Neuerburg (Burg)

Burg in Rheinland-Pfalz, Deutschland
(Weitergeleitet von Herrschaft Neuerburg)

Die Burg Neuerburg ist eine Burg bzw. Festung oberhalb der Stadt Neuerburg im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz. Sie wird nach Teilrestaurierung als Jugendburg und Jugendherberge genutzt.

Burg Neuerburg
Staat Deutschland
Ort Neuerburg
Entstehungszeit 892/1132
Burgentyp Höhenburg, Hanglage
Erhaltungszustand Teilrestauriert, wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung Ministeriale
Geographische Lage 50° 1′ N, 6° 17′ OKoordinaten: 50° 0′ 38,8″ N, 6° 17′ 25,5″ O
Höhenlage 380 m ü. NHN

Geographische LageBearbeiten

Die Burg steht in der westlichen Eifel rechts über dem Tal der Enz an einem nach Nordosten gerichteten Berghang auf einer Höhe von etwa 380 m.[1]

GeschichteBearbeiten

 
Neuerburg, Luftaufnahme (2017)

Vom zweiten Normanneneinfall 892 in Prüm schreibt der Geschichtsschreiber Abt Regino von Prüm, die Normannen seien nach der Verwüstung von Prüm in die Ardennen gezogen zu einer neu errichteten Burg (novum castrum), in die sich eine große Menschenmenge geflüchtet hatte. Die Normannen hätten die Burg erstürmt und alle Menschen dort niedergemacht. Da der Name „neue Burg“ der Burg und Stadt seit alten Zeiten anhaftet, ist es denkbar, dass Abt Regino tatsächlich die heutige Burg Neuerburg gemeint hat.

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung der Spornburg fand 1132 statt, als ein Theoderich zu Neuerburg eine Schenkungsurkunde bezeugt. Die Burg war damals vermutlich aber schon älter, da Graf Philipp von Vianden in einer Urkunde des Jahres 1270 die Burg und Herrschaft Neuerburg als ein altes Lehen seines Hauses bezeichnet, welches er selbst vom Grafen von Luxemburg erhalten habe.

Eine erste fortlaufende Linie der Herren von Neuerburg beginnt um 1200 mit Friedrich I. von Neuerburg und endet mit Friedrich III., der die Burg und Herrschaft zu einem unbekannten Zeitpunkt an seinen Schwager Friedrich von Brandenburg übertrug. Dieser schenkte dem Burgflecken Neuerburg kurz vor seinem Tod im Jahr 1332 die Stadtfreiheit. In der Folge wechselten Burg und Herrschaft mehrfach den Besitzer. Es waren dies die Herren von Kronenburg, die von Rodemachern, die Grafen von Virneburg und ab 1487 die Grafen von Manderscheid. Diese Herrscherlinie behielt Burg und Herrschaft dann auch bis zur Auflösung durch die französischen Revolutionstruppen im Jahr 1794.

 
Burg Neuerburg mit dem vorgelagerten äußeren Befestigungsring
 
Grundriss der Burg

Erste Erweiterungen der Burg erfolgten im 13. Jh., worunter der Ausbau von einer einfachen Tormauer zum heutigen Torbau fällt, der südlich aus der Burganlage herausragt. Anfang des 15. Jh. wurde – den Wappenformen in den Schlusssteinen nach zu urteilen – die Decke des Rittersaals (heute Burgkapelle) neu gewölbt. Ein weiterer Um- bzw. Ausbau des Torbaus erfolgte um 1600 durch Dietrich II. von Manderscheid-Kail. Den Ausbau der Burg in Richtung Festung nahm zwischen 1513 und 1540 Dietrich IV. vor, der Graf von Manderscheid-Blankenheim, Herr von Schleiden, Daun, Neuenstein, Kronenburg und Neuerburg etc. war. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden die für Artillerie vorgesehenen Bastionen gebaut. Besonders bemerkenswert ist der Übergang zwischen runden Bastionen (Südwestbastion) zur polygonalen Bauform (Nordbastion und Ostbastion), der sich innerhalb dieser Bauphase vollzogen hat. Die Mauerstärken wurden im Zuge dieser Bauarbeiten vervielfacht, bis sie schließlich etwa 5,5 Meter erreichten. Der Ausbau der Burg zur Festung ist insofern außergewöhnlich, da in dieser Zeit viele Burgen wegen der aufgekommenen Feuerwaffen aufgegeben wurden. Da Joachim von Manderscheid als Statthalter im Herzogtum Luxemburg seinen ständigen Wohnsitz auf der Neuerburg nahm, begann er 1579 mit dem Bau des am westlichen Ende des Innenhofes gelegenen großen Gebäudes im Renaissance-Stil.

Die Bedeutung als Festung ist besonders für die Zeit während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 zu betonen, weil sie zuerst einmal instand gesetzt und munitioniert wurde und dann gegen schwedische, holländische, irische, polnische und französische Truppen verteidigungsbereit war. Die zur Verteidigung einquartierten luxemburgischen Truppen benahmen sich aber so daneben, dass man sich auch gegen diese verteidigen musste. Die Burg verhinderte jedoch die Plünderung durch ebendiese Truppen.

In den weiteren Jahren war immer wieder Krieg (Pfälzischer Erbfolgekrieg, Holländischer Krieg), sodass die Burg auch weiter ausgebaut und befestigt, aber auch beschossen wurde. 1692 war ein entscheidendes Jahr, weil die Festungsanlagen durch die Franzosen gesprengt wurden. Ein Teil der Anlagen wurde zwar 1701 wieder aufgebaut, aber nicht mehr in der alten Pracht. Das endgültige Ende kam mit den Revolutionskriegen, als die Burg versteigert wurde. Die Steine wurden nach dem großen Stadtbrand von 1818 verkauft und fanden anderweitig Verwendung.

Die Burg kam dann in städtischen Besitz und war Armenhaus, Archiv und Gefängnis bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

1926 erwarb der Bund Neudeutschland die Burg im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags und ließ sie teilweise wiederaufbauen. Infolge der zahlreichen Umbauten war zwischen Erdgeschoss und 1. Stock ein Zwischenstockwerk entstanden, das oft als Versteck und Zufluchtsort diente. Diese Räume kann man noch heute durch verborgene Eingänge betreten.

Heutige NutzungBearbeiten

Die als Kulturdenkmal eingestufte Burg wird vom Bund Neudeutschland mit Sitz in Köln heute als Jugendburg und Jugendherberge betrieben und durch den Förderverein Burg Neuerburg unterstützt.[2] Der Innenhof, die Kapelle und der Ruinenteil sind für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

WeblinksBearbeiten

Commons: Burg Neuerburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lage und Höhe von Burg Neuerburg auf: Kartendienst des Landschaftsinformationssystems der Naturschutzverwaltung Rheinland-Pfalz (LANIS-Karte) (Hinweise), abgerufen am 18. Januar 2022.
  2. Jugendburg Neuerburg. jugendburg-neuerburg.de, abgerufen am 18. Januar 2022.