Hermann Kümmell

deutscher Chirurg und Hochschullehrer

Hermann Kümmell (* 22. Mai 1852 in Korbach, Waldeck; † 19. Februar 1937 in Hamburg) war ein deutscher Chirurg und Urologe.

Hermann Kümmell (1905)

LebenBearbeiten

Hermann Kümmell war der Sohn eines Apothekers. Nach dem Abitur 1872 an der Alten Landesschule Korbach studierte Hermann Kümmell an der Philipps-Universität Marburg, der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg, der Kaiser Wilhelms-Universität Straßburg und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Medizin. Er wurde Mitglied des Corps Hasso-Nassovia (1873) und des Corps Nassovia Würzburg (1874).[1] Am 12. Mai 1875 wurde er in Würzburg zum Dr. med. promoviert.[2]

BerufBearbeiten

Nach Abschluss seines Studiums wurde er Assistenzarzt bei Max Schede am Städtischen Krankenhaus im Friedrichshain in Berlin. Er war in der Inneren und in der Chirurgischen Abteilung tätig. 1880 folgte er Schede nach Hamburg an das Marienkrankenhaus Hamburg. 1881 wurde er in den Academischen Club zu Hamburg aufgenommen. Seit 1883 leitender Arzt der chirurgischen Abteilung, folgte er 1895 Schede als Oberarzt (= Chef) am Neuen Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf. 1907 erhielt Kümmell den Professorentitel. Er kam 1919 auf den Lehrstuhl für Chirurgie an der neugegründeten Universität Hamburg und wurde 1921 zum Rektor gewählt. Zwischen 1909 und 1926 leitete er die 1., 7., 15., 17., 23. und 26. Tagung der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen.[3] Im November 1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler. Kümmell wurde auf der Grabstätte seiner Familie auf dem Friedhof Ohlsdorf, Planquadrat S 8, beigesetzt.

WissenschaftBearbeiten

Kümmell erkannte die Wichtigkeit der Antisepsis für die Chirurgie und führte sie bei Operationen ein. Er unterschied die Begriffe Antisepsis und Asepsis. In der speziellen Chirurgie befasste er sich mit dem Darmverschluss, dem Blasenkrebs und der Tuberkulose des Peritoneums. Bemerkenswert sind auch seine Forschungsbeiträge zur Neurochirurgie, Prostatavergrößerung und Gallenblase. 1886 öffnete er zum ersten Mal den Ductus choledochus. Als einer der ersten den Chirurgen nutzte er das Röntgen.

FamilieBearbeiten

Sein Sohn Hermann Adolph Kümmell (1890–1969) war Chirurg in Kiel.[4][5] Sein Enkel Eckart Kümmell war Rechtsanwalt in Hamburg.[6]

SchriftenBearbeiten

  • Krankheiten der Harnblase (mit Einschluss der Chirurgie), in: Wilhelm Ebstein (Hrsg.): Handbuch der praktischen Medicin, Bd. 3, Teil 1: Die Krankheiten der Harnorgane und des männlichen Geschlechtsapparates. Venerische Krankheiten. Enke, Stuttgart 1900, S. 181–356.
  • Chirurgie der männlichen Geschlechtsorgane, in: Wilhelm Ebstein, Julius Schwalbe (Hrsg.): Chirurgie des praktischen Arztes. Mit Einschluß der Augen-, Ohren- und Zahnkrankheiten (= Handbuch der praktischen Medizin. Erg.-Bd.). 2. Auflage. Enke, Stuttgart 1907, S. 611–726.
  • mit Henry Graff: Verletzungen und Erkrankungen der Nieren und Harnleiter, in: Ernst von Bergmann, Paul von Bruns (Hrsg.): Handbuch der praktischen Chirurgie. Band 4: Chirurgie des Beckens. 3., umgearbeitete Auflage. Enke, Stuttgart 1907, S. 75–340.
  • Die Operationen an den Nieren, Nierenbecken und Harnleitern, in: August Bier, Heinrich Braun, Hermann Kümmell (Hrsg.): Operationen am Mastdarm, an den Harn- und männlichen Geschlechtsorganen und an den Extremitäten (= Chirurgische Operationslehre. Bd. 3). Barth, Leipzig 1913, S. 60–213.
  • Operationen an Nieren und Nierenbecken, in: Friedrich Voelcker, Hans Wossidlo (Hrsg.): Urologische Operationslehre, Abteilung 2. Thieme, Leipzig 1921, S. 387–454.

EhrungenBearbeiten

  • Ehrenmitglied der Vereinigung Nordwestdeutscher Chirurgen
  • Ehrenvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
  • Geheimer Sanitätsrat (1913)
  • Prof.-Kümmell-Straße in Korbach
  • Kümmellstraße in Hamburg-Eppendorf[7]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Jost BenedumKümmell, Hermann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 214 f. (Digitalisat).
  • August Bier, Tom Ringel: Dem Altmeister der Chirurgie Hermann Kümmell mit den herzlichsten Glückwünschen zum 80. Geburtstag am 22. Mai 1932 gewidmet. Zentralblatt für Chirurgie 59 (1932), S. 1250–1257.
  • Isidor Fischer (Hrsg.): Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Band 2: Kon – Zweig. 3., unveränderte Auflage. Urban & Schwarzenberg, München 1962, S. 832–833.
  • Kümmell, Hermann, A., P., Fr. In: Robert Volz: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild. Band 1: A–K. Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, DNB 453960286, S. 1042.
  • Barbara I. Tshisuaka: Kümmell, Hermann. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 812.
  • Kerstin Quelle: Der Hamburger Chirurg Hermann Kümmell (1852-1937): Chefarzt, klinischer Forscher und akademischer Lehrer. Medizinische Dissertation Hamburg-Eppendorf 2014 (Online abrufbar).

WeblinksBearbeiten

Commons: Hermann Kümmell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kösener Corpslisten 1930, 101/354; 142/366
  2. Kerstin Quelle (2014), S. 28–30.
  3. Tagungen und Vorsitzende
  4. Kieler Gelehrtenverzeichnis
  5. Kösener Corpslisten 1960, 68/819
  6. https://www.buergerstiftung-hamburg.de/fileadmin/user_upload/Betreute_Stiftungen/Nachruf%20Eckart%20K%FCmmell.pdf
  7. Erklärung zur Herkunft des Straßennamens auf der Internetseite des Stadtteilarchivs Eppendorf. Abgerufen am 19. März 2015.