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Hedwig Röckelein (* 13. Juli 1956 in Burgebrach) ist eine deutsche Historikerin.

Hedwig Röckelein studierte von 1975 bis 1981 Germanistik, Geschichte, Politik sowie ur- und frühgeschichtliche Archäologie an den Universitäten Würzburg und Freiburg im Breisgau. Im Jahr 1985 wurde sie bei Hagen Keller an der Universität Freiburg mit einer Dissertation über hochmittelalterliche lateinische Visionstexte promoviert. Die Arbeit erschien 1987 unter dem Titel Otloh, Gottschalk, Tnugdal – Individuelle und kollektive Visionsmuster des Hochmittelalters. Von 1985 bis 1989 erstellte sie im Rahmen des DFG-Programms „Erfassung der Handschriftenbestände in der Bundesrepublik Deutschland“ einen Katalog der lateinischen Handschriften an der Universitätsbibliothek Tübingen. Von 1990 bis 1998 war sie Hochschulassistentin an der Universität Hamburg. Von 1995 bis 1997 hatte sie ein Habilitationsstipendium der DFG. Im Jahr 1996 erhielt sie das Stipendium des Aby-Warburg-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg. In Hamburg erfolgte auch ihre Habilitation mit der Arbeit Reliquientranslationen nach Sachsen im 9. Jahrhundert. Über Kommunikation, Mobilität und Öffentlichkeit im Frühmittelalter.[1] Seit 1999 lehrt sie als Professorin für Mittlere und Neuere Geschichte an der Georg-August-Universität Göttingen. Dort ist sie seit 2007 Leiterin des Diplomatischen Apparates, einer seit dem Jahre 1802 bestehenden Lehrsammlung von Originalurkunden.

Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Frauen- und Geschlechtergeschichte des Mittelalters, Medien und Kommunikation im Mittelalter und die Mittelalterliche Visionsliteratur. Röckelein initiierte 2005 eine Datenbank zu mittelalterlichen Frauenklöstern in Europa, die zwischen 400 und 1600 gegründet wurden, unter dem Titel „Female Monasticisms Database“ (FemMoData).[2]

Röckelein wurden aufgrund ihrer Forschungen einige Auszeichnungen und Mitgliedschaften verliehen. Sie war 1999 als Research Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien nominiert. In den akademischen Jahren 2003/2004 war sie Gastprofessorin an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Im Juni 2008 und von Januar bis März 2009 war sie als Senior Research Fellow am Collegium Budapest. Sie ist Mitglied der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Im Januar 2008 wurde sie zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gewählt. Seit 2008 führt sie den Vorsitz in der Leitungskommission der Arbeitsstelle Germania Sacra bei der Göttinger Akademie der Wissenschaften.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

Monografien

  • Schriftlandschaften, Bildungslandschaften und religiöse Landschaften des Mittelalters in Norddeutschland (= Wolfenbütteler Hefte. Bd. 33). Harrassowitz, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-447-10393-0.
  • Reliquientranslationen nach Sachsen im 9. Jahrhundert. Über Kommunikation, Mobilität und Öffentlichkeit im Frühmittelalter (= Francia. Beihefte der Francia. Bd. 48). Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-7442-5 (Zugleich: Hamburg, Universität, Habilitations-Schrift, 1997/1998), Digitalisat (PDF; 19,28 MB).
  • Otloh, Gottschalk, Tnugdal. Individuelle und kollektive Visionsmuster des Hochmittelalters (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Bd. 319). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1987, ISBN 3-8204-9512-6 (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Universität, Dissertation, 1985: Otloh, Mönch von S. Emmeram, Gottschalk, der Bauer aus Holstein, und Tnugdal, der irische Ritter.).

Herausgeberschaften

  • 100 Jahre Germania Sacra. Kirchengeschichte schreiben vom 16. bis zum 21. Jahrhundert (= Studien zur Germania Sacra. Neue Folge 8). De Gruyter Akademie Forschung, Berlin/Boston 2018, ISBN 978-3-11-061958-4.
  • Der Gandersheimer Schatz im Vergleich. Zur Rekonstruktion und Präsentation von Kirchenschätzen (= Studien zum Frauenstift Gandersheim und seinen Eigenklöstern. Bd. 4). Unter Mitarbeit von Thorsten Henke und Maria Julia Hartgen. Schnell + Steiner, Regensburg 2013, ISBN 3-7954-2638-3.
  • Frauenstifte, Frauenklöster und ihre Pfarreien (= Essener Forschungen zum Frauenstift. Bd. 7). Klartext-Verlag, Essen 2009, ISBN 978-3-8375-0278-7.
  • mit Martin Hoernes: Gandersheim und Essen. Vergleichende Untersuchungen zu sächsischen Frauenstiften (= Essener Forschungen zum Frauenstift. Bd. 4). Klartext-Verlag, Essen 2006, ISBN 3-89861-510-3.
  • mit Hans-Werner Goetz: Frauen-Beziehungsgeflechte im Mittelalter (= Das Mittelalter. Bd. 1, H. 2, ISSN 0949-0345). Akademie-Verlag, Berlin 1996.
  • mit Charlotte Schoell-Glass und Maria E. Müller: Jeanne d'Arc oder wie Geschichte eine Figur konstruiert (= Frauen – Kultur – Geschichte. Bd. 4). Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1996, ISBN 3-451-23953-1.
  • Biographie als Geschichte (= Forum Psychohistorie. Bd. 1). Diskord, Tübingen 1993, ISBN 3-89295-571-9.
  • mit Claudia Opitz, Gabriela Signori, Guy P. Marchal: Maria in der Welt. Marienverehrung im Kontext der Sozialgeschichte, 10.–18. Jahrhundert (= Clio Lucernensis. Bd. 2). Chronos Verlag, Zürich 1993, ISBN 3-905311-12-7.
  • mit Claudia Opitz und Dieter R. Bauer: Maria, Abbild oder Vorbild? Zur Sozialgeschichte mittelalterlicher Marienverehrung. Diskord, Tübingen 1990, ISBN 3-89295-539-5.

LiteraturBearbeiten

  • Hedwig Röckelein: Optionen einer Geschichte der Geschlechter im Mittelalter. In: Jahrbuch der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 2009, ISSN 0373-9767, S. 443–448.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Vgl. dazu die Besprechung von Ralf Lützelschwab in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 85, 2005, S. 652–654 (online)
  2. Female Monasticisms Database (FemMoData)