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Haniel (Unternehmerfamilie)

Unternehmerfamilie

Haniel ist der Name einer Unternehmerfamilie aus Duisburg. Nach einer Erhebung des Magazins Wirtschaftswoche zählten die Haniels 2015 zu den 10 reichsten deutschen Unternehmerfamilien.[1]

GeschichteBearbeiten

 
Die Konzernorganisation von Haniel

Der Familiengründer und Kaufmannssohn Jacob Wilhelm Haniel stammt aus Elberfeld und zog in jungen Mannesjahren nach Ruhrort (heute Duisburg). Die Haniels waren zunächst Weinhändler und Spediteure. Jacob W. (oder sein Bruder Peter Friedrich) Haniel betrieben ab 1771 den ersten Kohlenhandel unter dem Namen Haniel. Auch ein erstes Handelshaus wurde 1772 vom Vater seiner Frau Aletta, dem damaligen Ruhrorter Bürgermeister Jan Willem Noot übernommen (das Ruhrorter Packhaus, das heutige Haniel Museum). Die Familie erwarb dann ab 1805 Anteile an der Eisenindustrie. Sohn Franz Haniel war 1834 der erste Unternehmer, der im Ruhrbergbau wagte die Mergelschicht zu durchbrechen und so den Tiefbergbau vorantrieb. Er war es auch, der den Steinkohlebergbau auf die linksrheinische Seite brachte. Die Haniels blieben lange Zeit mit der Schwerindustrie, darunter Gutehoffnungshütte und MAN AG, verbunden. Heute liegen die Schwerpunkte in Beteiligungen oder Besitz von Firmen der Textilindustrie und Handel. (Takkt AG (50,25 %), ELG Utica (100 %), CWS-boco (100 %), Bekaert Textiles (100 %) und Metro Group (25 %)[2])

Das Oberhaupt der Familie, die etwa 680 Gesellschafter zählt, ist Franz Markus Haniel.[3] Seit 2003 ist er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Franz Haniel & Cie. GmbH, von 2007 bis 2016 war er mit Unterbrechungen auch Aufsichtsratsvorsitzender der Metro AG.[4][5]

Insgesamt besitzt die Erbengemeinschaft Anteile an 800 bis 900 Unternehmen. Der Gesamtumsatz wurde 2014 mit 3944 Millionen Euro angegeben, das Ergebnis (nach Steuern) mit 686 Mio und die Mitarbeiterzahl mit 11.544.[6]

Geschäftsjahr 2015[6]

Übersicht Konzernabschluss

  • Umsatz 3808 Mio. €
  • Operatives Ergebnis 193 Mio. €
  • Ergebnis vor Steuern 174 Mio. €
  • Ergebnis nach Steuern 120 Mio. €
  • Haniel-Cashflow 329 Mio. €
  • Investitionen 1058 Mio. €
  • Bilanzsumme 6847 Mio. €

Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt 2015 (Kopfzahl) 12.930

Das Vermögen der Dynastie beläuft sich geschätzt auf 6,5 Milliarden Euro (Stand 2015).[1]

Das Wertesystem der Familie Haniel[7]Bearbeiten

  • Gesellschafter bei Haniel kann man nur werden, wenn man durch Geburt, Adoption oder Heirat zur Familie gehört. Die Gesellschaftsanteile werden nur innerhalb der Familienstämme vererbt. Zurzeit gibt es knapp 680 Eigner.
  • Anteilsverkäufe innerhalb der Familie sind möglich. Der Erbstamm ist vorzugsberechtigt, erst dann erhalten die entfernteren Verwandten das Angebot. Die Preisfindung orientiert sich an den Gewinnerwartungen.
  • Seit 1917 sind bei den Haniels das Management und die Familie strikt getrennt. Kein Haniel darf bei Haniel arbeiten. Auch nicht als Praktikant.
  • Auf den Lebenswandel der Gesellschafter wird sehr geachtet. So führte die private Insolvenz eines der Familienmitglieder dazu, dass es seine Gesellschaftsanteile abgeben musste.
  • Die Gewinnausschüttung ist auf 25 % begrenzt.

GesellschafterversammlungBearbeiten

Die Treffen der Familien finden alljährlich im Frühling statt. Dazu gehört die Gesellschafterversammlung. Die Gesellschafterversammlung, an der meist nicht mehr als 250 Eigner teilnehmen, wählt die Gremien und legt die Höhe der Ausschüttungen fest. Es gibt einen Beirat aus 30 Gesellschaftern, der regelmäßigen Informationsaustausch zu den Eignern unterhält. Dieser Kreis bildet das eigentliche Machtzentrum des Konzerns. Darin vertreten sind neun Repräsentanten größerer Anteilspakete. Acht von ihnen sind gleichzeitig die Kapitalvertreter im mitbestimmten Aufsichtsrat, einer ist Ersatzmitglied.

