sich. Vance, der 1984 geboren wurde, wuchs bei seinen Großeltern auf, Mamaw und Papaw (Blanton) genannt, weil seine Mutter mehr und mehr den Drogen verfiel und sein leiblicher Vater ihn zur Adoption freigegeben hatte.[8] Sie ermöglichten ihm ein Jura-Studium an der Yale Law School, dennoch trägt Vance selbst immer noch die Dämonen ihrer chaotischen Familiengeschichte mit sich herum. So sei sein Roman „eine dringende und beunruhigende Meditation über den Verlust des amerikanischen Traums für einen großen Teil dieses Landes“ geworden, so Gerrit Bartels vom Tagesspiegel.[8] Jörg Magenau von Deutschlandfunk Kultur erklärt, in den USA sei das Buch zu einem Bestseller geworden, weil es verständlicher machen möchte, was die Trump-Wählerschaft antreibt und warum sie in diesem pöbelnden Sexisten einen der ihren erkennt. Vor allem aber sei es eine Aufsteigergeschichte, denn Vance sei als erfolgreicher Investor seiner Vergangenheit entkommen, was nur wenigen, die aus einer Kindheit voller Gewalt kommen, mit einer drogensüchtigen Mutter und ständig wechselnden Männern an ihrer Seite, gelinge.[7]

Vance schreibt seine Karriere auch seinem Militärdienst zu, der seinem Leben die Struktur gegeben habe, die er brauchte, um erfolgreich zu sein.[3] Die letzten drei Jahre vor seinem High-School-Abschluss wohnte er bei der Großmutter, und obwohl er sehr gute Noten hat, entscheidet er sich, zunächst zu den Marines zu gehen: „Vier Jahre bei den Marines, redete ich mir ein, würden mir helfen, der Mensch zu werden, der ich sein wollte“, so Vance.[8]

Das Buch wurde 2017 in einer deutschen Übersetzung von Gregor Hens im Ullstein-Verlag unter dem Titel Hillbilly-Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise veröffentlicht. Als „Hillbilly“ werden in den USA oft abfällig Bewohner der ländlichen, gebirgigen Gegenden wie der Appalachen und der Ozarks bezeichnet, ähnlich dem „Hinterwäldler“ oder dem „Landei“. Der Ausdruck „Elegie“ bezeichnet ein Gedicht, das nach heutigem Verständnis meist traurige, klagende Themen zum Inhalt hat und von einer schwermütigen Grundstimmung dominiert wird. Die Begrifflichkeit ist jedoch, besonders in der englischen Literatur, schlecht definiert und wird manchmal als Sammelbegriff verwendet, um Texte mit einem düsteren oder pessimistischen Ton zu bezeichnen.

ProduktionBearbeiten

J. D. Vance autobiografisches Werk wurde von Vanessa Taylor für den Film adaptiert. Oscar-Preisträger Ron Howard führte Regie.[3]

Amy Adams übernahm die Rolle von Vances Mutter Bev, Glenn Close spielt Mamaw, die ihn großgezogen hat.[3] Als jüngere Frau wird Mamaw von Sunny Mabrey gespielt. Bo Hopkins spielt Papaw. In weiteren Rollen sind Haley Bennett als Lindsay, Freida Pinto als Usha, Chase Anderson als Brett und Jesse C. Boyd als Matt zu sehen. Gabriel Basso, der vor allem durch seine Rolle von Martin in Super 8 bekannt wurde, spielt den Autor J.D. Vance als jungen Mann und damit in einer der Lebensphasen, in denen er im Film gezeigt wird.

Die Dreharbeiten fanden in Ohio und in Georgia statt, so unter anderem Mitte Juni 2019 im Clayton County und in North Druid Hills.[9] Außenaufnahmen entstanden in Macon und in Middletown, wo Vance aufgewachsen war. Als Kamerafrau fungierte die Französin Maryse Alberti.

Die Filmmusik komponiert Hans Zimmer, mit dem Howard zuletzt für Inferno zusammenarbeitete.[10]

Der Film soll im November 2020 in die US-Kinos kommen.

LiteraturBearbeiten

  • J.D. Vance: Hillbilly Elegy: A Memoir of a Family and Culture in Crisis. Harper & Row, 2016. ISBN 9780062300546
  • J.D. Vance: Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise. Übersetzung von Gregor Hens, Ullstein, Berlin 2017. ISBN 9783550050084

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b J.D. Vance: Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise. Übersetzung von Gregor Hens, Ullstein, Berlin 2017.
  2. a b c J.D. Vance: Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise. Leseprobe des Ullstein-Verlags. (PDF)
  3. a b c d James Barber: Marine Vet J.D. Vance's 'Hillbilly Elegy' Movie Will Star Amy Adams and Glenn Close. In: military.com, 11. April 2019.
  4. Sarah Begley: The Top 10 Nonfiction Books. In: Time, 22. November 2016.
  5. Joshua Rothman: The Lives of Poor White People. In: The New Yorker, 12. September 2016.
  6. 'Hillbilly Elegy' Recalls A Childhood Where Poverty Was 'The Family Tradition'. In: npr.org, 17. August 2016.
  7. a b Jörg Magenau: J.D. Vance: „Hillbilly-Elegie“: Rausziehen kannst du dich nur selber. In: Deutschlandfunk Kultur, 18. April 2017.
  8. a b c Gerrit Bartels: „Hillbilly Elegie“ von J.D. Vance: Gesellschaft am Abgrund. In: Der Tagesspiegel, 26. April 2017.
  9. https://www.atlantamagazine.com/news-culture-articles/whats-filming-in-atlanta-now-lovecraft-country-the-conjuring-3-waldo-hillbilly-elegy-and-more/
  10. Hans Zimmer to Reteam with Ron Howard on 'Hillbilly Elegy'. In: filmmusicreporter.com, 10. März 2020.