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Heilige-Geist-Kirche (Magdeburg)

nicht mehr existierendes Kirchengebäude in Magdeburg
Innenraum der Heilig-Geist-Kirche nach ihrem Wiederaufbau 1951

Die Heilige-Geist-Kirche (Kirche Sankt Spiritus) war eine Kirche im Magdeburger Stadtteil Altstadt.

GeschichteBearbeiten

Die Grundsteinlegung für den Bau einer Heilige-Geist-Kapelle erfolgte um 1214. Zu diesem Zeitpunkt hatte die vermögende Magdeburger Gewandschneiderinnung auch ein gleichnamiges Hospital errichtet.

1288 wurde südlich dieser Kapelle eine weitere Kapelle (Sankt Anna), finanziert durch fünf Gewandschneider, errichtet. Es erfolgten mehrere Erweiterungen, in deren Folge 1490 erstmals die Heilige-Geist-Kirche erwähnt wurde.

Ab dem Jahr 1524 wurde diese Kirche Pfarrkirche für eine neu gebildete, reformierte Gemeinde. Bei der Erstürmung Magdeburgs durch kaiserliche Truppen unter Tilly am 10. Mai 1631 (20. Mai nach gregorianischem Kalender) brannte die Kirche nieder. Nach Um- und Wiederaufbau wurde sie ab 1693 wieder genutzt. 1752 wurde das Epitaph des Magdeburger Unternehmers und Regierungsrats Gottlieb von Haeseler in der Heilige-Geist-Kirche errichtet.

In der Kirche wurde der Komponist Georg Philipp Telemann getauft. 1778 wurde Georg Heinrich Berkhan Diakon an der Heilige-Geist-Kirche. Von 1786 bis 1800 war Konrad Gottlieb Ribbeck, späterer erster Ehrenbürger Berlins, Pastor der Kirche. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Komponist Rudolph Palme als Organist in der Kirche tätig.

 
Ruine der Heilige-Geist-Kirche im Oktober 1950

Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche 1945 stark beschädigt. Nach dem ab 1948 erfolgten Wiederaufbau fanden ab 1950 wieder Gottesdienste statt. Die Kirche stand dann jedoch vermeintlich dem sozialistischen Wiederaufbau der Stadt im Wege. Nach einem letzten Gottesdienst am 30. März 1959 erfolgte Ende Mai 1959 die Sprengung der Kirche. Eine 1957 von der Firma A. Schuster & Sohn (Zittau) ursprünglich für diese Kirche gebaute, zweimanualige Orgel mit 27 Registern und elektropneumatischer Traktur wurde aufgrund der geplanten Sprengung im – für diese Orgel viel zu großen – Dom aufgestellt, weil es dort seit 1945 überhaupt keine funktionsfähige Orgel mehr gab. Nachdem dort 1970 eine Schuke-Orgel mit 37 Registern eingeweiht werden konnte, stellte man die Schuster-Orgel im Jahr 1975 unter Verzicht auf das Register „Offenbaß 16′“ und die großen Oktaven der Hauptwerksprincipale 4′ und 8′ sowie ohne Prospekt in der Nikolaikirche in der Neuen Neustadt dauerhaft auf.[1] An der Stelle der Heilig-Geist-Kirche (heutige Goldschmiedebrücke Höhe Regierungsstraße) steht heute zur Erinnerung ein kleines Modell der Kirche.

GestaltungBearbeiten

Auf der Westseite befand sich ein kleiner Turm, mit einem schlanken in Zwiebelspitzform versehenen Turmhelm. Das Mittelschiff wies ein gotisches Gewölbe auf, welches mit einem Sternenmuster verziert war.

In der Kirche befand sich die Erbgruft einer bürgerlichen Familie, die zu den Magdeburger Sehenswürdigkeiten gehörte und besichtigt werden konnte. Es handelte sich um die älteste und größte erhaltene Gruft dieser Art. Bei der Sprengung der Kirche ging auch sie verloren.

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Joachim Krenzke: Kirchen und Klöster zu Magdeburg. Magdeburg 2000.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Heilige-Geist-Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. www.orgelbau-welde.de

Koordinaten: 52° 7′ 45,8″ N, 11° 38′ 15,4″ O