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Berlin-Heiligensee

Ortsteil von Berlin
(Weitergeleitet von Heiligensee (Berlin))

GeografieBearbeiten

Heiligensee in seiner aktuellen Form befindet sich im Nordwesten des Bezirks Reinickendorf. Das ursprüngliche Dorf liegt auf einer Halbinsel zwischen der Havel und dem namensgebenden Heiligensee. Im Lauf der Entwicklung dehnte sich der Ortsteil längs der Havel weiter nach Süden bis zum Ortsteil Konradshöhe aus.

Die nördliche und westliche Grenze sind zugleich Grenzen von Berlin: Hier schließt sich der Landkreis Oberhavel mit den Städten Hennigsdorf (Wohnplätze Nieder Neuendorf und Stolpe-Süd) und Hohen Neuendorf (Ortsteil Stolpe) an. Auf der östlichen Seite grenzt Heiligensee an die Berliner Ortsteile Konradshöhe, Tegel und Frohnau. Heiligensee beinhaltet die kleine Ortslage Schulzendorf. Der Tegeler Forst und der Nieder Neuendorfer See bilden jeweils eine natürliche Grenze im Osten und Süden sowie im Westen.

Die Baumberge (früher auch als Der Bumberg bekannt) sind eine Besonderheit in Heiligensee. Es ist eine Binnendünenlandschaft, die zum Ende der letzten Eiszeit entstand. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Baumberge bis in die 1980er Jahre als französisches Manövergebiet benutzt. Die Franzosen waren damals alliierte Schutzmacht in Reinickendorf.

GeschichteBearbeiten

 
Wappen von Heiligensee

Die erste nachweisliche Besiedlung Heiligensees fand etwa 2000 v. Chr. durch germanische Semnonen statt. Sie wurden um 700 n. Chr. durch slawische Wenden abgelöst. Um 1230 errichteten deutsche Siedler das Straßenangerdorf Heiligensee, in dem spätestens seit 1352 ein Hof deren von Bredow mit anfangs zehn abgabenfreien Hufen dokumentiert ist (1450: 16 Hufen); die von Bredow hatten dafür dem Markgrafen Vasallendienst zu leisten. Im Jahr 1308 wurde der Ort als Hyelegense erstmals urkundlich erwähnt. Im Landbuch Karls IV. (1375) finden sich die Schreibweisen Heyligense, Heyligensee, Hilgensey und Hilgense, in dem insgesamt 61 Hufen genannt sind. Davon sind vier Pfarrhufen und sechs abgabenfreie Hufen des Lehnschulzen, der ein Lehnspferd zu halten hatte. Das Dorf hatte einen Krug, auch eine Fähre wurde ausdrücklich erwähnt. Heiligensee erlangte seit dem Ende des 14. Jahrhunderts zunehmend Bekanntheit, weil es am damals stark frequentierten Pilgerweg Berlin–Wilsnack lag.

Im Jahr 1544 erwarb Bertram von Pfuel den Großteil des Dorfes Heiligensee. Ein kleinerer Teil gehörte (vorher) dem Kaland in Spandau bzw. später dem Heilig-Geist-Hospital in Spandau. Mit der Säkularisation dieser beiden Institutionen kam der Besitztitel an das Amt Spandau. Bei der Auflösung des Amtes Mühlenbeck kam Heiligensee ganz an das Amt Spandau.

Mit der Bildung der Gemeinde Groß-Berlin gelangte Heiligensee am 1. Oktober 1920 zur deutschen Hauptstadt.

Nach dem Mauerfall zogen die alliierten Schutzmächte aus Berlin ab. Auf einem Teil früherer Militärflächen entwickelten sich Gewerbe und Landwirtschaft. Der Standort um den Bahnhof Heiligensee, auf dem sich die Firmen Tetra Pak und Underberg angesiedelt haben, soll nach einem im Jahr 2018 veröffentlichten Stadtentwicklungsplan als Gewerbe aufgegeben und zu einem Wohnquartier werden. Die genannten Firmen stellen ihre Produktion in Heiligensee ein. Auf einem sechs Hektar großen Areal ist der Bau von mindestens 600 Wohnungen vorgesehen.[1]

Im August/September 2008 beging Heiligensee mit zahlreichen Veranstaltungen sein 700-jähriges Jubiläum, meist rund um den historischen Dorfanger. Hieran erinnert eine am 12. September 2008 enthüllte Stele des Berliner Künstlers Kai Dräger mit einer Umzäunung des Kunstschmieds Jupp Kaiser.

WirtschaftBearbeiten

Bis ins 20. Jahrhundert lebten die Bewohner Heiligensees größtenteils von den Erträgen der Landwirtschaft. Davon zeugen noch heute das bewirtschaftete Südfeld an der Heiligenseestraße und das Mittelfeld in der Straße Am Dachsbau.

In den 1930er Jahren wurde die Borsig-Siedlung errichtet, in der die Arbeiter der Borsigwerke lebten.

