Heftrich

Stadtteil von Idstein im Rheingau-Taunus-Kreis

Heftrich ist ein Stadtteil von Idstein im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis. Nach der Kernstadt Idstein und Wörsdorf ist Heftrich mit rund 1500 Einwohnern der drittgrößte der elf Idsteiner Stadtteile.

Heftrich
Stadt Idstein
Wappen der früheren Gemeinde Heftrich
Koordinaten: 50° 13′ 14″ N, 8° 20′ 1″ O
Höhe: 321 m ü. NHN
Fläche: 12,27 km²[1]
Einwohner: 1554 (30. Jun. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65510
Vorwahl: 06126
Kirche Heftrich
Kirche Heftrich

Geographische LageBearbeiten

Heftrich liegt östlich der Kernstadt Idstein in einer Talmulde im Quellgebiet des Schlabachs, einem linken südlichen Zufluss des Emsbachs bei Esch, an der Wasserscheide zwischen Lahn und Main im östlichen Hintertaunus. Auf dieser Wasserscheide im Süden der Gemarkung verläuft der Römische Limes. Hier liegt mit rund 351 Meter Höhe einer der niedrigsten Übergänge über den zentralen Taunushauptkamm. Genau an diesem Übergang wurde seinerzeit das römische Kastell Alteburg errichtet.

Heftrich grenzt im Norden an die Waldemser Stadtteile Esch und Bermbach (Rheingau-Taunus-Kreis), im Osten an den Idsteiner Stadtteil Kröftel (Rheingau-Taunus-Kreis), im Südosten an den Glashüttener Gemeindeteil Schloßborn (Hochtaunuskreis), im Süden an den Eppsteiner Stadtteil Ehlhalten (Main-Taunus-Kreis), im Südwesten an den Idsteiner Stadtteil Lenzhahn, sowie im Westen an die Kernstadt Idstein.

GeschichteBearbeiten

Heftrich, beziehungsweise seine Kirche wurde, als älteste bekannte Erwähnung, im Jahre 1234 in einem Patronatsstreit genannt.[3] Im Jahre 1367 erlangte Heftrich Stadtrechte, die bis 1775 bestanden.

Zwischen 1912 und 1925 wurde in Heftrich aufgrund von Erzfunden ein Blei- und Kupferbergwerk betrieben, das jedoch aus wirtschaftlichen Gründen wieder eingestellt wurde.

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Heftrich unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Heftercho (1234)
  • Heftriche (1247)
  • Heftherich (1320)
  • Heftrich (1342)
  • Hefterich (1368)
  • Hefftrich (1406)
  • Helfferich (1421)
  • Hestrich (1475)
  • Hefftdrich (1569)
  • Heffterich (1600/20)

GebietsreformBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich die bis dahin selbständige Gemeinde Heftrich am 31. Dezember 1971 freiwillig der Stadt Idstein an.[4] Für den Stadtteil Heftrich wurde, wie für alle Stadtteile von idstein, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.[5]

BevölkerungBearbeiten

Einwohnerentwicklung

Heftrich: Einwohnerzahlen von 1821 bis 2020
Jahr  Einwohner
1821
  
409
1834
  
498
1840
  
511
1846
  
579
1852
  
617
1858
  
627
1864
  
628
1871
  
661
1875
  
671
1885
  
678
1895
  
669
1905
  
641
1910
  
638
1925
  
652
1939
  
632
1946
  
906
1950
  
920
1956
  
807
1961
  
836
1967
  
994
1970
  
1.014
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.422
2014
  
1.553
2020
  
1.554
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Stadt Idstein:[6][2]; Zensus 2011[7]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1895: 673 evangelische (= 99,25 %), 4 katholische (= 0,59 %), ein jüdischew (= 0,15 %) Einwohner
• 1961: 700 evangelische (= 83,73 %), 132 katholische (= 15,79 %) Einwohner

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Alteburger Markgelände
 
Willy-Mohr-Halle

BauwerkeBearbeiten

Für die Kulturdenkmäler des Ortes siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Heftrich.

Die Gemarkung Heftrich wurde vom 86 n. Chr. begonnenen Limes durchzogen. Der Ort Heftrich lag auf der germanischen Seite. Südlich von Heftrich befand sich das Kastell Alteburg, von dem jedoch keine Reste mehr ersichtlich sind. Auf dem Gelände dieses Limeskastells findet dreimal jährlich der überregional bekannte Alteburger Markt statt.[8]

Die evangelische Kirche wurde von 1737 bis 1739 in der Bauform einer Querkirche[9] errichtet.

