Hauptmenü öffnen

Handschriftencensus

Bestandsaufnahme deutschsprachigen Handschriften und Texte des Mittelalters

Der Handschriftencensus (HSC) setzt sich zum Ziel, Informationen zu sämtlichen deutschsprachigen Handschriften des Mittelalters in einer Internet-Datenbank zu vereinen. Er ist eine Bestandsaufnahme der handschriftlichen Überlieferung alt- und mittelhochdeutscher Texte des Mittelalters. Er enthält Informationen zu mehr als 5.600 Werken aus über 23.000 Handschriften, verteilt auf über 1.400 Bibliotheken/Archive (Dezember 2012). Er hat sich weltweit als Kompetenzzentrum zu Fragen der Überlieferungsdokumentation, der Bestandsermittlung, der Beschreibungsnormierung (Werke/Signaturen) und der Textidentifizierung für deutschsprachige Handschriften und Fragmente des Mittelalters etabliert. Von 2017 an wird der Handschriftencensus von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz langfristig institutionell getragen. Sitz der Arbeitsstelle wird das Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters an der Philipps-Universität Marburg.[1]

Aufbau und FunktionenBearbeiten

Jede Handschrift ist als eigenständiger Datensatz verzeichnet; die Beschreibung erfasst die Grunddaten. Aufgenommen werden – neben der zentralen inhaltlichen Verzeichnung – kodikologische Basisdaten wie Blattanzahl und -größe, Schreibmaterial, Entstehungszeit und Schreibsprache. Die Beschreibungen sind von sehr unterschiedlichem Niveau und werden laufend erweitert. Die Erschließungstiefe reicht vom einfachen Nachweis der Signatur (mit kurzem weiterführenden bibliographischem Hinweis) bis hin zur komplexen Erfassung kodikologischer, paläographischer, sprachlicher und literarischer Daten mit Sekundärliteratur und ggf. Verlinkungen zu anderen Online-Ressourcen (vor allem zu Handschriftendigitalisaten). Die größten Defizite gibt es bei den Materialien des 15. und frühen 16. Jahrhunderts, für die keine bzw. nur punktuelle Nachweisinstrumente vorliegen.

Der Benutzer hat auf der Startseite zwei Möglichkeiten, zu den Beschreibungen zu gelangen: Zum einen wird ein Gesamtverzeichnis der Handschriften (sortiert nach Aufbewahrungsorten) geboten, zum anderen sind die Handschriften in einem Autor-Werk-Verzeichnis aufgelistet. So stellt der Handschriftencensus nicht nur eine Gesamtübersicht über sämtliche deutschsprachigen Werke des Mittelalters bereit, sondern erarbeitet zugleich ein Verzeichnis der Institutionen, die im Besitz von deutschsprachigen Handschriften und Fragmenten sind.

Das Handschriftenverzeichnis listet alle bisher erfassten Textzeugen auf. Verzeichnet werden nicht bloß aktuelle Aufbewahrungsorte, sondern alle relevanten Besitzer des 19./20. Jahrhunderts, die in der Forschungsliteratur genannt werden, um auch Nennungen in älteren Arbeiten zuzuordnen.

Das Autor/Werk-Verzeichnis, das sich bei den Bezeichnungen an die 2. Auflage des Verfasserlexikons anlehnt, fasst überblickhaft die einschlägigen Textzeugen und deren aktuelle Aufbewahrungsorte und Signaturen zusammen. Im Anschluss an die Überlieferungszusammenstellung sind Editionen und Abdrucke aufgeführt. Auf in Vorbereitung befindliche Editionsvorhaben wird mit einem weiterführenden Link ("Siehe auch Editionsbericht") verwiesen. Die Teildatenbank 'Forschungsliteratur zu deutschsprachigen Handschriften des Mittelalters' bietet ein durchsuchbares, kumuliertes Gesamtverzeichnis aller bei den Einzelbeschreibungen des Handschriftencensus zitierten Literaturangaben. Gesondert können die Handschriftenkataloge angezeigt werden; es handelt sich um die umfangreichste Liste ihrer Art.

HerkunftBearbeiten

Die Arbeitsgruppe "Handschriftencensus" ist 2006 als ortsunabhängiger Verbund von Forschern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gegründet worden. Trotz der Ausmaße und der fachlichen Verankerung war das Projekt bisher aus institutioneller Sicht ein 'Freizeit'-Projekt. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe pflegen und ergänzen die Datenbank in Eigenleistung. Der HSC ist hervorgegangen aus den DFG-geförderten 'Marburger Repertorium deutschsprachiger Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts'. Seit 2007 wird er ergänzt um die ähnlich strukturierten Beschreibungen der deutschsprachigen Handschriften bis 1200 im 'Paderborner Repertorium der deutschsprachigen Textüberlieferung des 8. bis 12. Jahrhunderts'.

BeteiligungBearbeiten

Für die Aktualisierung und Ergänzung der Einträge wie auch für Hinweise auf bisher nicht berücksichtigte Handschriften besteht die Möglichkeit, der Arbeitsgruppe Mitteilungen zu einzelnen Handschriften zukommen zu lassen. Unterhalb jeder Handschriftenbeschreibung befindet sich die entsprechende Mitteilungsfunktion. Fast 470 Personen haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht.

LiteraturBearbeiten

  • Klaus Klein: Grundlagen auf dem Weg zum Text: www.handschriftencensus.de, in: Wege zum Text. Überlegungen zur Verfügbarkeit mediävistischer Editionen im 21. Jahrhundert. Grazer Kolloquium 17.–19. September 2008, hg. von Wernfried Hofmeister und Andrea Hofmeister-Winter (Beihefte zu editio 30), Tübingen 2009, S. 113–119.
  • Nathanael Busch: www.handschriftencensus.de. Eine Datenbank sammelt Informationen zu deutschsprachigen Handschriften aus Hessen, in: Archiv-Nachrichten aus Hessen 12/1 (2012), S. 28–30. (online)

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten