Harry von Craushaar

deutscher Jurist, SS-Führer und Verwaltungsbeamter

Harry Georg von Craushaar (* 10. Juli 1891 in Löbau; † 7. April 1970 in Hettenhain) war ein deutscher Jurist, SS-Brigadeführer und Verwaltungsbeamter.

LebenBearbeiten

Er war ein Sohn des Löbauer Amtshauptmanns Georg von Craushaar und dessen Ehefrau Maria, geborene Thode.[1][2] Seine Schullaufbahn beendete er 1910 am Gymnasium mit dem Abitur.[3] Er absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Oxford, München, Freiburg, Kiel und Leipzig.[4]

Craushaar nahm von 1914 bis 1918 im 1. Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100 der Sächsischen Armee am Ersten Weltkrieg teil. Zuletzt war er Leutnant der Reserve und hatte für seine Leistungen neben beiden Klassen des Eisernen Kreuzes das Ritterkreuz II. Klasse des Albrechts-Ordens mit Schwertern erhalten.[5]

Ab 1921 war er Gerichtsassessor in Bautzen. Ab 1925 war er Legationssekretär im sächsischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und ab 1927 sächsischer Gesandter in Bayern, Württemberg, Baden und Hessen. Ab 1931 war er als Regierungsrat im sächsischen Innenministerium tätig.[4] Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt wurde er zum Dr. jur. promoviert.[3]

Im September 1929 heiratete Craushaar Dorothea Gräfin zu Stolberg-Wernigerode (1905–2001), Tochter von Constantin zu Stolberg-Wernigerode. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, darunter der spätere Baurechtswissenschaftler Götz von Craushaar (* 1932).[5]

Craushaar stieg in der Schwarzen Reichswehr bis zum Leutnant auf. Der NSDAP (Mitgliedsnummer 2.450.175) und SA trat er im Mai 1933 bei. Von der SA wechselte er im August 1939 zur SS (SS-Nr. 347.145). In der SS stieg Craushaar im November 1943 bis zum SS-Brigadeführer auf.[3] Zunächst war Craushaar ab 1933 Amtshauptmann in Schwarzenberg.[6] Im November 1938 wurde Craushaar zusätzlich stellvertretender Regierungspräsident in Aussig.[7]

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges leitete Craushaar die Zivilverwaltung beim Armeeoberkommando 8 in Litzmannstadt (Lodsch) und war danach stellvertretender Verwaltungschef beim Militärbefehlshaber in Belgien. Von November 1943 bis Januar 1945 war er im deutsch besetzten Polen Hauptabteilungsleiter des Hauptamtes Verwaltung des sogenannten Generalgouvernements (GG). Zusätzlich bekleidete er ab Ende 1944 das Amt des Reichsverteidigungskommissars in Krakau.[6]

Nach dem Rückzug der Wehrmacht desertierte Craushaar Ende Januar 1945 und versteckte sich mit seiner Familie in Schwarzenberg/Erzgeb. Vor dem Einmarsch der Sowjets setzte sich die Familie im Juni 1945 in den Westen ab. Craushaar stellte sich der amerikanischen Armee, wurde in Kornwestheim, Dachau und Darmstadt interniert und am 4. Mai 1948 entlassen.[8] Nach Kriegsende wurde sein Gut Jauernick enteignet.[1]

Ab 1955 war Craushaar als Geschäftsführer des Deutscher Familienverbandes tätig.[4]

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Hochkirch: Rittergut Jauernick. In: Sachsens-Schlösser.de. Abgerufen am 18. September 2013.
  2. Who's who in Germany, Band 3, Teil 1, Intercontinental Book and Publishing Company, 1964, S. 279
  3. a b c Werner Präg, Wolfgang Jacobmeyer (Hrsg.): Das Diensttagebuch des deutschen Generalgouverneurs in Polen 1939–1945. Stuttgart 1975, S. 946.
  4. a b c Craushaar, Harry Georg von. In: Persönlichkeiten der Verwaltung. Biographien zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1648–1945. Kohlhammer, Stuttgart 1991, S. 503.
  5. a b Veit Scherzer: Himmlers militärische Elite. Die höchst dekorierten Angehörigen der Waffen-SS. Eine Auswertung nach den Akten des Bundesarchivs und des National Archive der USA. Band 1: A–Ka. Verlag Veit Scherzer, Bayreuth 2014, ISBN 978-3-938845-26-4, S. 507.
  6. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 96f.
  7. Jörg Osterloh: Nationalsozialistische Judenverfolgung im Reichsgau Sudetenland 1938–1945. München/Oldenbourg 2006, ISBN 3-486-57980-0, S. 237.
  8. Dorothea von Craushaar: Harry v. Craushaar auf Jauernick. In: Adam von Watzdorf (Hrsg.): Schicksalsbuch des sächsisch-thüringischen Adels. 1945. Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 1, Starke, Limburg 2005, ISBN 3-7980-0605-9, S. 124–144, hier S. 140 f., 144.