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Napoleon verlässt Elba

Als Herrschaft der Hundert Tage (französisch Cent-Jours) bezeichnet man den Zeitraum von der erneuten Machtübernahme in Frankreich durch Napoleon Bonaparte nach dessen Rückkehr von seiner Verbannungsinsel Elba am 1. März bis zum endgültigen Verlust seiner Macht infolge der Schlacht bei Waterloo am 22. Juni 1815.

Inhaltsverzeichnis

Der Marsch auf ParisBearbeiten

Nach der Ankunft Napoleons am 4. Mai 1814 auf der Insel Elba, die ihm von den Siegermächten von 1814 als Besitz zuerkannt worden war, begann er mit verschiedenen Reformen. Diese füllten ihn allerdings nicht aus. Durch ein Netz von Agenten wusste Bonaparte, dass in Frankreich Unzufriedenheit über die Amtsführung von Ludwig XVIII. herrschte. Ihm waren auch die Meinungsverschiedenheiten auf dem Wiener Kongress bekannt. Zum Handeln veranlassten Napoleon nicht zuletzt Gerüchte, dass die Alliierten planten, ihn aus Europa zu entfernen. All dies führte zum Entschluss, noch einmal zu versuchen, in Frankreich die Macht zu übernehmen.

Am 26. Februar 1815 ging er mit einer Truppe von etwa 1000 Mann an Bord einiger Schiffe und traf am 1. März in Antibes ein. Bei seinem Marsch nach Paris (Route Napoléon) blieb die Unterstützung anfangs gering. Kurz vor Grenoble traf die Gruppe mit dem 5e régiment d’infanterie zum ersten Mal auf königliche Truppen. Diese gewann Bonaparte für sich, und auch die Garnison der Stadt stellte sich auf seine Seite. Der weitere Verlauf des Wegs nach Paris wurde zu einem Triumphzug.

Seit seinem Einzug in Lyon agierte er wieder als Kaiser der Franzosen und erließ entsprechende Dekrete. Der Versuch des Königs, Bonaparte durch dessen ehemaligen Marschall Michel Ney gefangen zu nehmen, misslang. Stattdessen lief dieser zu Napoleon über. Daraufhin floh Ludwig XVIII. aus Paris und Bonaparte übernahm wieder die Macht. Die rasche Rückkehr an die Macht wird in Frankreich auch als „Adlerflug“ (frz. le vol de l'Aigle) bezeichnet.[1]

InnenpolitikBearbeiten

François-René de Chateaubriand charakterisierte die erneute „Machtübernahme“ durch Napoleon als „Invasion eines Landes durch einen Mann“.[2] Allerdings konnte er sich dabei vor allem auf seine Armee stützen. Innenpolitisch griff Napoleon auf unterschiedlichste mit der restaurierten Monarchie unzufriedene Kräfte zu. Dazu zählten neben Bonapartisten wie etwa Marschall Ney auch ehemalige Republikaner wie Lazare-Nicolas-Marguerite Carnot oder Liberale wie Benjamin Constant, die in der ersten Phase der Herrschaft Napoleons teilweise noch zu dessen Kritikern gehört hatten. In sozialer Hinsicht wurde das Regime zunächst von den städtischen Unterschichten und den Bauern getragen, während ein Großteil des Bürgertums abseits blieb. Dennoch setzte Bonaparte wie beim Staatsstreich 1799 auf das Bürgertum und versprach die Errichtung einer liberalen konstitutionellen Monarchie.

Er versuchte in der Folge, seine Diktatur in der Vergangenheit vergessen zu machen, indem er eine neue liberale Verfassung, den Acte additionnel aux constitutions de l’Empire de 1815 erarbeiten ließ. Federführend war dabei Benjamin Constant. Gegenüber der Charte constitutionnelle des geflüchteten Königs von 1814 war der Entwurf in einigen Punkten freiheitlicher. So war der zur Wahlbeteiligung nötige Zensus niedriger, außerdem war die parlamentarische Verantwortlichkeit der Minister vorgesehen.

Bereits auf dem Marsch nach Paris hatte Napoleon die Abschaffung des gerade wieder eingeführten Feudaladels und die Ausweisung der Immigranten verkündet. In Paris verordnete er am 24. März 1815 die Abschaffung der Zensur und die Einführung der Pressefreiheit.

Allerdings gelang es der Regierung nur unzureichend, dies als Reformen zu vermitteln, weil das Konzept von Constant nicht als neue Verfassung, sondern nur als Ergänzung zur Verfassung des Kaiserreichs verkündet wurde. Im abgehaltenen Plebiszit stimmten zwar 1,5 Millionen Wähler der Verfassung zu, und nur 4.800 stimmten mit Nein, aber die Masse der fünf Millionen Wahlberechtigten blieb der Abstimmung fern. Bei den Wahlen zur Repräsentantenkammer zeigte sich, wie gering die Unterstützung des Regimes tatsächlich war. Von 629 Abgeordneten waren nicht einmal hundert erklärte Parteigänger Bonapartes.

