Han Ying (Tischtennisspielerin)

deutsche Tischtennisspielerin
Han Ying Tischtennisspieler
Han Ying
Han Ying (2013)
Nation: DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtsdatum: 29. April 1983
Geburtsort: Liaoning
Spielhand: Rechtshänderin
Spielweise: Abwehrspielerin
Aktueller Weltranglistenplatz: 27 Vorlage:Infobox Tischtennisspieler/Wartung/Lokaler Wert
Bester Weltranglistenplatz: 6 (März 2017)
Aktueller kontinentaler Ranglistenplatz: 4
Bester kontinentaler Ranglistenplatz: 1
Aktueller nationaler Ranglistenplatz: 1
Bester nationaler Ranglistenplatz: 1
Vereine als Aktive(r):
2002–2005 DeutschlandDeutschland TV Busenbach
2005–2012 DeutschlandDeutschland MTV Tostedt
seit 2012 PolenPolen KTS Tarnobrzeg
Letzte Aktualisierung der Infobox: 22. Februar 2020

Han Ying (chinesisch 韓瑩 / 韩莹, Pinyin Hán Yíng, * 29. April 1983 in Liaoning, Volksrepublik China) ist eine deutsche Tischtennisspielerin chinesischer Abstammung. Sie wurde 2018 deutsche Meisterin im Einzel und 2011 im Doppel sowie 2013, 2014 und 2015 Europameisterin mit der Mannschaft. Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro gewann sie Silber im Mannschaftswettbewerb.

WerdegangBearbeiten

 
German Open 2017, Han Ying

Die Abwehrspielerin Han Ying[1] spielte beim chinesischen Verein Huang Hai Road. 2002 übersiedelte sie nach Deutschland und schloss sich dem Bundesligisten TV Busenbach an.[2] Mit dessen Damenmannschaft erreichte sie 2004 im ETTU Cup das Endspiel und wurde ein Jahr später Deutscher Mannschaftsmeister. 2005 wechselte sie zum MTV Tostedt[3], wo sie bis 2012 aktiv war. Als dessen Damenteam 2012 aus der Bundesliga zurückgezogen wurde, schloss sie sich dem polnischen Verein KTS Zamek Tarnobrzeg an,[4] mit dem sie 2016 polnischer Meister wurde[5] und 2018/19 die Champions League gewann.[6]

Ende 2010 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft.[7] Daraufhin trat sie im Januar 2011 erstmals international für Deutschland an, als sie am ITTF Pro Tour Turnier in England teilnahm.[8]

Zudem ist sie seitdem auch berechtigt, an den nationalen deutschen Meisterschaften teilzunehmen. Sie qualifizierte sich für die DM 2011 in Bamberg. Hier wurde sie zusammen mit Irene Ivancan deutsche Meisterin im Doppel, nachdem sie das Endspiel gegen Zhenqi Barthel/Kristin Silbereisen gewonnen hatten. Im Einzel verlor sie im Halbfinale gegen Zhenqi Barthel nach 90-minütigem Kampf im siebten Satz. 2012 nahm sie an den Qatar Open teil, bei denen sie unter anderem die Weltranglisten-Fünfte Feng Tianwei schlug und das Viertelfinale erreichte.[9] Im März erreichte sie so Weltranglistenplatz 40 und damit erstmals eine Platzierung unter den besten 100.[10]

