Heimarshausen

Ortsteil von Stadt Naumburg (Hessen)

Heimarshausen ist ein Stadtteil der Kleinstadt Naumburg in Nordhessen mit rund 450 Einwohnern.

Heimarshausen
Stadt Naumburg
Koordinaten: 51° 10′ 54″ N, 9° 12′ 29″ O
Höhe: 255 m ü. NHN
Fläche: 8,18 km²[1]
Einwohner: 442[2]
Bevölkerungsdichte: 54 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34311
Vorwahl: 05622

LageBearbeiten

Heimarshausen liegt, umgeben von Wald, im nordhessischen Bergland in einer Höhe von 255 m, etwa 30 km südwestlich von Kassel zwischen Wolfhagen und Fritzlar. Als südlichster Ort im Landkreis Kassel und der Stadt Naumburg liegt Heimarshausen an den Kreisgrenzen zum Schwalm-Eder-Kreis und Kreis Waldeck-Frankenberg. Das Dorfbild wird von Fachwerkgebäuden mit sehenswerten Rankenschnitzereien und gedrehten Säulen geprägt. Der Ort besitzt ein beheiztes Freibad.

GeschichteBearbeiten

Urkundlich wird der Ort erstmals 1180 als „Hemmerickishusen“ in einer Urkunde des Klosters Hasungen erwähnt. 1253 wird ein Ort mit dem Namen „Gershusen“ (Gershausen) im Westen des Dorfes als Wüstung bezeichnet. Im Jahr 1312 wurde „Heimericheshusen“ für 300 Mark reines Silber an die Grafen von Waldeck verpfändet. Das Patronat der Pfarrkirche besaß spätestens ab 1357 das Petristift Fritzlar. Ab 1376 war „Hepmershusen“ ein landgräfliches Dorf. Während eines Rachefeldzuges des Herzogs von Braunschweig und des Landgrafen von Hessen, Antwort auf die Ermordung des Herzogs Friedrich von Braunschweig und Lüneburg, wurde das gesamte Dorf im Jahre 1400 niedergebrannt. Von 1443 bis 1448 war „Epmershusen“ mainzisches Lehen des Reinhard von Dalwigk. Fünfzig Jahre später, 1498, wird das Dorf (mit Gericht) als hessisches Lehen der Familie Meysenbug erwähnt. Weiter wird in der Dorfgeschichte berichtet, dass 1650 in Heimarshausen 32 Hausgesesse bestanden. Die Herren von Meysenbug hatten das Gericht inne, die peinliche Gerichtsbarkeit übten die hessischen Landgrafen aus.

Im Jahr 1810 starb das Adelsgeschlecht derer von Meysenbug (nunmehr mit anderer Schreibweise) aus; der letzte des Geschlechts, Heinrich von Meysenbug, wurde im Erbbegräbnis der Familie in der alten Kirche in Heimarshausen beigesetzt.

Am 31. Dezember 1971 wurde Heimarshausen in die Stadt Naumburg eingegliedert.[3]

Evangelische KircheBearbeiten

 
Engelhards Grundriss der Kirche

1813 wurde der Kirchturm der alten Kirche durch einen Blitzschlag schwer beschädigt, 1828 stürzte er ein und zerstörte dabei auch umliegende Gebäude. Darauf erbaute man von 1833 bis 1835 am Westrand des Dorfes die neue evangelische Kirche, die von Daniel Engelhard entworfen wurde. Sie ist ein klassizistischer Bau aus Sand-Bruchstein und ist in ihrem achteckigen Grundriss in der Region einmalig; sie ähnelt damit der Karlskirche in Kassel. Die acht toskanischen Rundsäulen tragen eine umlaufende Empore und das Dachwerk. Die älteste, aus dem Jahr 1599 stammende Bronzeglocke wiegt ca. 220 kg.[4] Sie ist mit einem Arabeskenfries verziert; unterhalb dessen befinden sich vier Reliefs mit der Auferstehung Christi. Die Orgel wurde in den Jahren 1834/35 von Johann Wilhelm Schmerbach dem Jüngeren (1795–1872) aus der Orgelbauerfamilie Schmerbach erbaut. Zwei Gedenktafeln nennen die Namen der "Streiter fürs Vaterland aus Heimarshausen" des Krieges 1814 und der "Vaterlands-Vertheidiger gegen Frankreich 1870 u 71, der Gemeinde Heimarshausen".[5]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heimarshausen, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. März 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Ort im Internetauftritt der Stadt Naumburg (Hessen), abgerufen im April 2016.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411.
  4. Heiner Wittekindt: Die Glocken der Kirche zu Heimarshausen. In: Geschichtsverein Naumburg. Jahrbuch. Band 10, 1992, S. 171–172.
  5. Götz J. Pfeiffer: Mahnungen zum Frieden. Die Gedenktafeln für die Kriege 1814 und 1870/71 in Heimarshausen. In: Jahrbuch Landkreis Kassel 2021. S. 86–89.

WeblinksBearbeiten

Commons: Heimarshausen – Sammlung von Bildern