Heutzutage füllt die Firma Underberg an der Hennigsdorfer Straße unter anderem ihren Boonekamp ab. Auf dem Nachbargelände stellte die Firma Tetra-Pak bis Ende 2013 ihre bekannten Verpackungen her.

Das ehemalige Straßenbahndepot ist das letzte Gewerbegrundstück am historischen Dorfkern von Alt-Heiligensee. Von 1989 bis 2003 hatte dort der Steinrestaurierungs- und Steinmetzbetrieb Steinforum seinen Sitz. Bis April 2009 war dort die Prometheus Projekt GmbH ansässig, ein Unternehmen, das innovative IT- und CNC-Technologie mit traditionellem Handwerk verbindet. Im Oktober 2008 wurde das Grundstück vom Liegenschaftsfonds Berlin an eine Immobilienverwaltungsgesellschaft verkauft.

KunstBearbeiten

Zwischen 1939 und 1978 lebte die bekannte Collage­künstlerin Hannah Höch in ihrem Haus An der Wildbahn 33. Im ehemaligen Straßenbahndepot am historischen Dorfanger (Alt-Heiligensee 73–75) war von 1989 bis 2008 der Künstler und Bildhauer Kai Dräger mit seinem Atelier ansässig.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

KindergärtenBearbeiten

  • Elterninitiativ-Kindertagesstätte Regenbogenkinder e. V., Sandhauser Straße 145
  • Dachskinder e. V., Am Dachsbau 3–5, Kindertagesstätte mit naturverbundenem Konzept.
  • Evangelischer Dorfkindergarten, Alt-Heiligensee 45–47
  • Evangelische Kita Waldkirche, Stolpmünder Weg 35–43
  • Montessori-Kinderhaus Zwergenstube e. V., Am Bärensprung 42
  • Kita Havelmäuse, Hennigsdorfer Straße 130
  • Elterninitiativ-Kindertagesstätte Kleine Pusteblume e. V., Am Bärensprung 36

GrundschulenBearbeiten

In Heiligensee befinden sich folgende Grundschulen:

  • die Ellef-Ringnes-Grundschule (bis 1967: 17. Grundschule) bis 2013 im Stolpmünder Weg 45. Nachdem die große Turnhalle 2013 nach Brandstiftung bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, hat die Schule ihren neuen Sitz in den Räumen der ehemaligen Heiligensee-Grundschule, Im Erpelgrund 11–17
  • die Otfried-Preußler-Grundschule (2010 aus der Heiligensee-Grundschule und der Erpelgrund-Schule zusammengelegt) in der Schulzendorfer Straße 99–101
  • die Montessori-Schule Heiligensee, Ersatzschule in freier Trägerschaft (gegründet 2012), Im Bärensprung 58, seit 2016 (vermutlich vorübergehend) in den Räumen der ehemaligen Ellef-Ringnes-Grundschule im Stolpmünder Weg 45.

OberschuleBearbeiten

Im Kurzebracker Weg 40–46 befindet sich die Albrecht-Haushofer-Oberschule, eine Sekundarschule.

DiakonieeinrichtungBearbeiten

In Schulzendorf, unweit des gleichnamigen S-Bahnhofs, befindet sich das 1966 gegründete Diakonie-Zentrum. Das Besondere an diesem Zentrum ist die soziale Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Altersklassen und Schichten. So helfen sich die Menschen mit professioneller Unterstützung gegenseitig.

Auf dem Gelände des Diakoniezentrums befindet sich seit Dezember 2010 die Demokratische Schule X (Gemeinschaftsschule in freier Trägerschaft) und die Montessorischule Heiligensee.

JustizvollzugsanstaltBearbeiten

In den ehemaligen Flak-Kasernen von 1937 in der Ruppiner Chaussee 268 befindet sich die offene Justizvollzugsanstalt Heiligensee mit über 240 Haftplätzen.

FeuerwehrBearbeiten

In Alt-Heiligensee steht mitten auf dem historischen Dorfanger die alte Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr von Heiligensee. Hier finden auch die regelmäßigen Übungen statt. Des Weiteren gibt es dort eine Jugendfeuerwehr, die am 24. März 1979 mit neun Mitgliedern und einem Jugendwart gegründet worden ist.[2]

KirchengemeindenBearbeiten

Es befinden sich drei Kirchengemeinden in Heiligensee, davon sind zwei evangelischer und eine katholischer Konfession.

  • Die Kirche St. Marien der katholischen Gemeinde befindet sich in der Schulzendorfer Straße 74–78 unweit der Otfried-Preußler-Grundschule. Die Kirche gehört seit dem 1. Juli 2004 zur katholischen Gemeinde Herz Jesu, deren Pfarrkirche und Pfarrhaus sich in Tegel befinden.
  • Die Kirche der evangelischen Matthias-Claudius-Gemeinde befindet sich in der Schulzendorfer Straße 19–21.

Die beiden anderen Kirchen, die zur evangelischen Kirchengemeinde Heiligensee gehören, befinden sich

  • auf dem Dorfanger in Alt-Heiligensee (Dorfkirche Heiligensee) und
  • in der Borsigsiedlung im Stolpmünder Weg 35–43 (Waldkirche) direkt neben der Ellef-Ringnes-Grundschule.