Bei der Europameisterschaft 2013 in Schwechat gewann Han Ying mit der deutschen Mannschaft den Titel. Dabei siegte die Abwehrspielerin in allen ihrer fünf Einzelspiele. Im Einzel unterlag sie im Halbfinale ihrer Teamkollegin Shan Xiaona und gewann damit die Bronzemedaille. 2014 holte sie bei den Korea Open ihren ersten Einzeltitel auf der World Tour und gab dabei im Turnierverlauf keinen Satz ab,[11] wodurch sie in der Weltrangliste zum ersten Mal in die Top 10 vorrückte und damit bestplatzierte Europäerin wurde.[12] In Lissabon wurde sie mit dem deutschen Team erneut ohne Niederlage Europameisterin. Zudem qualifizierte sie sich für die World Tour Grand Finals, bei denen sie aber in der ersten Runde gegen Yu Mengyu ausschied.[13] Bei den Europaspielen 2015 holte sie zusammen mit Shan Xiaona und Petrissa Solja Mannschaftsgold, genauso wie bei der Europameisterschaft 2015 in Jekaterinburg. Ende des Jahres schlug sie im Einzelwettbewerb der Grand Finals Europameisterin Elizabeta Samara,[14] bevor sie im Viertelfinale der Weltmeisterin und späteren Siegerin Ding Ning unterlag.[15]

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro schied Han Ying im Einzelwettbewerb im Viertelfinale erneut gegen die spätere Goldmedaillengewinnerin Ding Ning aus. Im Teamwettbewerb gewann sie Silber, nachdem die deutsche Auswahl Japan geschlagen und im Finale gegen China verloren hatte.[16] Zudem qualifizierte sich Han wieder für die Grand Finals, bei denen sie nach Siegen über Mima Itō und Miu Hirano sowie nach der krankheitsbedingten Aufgabe von Ding Ning das Finale erreichte, das gegen Zhu Yuling verloren ging.[17] Im Februar 2017 kletterte sie auf Weltranglistenplatz 6, was eine neue persönliche Bestmarke darstellte. Nach drei Titelgewinnen in Folge trat Deutschland bei der EM 2017 als Favorit an, gewann nach einer Finalniederlage gegen Rumänien aber nur Silber.[18] Im Einzel kam Han 2017 ins Halbfinale der Japan und Czech Open und qualifizierte sich zum vierten Mal in Folge für die Grand Finals, wo sie aber in der ersten Runde an Kasumi Ishikawa scheiterte.[19]

Nachdem sie seit April 2014 konstant einen Platz unter den besten 15 der Weltrangliste belegt hatte, fiel sie dann mit Einführung der neuen Weltranglistenberechnung im Januar 2018 auf Platz 32 zurück. Im selben Jahr wurde sie aber zusammen mit Ruwen Filus Europameisterin im Mixed, im Einzel schied sie im Viertelfinale aus. 2019 startete sie als erste Deutsche in der japanischen T.League[20] und gewann bei den zweiten Europaspielen Silber im Einzel sowie Gold mit der Mannschaft.[21] Bei der Team-EM wenige Monate später verlor Deutschland allerdings überraschend bereits im Viertelfinale gegen Portugal.[22]

Bei ihrem Verbandswechsel 2010 galt die Regelung, dass sie nicht an Weltmeisterschaften und World Cups teilnehmen darf. 2018 entschärfte der ITTF-Kongress diese Bestimmung. Demnach gilt nun lediglich eine Sperrfrist von neun Jahren. Somit ist Han Ying bei der WM 2020 spielberechtigt[23] und konnte 2020 auch zum ersten Mal am Europe Top 16 teilnehmen, bei dem sie das Viertelfinale erreichte.[24]

PrivatBearbeiten

Han Ying wohnt in Düsseldorf im Stadtteil Knittkuhl und ist seit 2006 verheiratet mit dem ebenfalls aus China stammenden deutschen Tischtennisspieler Yang Lei, der in der 3. Bundesliga Nord beim SV Brackwede spielt.[25] Im Jahr 2012 bekam sie ihr erstes Kind.[4]

