Hehlrath

Stadtteil von Eschweiler in der Städteregion Aachen, Nordrhein-Westfalen

Hehlrath ist ein nordwestlicher Stadtteil von Eschweiler in der Städteregion Aachen in Nordrhein-Westfalen und bildet einen Doppelstadtteil mit Kinzweiler.

Hehlrath
Koordinaten: 50° 50′ 19″ N, 6° 14′ 22″ O
Höhe: 160 m
Einwohner: 1314 (31. Dez. 2018)[1]
Postleitzahl: 52249
Vorwahl: 02403
Pfarrkirche St. Cäcilia
Blausteinhaus Ecke Velauer Straße / Oberstraße
Ehrenfriedhof

GeschichteBearbeiten

Der Schöffe "Gerardus de Helrode" wird in zwei voneinander unabhängigen Quellen erwähnt[2]: in einer Urkunde des Aachener Gerichts vom 22. November 1219 und im Totenbuch des Aachener Marienstifts, wo (ca. 1234) eine Stiftung anlässlich seines Todes notiert ist Schöffe. Seine 1214 in Brabant genannten Vorgänger waren "Deyso und Joannis de Helrode, seine Nachfahren (auch als Schöffen in Aachen tätig) waren Conradus de Helrode (1234), Rutcherius de Helrode (1252), Tochter Margaretha de Helrode (verheiratet mit Gerard de Punt (Pont; Aachen: vgl. Ponttor)), Rikald de Helrode gen. von Koettingen und dessen Sohn Jordan, der eine Fehde gegen die Stadt Aachen führte. Das Helroder Geschlecht führte ein Wappen mit drei Steinhämmern – analog zu den drei alten Steingruben auf dem Hohen Berg in Richtung Merzbrück und Haaren, wo sie nachweislich Besitztum hatten. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung Hehlraths. Noch bis zum Jahr 1506, als der Altar der ersten Kapelle durch den Kölner Weihbischof Theoderich konsekriert wurde, mussten die Hehlrather nach Lohn zum Gottesdienst. 1787 wurde die baufällige Kirche abgerissen und durch eine neue Kirche ersetzt, deren Hauptschiff bis heute steht. Zur selbstständigen Pfarre wurde Hehlrath im Jahr darauf erhoben – mit den Patroninnen Hl. Cäcilia und Hl. Thekla. 1831 wurde mit dem Bau eines Schulhauses begonnen, das nicht vollendet wurde. 1932 wurde die Kirche um den Vorbau erweitert, und am 2. Februar 1985 wurde das Pfarrheim eingeweiht.

Hehlrath gehörte vom 18. Jahrhundert bis 1859 zu Eschweiler, bildete von 1859 bis 1972 zusammen mit Kinzweiler und St. Jöris die aus Eschweiler ausgegliederte Gemeinde Kinzweiler im Landkreis Aachen und kam am 1. Januar 1972 zusammen mit Kinzweiler und St. Jöris wieder zu Eschweiler.[3] Postleitzahl von 1961 bis 1972 war 5181 Hehlrath (über Eschweiler). 1950 fiel der alte Ortsteil Velau dem Braunkohlebagger zum Opfer. Mit großer Resonanz feierte der Ort mit allen Vereinen im Jahr 2019 sein 800-jähriges Bestehen.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Entwicklung Jahr Einwohner
2013 1.294
2014 1.303
2015 1.311
2016 1.312
2017 1.324
2018 1.314

Quelle: [1]. Werte jeweils zum 31. Dezember des Jahres.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Sehenswert ist vor allem die unter Denkmalschutz stehende Pfarrkirche St. Cäcilia mit ihrem barocken Hochaltar aus dem Kapuzinerkloster Aldenhoven, 17. Jahrhundert.[4]

Karnevalssymbol Hehlraths ist die Kuh „Billa“, deren Denkmal gegenüber dem Ehrenfriedhof an der Oberstraße steht.

Der Spielmannszug Hehlrath wurde im Jahre 1920 gegründet und zählt dadurch zu einem der ältesten Spielmannszüge im Stadtgebiet.

VerkehrBearbeiten

Die beiden Bushaltestellen Schwarzwaldstraße und Westerwaldstraße werden von der Linie 28 (Hücheln/Weisweiler – Eschweiler Bushof – Röhe – Hehlrath – Kinzweiler – Hoengen – Alsdorf) und der Linie EW 6 (St. Jöris Bf. – St. Jöris Kirche – Kinzweiler Pferdegasse – Kinzweiler Kambach – Hehlrath Westerwaldstraße – Hehlrath Schwarzwaldstraße) bedient. Auf der Linie EW 6 besteht das ALT-Konzept.[5] Die nächsten Autobahnanschlüsse sind Eschweiler-West (5a) auf der A 4 und Alsdorf (5b) auf der A 44. Die nächsten Bahnhöfe sind Eschweiler-St. Jöris der Euregiobahn und Eschweiler Hbf an der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen.

Söhne und Töchter des OrtsBearbeiten

KuriosesBearbeiten

In früheren Jahrhunderten waren die Bewohner von Hehlrath aus unbekannten Gründen als Hexenmeister verschrien. Vor allem sollen Mitglieder einzelner Bauernfamilien die Fähigkeit besessen haben, sich in Werwölfe zu verwandeln. Hintergrund dieser vor allem im benachbarten Ort Kinzweiler gern erzählten Sage ist vermutlich der in vielen Teilen des Rheinlandes verbreitete Brauch der jungen Männer, beim Freien um die Mädchen jede unerwünschte Konkurrenz aus anderen Dörfern dadurch fernzuhalten, dass man den Nebenbuhlern nachts auf den Rücken sprang, sich wie ein reißender Wolf aufführte und den Burschen aus dem Nachbardorf gründlich verprügelte oder in einen Bach stieß. Da die Furcht vor Werwölfen im Gebiet an der Inde weit verbreitet war, glaubte der Überfallene durchaus, er sei Opfer einer Attacke durch ein solches Zauberwesen geworden und hütete sich, noch einmal zu seinem Schatz in Hehlrath zu gehen. Siehe auch: Juffer.

LiteraturBearbeiten

  • Peter Kremer: Wo das Grauen lauert: Erschröckliche Geschichten von Blutsaugern und kopflosen Reitern von Werwölfen und Wiedergängern an Inde, Erft und Rur. PeKaDe-Verlag, Düren 2003, ISBN 3-929928-01-9.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Statistischer Jahresbericht der Stadt Eschweiler 2018. (PDF; 2 MB) Einwohnerzahlen nach Stadtteilen – Gesamtzahl. In: Stadt Eschweiler. 31. Oktober 2019, S. 13;.
  2. Heinz-Theo Frings und Nikolaus Müller: 800 Jahre Hehlrath in Eschweiler bei Aachen 1219 – 2019, Chronik der Dorfgeschichte Hehlraths und seiner Bewohner. Alsdorf 2019, ISBN 978-3-937062-66-2 (vergriffen)
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 305.
  4. Heinz-Theo Frings: Der Hehlrather Barockaltar des ehemaligen Kapuzinerklosters Aldenhoven. Forum Jülicher Geschichte Band 70, Veröffentlichungen der Joseph-Kuhl-Gesellschaft zur Geschichte der Stadt Jülich und des Jülicher Landes, herausgegeben von Günter Bers und Dieter P. J. Wynands, Jülich 2016, S. 14 – 27 (ISBN 978-3-943568-16-5)
  5. Fahrplan Linie EW 6 (ASEAG). (PDF; 168,6 kB) In: Linienfahrpläne des Aachener Verkehrsverbund. 31. Oktober 2019;.