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Hettenleidelheim

Gemeinde in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Hettenleidelheim
Hettenleidelheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Hettenleidelheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 32′ N, 8° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bad Dürkheim
Verbandsgemeinde: Leiningerland
Höhe: 295 m ü. NHN
Fläche: 5,07 km2
Einwohner: 3022 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 596 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67310
Vorwahl: 06351
Kfz-Kennzeichen: DÜW
Gemeindeschlüssel: 07 3 32 027
Adresse der Verbandsverwaltung: Industriestraße 11
67269 Grünstadt
Webpräsenz: www.hettenleidelheim.de
Ortsbürgermeister: Steffen Blaga (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Hettenleidelheim im Landkreis Bad Dürkheim
Bad DürkheimGrünstadtGrünstadtHaßlochMeckenheim (Pfalz)Niederkirchen bei DeidesheimRuppertsbergForst an der WeinstraßeDeidesheimWattenheimHettenleidelheimTiefenthal (Pfalz)Carlsberg (Pfalz)AltleiningenEllerstadtGönnheimFriedelsheimWachenheim an der WeinstraßeElmsteinWeidenthalNeidenfelsLindenberg (Pfalz)Lambrecht (Pfalz)FrankeneckEsthalKindenheimBockenheim an der WeinstraßeQuirnheimMertesheimEbertsheimObrigheim (Pfalz)ObersülzenDirmsteinGerolsheimLaumersheimGroßkarlbachBissersheimKirchheim an der WeinstraßeKleinkarlbachNeuleiningenBattenberg (Pfalz)NeuleiningenKirchheim an der WeinstraßeWeisenheim am SandWeisenheim am SandWeisenheim am SandErpolzheimBobenheim am BergBobenheim am BergDackenheimDackenheimFreinsheimFreinsheimHerxheim am BergHerxheim am BergHerxheim am BergKallstadtKallstadtWeisenheim am BergWeisenheim am BergLandkreis Alzey-WormsWormsLudwigshafen am RheinFrankenthal (Pfalz)Rhein-Pfalz-KreisLandkreis GermersheimNeustadt an der WeinstraßeLandkreis Südliche WeinstraßeLandau in der PfalzKaiserslauternLandkreis KaiserslauternDonnersbergkreisKaiserslauternLandkreis SüdwestpfalzKarte
Über dieses Bild
Gründerzeithaus

Hettenleidelheim, im Pfälzischen Hettrum genannt, ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Leiningerland an, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl die zweitgrößte Ortsgemeinde darstellt. Hettenleidelheim ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.[2]

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Hettenleidelheim liegt am nordöstlichen Rand des Naturparks Pfälzerwald im Bereich der Wasserscheide zwischen Eisbach und Eckbach, die nördlich bzw. südlich des Ortes vorbeifließen, im sogenannten Eisenberger Becken. Nachbargemeinden sind - im Uhrzeigersinn - Eisenberg, Tiefenthal, Neuleiningen und Wattenheim. Zur nördlich gelegenen Kleinstadt Eisenberg sind es zwei Kilometer. In Richtung Eisenberg liegt das Landschaftsschutzgebiet Erdekaut. Östlich des Siedlungsgebiets verläuft in Süd-Nord-Richtung der Seltenbach.

GeschichteBearbeiten

Entwicklung bis zum 18. JahrhundertBearbeiten

Hettenleidelheim bestand ursprünglich aus zwei Orten: Hitenheim (später Hettenheim) und Luttelheim (später Leidelheim). Beide kamen im Mittelalter unter die Herrschaft des Klosters Ramsen und gehörten nach dessen Auflösung im Jahr 1485 als Temporalbesitz zum Hochstift Worms und unterstand dort dem Amt Dirmstein. Darauf weist heute noch das vom Wormser Bistumswappen abgeleitete Gemeindewappen hin. Die kommunale Vereinigung beider Orte als Hettenleidelheim unter einem gemeinsamen Dorfgericht wurde 1556 vom Landesherrn, Fürstbischof Dietrich von Bettendorf, verfügt.

In Hettenheim existierte die Kapelle St. Stephan, eine Filiale der Pfarrei Eisenberg (Pfalz), und in Leidelheim die Peterskapelle als Filiale von Wattenheim (Wormser Synodale 1496). Von Eisenberg (Herrschaft Kirchheim-Stauf) und von Wattenheim (Grafschaft Leiningen) wurde ab 1569 lutherischer Gottesdienst in den beiden Kapellen der wormsischen Exklave gehalten, wogegen sich das geschwächte Bistum nicht zur Wehr setzten konnte. Als um 1624, im Dreißigjährigen Krieg, die katholische Partei die Oberhand gewann, pfarrte man beide Gemeinden zunächst ins katholische Neuleiningen um. 1705 erhob man den Ort zur eigenständigen katholischen Pfarrei.