Ergebnisse aus der ITTF-DatenbankBearbeiten

Verband Veranstaltung Jahr Ort Land Einzel Doppel Mixed Team
GER Europameisterschaft 2019 Nantes FRA Viertelfinale
GER Europameisterschaft 2018 Alicante ESP Viertelfinale Gold
GER Europameisterschaft 2017 Luxemburg LUX 2
GER Europameisterschaft 2016 Budapest HUN Viertelfinale
GER Europameisterschaft 2015 Jekaterinburg RUS Viertelfinale Halbfinale 1
GER Europameisterschaft 2014 Lissabon POR 1
GER Europameisterschaft 2013 Schwechat AUT Halbfinale 1
GER Europaspiele 2019 Minsk BLR Silber 1
GER Europaspiele 2015 Baku AZE Viertelfinale 1
GER Europe Top 16 2020 Montreux SUI Viertelfinale
GER Olympische Spiele 2016 Rio de Janeiro BRA Viertelfinale 2
GER Pro Tour 2020 Budapest HUN Halbfinale
GER Pro Tour 2017 Olmütz CZE Halbfinale
GER Pro Tour 2017 Tokio JPN Halbfinale Viertelfinale
GER Pro Tour 2016 Stockholm SWE Halbfinale
GER Pro Tour 2016 Doha QAT Viertelfinale
GER Pro Tour 2016 Kuwait-Stadt KUW Viertelfinale
GER Pro Tour 2016 Berlin GER Letzte 16 Silber
GER Pro Tour 2015 Lissabon POR Viertelfinale
GER Pro Tour 2015 Stockholm SWE Viertelfinale
GER Pro Tour 2015 Warschau POL Letzte 32
GER Pro Tour 2015 Wels AUT Gold
GER Pro Tour 2015 Olmütz CZE Halbfinale
GER Pro Tour 2015 Chengdu CHN Viertelfinale
GER Pro Tour 2015 Bremen GER Letzte 32 Letzte 16
GER Pro Tour 2015 Doha QAT Silber
GER Pro Tour 2015 Kuwait City KUW Letzte 16 Silber
GER Pro Tour 2014 Stockholm SWE Halbfinale Viertelfinale
GER Pro Tour 2014 Olmütz CZE Letzte 32 Viertelfinale
GER Pro Tour 2014 Incheon KOR Gold Letzte 16
GER Pro Tour 2014 Chengdu CHN Letzte 16 Halbfinale
GER Pro Tour 2014 Magdeburg GER Halbfinale Letzte 16
GER Pro Tour 2014 Doha QAT Letzte 32 Letzte 16
GER Pro Tour 2014 Kuwait City KUW Letzte 16 Halbfinale
GER Pro Tour 2013 Berlin GER Halbfinale Letzte 16
GER Pro Tour 2013 Olmütz CZE Viertelfinale Viertelfinale
GER Pro Tour 2013 Doha QAT Letzte 16 Viertelfinale
GER Pro Tour 2012 Doha QAT Viertelfinale
GER Pro Tour 2011 Dortmund GER Letzte 64
GER Pro Tour 2011 Sheffield ENG Letzte 64 Letzte 16
GER World Tour Grand Finals 2017 Astana KAZ Letzte 16
GER World Tour Grand Finals 2016 Doha QAT Silber
GER World Tour Grand Finals 2015 Lissabon POR Viertelfinale
GER World Tour Grand Finals 2014 Bangkok THA Letzte 16

Quellen: siehe unten[26][27]

Verlauf der Position in der WeltranglisteBearbeiten

 
Weltranglisten-Positionen bis März 2016

LiteraturBearbeiten

  • Susanne Heuing: Alles eine Frage des Willens, Porträt, Zeitschrift tischtennis, 2014/9, S. 8–11
  • Susanne Heuing: Deutsch-chinesische Schlagkraft: Wie Tischtennisspielerin Han Ying eine neue Heimat fand. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 4. Oktober 2015, S. 36