Alle zwei Jahre veranstaltet die Holding ein Jugendtreffen, bei dem die Junggesellschafter einen der Geschäftsbereiche des Unternehmens kennenlernen. (die Altersgrenze liegt bei 40 Jahren).[7][8]

StiftungBearbeiten

1988 wurde die Haniel-Stiftung ins Leben gerufen. Das Stiftungsvermögen betrug zu Anfang rd. 10 Millionen DM, heute beläuft es sich auf 250 Millionen Euro. Die Aufgabe der Stiftung ist es talentierten Nachwuchskräften Stipendien zu gewähren, aber auch Hochschulkooperationen, Bildungschancen und Veranstaltungen anzubieten.

FamilienangehörigeBearbeiten

Zur Familie zählen unter anderem[9]

  1. Jacob Wilhelm Haniel (1734–1782), verheiratet mit der Unternehmerin Johanna Sophia Aletta, geborene Noot (1742–1815), Tochter des Zollbesehers Jan Willem Noot
    1. Wilhelm Haniel (1764–1819)
      1. Sophie Haniel (1798–1884), verheiratet mit dem Hütteninspektor und späteren JHH-Generaldirektor Wilhelm Lueg
    2. Johanna Sophia Haniel (1773–1843), verheiratet mit dem Hüttendirektor Gottlob Jacobi
    3. Gerhard Haniel (1774–1834), verheiratet mit Henriette Magdalen, geborene Huyssen (1783–1858), Schwester des Montanunternehmers Heinrich Arnold Huyssen und Schwägerin von Franz Haniel
      1. Carl Alex Haniel (1811–1861)
        1. Paul Haniel (1843–1892), Landrat des Landkreises Mülheim an der Ruhr (1879–1892)
          1. Karl Haniel (1877–1944), verheiratet mit Edith, geborene Schleicher, Tochter des Nadelfabrikaten Richard Schleicher aus Schönthal
      2. Bertha Friederike Haniel (1813–1899), verheiratet am 16. November 1837 mit Hugo Haniel (siehe 1.4.2.)
      3. Alphons Diederich Haniel (1814–1891)
        1. August Haniel (1852–1925), verheiratet mit Eugenie, geborene Wiesner
          1. Curt Alfons Haniel (1884–1914), Paläontologe
    4. Johannes Franciscus (Franz) Haniel (1779–1868), verheiratet mit Friederike Christine, geborene Huyssen (1785–1867), einer Schwester von Heinrich Arnold Huyssen und Schwägerin von Gerhard Haniel
      1. Eduard Haniel (1807–1826)
      2. Hugo Haniel (1810–1893), verheiratet mit Bertha, geborene Haniel (1813–1889) (siehe 1.3.2.)
        1. Adeline Haniel (1838–1915), verheiratet mit dem Bankier Theodor Böninger (1832–1908)
          1. Theodor Böninger (1863–1931)
            1. Hans Böninger (1897–1958)
        2. Franz Haniel junior (1842–1916), verheiratet mit Johanna, geborene Jacobi (1860–1953)
          1. Franz Haniel (1883–1965)
          2. Curt Berthold Haniel (1886–1951), Zoologe
            1. Klaus Haniel (1916–2006), verheiratet mit Johanna, geborene Lutterotti von Gazzolis und Langenthal (* 1918)
              1. Franz Markus Haniel (* 1955)
      3. Max Haniel (1813–1887), verheiratet mit Friederike, geborene Cockerill (1816–1854), Tochter des Stahl- und Bergbauunternehmers James Cockerill
        1. Maximilian Berthold Haniel (1841–1883), verheiratet mit Clara Haniel (1848–1916)
          1. Edgar Haniel von Haimhausen (1870–1935), verheiratet I. mit Margarethe, geborene von Brauchitsch (1873–1939), und II. mit Hedwig Freifrau von Branca, geborene Frankenburger (1890–1985)
        2. Nancy Haniel (1843–1896), verheiratet mit dem Unternehmer, Bankier und Kunstmäzen Barthold Suermondt (1818–1887)
          1. Otto Suermondt (1864–1941), mehrfach ausgezeichneter Herrenreiter im Galopprennsport
        3. Eduard James Haniel von Haimhausen (1844–1904), verheiratet mit Henriette, geborene Haniel (heiratete in zweiter Ehe den Diplomaten Anton Graf von Monts)
        4. Leonie Haniel (1848–1911), verheiratet mit dem Aachener Tuchfabrikanten Emil Lochner (1832–1900)
