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Haube um 1920

Eine Haube ist eine Kopfbedeckung, die sowohl über eine Gesichts- als auch über eine Halsöffnung verfügt[1], das heißt, die das Gesicht und den Hals umschließt und unter dem Kinn geschlossen wird. Zu den Hauben gehören daher auch die Kapuzen. Das Wort Haube leitet sich von der althochdeutschen Bezeichnung huba ab.[2]

In Österreich und Teilen von Altbayern wird Haube auch ganz allgemein für weiche Kopfbedeckungen verwendet, die eng am Kopf anliegen, wie etwa Strickmützen[3], oder auch für Badekappen. Fall- oder Sturzhauben gelten als der Vorläufer des Sturzhelms.

Sturmhaube als vorgeschlagene Mode für den Winter 2018

Hauben werden von Männern, Frauen und Kindern getragen. Die männlichen Formen wie die Sturmhaube und die Fliegerhaube, im Mittelalter z. B. die kapuzenartige Gugel, das Hersenier oder die Bundhaube zeigen eine typische Ausprägung, während die weiblichen Hauben oft um den Hals nicht mehr ganz geschlossen werden oder der Verschluss sich auf Bänder reduziert, die unter dem Kinn zur Schleife gebunden werden, insbesondere bei den Trachtenhauben.

Hersenier oder Turnierhaub von 1484 Georgius Macropedius in einer Gugel
Hersenier oder Turnierhaub von 1484
Georgius Macropedius in einer Gugel

Hauben für FrauenBearbeiten

GeschichteBearbeiten

 
Variationen der Weiterentwicklung der Rokokohaube (Mitte links und oben rechts) zur Form der Schute, „Modekupfer“ 1802

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit verlangte die Norm von verheirateten Frauen das Tragen einer Haube, während unverheiratete ihr Haupt unbedeckt lassen durften. Die Redensart unter die Haube kommen (= heiraten) leitet sich davon ab.[4] Die Haube galt als Zeichen der Frauenwürde und der Wohlanständigkeit; eine Frau ohne Haube (oder andere Kopfbedeckung) galt als „loses Frauenzimmer“. In ganz Europa ist sie fester Bestandteil fast aller Frauentrachten.

Die Begründung der Kirche, dass Frauen ihr Haar zu bedecken hatten, leitet sich ab aus Korinther 1, Kapitel 11. Allerdings hatte die Haube auch den praktischen Nutzen, das Haar aus dem Weg zu halten und es vor Verschmutzung zu schützen, z. B. beim Arbeiten am Feuer und anderen Haushaltsverrichtungen. Das weibliche Personal früherer Epochen trug generell Hauben während der Arbeitszeit. Für Dienstmädchen und Zofen in vornehmen Haushalten zählten aufwendig gearbeitete Häubchen und Schürzchen zur Arbeitskleidung und dienten darüber hinaus als Statussymbol des Arbeitgebers.

Hauben wurden meist aus feinem, weißem Leinen gefertigt und – je nach Epoche, Anlass und Finanzkraft der Trägerin – mitunter mit Volants, Spitzen oder Bändern verziert. Ab dem 18. Jahrhundert wurde stattdessen auch Baumwolle verwendet. Daneben gab es auch steife Hauben aus stoffüberzogenem Karton, Hauben ganz aus Spitze, aus Samt, Brokat, mit Stickerei bedeckt usw.

Aus der bürgerlichen Kleidermode des Rokoko entwickelte sich um 1800 die Schute.

FormenBearbeiten

Die Formen reichen von handtellergroßen Flecken über das gesamte Haar bedeckende, zum Teil kunstvoll arrangierte Hauben bis hin zu ausladenden Formen, die auch den unteren Teil des Gesichts und den Hals bedeckten.

Gebende

Das Gebende ist eine im späten 13. und frühen 14. Jahrhundert getragene Kombination aus einem Kinnband und einem kronenähnlichen Ring, manchmal mit gekräuseltem Rand, die mit Nadeln fixiert wurde.

Krüseler oder Kruseler

Eigentlich eine Art Schleier, bei dem die Stoffkanten eingekräuselt waren. Im Spätmittelalter gebräuchlich.[5]

Hörnerhaube

Hörnerhauben (Doppelhennin) gehören zu den ausgefallenen Haubenformen des 15. Jahrhunderts.

Fontange

Die Fontange ist eine von ca. 1680 bis 1720 vorherrschende Haubenform, die von einem Aufsatz aus Bandschlaufen und Spitzen überragt wurde. Einer in mehreren Varianten überlieferten Legende nach soll der Name auf eine Mätresse Ludwigs XIV. zurückgehen.

Dormeuse

Eine vor allem im späten 18. Jahrhundert beliebte, den Kopf fast ganz umschließende Haubenform mit seitlich weit nach vorne gezogenen Rüschen.

Calèche

Durch mehrere Fischbeinreifen aufgespannte Haube, die wie das Cabriodach einer Kutsche zusammengeklappt werden konnte. Sie wurde meist aus grüner Seide gefertigt und schützte die um 1770–1780 üblichen, hohen Frisuren.

