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Hervorragender Wissenschaftler des Volkes

Ehrentitel und staatliche Auszeichnung der Deutschen Demokratischen Republik
Die Medaille zum Ehrentitel Hervorragender Wissenschaftler des Volkes

Der Ehrentitel Hervorragender Wissenschaftler des Volkes war eine staatliche Auszeichnung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), die in Form einer Medaille in einer Stufe am 8. November 1951 vom Ministerpräsidenten Otto Grotewohl gestiftet wurde. Die ersten Verleihungen fanden 1952 statt.[1]

Inhaltsverzeichnis

GrundlagenBearbeiten

Wissenschaftler, die sich auf den Gebieten der naturwissenschaftlichen, technischen, medizinischen, land- und forstwirtschaftlichen oder gesellschaftswissenschaftlichen und der sprachwissenschaftlichen Forschung und Lehre durch hervorragende Gesamtleistungen um die Weiterentwicklung der Wissenschaften im Dienste des Friedens verdient gemacht hatten, konnten den Ehrentitel Hervorragender Wissenschaftler des Volkes verliehen bekommen.[1] Der Ehrentitel konnte an alle Wissenschaftler, ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit verliehen werden[1]. Die Ehrung sollte nicht mehr als sechsmal im Jahr verliehen werden[1], doch wurde zu Jubiläen wie 80. Geburtstagen auch der Titel verliehen.

VorschlageberechtigungBearbeiten

Der vorschlageberechtigte Personenkreis, der Personen zur Verleihung des Ehrentitels benennen konnte, bestand aus:

  • den Mitgliedern der Regierung der DDR
  • den wissenschaftlichen Akademien
  • den Senaten der Universitäten und Hochschulen
  • den Nationalpreisträgern
  • den bereits betitelten Hervorragenden Wissenschaftler des Volkes sowie
  • den zentralen Organen der Partei und Massenorganisationen der DDR[1]

Die Vorschlagsberechtigten forderten daher in jedem Jahr die Bevölkerung durch Presse, Rundfunk und Versammlungen auf, ihnen begründete Empfehlungen für Vorschläge zur Verleihung des Ehrentitels zu unterbreiten.[1] Verleihungsvorschläge, die von nachgeordneten Organen der volkseigenen und ihr gleichgestellten Wirtschaft oder den Parteien und Massenorganisationen oder von Arbeitskollektiven oder von Dozentenkollektiven sowie von Einzelpersönlichkeiten ausgingen, konnten nur berücksichtigt werden, wenn diese auch vom vorschlagsberechtigten Personenkreis eingereicht wurden.[1] Die Vorschlagsberechtigten waren bei ihren Vorschlägen nicht an ihre territoriale oder fachliche Zuständigkeit gebunden. Die so entstanden Vorschläge mussten folgende Formerfordernisse erfüllen:

  • a) Angaben über die Person des Vorgeschlagenen
  • b) eine Übersicht über die Gesamtleistung des Vorgeschlagenen
  • c) eine Benennung der Arbeiten, die zur Weiterentwicklung der Wissenschaften ganz besonders beigetragen haben sowie
  • d) ein Gutachten von sachkundiger Seite über die Bedeutung der bisherigen Arbeit des Vorgeschlagenen.[1]

Die vollständigen Vorschläge wurden sodann an das Büro des Förderungsausschusses beim Ministerpräsidenten der DDR eingereicht. Das Büro des Förderungsausschusses beim Ministerpräsidenten der DDR leitete nach Prüfung der Unterlagen die Vorschläge an dem vom Ministerrat der DDR ernannten Ausschuss für die Verleihung des Nationalpreises für Wissenschaft und Technik zur Beurteilung weiter. Diesem Ausschuss oblag es dann, ihre nochmals sondierten Vorschläge zu begründen und dem Ministerrat der DDR zur endgültigen Entscheidung zuzuleiten.

VerleihungsprozedereBearbeiten

Die Verleihungen des Ehrentitels fanden alljährlich am 7. Oktober, dem Tag der Republik statt. Sie erfolgte dabei in feierlicher Weise bis 1960 durch den Präsidenten der DDR Pieck und nach dessen Tod durch den Ministerrat der DDR. Die Verleihung des Ehrentitels erfolgte durch die Überreichung einer Urkunde sowie einer Medaille. Mit der Verleihung des Ehrentitels war die Auszahlung einer Prämie in Höhe von 40.000 Mark verbunden. Die Prämie war dabei steuerfrei und wurde durch den Haushalt des Förderungsausschusses bereitgestellt.[1]

Aussehen und Trageweise der Medaille zum EhrentitelBearbeiten

Die Medaille mit einem Durchmesser von 26 mm bestand bis 1972 aus 750er Gold und war dementsprechend auf ihren Rand mit der Punzierung 750 versehen. Danach bestand sie nur noch aus vergoldetem Silber mit gestempelter 900er Punzierung. Sie zeigt auf ihrem Avers das vom Betrachter aus gesehen nach links blickende Porträt Max Plancks. Das Revers der Medaille zeigte dagegen mittig die dreizeilig erhaben geprägte Inschrift: HERVORRAGENDER / WISSENSCHAFTLER / DES VOLKES. Umschlossen wird die Inschrift von zwei gekreuzten Lorbeerzweigen die sich am oberen Medaillenrand befinden sowie der Umschrift: DEUTSCHE DEMOKRATISCHE REPUBLIK, die etwa 3/4 des Randes ausmacht. Die Medaille selbst wurde an einer 25 × 14 mm breiten gelbbezogenen Spange an der rechten oberen Brustseite getragen. In den gelben Grundstoff der Spange ist zusätzlich ein 8 mm breiter waagerechter Mittelbalken eingewebt, der in den Farben rot-schwarz-rot, die Nationalfarben der DDR gehalten ist. Die dazugehörige Interimsspange war von gleicher Beschaffenheit. Begrenzt wurde das Medaillenband sowie die Interimsspange durch hervorstehende goldfarbene Splinte.[2][3]

Träger (Auswahl)Bearbeiten

Insgesamt gab es 112 Verleihungen.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i Verordnung über die Verleihung des Ehrentitels Hervorragender Wissenschaftler des Volkes vom 8. November 1951, § 11, abgedruckt im Gesetzblatt der DDR vom 17. November 1951, Nr. 132, Seite 1035/1036
  2. Taschenlexikon Orden und Medaillen - Staatliche Auszeichnungen der DDR, 2. Auflage VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1983, Autor Günter Tautz, Seite 33
  3. Auszeichnungen der Deutschen Demokratischen Republik Bartel/Karpinski, Militärverlag der DDR 1979, Seite 121–122
  4. Universitätszeitung Leipzig 1959 zum 10-jährigen Bestehen der DDR (PDF; 2,6 MB)
  5. Archivlink (Memento des Originals vom 15. Mai 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.trafoberlin.de