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Heinrich Auer (* 28. November 1825 in Köln; † 31. Mai 1892 ebenda) war ein deutscher Industrieller und Kölner Unternehmer, der Mehlmühlen betrieb.

Inhaltsverzeichnis

Errichtung von MühlenBearbeiten

Heinrich Auer war der Sohn von Alois und Katharina Auer, geb. Schreiner. Er wuchs mit 6 Geschwistern auf. Bereits im Jahre 1850 begann er in Köln-Nippes durch die Errichtung einer Dampfmühle mit der Industrialisierung dieses Stadtteils. Es handelte sich um eine Getreidemühle, die den steigenden Bedarf an Mehlprodukten in den stetig wachsenden Großstädten decken sollte. Diese Mühle wurde am 4. Dezember 1850 in der heutigen Auerstraße/Ecke Niehler Straße (damals Niehler Weg) in Betrieb genommen[1] und verarbeitete Weizen zu Mehl. Auer war damit einer der ersten Müller, die Dampfkraft einsetzten.[2] Eine weitere Mühle entstand 1866 an der Kölner Landsbergstraße. Dies war der Beginn des 3 Generationen umfassenden Auer-Imperiums von Mehlmühlen. Die wind- oder wassergetriebenen Mühlen wurden hierdurch endgültig durch dampfgetriebene Mühlen zurückgedrängt. Heinrich Auer war zwischen 1856 und 1868 und 1871 bis 1876 Mitglied des Kölner Stadtrates.

NachfolgerBearbeiten

Als Heinrich Auer im Mai 1892 im Alter von 67 Jahren starb, übernahmen seine Söhne Jakob (* 17. Juni 1854 Köln, † 11. Juni 1919 in Bad Oeynhausen) und Carl Auer die Leitung der mittlerweile 4 Mühlen.[3] Die Söhne sorgten für die Errichtung der ersten Auerschen Großmühle in Köln-Deutz durch Architekt Hans Verbeek im Jahre 1909. Dieser Standort wurde gewählt, weil zuvor am 14. Dezember 1907 der Industriehafen in Köln-Deutz in Betrieb genommen wurde und somit Lastkähne auf dem Rhein als Transportmittel für Getreide und die Auer-Produkte genutzt werden konnten. Inzwischen war hier die Tageskapazität auf 1.500 Sack angestiegen, später waren es sogar 3.000 Sack. Auers Großmühle avancierte zum wichtigsten Anlieger am neuen Deutzer Industriehafen. Am 7. April 1910 wurde nach Heinrich Auer die im Stadtteil Nippes gelegene Auerstraße benannt, an der seine erste Dampfmühle stand. Zu jenem Zeitpunkt war Auers erste Mühle dort bereits abgerissen worden.

Im Jahr 1921 ging die Leitung des Mühlenunternehmens an Clemens Auer (* 27. Juni 1894, † nach 1966) über, dem ältesten Sohn von Jakob Auer. Clemens Auer stieg zu einem der bedeutendsten Mühlenindustriellen Deutschlands auf,[4] denn neben seiner Funktion als persönlich haftendem Gesellschafter der mittlerweile als Heinrich Auer Mühlenwerke KGaA firmierenden Unternehmen war er auch im Vorstand von 3 weiteren Mühlengesellschaften vertreten. Er erwarb zudem am 28. August 1939 die Aktienmehrheit an der Österreichischen Zuckerindustrie AG im Rahmen eines „Arisierungsprogramms“.[5] Sie firmierte fortan als Brucker Zuckerfabrik Clemens Auer. Am 18. Dezember 1944 wurde die Deutzer Mühle von Bomben getroffen und brannte ab.

Markenname entstehtBearbeiten

 
Ellmühle, Köln-Deutz

Erst am 4. Dezember 1950, genau 100 Jahre nach der Errichtung der ersten Auer-Mühle, konnte die zerstörte Mühle wieder in Betrieb gehen. Bereits ein Jahr später ließ Clemens Auer die Marke „Aurora“ 1951 als Warenzeichen registrieren. Es ist mittlerweile unter der Nummer 799213 beim Amt der EU für die Eintragung von Marken und Geschmacksmustern für die Kampffmeyer Mühlen GmbH als Wortmarke registriert.[6] „Aurora“ ist aus der römischen Mythologie abgeleitet, wo Aurora die Göttin der Morgenröte war. Dies kam auch im Logo des heute noch verwendeten Slogans „Aurora mit dem Sonnenstern“ zum Ausdruck.

Starke Überkapazitäten von 50 % im deutschen Mühlenwesen sorgten bereits im Jahre 1955 für ein „Mühlenkartell“, an dem sich auch – widerwillig – Clemens Auer beteiligte und in jenem Jahr einen Umsatz von 114,3 Millionen DM erzielen konnte.[7] Die Marke ist bei Markenmehl weiterhin Marktführer und gehört seit 1975 zur Kampffmeyer-Gruppe, Deutschlands größtem Mühlenunternehmen. Hier sind unter der Holding VK Mühlen die Aktivitäten der europaweit 18 Mühlenbetriebe zusammengefasst. Im selben Jahr wurde die Auer-Mühle mit der benachbarten Ellmühle (bis 1964: Leysieffer & Lietzmann-Mühle) verschmolzen. Diese ist mit einer Jahreskapazität von 365.000 Tonnen eine der bedeutendsten Großmühlen Europas. Im Jahr 2000 zog die Kölner Aurora Mühlen GmbH nach Hamburg um, dem Hauptsitz der VK Mühlen. Damit war Heinrich Auers Mühlenimperium zur Kölner Industriegeschichte geworden.

SonstigesBearbeiten

Ein weiterer Sohn Jakob Auers war der Botschafter Theodor Auer.

Im April 2005 hatte das Claims Resolution Tribunal in Zürich entschieden, dass die Erben der jüdisch-österreichischen Familien Ferdinand Bloch-Bauer und Otto Pick eine Entschädigung in Höhe von 17,1 Mio. Euro erhalten, weil eine Schweizer Bank an der Enteignung ihrer Zucker-Aktien der Österreichischen Zuckerindustrie AG beteiligt gewesen war. Die als Treuhänderin fungierende Bank hatte ihre Pflichten aus dem Syndikatsvertrag verletzt, weil sie abredewidrig die Aktien an Clemens Auer verkauft habe.[8]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aurora-Mehl über die Gründerjahre (Memento des Originals vom 6. Dezember 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aurora-mehl.de
  2. Ulrich S. Soénius, Jürgen Wilhelm: Kölner Personen-Lexikon. Greven-Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0400-0, S. 35.
  3. 1926 übernahm Dr. Carl Auer ein Silo- und Lagergebäude in Bonn und eröffnete dort 1927 den Betrieb der „Bonner Weizenmühle Carl Auer“
  4. Klaus-Dieter Henke/Harald Wixforth, Die Expansion der Dresdner Bank in Europa, 2006, S. 40
  5. Claims Resolution Tribunal über Österreichische Zuckerindustrie AG, 2005, S. 12 (PDF-Datei; 345 kB)
  6. Eintragung von Aurora
  7. MÜHLENKARTELL / INDUSTRIE: Pferdmenges half nach. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1955 (online).
  8. Salzburger Nachrichten vom 14. April 2005, Entschädigung für enteignete Zucker-Aktionäre