1720 bis 1724 wurde im Ortsteil Leidelheim eine neue katholische Pfarrkirche gebaut. An die mittelalterliche Peterskapelle baute man ein barockes Kirchenschiff mit Turm an. Der Wormser Weihbischof Johann Baptist Gegg konsekrierte dieses St. Peter und St. Hubertus geweihte Gotteshaus am 27. August 1724; am nächsten Tag firmte er in Hettenleidelheim 1700 Personen.[3]

Seit dem 19. JahrhundertBearbeiten

Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war die Gemeinde in den Kanton Grünstadt eingegliedert und war Sitz einer eigenen Mairie. 1815 hatte der Ort 560 Einwohner. Im selben Jahr wurde er Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde, die während dieser Zeit teilweise als Hettenheim und Leidelheim geführt wurde, dem Landkommissariat Frankenthal an; aus diesem ging das Bezirksamt Frankenthal hervor. Erst 1828 etablierte sich der Ortsname „Hettenleidelheim“.[4]

 
Rathaus der von 1972 bis 2017 existierenden Verbandsgemeinde Hettenleidelheim

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts, vermehrt seit den Jahren um 1870, entwickelte sich der Abbau und seit 1901 auch die fabrikmäßige Verwertung der örtlichen hochfeuerfesten Tonerden zum Hauptwirtschaftszweig. Diese Industrie kam nach dem Zweiten Weltkrieg zum Erliegen. Ab 1939 war Hettenleidelheim Bestandteil des Landkreises Frankenthal (Pfalz). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte der Ort 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde der Ort als Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde zugeordnet. Im Jahr 2005 beging Hettenleidelheim seine 850-Jahr-Feier. Seit 2018 ist die Gemeinde Bestandteil der Verbandsgemeinde Leiningerland.

ReligionBearbeiten

Im Ort sind etwa 1400 katholische und 850 protestantische Christen mit jeweils einer Gemeinde vertreten.[5] Die Protestanten sind überwiegend in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugezogen. Die Katholische Pfarrei St. Peter mit Filiale St. Georg, Tiefenthal, bildet heute eine Pfarreiengemeinschaft mit Wattenheim, Altleiningen/Höningen und neuerdings Carlsberg/Hertlingshausen. Die Protestantische Kirchengemeinde ist eine selbstständige Filiale von Wattenheim.

Von der früher im Ort bestehenden jüdischen Gemeinde, für die die Synagoge im benachbarten Wattenheim zuständig war, zeugen der alte und der neue Friedhof, die vom 18. bis ins 20. Jahrhundert belegt wurden, mit einigen sehenswerten Grabsteinen.[6]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Hettenleidelheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 9 9 2 20 Sitze
2009 9 8 3 20 Sitze
2004 9 9 2 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Hettenleidelheim e. V.

BürgermeisterBearbeiten

Ortsbürgermeister ist Steffen Blaga (CDU). Er erhielt bei der Wahl am 30. Oktober 2016 69,1 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 57,5 %.[8]

WappenBearbeiten

Die Beschreibung des Wappens lautet: „In Schwarz ein schrägrechtsgestellter silberner Schlüssel mit abwärtsgekehrtem Bart, unten rechts begleitet von einem schwebenden goldenen Andreaskreuz“.

Es wurde 1979 von der Bezirksregierung Neustadt genehmigt und geht zurück auf ein Siegel von 1758. Der Schlüssel symbolisiert das Hochstift Worms, dessen Patron St. Petrus war.[9]

GemeindepartnerschaftBearbeiten

Mit Blanzy (Burgund, Frankreich) wird seit 1978 eine Partnerschaft gepflegt.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

 
Katholische Kirche Hettenleidelheim

Der alte und der neue jüdische Friedhof sind als Denkmalzonen ausgewiesen. Ersterer befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Kriegerhains und wurde im 18. Jahrhundert angelegt. Sein Nachfolger wurde im 19. Jahrhundert an der Chaussee nach Tiefenthal angelegt. Hinzu kommen insgesamt 25 Einzeldenkmäler, darunter befinden sich folgende Objekte:

Katholische Kirche – Die katholische Kirche steht im Ortsteil Leidelheim und wurde von 1720 bis 1724 erbaut, von 1898 bis 1901 wurde sie erweitert. Sie besitzt zwei bemerkenswerte steinerne Barockaltäre aus der Erbauungszeit.