        5. John Eugen Louis von Haniel (1849–1912), Dr. phil., Landrat von Moers, Ehrenbürger der Stadt Moers, Geheimer Regierungsrat; preußischer Adelsstand 1899, verheiratet I. mit Fanny, geborene Stinnes (1857–1883), Tochter des Reeders Johann Gustav Stinnes und II. mit Helene, geborene zur Helle (1857–1927), Tochter des Laurensberger Rittergutbesitzers Adolf zur Helle und seiner Frau Clothilde, Tochter des Aachener Tuchfabrikanten Johann Friedrich Lochner
      4. Julius Haniel (1815–1880), verheiratet mit (Henriette Luise) Caroline Böcking (1840–1894), Tochter des Stahlindustriellen Heinrich Rudolf Böcking, Enkelin von Heinrich Böcking
        1. Richard Haniel (1865–1937), verheiratet mit Irmgard Ulrike Hertha, geborene von Levetzow (1886–1955)
        2. Franziska Friederike Ida Eugenie Haniel (1865–1954), verheiratet I. mit Ferdinand Albert Eckbrecht Graf von Dürckheim-Montmartin (1854–1935), II. mit Karl Otto Graf von Holnstein (1854–1934)
        3. Elsa Haniel (1871–1955),[10][11] verheiratet I. 15. Februar 1892 mit Friedrich (Heinrich Christian Ludwig) von Michael (1857–1929), Dr. jur., Gutsbesitzer auf Ihlenfeld und Groß Plasten, Rechtsritter des Johanniterordens; verheiratet II. 24. Juni 1921 mit Franz (Georg Kurt Eduard) Graf von Waldersee (1862–1927)
      5. Ludwig (Louis) Haniel (1817–1889), verheiratet mit Bertha, geborene de Greiff (1834–1909)
        1. Hugo Haniel (1854–1896), von 1882 bis 1896 Mitinhaber der Firma Haniel & Lueg in Düsseldorf-Grafenberg[12], verheiratet mit Bertha Carolina Franziska, geborene Böninger (1862–1936)
        2. Friederike Haniel (1855–1870)
        3. Thusnelde Haniel (1860–1931), verheiratet mit dem Maler Georg Oeder
      6. Friedrich Wilhelm Haniel (1820–1890), verheiratet mit Julie, geborene Liebrecht (1831–1902)
        1. Theobald Haniel (1852–1889), verheiratet mit Julie, geborene Liebrecht (1865–1928)
          1. Friedhelm Haniel (1888–1938), verheiratet mit Alice Bloem (1897–1937)
        2. Elvire Haniel (1853–1904), verheiratet mit Heinrich Eichwede (1845–1909), Ingenieur
          1. Kurt Eichwede (1877–1938), Dr., verheiratet mit Traute von Wegnern (* 1887)
          2. Bruno Eichwede (1881–1936), Dr. jur., Rechtshistoriker, Besitzer des Ritterguts Milmersdorf (Kreis Templin), verheiratet mit Frieda v. Haniel (1889–1974) der Tochter von John (Eugen Louis) von Haniel
          3. Alma Eichwede (1883-), verheiratet mit Karl Wach (1878–1952), Prof. Dipl.-Ing., Architekt und Hochschullehrer
          4. Ella Eichwede (* 1886)
        3. Alma Haniel (1856–1936), verheiratet mit Eduard Carp (1847–1924), Geheimer Justizrat
          1. Erna Carp (1881–1938), verheiratet mit Karl von Starck
          2. Adda Carp (* 1883), verheiratet mit Julius Curtius
          3. Werner Carp (* 1886), Industrieller in Düsseldorf, verheiratet mit Elsa, geborene Windthorst (* 1888)
          4. Hildegard Carp (* 1891), verheiratet mit Johann Jacob Franz Wagenführ von Arnim (* 1882), Eisenhüttenwerk-Besitzer in Tangerhütte
      7. Theobald Haniel (1824–1852)
      8. Richard Haniel (1826–1858)
      9. Thusnelde (Emilie) Haniel (1830–1903), verheiratet mit Philipp Heinrich Cockerill (1821–1903), Sohn von James Cockerill und Mitinhaber der Cockerillschen Werke in Seraing und später der Zechen Zollverein, Rheinpreußen und Neumühl, der Gutehoffnungshütte sowie der Firma Franz Haniel & Co.[13]
        1. Lucy Cockerill (1860–1913), verheiratet mit 1. Alfred Adelmann von Adelmannsfelden (1848–1887) aus dem schwäbischen Adelsgeschlecht Adelmann von Adelmannsfelden, 2. Richard Fleischer (1849–1937). Lucy Fleischer galt als eine der reichsten Deutschen ihrer Zeit.[14]
          1. Lucy Irma Reichsgräfin Adelmann v. Adelsmannsfelden (1884–1946), verheiratet mit Adolf Friedrich Hermann Pagenstecher (1877–1959), Direktor der Augenheilanstalt Wiesbaden
            1. Lucy Irma Lutterotti, geborene Pagenstecher (1928–2003), verheiratet mit 1. Rainer Horstmann (1920–1970), 2. Ludwig Lutterotti (1916–1980)

