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Hans-Jürgen Urban

deutscher Gewerkschafter
Hans-Jürgen Urban (2010)

Hans-Jürgen Urban (* 3. Juli 1961 in Neuwied) ist ein deutscher Gewerkschafter. Er ist seit dem 6. November 2007 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Urban wurde als Sohn des Straßenpflasterers Friedhard Urban und der Hausfrau Irmgard Urban in Neuwied am Rhein geboren. Dort besuchte er von 1968 bis 1972 die Grundschule und danach bis zum Abitur 1981 das Werner-Heisenberg-Gymnasium.[1] Noch im gleichen Jahr begann er ein Studium der Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Philosophie in Bonn, welches er in Gießen und Marburg fortsetzte und 1989 mit dem Abschluss als Diplom-Politologe abschloss. Sein Thema der Diplomarbeit lautete: "Angestellte und gewerkschaftliche Gegenmacht. Zur Angestelltenpolitik der IG Metall in der Umbruchkrise".

1984 trat Hans-Jürgen Urban der Gewerkschaft IG Metall bei und engagierte sich vor allem in der örtlichen und regionalen Bildungsarbeit. Nach seinem Studium wurde er 1991 hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär der IG Metall bei der Bezirksleitung Frankfurt am Main. Ein Jahr später wechselte Urban zum Vorstand der IG Metall in die Abteilung Sozialpolitik.

Seit 1998 war Urban Leiter der Abteilung Sozialpolitik (ab 2001 Funktionsbereich Sozialpolitik) beim Vorstand der IG Metall. 2001 absolvierte er einen Forschungsaufenthalt als Gastwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Im Jahr 2003 wurde Urban am Fachbereich Gesellschaftswissenschaft und Philosophie der Philipps-Universität Marburg mit der Dissertation "Über Wettbewerbskorporatismus und soziale Politik. Zur Transformation wohlfahrtsstaatlicher Politikfelder am Beispiel der Gesundheitspolitik" promoviert. Im selben Jahr wurde er Leiter des Funktionsbereichs Gesellschaftspolitik/Grundsatzfragen/Strategische Planung beim Vorstand der IG Metall. Seit 2007 ist Hans-Jürgen Urban Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall und dort für Sozialpolitik, Gesundheitsschutz und Arbeitsgestaltung zuständig. Im Jahr 2014 erfolgte die Habilitation an der Universität Jena. Seitdem ist er dort am Institut für Soziologie als Privatdozent tätig.

Urban ist Mitglied des Verwaltungsrats der Bundesagentur für Arbeit. Er ist ferner stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Salzgitter Stahl GmbH sowie Mitglied der Aufsichtsräte der Salzgitter AG, der Servicegesellschaft DGB-Index Gute Arbeit und der DGB Rechtsschutz GmbH. Seit 2011 gehört er dem Herausgeberkreis der politisch-wissenschaftlichen Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik an.[2]

Politische OrientierungBearbeiten

Urban tritt für eine gewerkschaftspolitische Autonomie und parteipolitische Unabhängigkeit der Gewerkschaften ein. Er sieht die Gewerkschaften in der aktuellen Periode des Kapitalismus in der Rolle eines "konstruktiven Veto-Spielers", der seine Veto-Macht zur Verhinderung problemverschärfender Modernisierungsstrategien nutzt und gleichzeitig eigene, konstruktive Beiträge zur solidarischen Weiterentwicklung von Politik und Gesellschaft macht. Die nötigen Machtressourcen für eine solche Politik müssen die Gewerkschaften in den Kernfeldern der Betriebs- und Tarifpolitik generieren und in den Rahmenfeldern der Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik sichern und verstärken.

Hans-Jürgen Urban ist

  • Mitglied des Beirats der "wissenschaftlichen Vereinigung für Kapitalismusanalyse und Gesellschaftspolitik e.V." (WissenTransfer)
  • Mitglied des Forums Gewerkschaften der Zeitschrift "Sozialismus"
  • Mitglied im Kuratorium[3] des "Institut Solidarische Moderne"

ZitateBearbeiten

"Der Sozialstaat ist und bleibt eine unverzichtbare Institution zur Humanisierung und Demokratisierung unserer Gesellschaft. Einer kapitalistischen Gesellschaft, die aus sich heraus eben nicht human und nicht demokratisch ist." (Vorstellungsrede auf dem 21. o. Gewerkschaftstag der IG Metall, 6. November 2007)

