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Heftrich

Stadtteil von Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis

Heftrich ist ein Stadtteil von Idstein im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis. Nach der Kernstadt Idstein und Wörsdorf ist Heftrich mit rund 1600 Einwohnern der drittgrößte der elf Idsteiner Stadtteile.

Heftrich
Stadt Idstein
Wappen der früheren Gemeinde Heftrich
Koordinaten: 50° 13′ 14″ N, 8° 20′ 1″ O
Höhe: 321 m ü. NHN
Fläche: 12,27 km²[1]
Einwohner: 1563 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65510
Vorwahl: 06126
Kirche Heftrich
Kirche Heftrich

Geographische LageBearbeiten

Heftrich liegt östlich der Kernstadt Idstein in einer Talmulde im Quellgebiet des Schlabachs, einem linken südlichen Zufluss des Emsbachs bei Esch, an der Wasserscheide zwischen Lahn und Main im östlichen Hintertaunus. Auf dieser Wasserscheide im Süden der Gemarkung verläuft der Römische Limes. Hier liegt mit rund 351 Meter Höhe einer der niedrigsten Übergänge über den zentralen Taunushauptkamm. Genau an diesem Übergang wurde seinerzeit das römische Kastell Alteburg errichtet.

Heftrich grenzt im Norden an die Waldemser Stadtteile Esch und Bermbach (Rheingau-Taunus-Kreis), im Osten an den Idsteiner Stadtteil Kröftel (Rheingau-Taunus-Kreis), im Südosten an den Glashüttener Gemeindeteil Schloßborn (Hochtaunuskreis), im Süden an den Eppsteiner Stadtteil Ehlhalten (Main-Taunus-Kreis), im Südwesten an den Idsteiner Stadtteil Lenzhahn, sowie im Westen an die Kernstadt Idstein.

GeschichteBearbeiten

Heftrich, beziehungsweise seine Kirche, wurde erstmals im Jahre 1234 in einem Patronatsstreit genannt.[3] Im Jahre 1367 erlangte Heftrich Stadtrechte, die bis 1775 bestanden.

Zwischen 1912 und 1925 wurde in Heftrich aufgrund von Erzfunden ein Blei- und Kupferbergwerk betrieben, das jedoch aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt wurde.

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Heftrich unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Heftercho (1234)
  • Heftriche (1247)
  • Heftherich (1320)
  • Heftrich (1342)
  • Hefterich (1368)
  • Hefftrich (1406)
  • Helfferich (1421)
  • Hestrich (1475)
  • Hefftdrich (1569)
  • Heffterich (1600/20)

GebietsreformBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich die Gemeinde Heftrich am 31. Dezember 1971 freiwillig der Stadt Idstein an.[4] Für den Stadtteil Heftrich wurde, wie für alle Stadtteile, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[5]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Alteburger Markgelände
 
Willy-Mohr-Halle

BauwerkeBearbeiten

Für die Kulturdenkmäler des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Heftrich.

Die Gemarkung Heftrich wurde vom 86 n. Chr. begonnenen Limes durchzogen. Der Ort Heftrich lag auf der germanischen Seite. Südlich von Heftrich befand sich das Kastell Alteburg, von dem jedoch keine Reste mehr ersichtlich sind. Auf dem Gelände dieses Limeskastells findet dreimal jährlich der überregional bekannte Alteburger Markt statt.[6]

Die evangelische Kirche wurde von 1737 bis 1739 in der Bauform einer Querkirche[7] errichtet.

In der Willi-Mohr-Halle hängt eine Scheibe der Schinderhannes-Eiche, die, über 300 Jahre alt, 1975 gefällt wurde. Unter anderem soll der Schinderhannes im Jahre 1801 seinen berühmten Erpresserbrief an den Fuchsmüller unter dem am Weg nach Born (heute Glashütten-Schloßborn) befindlichen Baum geschrieben haben.[8]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Das jährlich am 1. Mai stattfindende Radrennen Rund um den Henninger Turm, das ein Ein-Tages-Rennen ist, führt von Eppstein kommend über den Heftricher Kreisel weiter nach Kröftel.

