Helmut Castritius

deutscher Althistoriker

Helmut Castritius (* 4. Juli 1941 in Darmstadt-Arheilgen; † 12. September 2019)[1] war ein deutscher Althistoriker. Er lehrte ab 1974 als Professor für Alte Geschichte an der TU Braunschweig.

Leben und WirkenBearbeiten

Helmut Castritius besuchte das traditionsreiche humanistische Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt. Er studierte Lateinische Philologie, Geschichte und Provinzialrömische Archäologie. Er wurde 1968 promoviert an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main über das Maximinus Daia. Von 1966 bis 1972 wirkte er als Assistent an der Universität Marburg. Gleichzeitig nahm er einen Lehrauftrag an der Technischen Universität Darmstadt wahr. 1972 wechselte er in derselben Eigenschaft an die Universität Düsseldorf, 1973 als Akademischer Rat an die Universität Bochum, wo er 1974 zum Akademischen Oberrat ernannt wurde. Seine Habilitation erreichte er dort mit der Schrift Der römische Prinzipat als Republik; die Arbeit wurde 1982 publiziert und sorgte in der Fachwelt für ebenso viel Aufsehen wie Ablehnung, da sich die große Mehrheit der Forscher der Kernthese, Augustus habe die Römische Republik nicht nur de iure, sondern auch de facto wiederhergestellt, nicht anschließen mochte.

Castritius wirkte ab 1974 als Wissenschaftlicher Rat und Professor (ab 1978: C3-Professor) für Alte Geschichte an der TU Braunschweig. 2004 trat er in den Ruhestand; die Professur für Alte Geschichte wurde aus dem Etat gestrichen und nicht neu besetzt. Von 2008 bis 2011 übernahm er an der TU Darmstadt Lehraufträge zur Geschichte des Altertums und des Frühmittelalters. Castritius war aktives Mitglied des Breuberg-Bundes und forschte dort unter anderem zur Arnheiter Kapelle und zu römerzeitlichen Funden des Odenwaldes. Er wirkte zudem lange Jahre im Denkmalbeirat der Stadt Darmstadt.

Seine Forschungsschwerpunkte waren die Verfassungsgeschichte der Prinzipatszeit und der Spätantike, die Ethnogenese der Stämme in der Völkerwanderungszeit und die jüdisch-nichtjüdische Beziehungsgeschichte. Er verfasste zahlreiche Artikel im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Er legte 2007 ein. Überblickswerk zu den Vandalen.[2] Die letzte vergleichbare Abhandlung stammt von Hans-Joachim Diesner von 1966.[3] Er verfasste ebenfalls den Artikel „Wandalen“ im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde.[4]

Castritius gilt als einer der Pioniere der seit den späten siebziger Jahren neu konstituierten Forschung in der Bundesrepublik Deutschland zur Geschichte der Juden.[5] Er wurde Mitherausgeber der Schriftenreihe Forschungen zur Geschichte der Juden. Er war Beiratsmitglied für die Zeitschrift Aschkenas. Zu der Zeitschrift hat er nicht nur Beiträge begutachtet, sondern auch eigene Aufsätze beigesteuert. Im Jahr 1998 erschien in Aschkenas ein Aufsatz zur Konkurrenzsituation zwischen Judentum und Christentum in der spätrömisch-frühbyzantinischen Welt.[6] Er legte zahlreiche weitere Veröffentlichungen zur jüdischen Geschichte in der Antike vor. Ein Handbuchbeitrag zur Gesamtgeschichte der Juden in der Antike erschien 1992.[7] Er veröffentlichte 1994 einen Beitrag zum jüdisch-alexandrinischen Bürgerkrieg,[8] Auf dem 12. Weltkongress für Jüdische Studien in Jerusalem hielt er einen Vortrag zur Konkurrenz zwischen Christentum und Judentum. Der Beitrag wurde im Jahr 2000 veröffentlicht.[9]

Castritius starb am 12. September 2019 im Alter von 78 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit. Er wurde am 23. September 2019 auf dem Arheilger Friedhof bestattet.[10]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Der römische Prinzipat als Republik (= Historische Studien. H. 439). Matthiesen, Husum 1982, ISBN 3-7868-1439-2.
  • als Herausgeber mit Gustav Ineichen und Silvia Switalski: Karl-Hermann Körner: „Kolumbus und die Karibik“. Mit einer Würdigung von Person und wissenschaftlicher Leistung sowie einem Schriftenverzeichnis (= Braunschweiger Universitätsreden. 6, ZDB-ID 2397904-5). Technische Universität Braunschweig – Pressestelle, Braunschweig 1993.
  • Die Vandalen. Etappen einer Spurensuche (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 605). Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-17-018870-9.

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Battenberg: Erinnerung an Prof. Dr. Helmut Castritius. In: Aschkenas 29, 2019, S. 503–508 (abgerufen über De Gruyter Online).
  • Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender. 21. Ausgabe, 2007, S. 506.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Annette Wannemacher-Saal. In: Darmstädter Echo, Mittwoch, 18. September 2019, S. 11.
  2. Vgl. dazu die Besprechungen von Konrad Vössing in: Historische Zeitschrift 287, 2008, S. 428–430; Daniel Syrbe in: H-Soz-Kult, 1. Oktober 2007, (online); Ulrich Lambrecht in: Plekos 10, 2008, S. 23–26 (online); Rudolf Schieffer in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 63, 2007, S. 724 (online).
  3. Hans-Joachim Diesner: Das Vandalenreich. Aufstieg und Untergang. Stuttgart u. a. 1966.
  4. Helmut Castritius: Wandalen. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 33, Mohr-Siebeck, Tübingen , Sp. 168–209.
  5. Friedrich Battenberg: Erinnerung an Prof. Dr. Helmut Castritius. In: Aschkenas 29, 2019, S. 503–508, hier: S. 504.
  6. Helmut Castritius: Zur Konkurrenzsituation zwischen Judentum und Christentum in der spätrömisch-frühbyzantinischen Welt. In: Aschkenas 8 (1998), S. 29–44.
  7. Helmut Castritius: Juden in der Antike. In: Neues Lexikon des Judentums. München 1992, S. 53–57.
  8. Helmut Castritius: Politischer Konflikt und kollektive Gewalt im jüdisch-alexandrinischen Bürgerkrieg 38–41 n. Chr. In: Humanistische Bildung, Heft 18 (1994), S. 59–71.
  9. Helmut Castritius: On the Competitive Situation between Judaism and Christianity in the Late Roman-Early Byzantine World. In: Proceedings of the 12th World Congress of Jewish Studies, Division B, Jerusalem 2000, S. 49–57.
  10. Friedrich Battenberg: Erinnerung an Prof. Dr. Helmut Castritius. In: Aschkenas 29, 2019, S. 503–508, hier: S. 503.