Weiterhin versammelt sich eine Religionsgemeinde der Zeugen Jehovas im eigenen Saal am Mattenbuder Pfad 21.

FreizeiteinrichtungenBearbeiten

In Heiligensee befinden sich zahlreiche Jugendfreizeitheime und Spielplätze. So zum Beispiel

  • das Walter-May-Schullandheim am Elchdamm in den Baumbergen,
  • das Jugendfreizeitheim auf dem Dorfanger und
  • das Freibad Heiligensee in der Sandhauser Straße 132–140.

VerkehrBearbeiten

Öffentlicher NahverkehrBearbeiten

Die Trasse der Kremmener Bahn führt durch Heiligensee, auf dem Gebiet des Ortsteils befinden sich die Bahnhöfe Schulzendorf (b Tegel) und Heiligensee. Hier verkehrt die Linie S25 der S-Bahn Berlin. Weiterhin ist Heiligensee tagsüber mit den Buslinien 124, 133 (Richtung Tegel) und 324 (Richtung Konradshöhe) sowie mit den Nachtbuslinien N24 und N22 erschlossen.

IndividualverkehrBearbeiten

Nahezu parallel zur Bahntrasse führt seit 1987 die A 111 als Europastraße 26 durch den Ortsteil. Die Anbindung erfolgt über die Anschlussstelle 3 – Schulzendorfer Straße. Bis zum Mauerfall befand sich auf Höhe der Polizeikaserne auf dieser Strecke auch der Grenzkontrollpunkt Heiligensee in die DDR.

HistorischesBearbeiten

 
Meilenstein in der Ruppiner Chaussee

Im Jahr 1840 wurde ein Meilenstein in der heutigen Ruppiner Chaussee mit der Aufschrift „II MEILEN bis BERLIN“ errichtet. Mit „Berlin“ bezog man sich seinerzeit auf das Oranienburger Tor und eine preußische Meile entspricht einer Strecke von etwa 7,53 Kilometern. Dieser Meilenstein ist noch am Aufstellort erhalten.

Im Mittelalter befuhr eine Fähre die engste Stelle des Nieder Neuendorfer Sees und verband somit die Dörfer Heiligensee und Nieder Neuendorf. Davon zeugt noch die Namensgebung der beiden Straßen: ‚Fährweg‘ auf Nieder Neuendorfer Seite und ‚Fährstraße‘ auf Heiligenseer Seite. Mit Errichtung einer Brücke in Hennigsdorf im Jahr 1506 fuhren allerdings immer seltener Menschen mit der Fähre. Das Fährrecht an dieser Stelle besteht allerdings noch.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand unter sowjetischer Besatzung eine Behelfsbrücke, die wenige Jahre später abgetragen wurde.

Am 29. Mai 1913 eröffnete die Straßenbahn der Gemeinde Heiligensee an der Havel ihren Betrieb und verband das Dorf Heiligensee mit Tegel über die damalige Kirschallee (Heiligenseestraße). Hiervon zeugt noch das alte – inzwischen unter Denkmalschutz stehende – Depot am Dorfanger (Alt-Heiligensee 73–75) und der breite Grünstreifen entlang der Heiligenseestraße. 1920 übernahm die Große Berliner Straßenbahn mit der Eingemeindung des Dorfes nach Groß-Berlin die Straßenbahn. Aufgrund der Eröffnung der U-Bahnlinie U6 in Tegel wurde die Straßenbahnlinie am 1. Juni 1958 eingestellt. Von diesem Zeitpunkt an übernahmen Omnibusse die Strecke.

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg befand sich ein kleiner Flugplatz in Schulzendorf zwischen den Straßen Im Erpelgrund und An der Wildbahn. Die Einweihung erfolgte am 19. Juli 1911. Am 29. Mai 1913 fand eine öffentliche Flugveranstaltung statt. Ende 1914 übernahm das Militär das Gelände, nutzte es aber nur kurze Zeit. 1919 wurde der Flugplatz aufgegeben und zu Siedlungsgebiet umgewandelt.[3]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gerhard Kühn: Heiligensee Chronik. 3 Bände, 1977–1982, Ev. Kirchengemeinde Berlin-Heiligensee (auszugsweise auch unter www.kg-heiligensee.de).
  • Ralf Schmiedecke: Archivbilder Reinickendorf – Berlins grüner Norden. Sutton Verlag GmbH, ISBN 3-89702-587-6.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Berlin-Heiligensee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ulrich Paul: Auf Feld und Flur. Wo Berlin wächst: Der Senat plant elf neue Wohngebiete. Die Berliner sollen mitreden. In: Berliner Zeitung, 29. Mai 2018, S. 14.
  2. Die Jugendfeuerwehr Heiligensee
  3. Verkehr zu den Berliner Flughäfen im Wandel der Zeit in Berliner Verkehrsblätter, Nr. 12/2013, S. 230