Helmut Jahn (Architekt)

deutscher Architekt

Helmut Jahn (* 4. Januar 1940 in Zirndorf bei Nürnberg) ist ein deutsch-amerikanischer Architekt.

Post-Tower in Bonn
Highlight Towers in München

Leben und WerkBearbeiten

Helmut Jahn, Sohn eines Sonderschullehrers in Nürnberg, wuchs im fränkischen Zirndorf auf und schloss 1965 sein Architekturstudium an der Technischen Universität München mit dem Diplom ab. 1966 ging er nach Chicago, um am Illinois Institute of Technology ein Postgraduiertenstudium der Architektur aufzunehmen. 1967 trat er in das Architekturbüro C. F. Murphy Associates von Charles Murphy (1890–1985) ein. Als Jahn 1983 die Leitung des Büros übernahm, wurde es zu Murphy/Jahn umbenannt.

Als Student lernte Jahn 1966 Mies van der Rohe in Chicago kennen und versuchte in seinem Frühwerk seine reduzierte Variante der modernen Architektur umzusetzen. Ende der 70er Jahr verwarf er den strengen Gestaltungskanon von Mies van der Rohe und etablierte als "Hightech-Architekt"[1] monumentale Baukörper, die eine "lässige" Postmoderne ausstrahlen. Vor 1983 und damit vor der Übernahme von Murphys Büro schuf er zwei Meisterwerke: die Kemper Arena in Kansas City als erste stützlose Großhalle in Amerika und das Xerox Center in Chicago als Art-déco-Wolkenkratzer.

Seinen Durchbruch erzielte Jahn 1985 mit dem State of Illinois Center in Chicago. Aus einem öffentlichen Verwaltungsgebäude formte er ein siebzehngeschossiges Glas-Atrium[2], das sowohl in seiner Form als auch in seiner Funktion überzeugt. Seit den 90er Jahren entdeckte er neue Themen und Orte, er entwarf Hochhäuser für Philadelphia und New York, Singapur, Warschau, Tokio und Rotterdam. Sein Faible für hohe Türme trug ihm den Namen "Turmvater Jahn" ein.[3]

Die Stromlinien-Ästhetik der Hochhäuser symbolisieren für Jahn Schnelligkeit und Fortschritt. Die Dreiteilung der Bauwerke in Sockel, Schaft und Krone war bindend, so trugen sie Dynamik und Eleganz in die Skyline.

Neben seinen Projekten in den USA konzentriert sich Jahn, seiner Herkunft entsprechend, auf Bauten in Deutschland. Nach mehreren unausgeführten Entwürfen für die Golfstaaten verlegte er sich ab etwa 2005 verstärkt auf das Bauboomende in China.

Jahn verschaffte sich internationale Anerkennung mit spektakulären Bauwerken wie dem Frankfurter Messeturm (1985–1991), dem Sony Center mit Bahntower am Potsdamer Platz in Berlin (1993–2000), dem Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi (1995–2005) sowie den Veer Towers in Las Vegas (2006–2010). 1983 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft des Bundes Deutscher Architekten BDA verliehen. In seinen Werken konzentriert er sich auf den großen Maßstab, auf Hochhäuser, Flughafen-Terminals, Bahnhöfe und Messehallen. Zu Beginn des Jahrtausends kooperierte er mit dem Stuttgarter Architekten und Ingenieur Werner Sobek, um mit "Archineering" Architektur und Ingenieurbaukunst zusammenzuführen.

Seit 2012 trägt das Architekturbüro seinen Namen. Jahn unterhält Niederlassungen in Chicago, Berlin und Shanghai.[4]

Er ist mit einer Amerikanerin verheiratet und Vater eines Sohnes, der die deutsche und die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Jahn hat Wohnsitze in Chicago, New York und Berlin.[5]

Bauwerke (Auswahl)Bearbeiten

(Planungs- und Bauzeit nach den Angaben von Murphy/Jahn[6])

AusstellungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Nicola Borgmann (Hrsg.), Helmut Jahn: Bauten 1975–2015, mit Fotografien von Rainer Viertlböck, in deutscher und englischer Sprache. Schirmer /Mosel, München 2015, ISBN 978-3-8296-0723-0.

WeblinksBearbeiten

Commons: Helmut Jahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Helmut Jahn wird 80 - Architekt der lässigen Postmoderne. Abgerufen am 12. Januar 2020 (deutsch).
  2. Ulf Meyer: Architekt wird achtzig: Der Vater des Messeturms. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  3. Bayerischer Rundfunk Christian Schiele: "Turmvater Jahn": Ein Architekt, der gerne hoch stapelt. 22. Januar 2013 (br.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  4. Bayerischer Rundfunk Christian Schiele: Mit 73 im Unruhestand: Helmut Jahn - sein Leben. 22. Januar 2013 (br.de [abgerufen am 12. Januar 2020]).
  5. Interview in Nürnberger Nachrichten, 19. November 2012, S. 26
  6. Murphy/Jahn
  7. wurde 2016 für 7,8 Mio. zum Verkauf angeboten bei CMIB-Immi
  8. Star-Architekt Helmut Jahn im Neuen Museum Nürnberg. In: nordbayern.de