Hauptmenü öffnen

Unter einer Hausberufung versteht man die Berufung eines Hochschulbediensteten zum Professor an derselben Hochschule bzw. Universität, an der er bislang fest beschäftigt ist.

In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) war die Hausberufung eine übliche Vorgehensweise.[1] In der Bundesrepublik Deutschland besteht in mehreren Ländern ein landläufig sogenanntes Hausberufungsverbot,[2] worunter kein eigentliches Verbot, sondern mehr oder weniger starke Einschränkungen für die Besetzung akademischer Stellen, insbesondere Professuren, mit Wissenschaftlern verstanden werden, die bereits derselben Einrichtung angehören, z. B. in Baden-Württemberg nach § 48 Absatz 2 Satz 3–5 des LHG oder in Brandenburg z. B. nach § 38 Abs. 3 BbgHG.[3] Ziel der Beschränkungen ist es, eine ungebührliche „wissenschaftlichen Ämterpatronage“ oder unlautere Bevorzugung aufgrund persönlicher Beziehungen bei der Besetzung akademischer Stellen zu verhindern.[4] Ist das nicht zu befürchten, so ist auch ein Hausbewerber im Berufungsverfahren nach seiner Eignung, Leistung und Befähigung, die möglichst von externen Gutachtern zu prüfen ist, berücksichtigungsfähig: Ein eigentliches, generelles und ausnahmsloses Hausberufungsverbot wäre verfassungswidrig[4] und stünde im Widerspruch zum Prinzip der Bestenauslese[5] und somit zu Art. 33 Abs. 2 GG[6] Grundgesetz.[7] Privatdozenten, die an einer Hochschule lediglich ihre unentgeltliche Titellehre anbieten, sind dagegen nicht von den Einschränkungen betroffen. Die landesrechtlichen Beschränkungen für Hausberufungen wurden daher mit Blick auf Art. 33 Abs. 2 GG mit Ausnahmeklauseln versehen, die auf dem Hintergrund des Grundgesetzes großzügig auszulegen sind.[8][9] In jedem Fall sind Konkurrentenklagen auch von Hausbewerbern nicht ausgeschlossen.[10][11][12]

In Österreich gibt es kein Hausberufungverbot wie in Deutschland und Professuren werden in einem offenen Verfahren ausgeschrieben (§ 98 Universitätsgesetz 2002), bei dem es zumindest formal weder Vor- noch Nachteile bringt, an der betreffenden Universität/Hochschule bereits beschäftigt zu sein.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karin Zachmann: Mobilisierung der Frauen. Technik, Geschlecht und kalter Krieg in der DDR. Campus Verlag, 2004. ISBN 3593376296, zugleich: Darmstadt, TU, Habilitationsschrift, [1]
  2. Hartmer / Detmer (Hg.): Hochschulrecht – Ein Handbuch für die Praxis, 2. Aufl., Heidelberg: Müller, 2011, S. 146.
  3. Gesetz über die Hochschulen des Landes Brandenburg (Brandenburgisches Hochschulgesetz – BbgHG) vom 18. Dezember 2008.
  4. a b Wiltrud Christine Radau, Deutscher Hochschulverband (DHV): Ist eine Hausberufung unzulässig? In: Forschung und Lehre. 6. Februar 2018.
  5. Archivierte Kopie (Memento vom 15. April 2015 im Internet Archive)
  6. BayVGH, Beschluss vom 29. September 2010 · Az. 7 CE 10.1827
  7. Hartmer, Detmer (Hrsg.): Hochschulrecht – Ein Handbuch für die Praxis, 2. Aufl., Heidelberg: Müller, 2011, S. 146.
  8. Jan Faßbender, Deutscher Hochschulverband (DHV): Hausberufungsregelungen im Bund und in den Ländern. In: Kurzinformation. 12. Juni 2015.
  9. Christian Fonk, Hochschullehrerbund Bundesvereinigung (hlb): Hausberufungsregelungen in den Ländern. In: Infoblatt. 28. Juni 2018.
  10. BayVGH, Beschluss vom 29. September 2010 · Az. 7 CE 10.1827
  11. OVG Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 16. Januar 2013 – Az 1 M 1/13
  12. http://www.landesrecht.sachsen-anhalt.de/jportal/?quelle=jlink&docid=MWRE130000475&psml=bssahprod.psml&max=true
  Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!