Bahnhof – Der alte Bahnhof ist ein Bauwerk aus dunklem Sandstein vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Kriegerhain – Der Kriegerhain im Unterdorf Hettenheim bewahrt diverse Denkmäler und bemerkenswerte Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert. Das Gelände hatte als Kirchhof der mittelalterlichen Hettenheimer Stephanus-Kapelle gedient, die 1720/24 zugunsten der damals neuerbauten Pfarrkirche in Leidelheim aufgegeben wurde.

Alte Schule – Ungewöhnlich ist die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Alte Schule mit zinnengekröntem Turm, die heute als Haus der Vereine dient.

Ein weiteres bedeutendes Bauwerk in der Gemeinde ist die geräumige Gemeindefesthalle, die in den 1920er Jahren entstand und um das Jahr 2000 erneuert wurde. Sie wurde in Spannbetonbauweise vom Turnverein Gut Heil erbaut. Hinzu kommt das Heimatmuseum mit den Archiv Karl Blum, das über die Geschichte des Ortes und des Tonabbaus informiert.

 
Festhalle Hettenleidelheim, ursprünglich vom Turnverein Gut-Heil als Turnhalle erbaut.

MusikBearbeiten

Mit der Darbietung von Musik befassen sich der Katholische Kirchenchor St. Peter, der Sängerbund Frohsinn und das Bergmanns-Blasorchester „Glück Auf“.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Am Pfingstmontag gibt es ein Waldfest im Birkenschlag. Die Kerwe findet immer am letzten Wochenende im August statt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Verkehrskreisel mit Blick auf Hettenleidelheim

WirtschaftBearbeiten

Hettenleidelheim lebte früher vom Tonabbau, aus den auf diese Weise gewordenen Substanzen entstanden unter anderem die Produkte der Dirmsteiner Fayencen. Dieser Wirtschaftszweig wurde inzwischen eingestellt. Vor Ort waren einst die Pfälzischen Tonwerke Hagenburger und Schwalb ansässig.

VerkehrBearbeiten

Entlang des Ostrandes des Siedlungsgebiets verläuft die Bundesstraße 48. Mitten durch den Ort verläuft die Kreisstraße 35, die ins jenseits des Landkreises gelegene Ramsen führt und dort zur Kreisstraße 74 wird. Der Ort liegt nahe der Autobahn 6 und ist über die einen Kilometer entfernte Anschlussstelle Wattenheim erreichbar.

Von 1894 bis 1990 bestand eine Bahnverbindung nach Ebertsheim, die hauptsächlich den örtlichen Tongruben diente; diese zweigte von der 1876 und 1932 eröffneten Eistalbahn GrünstadtEnkenbach ab; der Personenverkehr wurde ab 1895 angeboten und spielte stets eine untergeordnete Rolle, sodass dieser bereits 1954 eingestellt wurde. Bis zur endgültigen Auflassung wurde der Güterverkehr aufrecht erhalten. Die Bahnstrecke nach Grünstadt ist mittlerweile per Bus, der bis zum Bahnhof Eisenberg (Pfalz) verkehrt, erreichbar.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Hettenleidelheim beherbergte von 1972 bis 2017 den Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Hettenleidelheim.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über eine eigene Grundschule, der Besuch weiterführender Schulen ist in den Nachbarorten möglich.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • Karl Blum, Heimatforscher

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Jakob Schwalb (1872–1934), katholischer Priester, Dekan in Göllheim, NS-Opfer
  • Nikolaus Osterroth (1875–1933), Politiker (SPD), Mitglied der Weimarer Nationalversammlung
  • Georg Schmidt (1902–1962), Politiker (Zentrum), nordrhein-westfälischer Landtagsabgeordneter
  • Manfred Stumpf (1930–2010), Politiker (SPD)

Personen, die vor Ort gelebt und gewirkt habenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Zur Vereinigung unter Fürstbischof Dietrich von Bettendorf und zur Religionsgeschichte (Memento des Originals vom 1. Dezember 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/cms.bistum-speyer.de
  4. kreis-bad-duerkheim.de: Ortsgemeinde Hettenleidelheim. Abgerufen am 12. Februar 2018.
  5. KommWis, Stand: 31. Dezember 2013
  6. Informationen zur jüdischen Geschichte von Hettenleidelheim
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. jös (Autorenkürzel): Hettenleidelheim: Steffen Blaga ist neuer Ortsbürgermeister. In: Die Rheinpfalz. 30. Oktober 2016, abgerufen am 19. Januar 2017.
  9. Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.