"Da sich die Periode der privilegierten Partnerschaft zwischen Gewerkschaften und Sozialdemokratie dem Ende zuneigt, stehen die Gewerkschaften vor der Aufgabe, ihr Verhältnis zu den wichtigsten Entscheidern in den politischen Arenen neu zu konzipieren. An die Stelle der besonderen Beziehung zu einer Partei sollte ein Konzept einer strategischen Flexibilität gegenüber allen in den Parlamenten vertretenen Parteien treten." (H.-J. Urban, Licht am Ende des Tunnels? Probleme und Chancen einer Revitalisierung der Gewerkschaften, in: isw-Report Nr. 71, München 2007, S. 26)

Gewerkschaftliche Autonomie konstituiert sich heute "als Kritik des Um- und Rückbaus des Wohlfahrtstaats und als Programm einer anderen, die sozialen Reproduktionsinteressen der Lohnabhängigen zum Ausdruck bringenden Modernisierungspolitik." (H.-J. Urban, Gewerkschaften als konstruktiver Vetospieler, in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Heft 2 – Juni 2005, S. 52)

"Wer meine bisherige Arbeit in der IG Metall, wer meine Art zu denken, zu argumentieren und zu handeln, und wer das, was ich mir für die IG Metall vorstelle, als 'links' bezeichnet – der beleidigt mich nicht! Ich fühle mich nicht beschimpft, wenn man mich in die Tradition der IG Metall-Linken stellt. Das Gegenteil ist der Fall!" (Vorstellungsrede auf dem 21. o. Gewerkschaftstag der IG Metall, 6. November 2007)

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Hans-Jürgen Urban/Michael Buckmiller/Frank Deppe (Hrsg.): Antagonistische Gesellschaft und politische Demokratie. VSA-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-89965-196-0
  • Hans-Jürgen Urban (Hrsg.): ABC zum Neoliberalismus. VSA-Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-89965-195-2
  • Richard Detje/Klaus Pickshaus/Hans-Jürgen Urban (Hrsg.): Arbeitspolitik kontrovers VSA-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 3-89965-148-0
  • Joachim Beerhorst/Hans-Jürgen Urban (Hrsg.): Handlungsfeld europäische Integration VSA-Verlag, Hamburg 2008, ISBN 3-89965-124-3
  • Gemeinsam mit Thomas Gerlinger: "Gesundheitspolitik in Europa. Über die Europäisierung und Ökonomisierung eines wohlfahrtsstaatlichen Politikfeldes", in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft: 46, 2006, Soziologie der Gesundheit. Herausgegeben von: Wendt, Claus; Wolf, Christof / (Hrsg.)
  • Gemeinsam mit Klaus Pickshaus:"Illusion oder konkrete Utopie? Gute Arbeit im Finanzmarktkapitalismus", (online)
  • Wege aus der Defensive. Schlüsselprobleme und -strategien gewerkschaftlicher Revitalisierung, Quelle: (PDF)
  • Gewerkschaften als konstruktiver Vetospieler, Quelle: (PDF)
  • Auftauchen aus der Flut, (online)
  • Was ist eigentlich Neoliberalismus?
  • Interview: Wir haben es mit einer neuen Maßlosigkeit zu tun, (online) in: Magazin Mitbestimmung 03/2008
  • Konstruktive Vetospieler? Die Gewerkschaften und die neue Mosaik-Linke, (online)
  • Notstand der Demokratie / Frank Deppe, Horst Schmitthenner, Hans-Jürgen Urban (Hrsg.); Hamburg 2008
  • Der neue Generationenvertrag: sozialstaatliche Erneuerung in der Krise, Hamburg 2010, VSA-Verlag
  • Der Tiger und seine Dompteure: Gewerkschaften und Wohlfahrtsstaat unter dem Druck der Finanzmärkte, Hamburg 2013, VSA-Verlag
  • Impulse aus der Tiefe - Marx und die Gewerkschaften heute in: Karl Marx – Ratgeber der Gewerkschaften, VSA:Verlag, Hamburg 2019, S. 89–109, ISBN 978-3-96488-007-9

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. WHG Alumni, Homepage des Werner-Heisenberg-Gymnasiums, Neuwied, abgerufen am 11. April 2018.
  2. Große Köpfe für große Fragen, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 5/11
  3. Kuratorium. Institut Solidarische Moderne. Abgerufen am 24. Mai 2013.