Heutzutage heißen viele der Familienstämme nicht mehr nur Haniel, sondern auch Böninger oder Horstmann.[15]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Vermögens-Ranking: So reich sind Deutschlands Milliardäre In: Wirtschaftswoche, 22. Juli 2015
  2. Portfolio Haniel Group (Stand Jan. 2016)
  3. Georg Meck: Das Unternehmen steht über dem Individuum. In: FAZ, 1. September 2007 (online)
  4. Martin Scheele: Familie Haniel. XXL-Händler von der Ruhr. In: Manager Magazin, 19. Juli 2005 (online)
  5. Kirsten Bialdiga, Martin Scheele: Franz Markus Haniel - Hüter der Familienwerte. In: Financial Times Deutschland, 21. September 2007 (online (Memento vom 1. August 2012 im Webarchiv archive.today))
  6. a b Kennzahlen der Haniel Holding ([1])
  7. a b Das Wertesystem der Haniels aus Manager Magazin, 9. Juni 2008, deutsch
  8. Familie Haniel: XXL-Händler von der Ruhr. In: Manager Magazin, 10. Juli 2005 (online)
  9. Harold James: Family Capitalism - Wendels, Haniels, Falcks, and the Continental European Model
  10. Elsa Haniel, Stammbaum
  11. Hauptfinanzier von Schloss Elmau
  12. Denkschrift zur Feier des 25. Jahrestages der Betriebseröffnung des Werkes von Haniel & Lueg, Düsseldorf-Grafenberg, 12. Februar 1899
  13. Das elfte Kind, die erste Tochter. Thusnelde Haniel. In: Haniel News, Zeitung für Mitarbeiter der Haniel-Gruppe, 12 / Dezember 1997, S. 11. (online)
  14. Kurt Pritzkoleit: Wem gehört Deutschland? Eine Chronik von Besitz und Macht. Kurt Desch Verlag, München 1957, S. 65.
  15. Harold James: Deutschlands Dynastien. Haniel, der Duisburg-Clan. In: Handelsblatt vom 7. Januar 2011 (online)

LiteraturBearbeiten

  • August Haniel: Zur Geschichte der Familie Haniel. Düsseldorf, 1913, 20 Seiten, mehrere Stammbäume und Beilagen.
  • Erich Haniel: Verwandtschaftstafeln der erweiterten Familie Haniel. Nürnberg, 1951, 22 Blätter und 18 teils mehrfach gefaltete Stammbaumtafeln im Anhang.
  • Max Karl Feiden, Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Haniel. Duisburg, 1956.
  • Hans Spethmann: Franz Haniel. Sein Leben und seine Werke. Duisburg, 1956.
  • Brigitte Koch: Haniels dürfen bei Haniel nicht arbeiten. Eine wirtschaftliche Keimzelle des Ruhrgebiets. Stuttgart, 1996.
  • Paul Schmidt-Thomé: Fam.Haniel. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 615 f. (Digitalisat).
  • Haniel-Museum (Hrsg.): Franz Haniel. Kurzbiographie. Duisburg, 1999.
  • Harold James: Familienunternehmen in Europa. Haniel, Wendel und Falck. 2005, C.H. Beck Verlag, ISBN 978-3-406-53510-9.
  • Bernhard Weber-Brosamer, Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Haniel 1756–2006: Eine Chronik in Daten und Fakten. Duisburg, 2006.
  • Franz Haniel & Cie. GmbH (Hrsg.): Die Haniel Geschichte 1756–2006. Duisburg, 2006.
  • Ulrich Viehöver: Die EinflussReichen: Henkel, Otto und Co – Wer in Deutschland Geld und Macht hat. 2006. ISBN 978-3-593-37667-7.
  • Harold James: Wendels, Haniels, Falcks, and the Continental European Model. 2006.

WeblinksBearbeiten