In der Willi-Mohr-Halle hängt eine Scheibe der Schinderhannes-Eiche, die, über 300 Jahre alt, 1975 gefällt wurde. Unter anderem soll der Schinderhannes im Jahre 1801 seinen berühmten Erpresserbrief an den Fuchsmüller unter dem am Weg nach Born (heute Glashütten-Schloßborn) befindlichen Baum geschrieben haben.[10]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Das jährlich am 1. Mai stattfindende Radrennen Rund um den Henninger-Turm, das ein Ein-Tages-Rennen ist, führt von Eppstein kommend über den Heftricher Kreisel weiter nach Kröftel.

Ebenfalls jährlich, jedoch an Christi Himmelfahrt, findet das vom SV Heftrich ausgerichtete Fußballturnier für Hobbymannschaften statt.

Ein weiteres großes Fest in Heftrich ist die im Herbst stattfindende Kerb, die mit zwei Kerbeumzügen und einem kleinen Jahrmarkt begangen wird. Die Kerb wird mit dem traditionellen Fackelzug am Freitagabend eingeläutet.

Neben dem deutlich größeren Idsteiner Weihnachtsmarkt veranstaltet auch Heftrich einen eigenen, kleineren Weihnachtsmarkt, auf dem die örtlichen Organisationen (Vereine, Schule und Kindergärten, sowie Lokale) ausstellen.

KriegerdenkmaleBearbeiten

Gegenüber Schule und Friedhof befinden sich drei Kriegerdenkmale. Links befindet sich das Denkmal für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und die Reichsgründung. Das von einem Adler gekrönte Denkmal nennt die Namen der Heftricher Gefallenen und zeigt die Inschrift "Aus Kampfes Nacht – Der Sonne gleich – Stieg auf mit Macht – Das Deutsche Reich". An die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnert ein schwarzer Obelisk. In der Mitte befindet sich wuchtig aus Beton das Mahnmal an die Toten des Zweiten Weltkriegs.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Die verkehrsgünstige Lage hat Heftrich zu einem Straßenknotenpunkt werden lassen. In der West-Ost-Richtung führt die Landesstraße L 3023, teilweise als Südumfahrung, von der Kernstadt Idstein her weiter nach Kröftel und Oberems im Osten mit einem Abzweig nach Nieder-Oberrod als Kreisstraße K 717. Nach der Alteburg, nach Lenzhahn und Oberseelbach in südwestliche Richtung geht die L 3273. Nach Ehlhalten im Süden und Esch im Norden geht die L 3011. Kurz vor Esch zweigt die K 715 nach Bermbach ab. Nördlich von Bermbach und durch Esch verläuft die B 275, über die Heftrich unter Umfahrung der Kernstadt an die westlich von Idstein verlaufende Bundesautobahn 3 angebunden ist.

BildungBearbeiten

1838/39 wurde das klassizistische Schulgebäude errichtet. Genutzt wurden die Steine der ehemaligen Stadtmauer, die wiederum aus Resten des Römerkastells erbaut wurde. Seit Ende der 1960er Jahre bildet die Schule eine Mittelpunktgrundschule. Die notwendigen zusätzlichen Räume wurden in einem Neubau hinter dem klassizistischen Altbau gebaut. Der Altbau wurde 1993/94 saniert. Die Grundschule von Heftrich trägt den Namen Alteburgschule Heftrich.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Rudolf Dauber (1899–1980), Politiker und Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz
  • Willi Mohr, Heftricher Bürgermeister von 1952 bis zur Eingliederung in die Stadt Idstein 1971, Namenspatron der Willi-Mohr-Halle
  • Johann Martin Wenck (1704–1761), Pädagoge
  • Cäcilie Zeitlose Wicht (1626–1676), Tochter des verstorbenen Pfarrers Johann Wendelin Rhod zu Dachsenhausen, Frau des Pfarrers Johannes Wicht aus Heftrich, letztes Heftricher Hinrichtungsopfer der Hexenverfolgung in Idstein 1676.[11]
  • Andreas Hornig (* 1980), ehemaliger Basketball Profisportler

WeblinksBearbeiten

Commons: Heftrich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Heftrich, Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Zahlen-Daten-Fakten. In: Webauftritt. Stadt Idtein, abgerufen im Dezember 2020.
  3. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 205.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 36; kB) §; 5. In: Webauftritt. Stadt Idstein, abgerufen im Februar 2019.
  6. Zahlen-Daten-Fakten. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Stadt Idtein, archiviert vom Original; abgerufen im Dezember 2020.
  7. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,9 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  8. Alteburger Markt bei Heftrich online
  9. Kathrin Ellwardt: Kirchenbau zwischen evangelischen Idealen und absolutistischer Herrschaft. Die Querkirchen im hessischen Raum vom Reformationsjahrhundert bis zum Siebenjährigen Krieg. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2004, ISBN 3-937251-34-0
  10. Schinderhanneseiche auf Heftrich Online
  11. Biographie der Cäcilie Wicht auf den Seiten der Kirchengemeinden Heftrich