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LebenBearbeiten

Unter dem Namen Hans Unstern ist eine Multitude an Personen künstlerisch tätig, die als eine Einzelperson auftreten, ähnlich dem Schriftstellerkollektiv Wu Ming, der politischen Gruppe Luther Blissett und der Band The Residents. Er beschreibt sich so: „Ich bin mehr als eine Person.“ Er sei „Wirt für ganz viele Personen“, ein „großes Pop-Asyl“, an dem auch Prominente wie Sibylle Berg oder René Pollesch hingen.[1][2]

Über Hans Unstern sind kaum biografische Details bekannt. Er soll in den 1980er Jahren geboren worden sein und entweder aus Hessen oder aus Österreich stammen. Sein Künstlername Hans kommt vom Protagonisten von Heinrich Bölls Ansichten eines Clowns, „Unstern“ stammt aus einem anderen literarischen oder musikalischen Werk (eventuell Unstern! von Franz Liszt). Hans Unstern bestritt seinen Lebensunterhalt zeitweise als Straßenmusiker. In seinen Texten gehe es ihm darum, „der Wirklichkeit eine Absage zu erteilen, diesem wahnsinnig durchorganisierten Leben einen möglichsten freien Entwurf entgegenzusetzen“.[3] Für seine Texte wird er als „größter Sprachskeptiker“ bezeichnet, den deutschsprachiges Songwritertum hervorgebracht habe.[4]

Hans Unstern ist vom Beginn seiner Karriere von der Zeitschrift Spex gefeatured worden.[5] Auf der Splitsingle gemeinsam mit Ja, Panik covern Hans Unstern und Ja, Panik gegenseitig ihre Songs Paris und Als habe ich …

 
Hans Unstern, Ted Gaier und Thomas Wenzel während des Stücks Not Punk, Pololo von Gintersdorfer/Klaßen, 2015

WerkBearbeiten

„Kratz dich raus“Bearbeiten

Hans Unstern spielt zusammen mit seiner Band, die nicht mit einem eigenen Namen bezeichnet und in der Außenwirkung sehr auf seine Person ausgerichtet ist. Folgende Musiker wirkten bei seinem ersten Album mit: Simon Bauer (Kontrabass), Daniel Schröteler, Earl Harvin, Paula Sell und Tom Marsh (Schlagzeug), Pascal Stoffels (Bass), Ben Lauber (Keyboard, Klavier), Nackt (Patrick Christensen) (Klavier, Flöte, Percussion), Anna Viechtl (Harfe), Paula Sell (Akkordeon), Dominik Bollow, Jonathan Kassner (Gitarre), Nils Tegen (Keyboard, Trompete), Milian Vogel (Bassklarinette, Tenorsaxophon). Hans Unstern selbst spielt Gitarre und singt bzw. rezitiert.

Hanky Panky Know How - Auseinandersetzung mit Konstruktionen von Autorschaft und Heteronormativität im MusikgeschäftBearbeiten

Zur Promotion des Gedichtbands Hanky Panky Know How bzw. des Albums The Great Hans Unstern Swindle gab sich zur „Presseperformance“ der Berliner Performance- und Theaterkünstler Tucké Royale glatt rasiert und mit blau gefärbten Haaren, im weißen Anzug und mit Spiegelbrille als Hans Unstern aus.[6][7][8][9] Er gab Interviews, führte eine Lesung seiner Gedichte durch und zitierte die Feministin Donna Haraway, um sich kritisch mit der Heteronormativität des Musikgeschäfts auseinanderzusetzen:

„Bei der Biologin Donna Haraway bin ich auf einen Satz gestoßen: 'Es geht nicht darum, f ü r jemanden zu sprechen, sondern m i t jemandem.' Die Sprache, die immer glaubt, für jemanden sprechen zu können, bezeichnet Haraway als weißen, männlichen, heterosexuellen Jargon, der sich selbst aber nicht als Jargon, sondern als herrschende, allgemeingültige Sprache versteht. Also dieses unmarkierte Gesinge eines männlichen weißen Heterosexuellen. Er betritt die Bühne und fängt an zu singen 'There she was just a-walkin' down the street...' Das ist schon dieser Jargon. Er bezieht sich auf den Automatismus dieser Herrschaftssprache, dass nämlich alle, die zuhören, annehmen müssen, jede Frau oder jeder Mann ist heterosexuell. Und wenn Sie mich jetzt fragen: Wie müsste man den Song richtig schreiben, dann sage ich, man müsste auf so einen Song verzichten. Wenn du glaubst, du hast wirklich etwas über und gegen die Gesellschaft zu sagen, kannst du doch nicht dauernd in ihrer Sprache schreiben!“

Hans Unstern: Ich enttäusche euch - ich enttäusche mich - ich täusche euch - ich täusche mich - ich tausche mich - ich tausche euch - gegen mich. Hans Unstern original Töne, Transkript der Zitate der Hans-Unstern-Presseperformance im Merve Verlag Berlin, 30. August 2012[7]

Die Performance hinterfragte kritisch Vorstellungen von Autorschaft, wie sie im Musikjournalismus konstruiert werden:

„Objektiv betrachtet, ist das das Einzige, was die Realität von Musik lernen kann: zu lügen und, jetzt kommt der wichtige Punkt dabei, dass es eben alle wissen. Nichts ist automatisch wahr. Wir betrügen Sie, aber Sie wissen es! Das allein wäre schon sinnvoll: Sich eben nicht mit dem Betrug zu beschäftigen, der Ihnen schadet, sondern mit dem, der Ihnen hilft... Im Interview wiederum, noch so eine Bühne, wird erwartet, dass hier das Entertainment aufhört und der „wahre“ Mensch zum Vorschein kommt. Das wird eingefordert. Das ist nicht meine Sache.“

