Heimatschutzregiment

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Heimatschutzregimenter (HSchRgt) sind nichtaktive Truppenteile im Heimatschutz und in der Reserveplanung der Bundeswehr.

Geschichte

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Heeresstruktur IV

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In der Heeresstruktur 4 wurden Heimatschutzregimenter als infanteristische Truppenteile des Territorialheeres in den Wehrbereichen ausgeplant. Die zur Jägertruppe zählenden Regimenter bestanden aus drei nichtaktiven Jägerbataillonen sowie je einer nichtaktiven Mörser- und Versorgungskompanie. Neben den Heimatschutzbrigaden waren die Heimatschutzregimenter die bedeutendsten Truppenteile der Infanterie der Heimatschutztruppe der Heeresstruktur 4. Diese Heimatschutzregimenter der ersten Aufstellungswelle wurden Anfang der 1990er Jahre im Zuge der Verkleinerung des Heeres nach Ende des Ost-West-Konflikts aufgelöst oder umgegliedert. Teile der Heimatschutzregimenter blieben in verkleinerter Form bis 2007 als Heimatschutzbataillone erhalten.

Wiederaufstellung

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2019 wurde mit Aufstellung des Landesregiments Bayern beim Landeskommando Bayern erstmals wieder ein entfernt an die alten Heimatschutzregimenter erinnernder Truppenteil für den Heimatschutz in Regimentsstärke ausgeplant. Dazu wurden mehrere Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanien herangezogen. Das Landesregiment und die unterstellten Kompanien wurde 2021 in Heimatschutzregiment (HSchRgt) und Heimatschutzkompanien (HSchKp) umbenannt. Die Bundeswehr plant, sechs HSchRgt mit 42 HSchKp und einer Stärke von 6000 Reservisten aufzustellen. Am 4. April 2024 kündigte Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius an, dass der Heimatschutz, bisher den Landeskommandos unterstellt, zukünftig der Teilstreitkraft Heer zugeordnet wird.[1]

Aufgaben

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Die heute ausgeplanten Heimatschutzregimenter stellen als Verbund den Kern der Territorialen Reserve dar und entlasten die aktive Truppe durch die Übernahme von Wach- und Sicherungsaufgaben oder beispielsweise im Rahmen der Amts- und Katastrophenhilfe, bei der zivile Behörden und Organisationen durch militärische Kräfte in bestimmten Krisenlagen unterstützt werden. Zudem sind sie für die aktive Truppe eine wichtige Unterstützung in der Landes- und Bündnisverteidigung, denn sie können in Krisen Aufgaben von den aktiven Truppenteilen übernehmen, z. B. beim Schutz verteidigungswichtiger Kritischer Infrastruktur (KRITIS).

Ausbildung

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Zur Ausbildung der Heimatschutzkräfte der Reserve zählen unter anderem:

Die Ausbildung der Reservedienstleistenden ist auf mehrere kurze Blöcke über das Jahr verteilt. Den Abschluss bildet oft eine mehrtägige Übung.

Gliederung und Standorte

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Den Heimatschutzregimentern sind die regionalen Heimatschutzkompanien mit einer Soll-Stärke von je 120 Reservistinnen und Reservisten unterstellt.

Heimatschutzregiment 1

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  Das Heimatschutzregiment 1[2] „Bayern“ in Roth, vormals Landesregiment Bayern, ist dem Landeskommando Bayern unterstellt und führt die sieben bayerischen Heimatschutzkompanien (eine je Regierungsbezirk, eine Unterstützungskompanie mit speziellen Fähigkeiten sowie eine Versorgungs- und Unterstützungskompanie):

Der Regimentsstab und die Ausbildungskompanie sind in der Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth stationiert.

Heimatschutzregiment 2

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  Das Heimatschutzregiment 2[3] in Münster ist dem Landeskommando Nordrhein-Westfalen unterstellt und führt die drei nordrhein-westfälischen Heimatschutzkompanien:

Diese sollen um zwei weitere Heimatschutzkompanien im südlichen Rheinland und in Ostwestfalen-Lippe ergänzt werden. Daneben bestehen eine Stabs- und Versorgungskompanie, eine Ausbildungs- und eine Unterstützungskompanie. Der Regimentsstab ist in der Lützow-Kaserne in Münster stationiert.

Heimatschutzregiment 3

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  Das Heimatschutzregiment 3[4] in Nienburg (Weser) ist dem Landeskommando Niedersachsen unterstellt und führt die folgenden Heimatschutzkompanien:

Der Regimentsstab, die Stabs- und Versorgungskompanie, die Unterstützungskompanie sowie die Ausbildungskompanie sind in der Clausewitz-Kaserne in Nienburg (Weser) stationiert.

Heimatschutzregiment 4

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Das Heimatschutzregiment 4 soll im schleswig-holsteinischen Alt Duvenstedt zum 1. Oktober 2024 in Dienst gestellt und dann dem Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern unterstellt werden. Dem Heimatschutzregiment 4 sollen die folgenden Heimatschutzkompanien führen:

Heimatschutzregiment 5

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Das Heimatschutzregiment 5[5] soll im thüringischen Gotha/Ohrdruf zum 1. April 2025 in Dienst gestellt und danach dem Landeskommando Hessen unterstellt werden. Dem Heimatschutzregiment 5 sollen die drei hessischen und weitere Heimatschutzkompanien unterstellt werden. Die Stabs-, Versorgungs- und Unterstützungskompanien werden zunächst auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf stationiert sein, da derzeit keine geeignete militärische Liegenschaft in Hessen vorhanden ist.

Heimatschutzregiment 6

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Das Heimatschutzregiment 6 befindet sich in Planung. Es soll zum 1. Oktober 2025 in Dienst gestellt und dem Landeskommando Berlin unterstellt werden. Dem Heimatschutzregiment 6 sollen die Heimatschutzkompanie Berlin und weitere Heimatschutzkompanien unterstellt werden.

(Noch) ohne übergeordnetes Heimatschutzregiment

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Heimatschutzkompanien ohne Unterstellung unter ein Heimatschutzregiment werden bis zum Abschluss der deutschlandweiten Aufstellung von Heimatschutzregimentern durch die Landeskommandos geführt:

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Einzelnachweise

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  1. Bundeswehr der Zeitenwende: Kriegstüchtig sein, um abschrecken zu können. In: bmvg.de. 4. April 2024, abgerufen am 4. April 2024 (auch gesprochenes Wort der Pressekonferenz).
  2. Heimatschutzregiment 1. In: bundeswehr.de. Abgerufen am 14. September 2023.
  3. Heimatschutzregiment 2. In: bundeswehr.de. Abgerufen am 14. September 2023.
  4. Heimatschutzregiment 3. In: bundeswehr.de. Abgerufen am 17. Januar 2024.
  5. Heimatschutzregiment 5. In: bundeswehr.de. Abgerufen am 15. Mai 2024.