Vor allem nach dem Wiederaufflammen des Krieges nahm die innenpolitische Opposition zu. So kosteten Napoleon die Einberufungen in die Armee viele Sympathien. Daneben zeigten sich in Paris deutliche jakobinische Tendenzen bei den Unterschichten. Die Aussichten auf einen neuen Krieg ließen die bürgerlich-liberale Opposition stärker hervortreten. So verweigerte die Repräsentantenkammer den Eid auf die Verfassung und im Département Vendée setzte erneut monarchistischer Widerstand ein.

Außenpolitik und KriegBearbeiten

 
Die Schlacht bei Waterloo, Gemälde von William Sadler

Napoleon versicherte den Staaten Europas, dass er den Frieden von Paris anerkennen, die Grenzen von 1792 nicht überschreiten und zukünftig mit den Nachbarn in Frieden leben wolle. Die Alliierten waren aber keinesfalls bereit, eine neue Herrschaft Napoleons anzuerkennen. Am 13. März erklärten ihn die Mächte auf dem Wiener Kongress als geächtet. Am 25. März 1815 schlossen das Vereinigte Königreich, Österreich, Russland und Preußen erneut einen Koalitionsvertrag.

Die Verbündeten zogen sich in den südlichen Niederlanden, dem heutigen Belgien, eine britisch-niederländische Armee unter dem Herzog von Wellington und eine zweite preußische unter Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher zusammen. Hinzu kamen österreichische und russische Truppen, die allerdings erst bei den Kampfhandlungen in Nordfrankreich mitwirkten.

Am 15. Juni 1815 überquerte Napoleon dann die französische Grenze. Er versuchte, in diesem Feldzug durch schnelle Manöver die Verbündeten voneinander zu trennen und einzeln zu schlagen. Die bewährte Vorgehensweise schien anfangs durchaus erfolgreich zu sein. In der Schlacht bei Quatre-Bras konnte Marschall Ney die britisch-niederländischen Kräfte binden, während Napoleon die Preußen bei Ligny erfolgreich schlug, aber nicht vernichtete. Danach wandte sich Bonaparte den Truppen Wellingtons zu. Nach witterungsbedingten Verzögerungen kam es am 18. Juni zur Schlacht bei Waterloo. Nachdem die französischen Truppen den Tag über erfolglos versucht hatten, die britische Linie zu durchbrechen, erschienen preußische Truppen auf dem Schlachtfeld und die Schlacht war für Napoleon verloren.

Das EndeBearbeiten

Bonaparte kehrte nach Paris zurück. Dort demonstrierte zwar ein Teil der städtischen Unterschichten für den Kaiser, aber ansonsten hatte er jegliche Unterstützung verloren. Insbesondere die liberal gesinnten Abgeordneten wandten sich gegen ihn. Vor allem unter dem Einfluss von Polizeiminister Joseph Fouché, der die Furcht vor einer Diktatur Bonapartes schürte, erklärte sich das Parlament für permanent und bezeichnete jeden Versuch, es aufzulösen, als Hochverrat. Am 22. Juni forderten die Kammern Napoleon ultimativ auf, zurückzutreten. Kriegsminister Louis-Nicolas Davout erklärte zudem, dass sich die Armee bei der Errichtung einer erneuten Diktatur auflehnen werde.

Vor diesem Hintergrund trat Bonaparte am 22. Juni 1815 endgültig zugunsten seines Sohnes ab, der als Napoleon II. regieren sollte. Die Kammern nahmen die Abdankung zur Kenntnis, überließen die Frage nach dem künftigen Staatsoberhaupt den Alliierten, wohl wissend, dass es zur Wiederherstellung der Herrschaft Ludwigs XVIII. kommen sollte.

Zunächst ging Napoleon nach Schloss Malmaison, um dann am 29. Juni nach Rochefort zu reisen. Die Hoffnung auf eine Emigration in die Vereinigten Staaten erfüllte sich nicht und Napoleon musste sich in die Hände der britischen Regierung begeben, die ihn auf die Insel St. Helena bringen ließ. Den erneuten Waffengang musste Frankreich mit dem Zweiten Pariser Frieden bezahlen.

Mit dem Ende der Herrschaft der Hundert Tage endete auch die Zeit des Ersten Kaiserreiches. Diese kurze Periode eines Wiederbelebungsversuches zählt mit dazu.

TriviaBearbeiten

In ihrem Konzeptalbum Hundred Days thematisiert die Band Crystallion die Herrschaft der Hundert Tage.

LiteraturBearbeiten

Monographien
Kapitel in Napoleon-Biographien

FußnotenBearbeiten

  1. Kurzinformationen Adlerflug und Herrschaft der hundert Tage (auf historicum.net)
  2. zit. nach: Volker Ullrich: Napoleon. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 3-499-50646-7, S. 129.