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tischtennis Magazin, Offizielles Organ des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen 2008/9 S. 3
  2. Zeitschrift DTS, 2002/6 Seite 18 + 2002/8 S. 32
  3. Vereinswechsel von Busenbach nach Tostedt (Memento vom 18. September 2012 im Webarchiv archive.today), abgerufen am 9. April 2011
  4. a b Han und Duda werden Mitglieder im B-Kader (Memento vom 28. Juli 2013 im Internet Archive), Meldung vom 24. Juli 2013, auf tischtennis.de, abgerufen am 20. Mai 2019
  5. Zeitschrift DTS, 2016/6 S. 7
  6. Zeitschrift DTS, 2019/6 S. 6
  7. English Open: Irene Ivancan bezwingt Zhu Fang und spielt gegen Samara um den Einzug in das Achtelfinale (Memento vom 31. Januar 2011 im Internet Archive), Meldung vom 28. Januar 2011, auf tischtennis.de, abgerufen am 20. Mai 2019
  8. English Open: Pro-Tour-Debüt für Tostedts Spitzenspielerin Han Ying (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), Meldung vom 26. Januar 2011, auf tischtennis.de, abgerufen am 20. Mai 2019
  9. Katar: Viertelfinalaus für Franziska und Han nach einem Riesenturnier. mytischtennis.de, 9. Februar 2012, abgerufen am 13. September 2019.
  10. WRL: Boll nur noch Sechster, Han 105 Plätze nach oben. mytischtennis.de, 1. März 2012, abgerufen am 13. September 2019.
  11. Bärenstark: Han Ying gewinnt Korea Open ohne Satzverlust. mytischtennis.de, 15. Juni 2014, abgerufen am 13. September 2019.
  12. Weltrangliste: Han Ying in Top 10 und an Europas Spitze. mytischtennis.de, 9. Juli 2014, abgerufen am 13. September 2019.
  13. Grand Finals: Ovtcharov beendet Niederlagen-Serie! mytischtennis.de, 12. Dezember 2014, abgerufen am 13. September 2019.
  14. Grand Finals: Ovtcharov und Han stehen im Viertelfinale. mytischtennis.de, 11. Dezember 2015, abgerufen am 13. September 2019.
  15. Grand Finals: Han Ying fordert Ding, Ma besiegt ‚Dima'. mytischtennis.de, 13. Dezember 2015, abgerufen am 13. September 2019.
  16. Tischtennis-Frauen gewinnen Silber. ZEIT ONLINE, 17. August 2016, abgerufen am 13. September 2019.
  17. Grand Finals: Finalniederlage für Han Ying. mytischtennis.de, 11. Dezember 2016, abgerufen am 13. September 2019.
  18. Silbertränen. SZ-Online, 17. September 2017, abgerufen am 13. September 2019.
  19. Grand Finals: Timo Boll zieht ins Halbfinale ein. mytischtennis.de, 15. Dezember 2017, abgerufen am 13. September 2019.
  20. Zeitschrift DTS, 2019/2 S. 7
  21. Europaspiele: Deutsche Tischtennisspieler feiern in Minsk. sportschau.de, 29. Juni 2019, abgerufen am 13. September 2019.
  22. EM: DTTB-Damen im Viertelfinale ausgeschieden! mytischtennis.de, 6. September 2019, abgerufen am 13. September 2019.
  23. Zeitschrift DTS, 2018/5 S. 21
  24. Europe Top 16: Ovtcharov reist mit Grippe ab - Boll und Solja im Halbfinale. mytischtennis.de, 8. Februar 2020, abgerufen am 9. Februar 2020.
  25. Susanne Heuing: Brackweder Glücksfall - Der Chinese Lei Yang verstärkt den Regionalligisten und kümmert sich um die Jugend, Artikel vom 29. August 2014 in der Neuen Westfälischen, abgerufen am 4. März 2018
  26. Han Ying (Tischtennisspielerin) Ergebnisse aus der ITTF-Datenbank auf ittf.com (abgerufen am 23. Juni 2014)
  27. International Table Tennis Federation – ITTF: Spielerstatistik (Memento vom 15. April 2016 im Internet Archive), abgerufen am 20. Mai 2019