Riegelhaube

Die Riegelhaube bedeckt den Hinterkopf bis zu den Ohren und läuft am unteren Ende in zwei Spitzen aus, die als „Geißeuterl“ bezeichnet werden. Tatsächlich waren nicht die Euter von Ziegen das Vorbild. Sie entwickelte sich aus einer Haube des 18. Jahrhunderts, die mit einer Schleife im Nacken geziert wurde.

Weitere

Fladuse (auch: Flattuse), Schneppenhaube, Rise, Bückeburger Haube, Flinderhaube, Wulsthaube, Calotte, Radhaube, Chenillehaube, Rüschenhaube, Schleierhaube, Brabanter Haube, Treckmützchen, Knipmütze, Kornetthaube, Plunderhaube, Nebelhaube, Prüllmütze, Schleifenhaube.

Hauben für MännerBearbeiten

Drahthaube
 
Locumtenenstaler Friedrichs des Weisen mit Drahthaube, geprägt nach 1507 (erste Vikariatsgedenkprägung Sachsens)

Eine Drahthaube ist „eine so genannte Kalotte, eigentlich eine Unterhaube zur Bändigung langen Haupthaars und zugleich zur Befestigung des Baretts, die oft bei männlichen Privatbildnissen dieser Zeit erscheint. Sie dürfte hier als gepflegte Variante der Barhäuptigkeit, als Zeichen einer demütigen Grundhaltung zu verstehen sein.“[6]

- Siehe dazu die Vorderseite des Locumtenenstaler Friedrich des Weisen, des Kurfürsten von Sachsen mit Drahthaube.

Der Schautaler wurde von Lucas Cranachs dem Älteren gestaltet und ist auf die Verleihung der Statthalterwürde durch König Maximilian I. geprägt worden.

Hauben für Säuglinge und KleinkinderBearbeiten

 
Verschiedene Formen von Säuglings- und Kinderhauben im 18. Jahrhundert

Um die meist spärlich behaarten Säuglinge vor Kälte und Sonne zu schützen, trugen diese in früherer Zeit generell Hauben. Diese sollten eng sitzen. Durch diese Maßnahme versuchte man, spätere abstehende Ohren bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Eine weitere Besonderheit ist die Fallhaube bzw. Sturzhaube, in der Schweiz auch „Bolli“ genannt. Diese wurde von Kindern der bürgerlichen Oberschicht und des Adels getragen. Sie sollte verhindern, dass Kleinkinder, während sie laufen lernten, ihre empfindliche Köpfchen verletzten. Die Fall- bzw. Sturzhaube war meist aus Leder gefertigt, innen gepolstert und konnte bis zu einem gewissen Grad an den wachsenden Kopf angepasst werden. Der umlaufende Bund war dabei zu einem dick gepolsterten Wulst geformt. Meist waren diese Hauben mit Schleifen und Bändern geschmückt.

Heute werden Fall- bzw. Sturzhauben als medizinische Hilfsmittel verwendet. Sie dienen Epileptikern, insbesonderen Kindern mit dieser Erkrankung zur Prävention von Kopfverletzungen.

LiteraturBearbeiten

  • Helmut Heinter: Die Fallhaube. Eine Erfindung des 16. Jahrhunderts?, Medizinhistorisches Journal 1984.
  • Kinderleben in Basel. Eine Kulturgeschichte der frühen Jahre, Katalog zur Ausstellung 2005/2006, Historisches Museum Basel.

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Haube – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Commons: Haube – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christian F. Feest und Alfred Janata: Technologie und Ergologie in der Völkerkunde Band 2. Berlin, Dietrich Reimer Verl. 1989, S. 172
  2. Eintrag zu Geschichte der Kopfbedeckungen im Austria-Forum (im Heimatlexikon) abgerufen am 4. Januar 2011
  3. Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA): Achte Runde „Strickmütze“, Universität Augsburg, 14. Jänner 2012
  4. Dieses Sprichwort lässt sich aber auch auf den verballhornten Begriff des jüdischen Traubaldachins Chuppa zurückführen. Jüdisches Brauchtum (Memento des Originals vom 12. November 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bpa-regensburg.de (PDF; 318 kB), Bibelpastorale Arbeitsstelle im Seelsorgeamt der Diözese Regensburg, abgerufen am 6. März 2012.
  5. Zum Kruseler siehe Horst Wolfgang Böhme: Der Kruseler des 14./15. Jahrhunderts. Zum Wandel eines modischen Kopfputzes nach spätmittelalterlichen Bildnisgrabmälern. In: Zwischen Kreuz und Zinne, Festschrift für Barbara Schock-Werner zum 65. Geburtstag. Deutsche Burgenvereinigung e.V., Braubach 2012 (= Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Reihe A: Forschungen Band 15), S. 29–44.
  6. Berthold Hinz: Die Bildnisse der drei letzten ernestinisch-sächsischen Kurfürsten. In: Lesarten der Geschichte …, hrsg. von Jens Flemming u. a. Kassel: kassel university press, 2004, S. 199–220.