Hermann Fellner (Filmproduzent)

deutscher Filmproduzent

Hermann Siegfried Fellner (* 26. März 1878 in Frankfurt am Main, Deutschland; † 22. März 1936 in London, Großbritannien) war ein deutscher Filmproduzent und Drehbuchautor, ein Pionier der europäischen Kinematographie.

LebenBearbeiten

Fellner arbeitete bereits vor 1900 in unterschiedlichen Bereichen des internationalen Theaters. Zusammen mit Jules Greenbaum gründete er 1907 die Produktionsfirma Deutsche Vitascope GmbH, die eine der führenden Filmgesellschaften in der Frühzeit des deutschen Kinos werden sollte. Die Vitascope stellte eine Reihe von kommerziell erfolgreichen Filmen her. 1912 konnte Fellner den angesehenen Bühnenschauspieler Albert Bassermann für das Kino gewinnen und produzierte mit ihm das psychologisierende Drama Der Andere. Im Januar 1914 fusionierte die Vitascope mit der Projektions-Aktiengesellschaft-Union (PAGU). Die Brüder Greenbaum und Fellner traten in die Leitung der neuen Großfirma ein, die 1917 in der Firmenneugründung UFA aufgehen sollte.

Seit der Frühphase des Ersten Weltkriegs begann sich Fellner auf die Erstellung von Filmdrehbüchern zu konzentrieren. Mit den von Joe May inszenierten Monumentalfilmen Die Herrin der Welt und Das indische Grabmal war er bald nach Kriegsende als Produktionsleiter an zwei aufwendigen und teuren Filmen beteiligt. 1922 begann Fellner eine Kooperation mit dem in Berlin aktiven ungarischen Kollegen Josef Somló. Beider Firma Felsom entstand aus den jeweils drei Anfangsbuchstaben beider Nachnamen. Felsom-Filme waren leichtgewichtige Stoffe, vor allem romantische Komödien mit Musik, die sich zu Beginn der Tonfilm-Ära am Markt behaupteten. In den Jahren 1926/27 und 1929 gesellte sich zu Fellner & Somló der Produzent Arnold Pressburger; zu dieser Zeit hieß die Produktionsfirma F.P.S.

Infolge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten emigrierten die Juden Fellner und Somló nach Großbritannien, wo sich jedoch ihre Wege trennten. Nach einer Produktion für die Firma Gaumont, Wilhelm Thieles Waltz Time nach der Vorlage Die Fledermaus, gründete Fellner mit dem gleichfalls nach England geflohenen Kollegen Max Schach die Cecil Films und vollendete noch zwei Filme. Ende März 1936 wurde Hermann Fellner in seiner Wohnung in London-Westminster erhängt aufgefunden, ein Selbstmord.

FilmografieBearbeiten

als Produzent, wenn nicht anders angegeben

  • 1910: König und Page
  • 1910: Liebesdurst
  • 1910: Entsühnt
  • 1910: Arsène Lupin contra Sherlock Holmes
  • 1910: Sein einzig Gut
  • 1911: Vergebens
  • 1911: Dienertreue
  • 1911: Vater und Sohn
  • 1911: Madame Potiphar
  • 1911: Ihr Jugendfreund
  • 1911: Die Pulvermühle
  • 1911: Opfer der Liebe
  • 1911: Trotziges Blut
  • 1911: Der Rosendieb
  • 1911: Komtesse und Diener
  • 1911: Mondnachtzauber
  • 1911: Ninon de l’Enclos
  • 1911: Zapfenstreich
  • 1912: Der Eid des Stephan Huller, zwei Teile
  • 1912: Gauklerblut
  • 1912: Nachtgestalten
  • 1912: Der Liebe Dornenweg
  • 1912: Die schwarze Katze, zwei Teile
  • 1912: Das Sterben im Walde
  • 1913: Der Andere
  • 1913: Das goldene Bett
  • 1913: Menschen und Masken, zwei Teile
  • 1913: Das Recht auf Glück
  • 1913: Das Geheimnis von Lissabon
  • 1913: Die blaue Maus
  • 1913: Das silberne Kreuz
  • 1913: Das weiße Grab
  • 1913: Das weiße Pferd
  • 1914: Die braune Bestie
  • 1914: Zweite Tür links
  • 1914: Ein Kindesherz
  • 1914: Weib gegen Weib
  • 1914: Lache, Bajazzo
  • 1914: Der Hund von Baskerville, zwei Teile
  • 1914: Ein seltsamer Fall
  • 1915: Der Katzensteg
  • 1915: Kapital und Liebe (Drehbuch)
  • 1917: Die Glocken der Katharinenkirche (Drehbuch)
  • 1918: Das gestohlene Hotel (Drehbuch)
  • 1919: Wahnsinn (Drehbuch)
  • 1919: Die Nacht auf Goldenhall (Drehbuch)
  • 1919: Die Herrin der Welt (Produktionsleitung)
  • 1921: Das indische Grabmal (Produktionsleitung)
  • 1922: Sünden von gestern
  • 1922: Firnenrausch (Drehbuch)
  • 1924: Der gestohlene Professor (Drehbuch)
  • 1925: Der Tänzer meiner Frau
  • 1926: Eine Dubarry von heute
  • 1926: Man spielt nicht mit der Liebe
  • 1926: Ledige Töchter
  • 1927: Die berühmte Frau
  • 1927: Die letzte Nacht
  • 1927: Der Geisterzug
  • 1928: Die Frau auf der Folter
  • 1928: Die Räuberbande
  • 1928: Dyckerpotts Erben
  • 1928: Haus Nummer 17
  • 1928: Der fesche Husar
  • 1929: Der Würger
  • 1929: Das Land ohne Frauen
  • 1930: Die Lindenwirtin
  • 1930: Geld auf der Straße
  • 1931: Drei Tage Liebe
  • 1931: Die Blumenfrau von Lindenau
  • 1931: Die spanische Fliege
  • 1932: Mädchen zum heiraten
  • 1932: Tell Me Tonight
  • 1933: Waltz Time
  • 1935: Public Nuisance No. 1
  • 1936: Dishonour Bright

LiteraturBearbeiten

  • Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 169 f.

WeblinksBearbeiten