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Hans Kurt Schulze (* 8. Oktober 1932 in Altenburg; † 10. Juni 2013 in Niederweimar) war ein deutscher Historiker.

Hans K. Schulze wurde als Sohn eines Volks- und Sonderschullehrers und späteren Direktors des Schlossmuseums Altenburg geboren. Schulze besuchte von 1939 bis 1943 die Volksschule Apolda sowie von 1943 bis 1951 die Oberschule Apolda und die Karl-Marx-Oberschule Altenburg. Die Reifeprüfung erfolgte im Juni 1951. Schulze studierte von Wintersemester 1951/52 bis Sommersemester 1955 Geschichte an der Universität Leipzig und von Sommersemester 1956 bis Wintersemester 1959/60 Geschichte und Klassische Philologie an der Freien Universität Berlin. Dort wurde er im Januar 1962 mit der Arbeit Adelsherrschaft und Landesherrschaft bei Herbert Helbig promoviert. Von 1962 bis 1970 war er bei Walter Schlesinger als wissenschaftlicher Assistent an der Forschungsstelle für Geschichtliche Landeskunde Mitteldeutschlands in Marburg tätig. Im Jahr 1970 habilitierte er sich an der Universität Marburg mit der Arbeit Die Grafschaftsverfassung der Karolingerzeit in den Gebieten östlich des Rheins für Mittelalterliche Geschichte und deutsche Landesgeschichte. Von 1971 bis 1998 lehrte Schulze als Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Marburg. Er war 1972/73 und 1988/89 Dekan des Fachbereichs 06. Er hielt aber auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand bis 2012 regelmäßig Vorlesungen ab. Schulze war Mitglied und von 1998 bis 2001 Vorsitzender der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt. Er war Mitglied im Wissenschaftlichen Arbeitskreis für Mitteldeutschland und Mitglied des Herausgebergremiums der Reihe Städteforschung in Münster. Zu seinen akademischen Schülern gehörte Matthias Hardt.

Seine Arbeitsschwerpunkte waren die allgemeine Geschichte des frühen und hohen Mittelalters, Rechts-, Verfassungs- und Sozialgeschichte, deutsche Landesgeschichte sowie die Stadt- und Siedlungsgeschichte. Schulze galt als Experte für die Geschichte des Kaisertums im mittelalterlichen Deutschland. Große Aufmerksamkeit erzeugten über den deutschsprachigen Sprachraum hinaus seine in vier Bänden veröffentlichten Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Der erste Band erschien 2004 in vierter und der zweite Band 2000 in dritter Auflage. Die Bände sind in Japan in Übersetzung verfügbar. Schulze verfasste für die Reihe Siedler Deutsche Geschichte 1987 bzw. 1991 die Bände über die Merowinger und Karolinger (Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen) sowie Ottonen und Salier (Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier). Bei seinen Forschungen wurde der mitteldeutsche Raum zum Schwerpunkt seiner Tätigkeit.

SchriftenBearbeiten

Monografien

  • Von der Harzburg nach Canossa: Kaiser Heinrich IV., Papst Gregor VII. und die Sachsen Bussert & Stadeler, Jena u. a. 2012, ISBN 978-3942115117.
  • Siedlung, Wirtschaft und Verfassung im Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze zur Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands (= Quellen und Forschungen zur Geschichte Sachsen-Anhalts. Bd. 5). Böhlau, Köln u. a. 2006, ISBN 3-412-15602-7.
  • Die Harzkaiser. Historische Essays. Bussert & Stadeler, Jena u. a. 2004, ISBN 3-932906-41-1.
  • Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen. Merowinger und Karolinger. Siedler, Berlin 1993, ISBN 3-88680-058-X.
  • Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler, München 1991, ISBN 3-442-75520-4.
  • Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1985–2011;
    • Band 1: Stammesverband, Gefolgschaft, Lehnswesen, Grundherrschaft (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 371). 1985, ISBN 3-17-008853-X (4., aktualisierte Auflage. ebenda 2004, ISBN 3-17-018239-0);
    • Band 2: Familie, Sippe und Geschlecht, Haus und Hof, Dorf und Mark, Burg, Pfalz und Königshof, Stadt (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 372). 1986, ISBN 3-17-008863-7 (3., verbesserte Auflage. ebenda 2000, ISBN 3-17-016393-0);
    • Band 3: Kaiser und Reich (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 463). 1998, ISBN 3-17-013053-6;
    • Band 4: Das Königtum (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher. Bd. 464). 2011, ISBN 978-3170148635.
  • Die Grafschaftsverfassung der Karolingerzeit in den Gebieten östlich des Rheins (= Schriften zur Verfassungsgeschichte. Bd. 19). Duncker und Humblot, Berlin 1973, ISBN 3-428-02945-3 (Zugleich: Marburg, Universität, Habilitations-Schrift 1970).
  • Das Stift Gernrode (= Mitteldeutsche Forschungen. Bd. 38, ISSN 0544-5957). Unter Verwendung eines Manuskripts von Reinhold Specht. Mit einem kunstgeschichtlichen Beitrag über die Stiftskirche von Günter W. Vorbrodt. Böhlau, Köln u. a. 1965.
  • Adelsherrschaft und Landesherrschaft. Studien zur Verfassungs- und Besitzgeschichte der Altmark, des ostsächsischen Raumes und der hannoverschen Wendlandes im hohen Mittelalter (= Mitteldeutsche Forschungen. Bd. 29). Böhlau, Köln u. a. 1963 (Zugleich: Berlin, Freie Universität, phil. Dissertation, vom 16. Januar 1962).

Herausgeberschaften

LiteraturBearbeiten

  • Inge Auerbach (Bearb.): Catalogus professorum Academiae Marburgensis. = Die akademischen Lehrer der Philipps-Universität Marburg. Band 3: Von 1971 bis 1991. Teil 1: Fachbereich 01–19 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 15, 3). Elwert, Marburg 2000, ISBN 3-7708-1159-3, S. 171.
  • Thomas Wozniak, Sebastian Müller und Andreas Meyer (Hrsg.): Königswege. Festschrift für Hans K. Schulze zum 80. Geburtstag und 50. Promotionsjubiläum. Eudora-Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-938533-53-6 (mit Porträtfoto, Nachruf von Matthias Hardt und Schriftenverzeichnis Hans K. Schulze bearbeitet von Thomas Wozniak)
  • Matthias Hardt: Hans K. Schulze (1932–2013). In: Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, Bd. 27 (2015), S. 343–348.

WeblinksBearbeiten