Hauptmenü öffnen

Heike Schrader (Journalistin)

deutsche Journalistin
(Weitergeleitet von Heike Schrader)

Heike Schrader (* 1965)[1] ist eine in Griechenland lebende deutsche Journalistin. Ihr wurde zunächst die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Für eine Mitgliedschaft Schraders in der DHKP-C, einer später[1] als terroristisch eingestuften türkischen Organisation gab es keine Beweise. Wegen Unterstützung einer terroristischen Organisation wurde sie auf Bewährung verurteilt.[2]

Inhaltsverzeichnis

HintergrundBearbeiten

Schrader sagte, sie sei zwischen 1996 und 1998 in einem Kölner Menschenrechtszentrum aktiv gewesen und habe im Zuge dieser Tätigkeit Kontakte zur DHKP-C gehabt.[1] Schrader veröffentlichte Artikel über die Zustände in der Türkei, übersetzte Texte aus dem Türkischen ins Deutsche und hatte einen politisch linksgerichteten Verlag gegründet.[2] Sie gab unter anderem eine Zeitschrift heraus, die gemeinsam mit der DHKP-C im August 1998 in Deutschland verboten wurde.[3] Aus den Kontakten zur DHKP-C zog die Bundesanwaltschaft den Schluss, Schrader habe „mehrfach an Treffen hochrangiger Funktionäre“ der DHKP-C teilgenommen, bei denen die „Planung und Vorbereitung von Brandstiftungs- und Tötungsdelikten“ im Mittelpunkt gestanden habe und stellte 2001 gegen Schrader einen Haftbefehl aus.

2005 wurde dieser neu gefasst und Schrader international zur Fahndung ausgeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt schrieb Schrader bereits – neben anderen Medien – für Telepolis und die junge Welt und war sowohl in Griechenland als auch in Deutschland gemeldet. Durch ihre Behördeninformation hat sie sich keiner Strafverfolgung entzogen und wurde nicht von dem Haftbefehl informiert. Zuletzt war sie nach ihrer Aussage in Deutschland im März 2007 auf Veranstaltungen unterwegs, wobei ihr Name in Medien publiziert und auf Plakaten gedruckt wurde.[1][4][5]

Ende 2007 folgte sie einer Einladung des Pahl-Rugenstein Verlags zur Vorstellung des von ihr ins Deutsche übersetzten Buches „Guantanamo auf griechisch: Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat“ von Savvas Xiros. Xiros war Mitglied der Stadtguerilla 17. November. Er wurde 2002 in Griechenland verhaftet und berichtet in diesem Buch, er sei nach seiner Festnahme schwer verletzt auf der Intensivstation gefoltert und zu Aussagen gezwungen worden. Beim Verlassen des Flugzeugs auf dem rheinischen Flughafen wurde Schrader verhaftet und in eine Bonner Justizvollzugsanstalt überstellt.[3] Am folgenden Tag wurde sie dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt, der den Haftbefehl gegen Auflagen aussetzte. Der Pahl-Rugenstein Verlag hinterlegte die Kaution von 5.000 Euro. Schrader musste ihren Pass abgeben, sich wöchentlich bei der Polizei melden, durfte die Bundesrepublik nicht verlassen und ihre Wohnung in Athen und ihren griechischen Ehemann nicht aufsuchen.[1]

In Schraders legaler Pressearbeit und organisatorischer Hilfe sah das Oberlandesgericht Düsseldorf eine Unterstützung einer terroristischen Organisation.[6] Eine Mitgliedschaft in der DHKP-C konnte Schrader nicht nachgewiesen werden. Schrader wurde zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 10 Monaten verurteilt, die auf 3 Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.[2]

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Aufstand einer Generation. In: Willi Baer, Carmen Bitsch (Hg.): Schrei im Dezember, Hamburg, 2010, S. 23–36

ÜbersetzungenBearbeiten

  • Savvas Xiros: Guantanamo auf griechisch: Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat, Pahl-Rugenstein, 1. Auflage, 10. Dezember 2007, 129 Seiten, ISBN 9783891443941

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Harald Neuber: 129a: Lesereise hinter Gitter – Wie die Telepolis-Autorin Heike Schrader ins Visier des Staatsschutzes geriet, Telepolis vom 13. Dezember 2007
  2. a b c Peter Nowak: Bewährungsstrafe für Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, Telepolis vom 10. Dezember 2008
  3. a b Harald Neuber: Terroranklage gegen Journalistin: Auslandskorrespondentin Heike Schrader im Visier der Staatsschützer, M – Menschen Machen Medien, Nr. 01/02 2008
  4. Christian Rath: Anklage aus einem früheren Leben, taz vom 8. Dezember 2008
  5. Christian Rath: Journalistin unter Terrorverdacht, taz, 13. Dezember 2007
  6. Harald Neuber: Terrordelikt Pressearbeit. Urteil im Fall Schrader: Ende eines fragwürdigen Prozesses, M – Menschen Machen Medien, Nr. 01/02 2009