Ebenfalls jährlich, jedoch an Christi Himmelfahrt, findet das vom SV Heftrich ausgerichtete Fußballturnier für Hobbymannschaften statt.

Ein weiteres großes Fest in Heftrich ist die im Herbst stattfindende Kerb, die mit zwei Kerbeumzügen und einem kleinen Jahrmarkt begangen wird. Die Kerb wird mit dem traditionellen Fackelzug am Freitagabend eingeläutet.

Neben dem deutlich größeren Idsteiner Weihnachtsmarkt veranstaltet auch Heftrich einen eigenen, kleineren Weihnachtsmarkt, auf dem die örtlichen Organisationen (Vereine, Schule und Kindergärten, sowie Lokale) ausstellen.

KriegerdenkmaleBearbeiten

Gegenüber Schule und Friedhof befinden sich drei Kriegerdenkmale. Links befindet sich das Denkmal für den Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 und die Reichsgründung. Das von einem Adler gekrönte Denkmal nennt die Namen der Heftricher Gefallenen und zeigt die Inschrift "Aus Kampfes Nacht – Der Sonne gleich – Stieg auf mit Macht – Das Deutsche Reich". An die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert ein schwarzer Obelisk. In der Mitte befindet sich wuchtig aus Beton das Mahnmal an die Toten des Zweiten Weltkriegs.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Die verkehrsgünstige Lage hat Heftrich zu einem Straßenknotenpunkt werden lassen. In der West-Ost-Richtung führt die Landesstraße L 3023, teilweise als Südumfahrung, von der Kernstadt Idstein her weiter nach Kröftel und Oberems im Osten mit einem Abzweig nach Nieder-Oberrod als Kreisstraße K 717. Nach der Alteburg, nach Lenzhahn und Oberseelbach in südwestliche Richtung geht die L 3273. Nach Ehlhalten im Süden und Esch im Norden geht die L 3011. Kurz vor Esch zweigt die K 715 nach Bermbach ab. Nördlich von Bermbach und durch Esch verläuft die B 275, über die Heftrich unter Umfahrung der Kernstadt an die westlich von Idstein verlaufende Bundesautobahn 3 angebunden ist.

BildungBearbeiten

1838/39 wurde das klassizistische Schulgebäude errichtet. Genutzt wurden die Steine der ehemaligen Stadtmauer, die wiederum aus Resten des Römerkastells erbaut wurde. Seit Ende der 1960er Jahre bildet die Schule eine Mittelpunktgrundschule. Die notwendigen zusätzlichen Räume wurden in einem Neubau hinter dem klassizistischen Altbau gebaut. Der Altbau wurde 1993/94 saniert. Die Grundschule von Heftrich trägt den Namen Alteburgschule Heftrich.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Rudolf Dauber (1899–1980), Politiker und Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz
  • Willi Mohr, Heftricher Bürgermeister von 1952 bis zur Eingliederung in die Stadt Idstein 1971, Namenspatron der Willi-Mohr-Halle
  • Johann Martin Wenck (1704–1761), Pädagoge
  • Cäcilie Zeitlose Wicht (1626–1676), Tochter des verstorbenen Pfarrers Johann Wendelin Rhod zu Dachsenhausen, Frau des Pfarrers Johannes Wicht aus Heftrich, letztes Heftricher Hinrichtungsopfer der Hexenverfolgung in Idstein 1676.[9]
  • Andreas Hornig (1980-), ehemaliger Basketball Profisportler

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Heftrich, Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Zahlen-Daten-Fakten. In: Webauftritt. Stadt Idtein, archiviert vom Original; abgerufen im März 2019.
  3. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 205.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  5. Hauptsatzung. (PDF;; 36; kB) §; 5. In: Webauftritt. Stadt Idstein, abgerufen im Februar 2019.
  6. Alteburger Markt bei Heftrich online
  7. Kathrin Ellwardt: Kirchenbau zwischen evangelischen Idealen und absolutistischer Herrschaft. Die Querkirchen im hessischen Raum vom Reformationsjahrhundert bis zum Siebenjährigen Krieg. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-34-0
  8. Schinderhanneseiche auf Heftrich Online
  9. Biographie der Cäcilie Wicht auf den Seiten der Kirchengemeinden Heftrich