Hans Unstern: Ich enttäusche euch - ich enttäusche mich - ich täusche euch - ich täusche mich - ich tausche mich - ich tausche euch - gegen mich. Hans Unstern original Töne, Transkript der Zitate der Hans-Unstern-Presseperformance im Merve Verlag Berlin, 30. August 2012[7]

Der Künstler Roland Brückner (Streetart-Künstler Lindas Ex), der Zeichner des Videos Paris, modifizierte 10 Ausgaben des Buchs Hanky Panky Know How in künstlerischer Weise: Er zeichnete auf die im Buch enthaltenen leeren Seiten.[10]

The Great Hans Unstern SwindleBearbeiten

Beim zweiten Album der Hans-Unstern-Band wirkten mit: Daniel Schröteler (Schlagzeug, Percussion), Anke Lucks (Posaune), Anne Grabow, Steffi Engtanz, Pauline Boeykens (Tuba), Philipp Thimm (Cello), Nackt (Patrick Christensen) (Klavier, Harmonium, Keyboard, Xylophon, Percussion), Christoph Hamann und Simon Bauer (Violine), Tanja Pippi und Lysander (Backgroundgesang), Simon Bauer (Mandoline). Produziert wurde das Album von Nackt (Patrick Christensen). Bei Live-Auftritten sind die Musiker Pauline Boeykens, Daniel Schröteler, Vanessa Kehl und Simon Bauer dabei. Neben seiner Funktion als Sänger bzw. Rezitator und Gitarrist spielte Hans Unstern auf Konzerten zum zweiten Album auf mehreren selbstgebauten Instrumenten. Er entwickelte dafür eine Harfe, ein Akkordbrett, ein präpariertes Klavier-Imitat, eine große Rundharfe und zwei „Posterboy-Akkord-Banjos“ bzw. einen klanggebenden Stuhl.[11]

Auf der dazugehörigen Tour im November 2013 in Deutschland und Österreich tourte Hans Unstern mit seiner Band zusammen mit Mary Ocher.

 
Hans Unstern mit Ted Gaier und Thomas Block im Stück Not Punk, Pololo von Ginterdorfer/Klaßen, 2015

Not Punk, PololoBearbeiten

Seit 2013 wirkt Hans Unstern neben weiteren Künstlern und Künstlerinnen an dem Stück Not Punk, Pololo des Künstlerinnennduos Gintersdorfer/Klaßen mit.[12][13]

BoibandBearbeiten

Gemeinsam mit Tucké Royale und dem Produzenten Black Cracker erscheint 2017 das Album The Year I broke my Voice. Stilistisch bewegt sich die Musik im Bereich Pop/R'n'B.

DiskografieBearbeiten

  • 2010: Ja, Panik / Hans Unstern, Split 7" auf dem Label Staatsakt (AKTSIE 013)
  • 2010: Kratz Dich Raus, Album auf dem Label Staatsakt (Akt709LP und Akt709CD)
  • 2013: The Great Hans Unstern Swindle, Album auf dem Label Staatsakt (AKT739LP)
  • 2017: Boiband – The Year I Broke My Voice (mit Tucké Royale)

VideoBearbeiten

  • 2010: Ein Coversong (Musik: Hans Unstern, Regie: Moana Vonstadl), prämiert als eines der besten zehn Musikvideos im Musikvideo-Wettbewerb der Oberhausener Kurzfilmtage[14]
  • 2010: Paris (Musik: Hans Unstern, Zeichnungen: Roland Brückner)[15]
  • 2012: Ich schäme mich (Musik: Hans Unstern, Regie: Moana Vonstadl), Preisträger des MuVi-Award der Oberhausener Kurzfilmtage[16]

BibliografieBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Radek Krolczyk: Wu Ming ist viele. In: Der Freitag. 6. November 2013.
  2. Jens Uthoff: Ich bin nur ein Stoffwechselmedium. Interview mit Hans Unstern. In: taz, 28. November 2013.
  3. zit. nach Thomas Winkler: Entblößung auf dem freien Markt. 2. Juni 2010.
  4. Lutz Happel: Tonträger. In: Die Zeit. 26. Oktober 2012.
  5. Torsten Groß: EDITORIAL SPEX N°341. (Memento des Originals vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.spex.de In: SPEX. 8. Oktober 2012.
  6. zit. nach Hans Unstern – Pressekonferenz. 30. August 2012 im Merve Verlag Berlin. In: Youtube.
  7. a b c Ich enttäusche euch - ich enttäusche mich - ich täusche euch - ich täusche mich - ich tausche mich - ich tausche euch - gegen mich. Hans Unstern original Töne, Transkript der Zitate der Hans-Unstern-Presseperformance im Merve Verlag Berlin, 30. August 2012.
  8. Hans Unstern. (Memento des Originals vom 6. Oktober 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.arte.tv In: Arte Tracks. 4. Januar 2013.
  9. Blog von Tucké Royale (Memento des Originals vom 5. Oktober 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/tuckeroyale.blogspot.de
  10. Shop auf der Website von Hans Unstern
  11. Hans Unstern: The Great Hans Unstern Swindle. Hans-Unstern-Newsletter vom 26. Oktober 2012.
  12. Not Punk, Pololo, in: Website von Gintersdorfer/Klaßen
  13. Hans Unstern, in: Website von Gintersdorfer/Klaßen
  14. MuVi-Award für „Ein Coversong“ auf den Oberhausener Kurzfilmtagen, Website der Oberhausener Kurzfilmtage
  15. Video Paris auf der Website von Hans Unstern
  16. MuVi-Award für „Ich schäme mich“ auf den Oberhausener Kurzfilmtagen, Website der Oberhausener Kurzfilmtage