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Hans Kohn (Historiker)

Historiker und Zionist

Hans Kohn (geboren 15. September 1891 in Prag, Österreich-Ungarn; gestorben 16. März 1971 in Philadelphia) war ein Philosoph und Historiker. Er gilt – obwohl sein Einfluss auf die Geschichtsschreibung innerhalb der Geschichtswissenschaft umstritten ist – neben Carlton J. Hayes als Mitbegründer der akademischen Nationalismusforschung. Sein Werk The Idea of Nationalism von 1944 zählt auch heute noch zur Standardliteratur zu diesem Thema.[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Während des Ersten Weltkrieges war er seit dem März 1915 als Kriegsgefangener fünf Jahre in Russland interniert. In den folgenden Jahren lebte er in Paris und London. Dort arbeitete und schrieb er für zionistische Organisationen.

1925 übersiedelte er nach Palästina, von dort 1934 in die USA. Dort unterrichtete er Neue Geschichte am Smith College in Northampton, Massachusetts. Von 1948 bis 1961 unterrichtete er am City College of New York. Er lehrte auch an der New School for Social Research, Harvard Summer School. Durch Briefe und Treffen verband ihn eine Freundschaft mit anderen Zionisten und Denkern, u. a. mit den Schriftstellern Felix Weltsch, Max Brod und Hugo Bergman aus dem Prager Kreis, aber auch mit Martin Buber und Robert Weltsch.

Er schrieb zahlreiche Bücher vor allem über Nationalismus, Panslawismus und die Jüdische Religion. Er war ein früher Mitarbeiter des Foreign Policy Research Institute in Philadelphia, wo er 1971 starb.

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

  • Nationalismus. Über die Bedeutung des Nationalismus im Judentum und in der Gegenwart (Wien 1922)
  • Sinn und Schicksal der Revolution (Wien 1923)
  • Die politische Idee des Judentums (München 1924)
  • gemeinsam mit Robert Weltsch: Zionistische Politik (Mährisch-Ostrau 1927)
  • Geschichte der nationalen Bewegung im Orient (Berlin 1928)
  • Martin Buber, sein Werk und seine Zeit (Dresden 1930) (Neuauflage, von Robert Weltsch fortgeführt: Düsseldorf 1961)
  • Der Nationalismus in der Sowjetunion (Frankfurt/M. 1962)
  • Die Europäisierung des Orients (Berlin 1934)
  • Die Idee des Nationalismus. Ursprung und Geschichte bis zur Französischen Revolution (Frankfurt/M. 1962)
  • Wege und Irrwege. Vom Geist des deutschen Bürgertums (Düsseldorf 1962)
  • Bürger vieler Welten. Ein Leben im Zeitalter der Weltrevolution (Frauenfeld 1965)

Dazu kommt eine Vielzahl auf Englisch geschriebener Werke.

LiteraturBearbeiten

  • Lexikon des Judentums. Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 387 und Sp. 939.
  • Kohn, Hans. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 14: Kest–Kulk. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2006, ISBN 3-598-22694-2, S. 170–185.
  • Lutz Fiedler: Habsburger Verlängerungen. Imperienkonzepte im Werk Hans Kohns. In: Jahrbuch des Simon-Dubnow-Instituts. Bd. 6 (2007), S. 477–508.
  • Romy Langeheine: Von Prag nach New York. Hans Kohn. Eine intellektuelle Biographie. Wallstein, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8353-1549-5.
    • Rezension: Monika Boll: Topographie des Denkens. In: Einsicht. Bulletin des Fritz Bauer Instituts. H. 14, 2015, S. 80 (online; mit kurzer Darstellung von Kohns Ideenwelt)
  • Kohn, Hans. In: Susanne Blumesberger, Michael Doppelhofer, Gabriele Mauthe: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert. Band 2: J–R. Hrsg. von der Österreichische Nationalbibliothek. Saur, München 2002, ISBN 3-598-11545-8, S. 710.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Romy Langeheine: Von Prag nach New York / Hans Kohn - Eine intellektuelle Biographie, Wallstein Verlag, Göttingen, 2014, ISBN 978-3-8353-1549-5, S. 7