Hexenverbrennung in Derenburg

Über die Hexenverbrennung in Derenburg am Harz in Sachsen-Anhalt in den Jahren 1555 und 1556 sind keine Akten erhalten. Ein zeitgenössischer Einblattholzschnitt, von dem auch eine kolorierte Fassung existiert, beschreibt jedoch die Hexenverbrennungen von 1555.[1][2][3]

Hexenverbrennung in Derenburg am Harz. Flugblatt, 1555 in Nürnberg bei Jörg Merckel gedruckt

Außerdem berichten die Zeitschrift Neue gemeinnützige Blätter im Jahr 1796 aus Halberstadt über den Hexenprozess gegen Ursel Hufnerin.[4]

Einblattdruck über Verbrennung zweier Frauen, die Gröbische und die GißlerscheBearbeiten

Das Flugblatt „Ein erschroeckliche geschicht / so zu Derneburg in der Graffschafft Reinsteyn / am Hartz gelegen / von dreyen Zauberin / unnd zwayen Mannen / inn ettlichen tagen des Monats Octobris im 1555. Jare ergangen ist“ ist eine sogenannte Hexenzeitung (Erweytterte Unholden Zeyttung), die typisch waren für die Hexenverfolgung in Süddeutschland.[5] Sie wurde in Nürnberg bei Jörg Merckel gedruckt.[6] Grundlage dafür bildete die am 1. Oktober 1555 in Derenburg in der Grafschaft Regenstein erfolgte Verbrennung der Gröbischen und der Gißlerschen, zwei der Zauberei beschuldigten Frauen.[7] Die Gröbische bekannte, dass sie 11 Jahre mit dem Teufel gebuhlt hat. Als man sie an die Säule auf dem Holzhaufen kettete und das Feuer entzündete, sei ihr Buhle, der Satan, gekommen und hätte sie, für jedermann ersichtlich, in die Lüfte davongeführt.[8]

Zwei Tage später, am 3. Oktober 1555, sollen die beiden verbrannten Frauen „bede eytel fewrig“ nach Derenburg zurückgekehrt sein und im Gißlerschen Haus um das Feuer getanzt haben. Den Mann der Gißlerschen hätten sie so grob aus der Tür seines Hauses gestoßen, dass dieser sich vor den Augen seiner Nachbarn zu Tode stürzte.

Am 12. Oktober 1555 wurde der Mann der Gröbischen hingerichtet wegen Unzucht und Ehebruch mit der Schwester seiner hingerichteten Frau. Zwei Tage später starb letztendlich eine dritte Frau den Feuertod. Der Serckschen war vorgeworfen worden, dass sie der Frau des Halberstädter Stiftshauptmann Achatius von Veltheim „vergeben hate“ und einem Mann in Derenburg eine Kröte unter die Schwelle gegraben hätte. Der Mann sei daraufhin lahm geworden und hätte Fieber bekommen.

Hierin siehet man – so das Fazit des Flugblattes – wie wüst der Teufel mit seinem Gift um sich sticht und wie viel Personen in wenigen Tagen ihm verfallen, wenn der Teufel sich einmal in einem Ort eingenistet hat. Das Beispiel Derenburg sollte abschreckend wirken.

Hexenprozess gegen Ursel HufnerinBearbeiten

Im Jahr 1655 nannten zwei Frauen in Derenburg unter der Folter den Namen von Ursel Hufner[9] und drei anderen Frauen als Hexen. Weitere Gerüchte über die Hufner waren: sie hätte ihren eigenen Mann betrogen und sich viele Jahre mit dessen Bruder eingelassen, einem Schweinehirten, der eine Frau und zwei Kinder hatte.[10]

Am 28. Dezember 1655 wurde die Angeklagte inhaftiert und am 29. Dezember 1655 gütlich, das heißt ohne Folter, vernommen.[11] Dann folgte die Territion. Sie wurde zur Leiter gebracht[12] und mit Beinschrauben gepeinigt. Unter der Folter legte sie ein Geständnis ab. Ihre Hinrichtung erfolgte am 16. Februar 1656.[13]

LiteraturBearbeiten

  • Arbeitskreis Stadtgeschichte Derenburg e.V.: Derenburg am Harz: Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart, (Bildband). 1997, S. 13.
  • Monika Lücke, Dietrich Lücke: Hexenprozesse im Territorium des Bistums Halberstadt. In: Geschichte und Kultur des Bistums Halberstadt. Symposium. Protokollband 2006, S. 685.
  • Matthias Blazek: Die Hexenverbrennung in Derenburg bei Wernigerode im Jahr 1555. In: UNSER HARZ September 2020, S. 171–173.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. arnt-web.de.
  2. Bildindex.de.
  3. Bildindex.de.
  4. Ursel Hufners, eine, leider! im Halberstädtischen verbrannte Hexe. Aus den Untersuchungsakten gezogen. In: Neue gemeinnützige Blätte., 6. Jg., 1. Band, Halberstadt 1796, Delius, S. 49–64.
  5. Wolfgang Behringer: Hexenverfolgungen im Spiegel zeitgenössischer Publizistik : die „Erweytterte Unholden Zeyttung“ von 1590 (PDF; 4,5 MB), Oberbayerisches Archiv. 109. 1984, 2, S. 339–360, Fußnote Nr. 20, S. 343.
  6. Wörtliche Abschrift des Textes des Flugblattes.
  7. Monika Lücke, Walter Zöllner: Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt.
  8. Hexenverbrennung in Derenburg.
  9. Ursel Hufners, eine, leider! im Halberstädtischen verbrannte Hexe. Aus den Untersuchungsakten gezogen, in: Neue gemeinnützige Blätter, 6. Jg., 1. Band, Halberstadt, 1796, Delius, S. 49–64.
  10. Hexenverbrennung in Derenburg.
  11. Steffen Schnieders: Ablauf eines Hexenprozesses. Abgerufen am 11. Juli 2016.
  12. Viktor von Fossel: Salzwasser (Hrsg.): Studien zur Geschichte der Medizin 2013, ISBN 978-3-8460-3405-7. S. 103 DNB 1036929787
  13. Renate Peine: Die gesellschaftliche Rolle der Frauen in Halberstadt vom Mittelalter bis 1990, Halberstadt, 1996, S. 25ff.